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epa08524872 Illustration - Ampoules of the antiviral drug Remdesivir for patients infected with SARS-CoV-2 coronavirus on display at the University hospital in Essen, Germany, 03 June 2020. According to reports, the EU has approved Remdesivir as treatment for severe cases of Covid-19.  EPA/SASCHA STEINBACH

Remdesivir. Bild: keystone

Streit um Corona-Medikament: Bleibt was für die Schweiz übrig?

Die USA haben praktisch die ganze Remdesivir-Produktion aufgekauft. Die EU und auch die Schweiz versuchen, sich die Reste zu sichern.

remo hess aus brüssel



Remdesivir – so heisst das derzeit wohl begehrteste Medikament der Welt. Es kann den Verlauf einer schweren Corona-Infektion abmildern und führt dazu, dass Patienten das Spital vier bis fünf Tage früher verlassen können, so die Ergebnisse klinischer Studien. Am Freitag wurde das Medikament in der EU zugelassen. Ein Schnellverfahren machte es innert weniger Wochen möglich.

President Donald Trump arrives at a

Hat zugeschlagen: Donald Trump. Bild: keystone

Trump-Regierung kauft fast die gesamte Produktion auf

Nur: Kaufen kann man das in den USA produzierte Mittel momentan nirgends. Die Regierung von US-Präsident Donald Trump hat sich bereits alles weggeschnappt. Die gesamte Juli-Produktion und jeweils 90 Prozent der im August und September herzustellenden Dosen habe man reserviert, schreibt das Departement of Health & Human Services auf seiner Website. Damit können rund 500'000 Behandlungen durchgeführt werden. Rund 2200 Franken kostet eine Therapie.

Über ihren Hamsterkauf vorinformiert haben die USA niemanden. Die EU-Kommission erfuhr aus den Medien, dass praktisch die gesamte Remdesivir-Produktion schon weg ist. Nun steht Brüssel mit der Herstellerfirma Gilead in Verhandlungen, um doch noch ein Stück vom Kuchen abzubekommen. Immerhin hat der US-Pharmakonzern das Medikament auch in Europa getestet.

Schweizer BAG verhandelt mit dem Hersteller

Er erwarte, dass «Deutschland und Europa versorgt werden, wenn es um ein solches Medikament geht», so der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn. Der EU-Abgeordnete und Mediziner Peter Liese bringt auch Zwangslizenzen ins Spiel, mit denen Gilead zur Produktion von Generika gezwungen werden könnte.

epa08524537 (FILE) - A medical worker checks bottles of the antiviral drug Remdesivir for patients infected with SARS-CoV-2 coronavirus at Seoul National University Hospital, in Seoul, South Korea, 03 June 2020 (reissued 03 July 2020). According to reports, the EU has approved Remdesivir as treatment for severe cases of Covid-19.  EPA/YONHAP SOUTH KOREA OUT

Das Medikament ist heiss begehrt. Bild: keystone

Im Gespräch mit Gilead ist auch das Schweizer Bundesamt für Gesundheit (BAG). «Aktuell laufen Verhandlungen mit dem Unternehmen über Lieferungen für die nächsten Monate», bestätigt ein BAG-Sprecher. Bereits zu Anfang der Covid-19-Pandemie habe man eine «genügend grosse Menge» an Remdesivir erhalten. Die Reserven sollen noch «für mehrere Wochen» reichen.

Aber was geschieht, falls sich die Schweiz mit der Herstellerfirma nicht einigt und die Bestände aufgebraucht sind? Anspruch auf den EU-Bestand wird man jedenfalls kaum anmelden können. Dafür fehlt die Rechtsgrundlage. Anders könnte es mit einem Abkommen über gemeinsame Beschaffungen und einem bilateralen Gesundheitsabkommen aussehen. Ein solches ist zwar seit zwei Jahren ausverhandelt, wegen dem institutionellen Rahmenabkommen jedoch blockiert.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Whaaaat?_Son 06.07.2020 10:42
    Highlight Highlight Remdesivir nützt nur im Beginn der Krankheit und bei leichten Verläufen. Dexamethason hilft nachweslich die Sterberate zu verkleinern. Die Regierung sollte lieber schauen, dass genug Dexamethason vorhanden ist. Remdesivir wird wahrscheinlich zu einem Rohrkrepierer wie Tamiflu.
    • DrMedFacharztFürStatistischeKrankheiten 06.07.2020 11:38
      Highlight Highlight Sie meinen das Tamiflu, dessen Studien zur Wirksamkeit gefalscht waren?
  • imo 06.07.2020 09:47
    Highlight Highlight Und wieso setzen wir nicht auf Hydroxychloroquin?

