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Nachhalterin

Mehl kommt bei mir auch künftig noch immer eher ins Gebäck als in die Haare. Immerhin fühlt sich das Roggenmehl angenehm glitschig an. Bild: Jennifer Zimmermann

Die Nachhalterin

4 Pflegeprodukte, die du selbst herstellen kannst – und was sie taugen

Deos mit Aluminium, Peelings mit Mikroplastik, Shampoos mit künstlichen Farb-, Duft- und Konservierungsstoffen – und alles in Plastik verpackt. Was unserer Gesundheit schaden kann, schadet ebenso der Umwelt. Ich zeige euch, wie ihr ein paar Pflegeprodukte aus jeweils nur zwei Zutaten selbst machen könnt und teste sie auch gleich selbst.

Cet article est également disponible en français. Lisez-le maintenant!


Contentpartnerschaft mit WWF

Dieser Blog ist eine Contentpartnerschaft mit WWF. Die Beiträge werden von der freischaffenden Journalistin Jennifer Zimmermann verfasst.

Jennifer lebt (meist) vegetarisch, duscht (zu) oft (zu) lange und wühlt zum Unbehagen mancher Familienmitglieder (fast) immer in den «Gratis zum Mitnehmen»-Kisten am Strassenrand. Als «Die Nachhalterin» schreibt sie in Zukunft für den WWF über Themen, die uns alle etwas angehen (sollten). Wer herausfinden möchte, wo er/sie in Sachen Nachhaltigkeit steht, dem sei der Footprintrechner ans Herz gelegt.

Es handelt sich nicht um bezahlten Inhalt.

Mit fettigen Haaren schlendere ich durch Migros, Coop, Alnatura und ein paar Reformhäuser. Vorbei an Zuckerrübenfaser-, Amaranth- und Teffmehl. Die verrücktesten Mehlsorten finde ich, aber keines mit Roggen. Im Müller Reformhaus werde ich endlich fündig: Ein Kilogramm Roggenmehl für 4.70 Franken. Damit will ich mir die Haare waschen. Die darin enthaltene Stärke wirkt reinigend, die Mineralstoffe, Vitamine und Aminosäuren sollen pflegen. Wenn das so gut klappt, wie in vielen Blogs zu lesen ist, dann brauche ich wohl nie mehr Shampoo zu kaufen. Danke an dieser Stelle an den User namens «stookie», der mich überhaupt erst auf diese Idee gebracht hat.

Roggenmehl-Shampoo

Für das Shampoo brauchst du lediglich Roggenmehl und Wasser. Verwende dabei unbedingt Roggenmehl vom Typ 1150 – und kein Roggenvollkornmehl oder anderes Mehl. Roggenmehl enthält besonders wenig Gluten und klumpt daher weniger – in den Haaren und im Abfluss.

Für schulterlange Haare verrührst du drei gehäufte Esslöffel Roggenmehl mit 150 Milliliter lauwarmem Wasser mit einem Schwingbesen, bis die Masse geschmeidig ist. Wie lange du das Ganze ziehen lassen sollst, darüber scheiden sich die Geister. Von zwei Minuten bis zwölf Stunden ist alles dabei. Lässt du es lange ruhen, sollen sich die Nährstoffe besser lösen und gut für trockene Haare geeignet sein – es lässt sich aber auch schwerer rauswaschen. Kürzere Standzeiten eignen sich für eher fettige Haare und für den Einstieg.

Die Nachhalterin

Mehl in die Schüssel, ... Bild: Jennifer Zimmermann

Die Nachhalterin

... Wasser dazu – und schon ist das Shampoo bereit. Bild: Jennifer Zimmermann

Ich lasse den Brei fünf Minuten ruhen und stürze mich ins Abenteuer. Wenn du im Bad eine weniger grosse Sauerei hinterlassen willst, füll die Menge in eine Shampoo- oder Trinkflasche. Ich trage die Masse direkt von der Schüssel vom Scheitel her auf und massiere sie leicht ein; rubbeln ist nicht nötig. Dann halte ich den Kopf vornüber und kippe mir den Rest über den Hinterkopf. Die fünf Minuten Einwirkzeit verbringe ich mit leckerem Mehlgeruch in der Nase und damit, die Badewanne von Mehl zu befreien.

Ich spüle die Haare mit warmem Wasser aus, was recht einfach geht. Dabei schenke ich meinen Ohren besondere Aufmerksamkeit, wie das empfohlen wird. Zum Schluss spüle ich den Kopf kalt ab. Das soll für Glanz sorgen und die Haare leichter kämmbar machen. Und siehe da, mit dem Kämmen klappt es tatsächlich problemlos.

Fazit und weitere Tipps

Meine Haare sind sauber, riechen gut, beziehungsweise nach nichts, und fühlen sich voller an. Es kann aber gut sein, dass ich mir das nur einbilde oder das an Mehlresten liegt.

In den Ohren finde ich tatsächlich noch Tage später Mehlkrümel ...

Ebenso wirken meine Haare ein wenig trockener als sonst und ein paar Tage später schuppt sich meine Kopfhaut ein bisschen, was sie sonst kaum je tut. Dagegen sollen zwei Teelöffel Honig und ein halber Teelöffel Oliven-, Sonnenblumen- oder Mandelöl im Shampoo helfen. Diese Anwendung eignet sich übrigens vor allem für Menschen mit glatten und eher dünnen Haaren.

