DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bei diesem Fragment soll es sich laut den Wissenschaftlern um verglastes Hirnmaterial handeln.
Bei diesem Fragment soll es sich laut den Wissenschaftlern um verglastes Hirnmaterial handeln.Bild: AP

Tödliche Hitze – beim Ausbruch des Vesuvs schmolz das Hirn eines Opfers zu Glas

29.01.2020, 21:10

Die Leute in den Ortschaften am Fusse des Vesuvs hatten keine Chance. Als der Vulkan im Jahr 79 n. Chr. ausbrach, regnete es zunächst heisse Asche und Bimssteine auf die Felder und Häuser, dann überrollten mehrere pyroklastische Ströme Pompeji und Herculaneum. Wer noch nicht in den giftigen Aschewolken umgekommen war, starb nun in der Hitze dieser tödlichen Wellen aus Asche, Gas und heissem Gestein.

Einer von ihnen fand im Collegium Augustalium in Herculaneum den Tod, einem dem Kaiser-Kult gewidmeten Gebäude. Der etwa 25-jährige Mann, womöglich der Hausmeister, lag mit dem Gesicht nach unten auf einer hölzernen Liege, als er starb und unter einer Ascheschicht begraben wurde. Seine vollständig verkohlten Überreste wurden zwar schon in den 1960er Jahren gefunden, doch erst jetzt untersuchten Wissenschaftler um den forensischen Anthropologen Pierpaolo Petrone von der Universität Neapel Federico II. den Toten eingehend.

Dabei machten die Forscher einen bizarren Fund: Im Schädel des Mannes stiessen sie auf glasartige Strukturen in Form von winzigen, dunkel glänzenden Fragmenten, wie sie im «New England Journal of Medicine» berichten. Das Gehirn des Opfers habe sich bei den hohen Temperaturen in Glas verwandelt, sagt Petrone. So etwas sei bisher noch nie entdeckt worden, weder in der Archäologie noch in der Forensik.

«Dieser Fund ist etwas Besonderes», sagte Petrone, der sich seit 25 Jahren mit den Toten des Vulkanausbruchs beschäftigt. «Ich sah etwas glitzern im Inneren des Schädels und wusste sofort, dass ich da etwas beinahe Einmaliges vor mir habe.»

1 / 20
Der Ausbruch des Vesuvs, 79 n. Chr.
quelle: pier paolo petrone
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Dass die glänzenden Fragmente Überreste des Gehirns sind, ergibt sich für die Anthropologen aus dem Vorhandensein chemischer Bestandteile, die nicht aus der Aschewolke stammen können. Unter anderem isolierten sie fünf Proteinarten, von denen einige typischerweise in Gehirnen, aber auch in menschlichen und pflanzlichen Fetten vorkommen. Bei den anderen handelt es sich um Fettsäuren, die in menschlichem Haarfett zu finden sind.

Die «Verglasung» habe stattgefunden, weil das Gewebe sehr hohen Temperaturen ausgesetzt gewesen und danach schnell abgekühlt sei. Die Analyse des verkohlten Holzbetts, auf dem der Tote lag, habe gezeigt, dass die Temperatur mindestens 520 Grad Celsius erreicht haben musste.

Andere Wissenschaftler bezweifeln, dass es sich bei den glasartigen Fragmenten tatsächlich um Hirnmaterial handelt. Die vorgefundenen Fettsäuren seien kein hinreichender Beweis für diese These, sie seien lediglich typisch für pflanzliche oder tierische Fette oder Haare.

(dhr, mit Material der Nachrichtenagentur sda)

Der Ausbruch des Vesuvs im Jahr 79 n. Chr.
Die verheerendste Eruption des einzigen Vulkans auf dem europäischen Festland fand im Sommer oder Herbst des Jahres 79 n. Chr. statt. Ihr fielen mehrere tausend Menschen zum Opfer; die Ortschaften Pompeij, Herculaneum, Oplontis und Stabiae wurden zerstört und unter Aschemassen begraben. Der Ausbruch begann um die Mittagszeit, als der Propfen, der den Vulkanschlot verstopfte, herausgeschleudert wurde. Die Eruptionssäule erreichte die Stratosphäre. In den folgenden Stunden regnete es Asche und Gesteinsbrocken. Kurz nach Mitternacht brach die Eruptionssäule zusammen, worauf nacheinander sechs pyroklastische Ströme die Umgebung verwüsteten. Danach brach die Gipfelregion des Vesuvs ein und es entstand eine Caldera, in der sich ein neuer Kegel bildete. Insgesamt warf der Vesuv bei der Eruption 3,3 km3 Material aus.
Quelle: Wikipedia

Vulkan Stromboli brodelt erneut

Video: srf
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Supervulkane

1 / 16
Supervulkane
quelle: ivan koulakov
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Der Ätna meldet sich zurück

Video: srf

Abonniere unseren Newsletter

7 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
7
Der nackte Narrendoktor
An Naturheiler Arnold Rikli schieden sich die Geister. Seine ganzheitliche Therapieform mit Nacktbaden verwirklichte er in einer eigenen Heilanstalt. Nicht in der Schweiz, sondern im heutigen Slowenien. Das inspirierte, denn der Monte Verità geht letztlich auf Rikli zurück.

Eigentlich hatten die Eltern sich etwas ganz Anderes mit ihrem Sohn im Sinn: Dass dieser einst ein «Narrendoktor» und «Robinson der Alpen» werden würde, hätte niemand gedacht. 1823 kam Arnold Rikli in Wangen an der Aare zur Welt, sein Vater Abraham Friedrich Rikli war einflussreicher Politiker und erfolgreicher Besitzer einer Färberei. So begann auch Arnold Rikli im Alter von 20 Jahren seine berufliche Laufbahn als Betriebsassistent in der väterlichen Färberei. Doch der junge Mann hatte schon damals andere Interessen als sein Vater: Er brannte für die Naturheilkunde und machte damit Experimente.

Zur Story