    Es gibt aber einen noch viel wichtigeren Grund, der für Big Pharma gegen Chloroquin und den verwandten Wirkstoff Hydroxychloroquin spricht.

    Es handelt sich um Malariamittel, die schon länger auf dem Markt sind und daher auch in Form von Generika existieren. Was konkret bedeutet: Die tägliche Dosis kostet rund 70 Rappen, für eine normalerweise ausreichende 10-Tages-Therapie also 7 Franken.

    https://insideparadeplatz.ch/2020/06/24/big-pharma-kennt-nichts-wenn-es-um-big-money-geht/
  • Senpai 06.07.2020 08:47
    Highlight Highlight Vielleicht ist das Trumps Definition von "das verschwindet plötzlich von selbst".
  • Quacksalber 06.07.2020 08:20
    Highlight Highlight In der Schweiz stehen Pharma Produktionsanlagen still, weil es nicht rentiert. Der Leidensdruck scheint also nicht hoch zu sein.
    • Asmodeus 06.07.2020 12:43
      Highlight Highlight Wie kommst Du auf diese Aussage? Quellen?
  • a.meyer 06.07.2020 08:19
    Highlight Highlight Wenn Medikamente von Schweiz kommen sollen wir jetzt schon verhandeln. Und den USA erst dann was abgeben was übrigleibt. USA war schon immer ein Staat der nur das Wort ICH, ICH, ICH kenne.
  • azoui 06.07.2020 07:53
    Highlight Highlight Die sollen das nur zuerst in den USA live testen.
  • Töfflifahrer 06.07.2020 07:27
    Highlight Highlight Entschuldigung, warum kann die Schweiz dieses Medikament nicht selbst herstellen? Wir haben eine Pandemie, es geht um die Nationale Sicherheit und da sind mir Patentrechte herzlich egal, wenn der Inhaber nicht liefern kann!
    • Bits_and_More 06.07.2020 08:00
      Highlight Highlight Zuerst brauchst du mal eine Produktionsanlage dafür. Die hast du nicht so einfach aufgebaut und der Herstellungsprozess muss bekannt sein. Bei Pharmazeutika ist beides nicht ganz trivial.

      Zusätzlich müsste ja eine Firma den Stoff Herstellen und diese müsste das Risiko einer Verletzung der Patentrechte in Kauf nehmen oder Sanktionen von anderen Ländern befürchten.
    • Töfflifahrer 06.07.2020 11:40
      Highlight Highlight @Bit_and_More; Dann soll die Armee_Apotheke entsprechend ausgerüstet werden. Mag sein, dass es aufwändig ist, mag sein man bekommt Probleme, ja. Aber wenn was Prinzip hier "den Letzten beissen die Hunde ist, muss gehandelt werden! Wie sich jetzt zeigt sind wir ind der jeder für sich selbst Situation, da kann man nicht einfach zuschauen.
    • Bits_and_More 06.07.2020 14:06
      Highlight Highlight @Töfflifahrer

      Ich kenne den Wirkstoff nicht im Detail. Aber normalerweise dauert die neue Produktion eines Wirkstoffes Jahre, bis der Prozess stimmt, hochskaliert und in den nötigten Mengen produziert werden kann.
      Der Prozess muss vielfach von Grundauf neu entwickelt werden. Das lässt sich nicht einfach beliebig schnell kopieren. Dafür ist eine Armee Apotheke nicht ausgerüstet.

      Genau wenig kannst du von den Strassenverkehrsämtern verlangen, plötzlich Fahrzeuge von Grundauf zu produzieren.
  • Nate Smith 06.07.2020 06:41
    Highlight Highlight Remsedivir verkürzt den Krankenhausaufenthalt im Schnitt um 4 Tage. Kosten tut es 2200 Fr. Hat es sonst einen Nutzen? Solange wir keine Überlastung von Krankenhäusern haben scheint es sich wenig zu lohnen dies zu Hamstern?
  • Ökonometriker 06.07.2020 05:52
    Highlight Highlight Nunja, in Europa ist bereits eine gewisse Menge des Medikaments gelagert.
    Wenn man die Fallzahlen betrachtet ist es daher garnicht so abwägig, dass ein Grossteil der Produktion in die USA geht.
    Die brauchen dort das Medikament nun wirklich viel dringender und es wird dort viel mehr Leben retten als bei uns.
    • Asmodeus 06.07.2020 07:36
      Highlight Highlight Dass die Trottel die 90% der Fälle generieren auch 90% des lebensrettenden Medikaments brauchen macht schon Sinn.

