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Paläontologie: Neandertaler und moderne Menschen hatten früh gemeinsame Kinder



Dass der moderne Mensch Erbgut das Neandertalers in sich hat, ist bekannt. Nun haben Forscher herausgefunden, dass es zuweilen auch umgekehrt ist. Und: Die modernen Menschen hatten demnach schon viel früher Liebeleien mit ihren archaischen Verwandten als gedacht.

Neandertaler und moderne Menschen haben sich schon viel früher vermischt als bisher angenommen. Das berichten Forscher um Martin Kuhlwilm vom Max-Planck-Institut (MPI) für evolutionäre Anthropologie in Leipzig. Im Genom eines Neandertalers aus dem Altai-Gebirge in Zentralasien entdeckten sie Erbgutstückchen von modernen Menschen.

Anhand des Alters der untersuchten Knochen und der Beschaffenheit des Erbguts ergibt sich den Forschern zufolge, dass Neandertaler und moderne Menschen schon vor etwa 100'000 Jahren gemeinsame Kinder hatten - und damit mehrere Zehntausend Jahre früher als bisher angenommen. Sie berichten darüber im Fachmagazin «Nature».

Liebeleien mit archaischen Verwandten

Dass der moderne Europäer ein bis vier Prozent seines Erbguts dem Neandertaler verdankt, ist seit einigen Jahren bekannt. Es bedeutet, dass die von Afrika nach Eurasien gezogenen modernen Menschen vor etwa 47'000 bis 65'000 Jahren hin und wieder Liebeleien mit ihren archaischen Verwandten eingegangen sein müssen, aus denen Nachwuchs mit gemischtem Erbgut hervorging.

Die nun veröffentlichte Entdeckung der Forscher zeigt aber, dass nicht nur der Neandertaler seine Gene im modernen Menschen (Homo sapiens) hinterlassen hat - auch er trug umgekehrt DNA des modernen Menschen in sich.

Das gilt allerdings nicht für alle: Die Wissenschaftler untersuchten neben dem Erbgut der Knochen aus dem Altai-Gebirge auch das von zwei Neandertalern, die in europäischen Höhlen gefunden wurden. Darin entdeckten sie keine Spuren des modernen Menschen. «Das bringt uns zu dem Schluss, dass die Vermischung im asiatischen Raum stattgefunden hat», sagte Kuhlwilm.

Einflüsse der Neandertaler-Erbinformation

Der Neandertaler gilt heute als weltweit am besten erforschter Urmensch. Der frühe Verwandte des Homo sapiens hat seinen Namen vom Fundort seiner Knochen - dem Neandertal bei Düsseldorf in Nordrhein-Westfalen.

Was die Neandertaler in unserem Erbgut hinterlassen haben, ist wiederum nicht nur Gutes, wie eine weitere Studie jüngst ergab. Das Risiko, von Nikotin abhängig zu werden, werde ebenso von Neandertaler-Erbgut beeinflusst wie das für Depressionen, berichteten Forscher im Fachmagazin «Science».

«Das Gehirn ist unglaublich komplex, darum ist gut nachvollziehbar, dass es negative Konsequenzen haben kann, wenn aus einem ganz anderen evolutionären Pfad stammende Änderungen eingebracht werden», erklärte die Hauptautorin Corinne Simonti.

Stärkeres Immunsystem und Kältetoleranz

Anderseits haben Neandertaler-Gene nach einer früheren Studie der MPI-Forscher das Immunsystem des modernen Menschen gestärkt («American Journal of Human Genetics»). US-Forscher fanden heraus, dass Gene von Neandertalern den Vorfahren moderner Menschen wahrscheinlich dabei geholfen haben, sich an die kühlere Umgebung ausserhalb Afrikas anzupassen.

Neandertaler-Erbgut ist demnach in heutigen Europäern und Ostasiaten insbesondere an Stellen vorhanden, an denen Wachstum und Ausgestaltung von Haut und Haaren geregelt werden («Nature»). (sda/dpa)

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