Coronavirus
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Johann Strauss und die kleine Meerjungfrau mit Schutzmaske

Der österreichische Komponist Johann Strauss wurde von Wienern mit einer Schutzmaske ausgerüstet – bei der kleinen Meerjungfrau in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen haben wir bezüglich Corona-Look mit Photoshop nachgeholfen. Bild: watson/keystone/shutterstock

Sie sind uns mit Lockerungen einen Schritt voraus: So läuft's in Österreich und Dänemark

Die ersten Lockdown-Lockerungen in der Schweiz sind vollzogen. Österreich und Dänemark haben diesen Schritt schon länger hinter sich. Wie hat sich die Situation entwickelt? Und was können wir erwarten? Ein Vergleich.



Am Montag hat die Schweiz den allerersten Schritt in Richtung Normalität gemacht: Gartencenter, Blumenläden, Coiffeure und einige andere Geschäfte und Dienstleister öffneten ihre Türen.

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Der Bundesrat konnte sich zu dieser Lockerung durchringen, weil die täglichen Neuinfektionen in den letzten Wochen deutlich abnahmen. Ob dieser Trend trotz der heutigen Lockerung bestehen bleibt, wird sich erst mit bis zu zwei Wochen Verzögerung zeigen. Und das ist auch der Grund, warum die zweite Etappe – die Öffnung der öffentlichen Schulen – erst Mitte Mai erfolgt. Würden die Fallzahlen nämlich entgegen der Erwartungen wieder ansteigen, könnte der Bundesrat die Notbremse ziehen.

Andere europäische Länder haben ihre Lockdowns schon vor zwei Wochen gelockert. Werfen wir einen Blick auf die beiden europäischen Vorzeigeländer Österreich und Dänemark. In Bezug auf die Fläche und vor allem auch auf die Einwohnerzahl sind sie vergleichbar mit unserer Situation in der Schweiz.

Bild

Bild: watson

Allerdings wurden beide Länder deutlich weniger stark heimgesucht vom Coronavirus – die Schweiz hat trotz ähnlicher Bevölkerungsgrösse rund doppelt so viele positiv Getestete wie Österreich, das allerdings auch sehr schnell reagiert und Lockdown-Massnahmen umgesetzt hat.

Bei den Toten ist der Unterschied noch deutlicher zu sehen: Die Schweiz hat mit über 1300 Toten eine klar höhere Sterblichkeit zu verzeichnen als die beiden Vergleichsländer.

Chronologie der Lockdowns

Vergleicht man die Chronologie der Corona-Verbreitung in den drei Ländern, sieht man deutliche Unterschiede. Dänemark hat fast eine Woche schneller reagiert, nämlich am 12. März. Und dies, obwohl der Lockdown in Dänemark vergleichsweise schwach war – dazu später mehr.

Österreich hat am 10. März bereits Einreisebeschränkungen verhängt, grössere Veranstaltungen verboten und Social-Distancing-Regeln eingeführt. Ab dem 16. März galten in Österreich zudem Quarantäne und Ausgangsbeschränkungen, zusätzlich wurden dann alle Geschäfte geschlossen.

In der Schweiz verhängte der Bundesrat am 17. März den Lockdown. Die Zahlen aller drei Länder bewegten sich zu dieser Zeit noch in einem ähnlichen Rahmen.

Nur schon eine Woche später verzeichnete die Schweiz deutlich mehr Neuinfizierte pro Tag. Es verwundert daher auch nicht, dass bei uns die Lockerungen erst zwei Wochen später folgen.

Neuinfizierte in den drei Ländern im Vergleich

Chronologie Lockdown Schweiz Österreich Dänemark

Bild: watson

Österreich

Seit Mitte März läuft unser östlicher Nachbar auf Minimalbetrieb. Kanzler Sebastian Kurz hat damals mit Ausnahme von Lebensmittelläden und Drogerien den gesamten Einzelhandel geschlossen. Auch die Gastronomie ist seither zu. Ähnlich wie in der Schweiz gibt's Versammlungsverbote für grössere Gruppen und es gelten Ausgangsbeschränkungen.