      Wobei anzunehmen ist, dass Trump das Medikament im weissen Haus hortet für den Fall, dass er Husten kriegt.
    • Ökonometriker 06.07.2020 11:49
      Highlight Highlight @Asmodeus: hätten wir hier dieselbe Politik wie einige der asiatischen Länder, bräuchten wir auch kein Medikament.

      Der Zugang zu Medikamente sollte nicht von der Qualität der Regierung oder der Intelligenz der Restbevölkerung abhängig gemacht werden.

      Aber klar, hätten mehr US-Staaten wie europäische Staaten reagiert und lockdowns verhängt, hätten wir jetzt keinen globalen Medikamentenmangel...
  • AfterEightZuHauseUmViertelVorAchtEsser____________ 06.07.2020 00:42
    Highlight Highlight Wäre doch ganz einfach : "Ihr kriegt genügend Tests von Roche, und wir kriegen genügend Medi." 😉
  • Terraner 06.07.2020 00:11
    Highlight Highlight Remdesivir ist kein Wundermittel, im Bestenfall liegt man etwas weniger lang im Spital. Ob es die Sterblichkeit reduziert konnte bisher nicht belegt werden.

    Vermutlich nur ein weiterer Hype um ein Medikament was kaum etwas bringt.
  • Wellenrit 06.07.2020 00:05
    Highlight Highlight Nun ja das erschreckende ist nicht dass die Amerikaner alles aufgekauft haben! ich glaube dieses verhalten war nicht anders zu erwarten von diesem Land! Was erschreckend ist ist das America absolut verschuldet ist also mit welchem Geld haben die das bitte gekauft??? Die Welt sollte bitte aufhören zu jammern schließlich wollten wir ja den Kapitalismus den die Amerikaner eingeführt haben. wir haben also das was wir wollten
  • Mario Conconi 05.07.2020 23:53
    Highlight Highlight Das sagen die bisherigen Studien:....Die mit Remdesivir behandelte Gruppe erholte sich etwas schneller, gleichwohl war der Effekt nicht signifikant, bei gleicher Mortalität.....
    Momentan passiert genau dasselbe wie bei der Vogelgrippe. Alle Nationen hamstern Tamiflu, obwohl dessen Nutzen nicht vorhandem war.
    Auch die Schweiz hat wacker eingekaift um den Mist am Schluss zu entsorgen🤷‍♂️
    Ohne verlässliche Studien, sollte man die Finger von Remdesivir lassen und warten was der Grosse "Test"in den USA nun für Ergebnisse liefert....
  • bokl 05.07.2020 23:26
    Highlight Highlight Dieses Abzocker-Medikament können wir getrost den Amis überlassen.
  • MartinZH 05.07.2020 23:13
    Highlight Highlight Hatten wir das nicht kürzlich: Der Bundesrat und das BAG erzählen: "Der Bund und die Kantone haben genügend Schutzmasken an Lager." Danach hat sich herausgestellt, dass das zwar stimmt, aber mit einer wichtigen Einschränkung: Genug für die Spitäler und das Pflegepersonal, aber bei weitem nicht für die gesamte Bevölkerung.

    Und jetzt? Wiederholt sich das erneut bei Remdesivir? Der Bund verkündet grossmundig, dass man grosse Chargen für die CH gesichert hat. Betrachtet man sich aber die konkreten Zahlen, sieht es dann wieder ganz anders aus. Wäre es anders, würden alle die CH-Zahlen kennen... 😉
  • Nathan der Weise 05.07.2020 23:05
    Highlight Highlight Verhandelt mit Indien. Die sind unzimperlich was Patentrechte angeht. Das wird jedoch Novartis und co nicht gefallen.
  • Cachesito 05.07.2020 22:43
    Highlight Highlight Vielleicht sollte man die Strategie überdenken wer Freund oder Feind ist. Der Bonus vom grossen Bruder aus dem 2 Weltkrieg ist langsam aber sicher aufgebraucht. Donnie sei Dank.
    • Ana64 06.07.2020 00:57
      Highlight Highlight Seit Jahren herrschender in Westeuropa, v.a in deutschsprachigem Raum Antiamerikanismus hat gezeigt dass diese Länder keine Freunde der USA sind. Also was erwarten wir? Wir hassen Amis aber verlangen dass sie mit uns grosszügig ihre Medikamente teilen? Was teilen wir und mit wem? Tja.. Europa hat sehr viel verpennt...
  • Coffeetime ☕ 05.07.2020 22:21
    Highlight Highlight Die Firma dazubringen, Generika entweder selbst in Europa herzustellen, oder die Lizenz dafür heraus zu geben. Und bitte mit etwas mehr Druck als üblich.

    Die USA verstehen es sehr gut Druck auszuüben, Europa und die CH sollten es je nach Situation auch machen. Leider verstehen einige nur diese Sprache.

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