Sprüh-Deo aus zwei Zutaten

100 Milliliter Wasser aufkochen (für bessere Haltbarkeit) und abkühlen lassen. Mit einem Teelöffel Natron mischen, in eine alte Sprühdose geben, schütteln und aufsprühen. Wenn du stark schwitzt, kannst du mehr Natron beigeben. Nach Belieben zudem ein paar Tropfen eines ätherischen Öls dazu mischen. Teebaumöl wirkt zum Beispiel antibakteriell, Limette, Salbei, Zypresse und Kiefernadeln sollen schweisshemmend wirken.

Ich mag es duftneutral, mische als bloss Wasser mit Natron und sprühe es auf. Meine Achseln fühlen sich kurz ein wenig klebrig, aber ebenso frisch an. Das klebrige Gefühl verschwindet bald und ich bin gespannt, wie gut das Deo den Tag überstehen wird.

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Dass daraus mal ein Deo wird, hätte ich vorher auch nie gedacht. Bild: Jennifer Zimmermann

Fazit und weitere Tipps

Nach einem Tag am Schreibtisch und einer kleinen sportlichen Einlage kann ich attestieren:

Das Deo funktioniert!

Und zwar besser als so manch gekauftes. Ich schwitze gefühlt weniger als üblich und rieche vor allen Dingen noch frisch. Ich werde den Spray auf alle Fälle weiter anwenden. Halten soll er ein paar Wochen lang und auch wenn du ein ätherisches Öl dazugegeben hast, merkst du am Geruch und oder an einer veränderten Farbe, wenn er nicht mehr gut ist.

Den Spray kannst du übrigens auch auf müffelnde Füsse sprühen. Natron wirkt überhaupt gut gegen unerwünschte Gerüche: Das Pulver in die Schuhe schütten, über Nacht einwirken lassen und am nächsten Morgen ausschütteln oder ein Schälchen mit dem Pulver in den Kühlschrank stellen, um Gerüche zu neutralisieren. Natron findest du in fast allen Lebensmittelläden, meist in der Backwarenabteilung (z. B. 50 Gramm für 50 Rappen in der Migros).

Kaffeesatz-Peeling

Ein bis zwei Esslöffel gebrauchten Kaffeesatz mit ebenso viel Olivenöl mischen, auf die nasse Haut auftragen, einmassieren, kurz ziehen lassen und mit lauwarmem Wasser abspülen. Meine Haut mag’s, meine glitschige Badewanne, in der ich mir kurz darauf fast das Genick breche, weniger.

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Auf der Haut: top. Die Ölschicht danach in der Badewanne: flop. Bild: Jennifer Zimmermann

Essigspülung fürs Haar:

Um die Haare zu glätten und zu pflegen, mischt du einen Liter kaltes Wasser mit zwei Esslöffeln Apfelessig und spülst damit die Haare. Danach spülst du sie nicht mit Wasser aus. Die kalte Dusche ist es für mich nicht wert: Meine Haare sehen vor und nach der Spülung genau gleich aus. Wenigstens hat der Essig die Badewanne ein wenig von meinem vorherigen Kaffee-Olivenöl-Peeling befreit.

Statt Essig kannst du auch den Saft einer halben Zitrone für die Spülung verwenden. Die Wirkung scheint mir gleich unspektakulär, wobei der Zitronensaft besser riecht. Auch der Essiggeruch verflüchtigt sich aber nach wenigen Minuten komplett.

Mit kleinen Schritten zur Veränderung:

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So wenige Zutaten und so viele Möglichkeiten, um daraus unterschiedliche Produkte zu machen. Bild: Jennifer Zimmermann

Natürlich ist jeder Haut- und Haartyp anders und die Resultate fallen entsprechend unterschiedlich aus. Ebenso wirken bestimmte Anwendungen möglicherweise erst nach längerer Zeit.

Für mich steht aber fest: Nebst dem selbst gemachten Deo ist mir das alles zu aufwändig und die Resultate hauen mich nicht vom Hocker.

Nach all den begeisterten Kommentaren in diversen Blogs zu Roggenmehl-Shampoo und Spülungen, hatte ich mir naiverweise erhofft, bereits nach der ersten Anwendung eine samtig glänzende und volle Haarpracht zu haben.

Selbst wenn ich auf konventionelles Shampoo und Co. verzichten würde, würde ich damit die Welt nicht retten. Mich näher mit den Produkten auseinanderzusetzen, hat dennoch seine guten Seiten: Einerseits wurde meine Neugier wiederbelebt, Neues auszuprobieren. So werde ich nächstens etwa sicherlich versuchen, auf Haarseife umzusteigen. Andererseits hat es mich dafür sensibilisiert, über Ressourcen, Prozesse und Inhaltsstoffe eines alltäglichen Produktes wie beispielsweise Shampoo nachzudenken. In kleinen Schritten taste ich mich so an nachhaltigere Verhaltensweisen heran, die für mich gut funktionieren und sich gut in meinen Alltag integrieren lassen.

Welche Pflegeprodukte macht ihr selbst, wie macht ihr die und was sind eure Erfahrungen damit? Ich bin gespannt, was ihr in den Kommentaren darüber berichtet!

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Video: extern / rest/Sayaka Mitoh

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