Seit dem 14. April will man das Land jetzt schrittweise wieder öffnen. Geschäfte mit einer Fläche von 400 oder weniger Quadratmetern sowie Bau- und Gartenmärkte wurden zunächst geöffnet – wenn auch mit Limitierungen, was die Anzahl Kunden angeht. Ausserdem herrscht eine Maskenpflicht.

epa08379983 The Johann Strauss Monument is adorned with a protective face mask, during the ongoing pandemic of the COVID-19 disease caused by the SARS-CoV-2 coronavirus, at the Stadtpark (City Park) in Vienna, Austria, 23 April 2020.  EPA/CHRISTIAN BRUNA

Ist das Kunst? Der Komponist Johann Strauss geht – als Statue in Wien – mit gutem Beispiel voraus. Bild: EPA

Und mit diesen Massnahmen scheinen die Österreicher Corona unter Kontrolle zu haben. Die Zahl der täglich Neuinfizierten sank seit der ersten Lockerung nochmals deutlich und bewegte sich in den letzten Tagen unter 100 Personen.

Über diesen Meilenstein zeigte sich Bundeskanzler Sebastian Kurz auch sehr stolz. In seiner Rede am Montag zum 75. Jahrestag der Gründung der Zweiten Republik betonte er, dass man dankbar sein sollte für die aktuelle Situation – man vergleiche nur die Entwicklungen in Italien oder Spanien. Er machte Österreich Mut für die kommenden Schritte, mahnte allerdings auch: «Ich kann Ihnen nicht versprechen, dass von heute auf morgen alles so sein wird, wie es mal war.»

«Der Wiederaufbau hat gerade erst begonnen.»

Sebastian Kurz über die Coronakrise in Österreich

Aber Österreich macht weiter vorwärts. Ab Freitag hebt das Land seine Ausgangsbeschränkungen auf. Nach fast sieben Wochen sei lediglich ein Mindestabstand von einem Meter zu anderen Menschen einzuhalten. Anfang Mai dürfen laut Exit-Fahrplan alle Geschäfte sowie viele Dienstleister wie Friseure wieder öffnen. Lokale und Restaurants sollen Mitte Mai folgen. Unklar ist noch, wann der für Österreich so wichtige Tourismus wieder beginnen kann. Grossveranstaltungen sind bis Ende August abgesagt.

Dänemark

Auch Dänemarks Regierung scheint vieles richtig zu machen: Es verzeichnete bisher «nur» rund 400 Tote im Zusammenhang mit COVID-19. Und das, obwohl die dänische Regierung einen vergleichsweise laschen Lockdown verhängte. Viele Geschäfte blieben geöffnet, von der Schliessung betroffen waren beispielsweise Gastronomie, Fitnesscenter und Coiffeure. Anders als in der Schweiz wurde den Dänen auch nicht explizit empfohlen, zu Hause zu bleiben.

Doch den Peak hatte Dänemark Mitte April hinter sich und Premierministerin Mette Frederiksen wollte die dänische Wirtschaft demnach auch «nicht länger ausbremsen als nötig».

Seit knapp zwei Wochen sind also beispielsweise die Schulen für Kinder bis zu 11 Jahren wieder geöffnet, damit deren Eltern sich auf ihre Arbeit konzentrieren können. Der Unterricht findet nach Möglichkeit draussen statt und der Abstand soll so konsequent wie möglich eingehalten werden.

Rebekka Hjorth holds an outdoor music lesson at the Korshoejskolen in Randers, Denmark, Wednesday, April 15, 2020. Denmark is beginning to relax its strict coronavirus lockdown measures by allowing some classes to return nationwide Wednesday to school. (Bo Amstrup/Ritzau Scanpix via AP)

Alles, was möglich ist, wird in Dänemark draussen unterrichtet: so auch diese Musik-Lektion. Bild: AP

Obwohl inzwischen viele Experten der Meinung sind, dass Kinder keine Vektoren sind und das Coronavirus kaum an andere Personen weitergeben, ist die Schulöffnung nicht überall gut angekommen. Dänische Eltern organisieren sich in einer Facebook-Gruppe mit dem Namen «Mein Kind soll kein Versuchskaninchen für COVID-19 sein», sie hat inzwischen über 40'000 Mitglieder.

Der Grossteil der Bevölkerung scheint aber hinter dem Entscheid der Regierung zu stehen und die Empfehlungen weiterhin zu befolgen. Die Zahl der Neuinfizierten blieb seit der ersten Lockerung vor zwei Wochen einigermassen stabil. Mit der tiefen Kurve von Österreich können die Dänen nicht mithalten – aber mit um die 200 Neuinfizierten pro Tag bewegen sie sich etwa im Rahmen der Schweizer Zahlen.

Die nächste Lockerungs-Etappe in Dänemark ist für den 10. Mai angedacht. Restaurants und Cafés sollen wieder aufgehen und Menschenansammlungen mit über 10 Personen sollen wieder erlaubt sein. Grossveranstaltungen bleiben bis August verboten.

Datenquelle

Die Fallzahlen stammen vom European Centre for Disease Prevention and Control.

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