Russland

Wladimir Putin bestreitet die Anwesenheit russischer Soldaten in der Ukraine Bild: AP/RIA NOVOSTI KREMLIN

Putin in TV-Fragestunde: «Es gibt keine russischen Truppen in der Ukraine»

In seiner TV-Fragestunde hat Russlands Präsident Wladimir Putin die Regierung der Ukraine massiv kritisiert. Kiew betreibe eine Wirtschaftsblockade des Donbass. Dass dort russische Soldaten im Einsatz sind, leugnete er.

16.04.15, 13:34

Ein Artikel von

Wladimir Putin hat seine TV-Fragestunde mit russischen Bürgern zu einer Abrechnung mit der Regierung der Ukraine genutzt. Er sehe in Kiew nicht den Willen, im Donbass, also dem Osten des Landes, wieder normale wirtschaftliche Verhältnisse herzustellen.

«Wir sehen jetzt eine vollständige Blockade des Donbass», sagte Putin. Die prorussischen Separatisten bezeichnete der Präsident als «Leute, die für ihre Rechte eintreten mit der Waffe in der Hand». Er wolle aber nicht darüber «räsonieren, ob das gut ist oder nicht, obwohl ich eine Meinung dazu habe». Putin forderte, «die Rechte der Menschen zu achten, die sich als Russen fühlen – egal, was in ihrem Pass steht».

Menschen, die lange in der Ukraine gearbeitet hätten, werde keine Rente gezahlt, obwohl Kiew dazu verpflichtet sei. Die ukrainische Regierung schneide den Donbass also «mit der eigenen Hand ab».

Putin bestritt die Anwesenheit russischer Soldaten in der Ukraine. «Ich sage es gerade heraus: Es gibt keine russischen Truppen in der Ukraine.» Er wolle vielmehr eine ökonomische Zusammenarbeit mit Nachbarland. Russen und Ukrainer seien «ein Volk». Er mache da «keinen Unterschied». Moskau habe ein Interesse daran, dass die Krise der ukrainischen Wirtschaft beendet werde.

Die Russen fragen, Putin antwortet. Bild: ILYA NAYMUSHIN/REUTERS

Putin verteidigt Raketendeal mit Iran

Putin verteidigte in der Sendung auch die Aufhebung des verhängten Lieferstopps von Flugabwehrraketen an Iran. Die Auslieferung des S-300-Lenkflugkörpersystems stehe nicht im Widerspruch zu den Verhandlungen der Vetomächte und Deutschlands von Lausanne. Teheran habe bei den Gesprächen ein «hohes Mass an Flexibilität» und Kompromissbereitschaft gezeigt.

Putin rief seine Landsleute mit Nachdruck auf, die Strafmassnahmen des Westens in der Ukraine-Krise als Chance und nicht als Last zu sehen. «Es geht nicht um die Sanktionen, sondern darum, dass wir unsere Wirtschaft nach modernen Methoden organisieren.» Russland müsse die Strafmassnahmen zur Entwicklung nutzen. Massenentlassungen und Lohnkürzungen wegen der Wirtschaftskrise machen vielen Russen Sorgen. «Experten glauben, dass wir den Höhepunkt der Krise überwunden haben», sagte Putin in der Sendung.

Die russische Wirtschaft erholt sich nach Ansicht des Kremlchefs . «Experten glauben, dass wir den Höhepunkt der Krise überwunden haben», sagte der Staatschef zu Beginn der Sendung. «Der Rubel hat sich stabilisiert und ist stärker geworden.» Russlands Wirtschaft leidet derzeit unter dem niedrigen Ölpreis und den Sanktionen des Westens im Zuge des Ukraine-Konflikts. (als/dpa/Reuters)

Hol dir die App!

Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
4
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
4Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • zombie1969 18.04.2015 12:39
    Highlight Der EU gefällt es nicht, dass die Russen wieder eine selbstbewusste Aussenpolitik betreiben.
    Es war nicht nur beim Thema Syrien, wo RUS die Pläne der EU durchkreuzt hat. Auch beim Thema Atomverhandlungen mit dem Iran hat RUS eine wichtige Rolle gespielt. Es gab eine Vermittlung Moskaus und die Iraner waren zu Zugeständnissen bereit. Schon bei Libyen hat RUS nicht so gewollt wie die EU.
    Und wenn man mal in die Archive der Zeitungen schaut, wird man feststellen, dass die Negativberichte über V.Putin in etwa zu dieser Zeit ihren Anfang nahmen.Denn das läuft schon viel länger als die Ukrainekrise.
    0 0 Melden
  • Hasjisjn 17.04.2015 00:36
    Highlight "Er wolle vielmehr eine ökonomische Zusammenarbeit mit (?) Nachbarland"
    0 1 Melden
  • Dracarys 16.04.2015 15:05
    Highlight Potentieller Nachfolger von "Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!"
    8 8 Melden
    • The Destiny 16.04.2015 20:24
      Highlight Im bezug auf was ? Du hast da ein Zitat oder den Bezug vergessen.

      0 3 Melden

Russland «klaut» ganze Fabriken

Was der «weisse Konvoi» wirklich transportierte

Die Welt rätselt, was die 280 russischen Lastwagen im «weissen Konvoi» in die Ukraine transportierten. Auf den starken LKW befanden sich nur ein paar wenige Paletten mit Hilfsgütern. Tatsächlich holte sich Russland aber eine ganze Fabrik.

Sogar zweihundertprozentig regierungstreue Russen lachten lauthals heraus, als sie die Begründung der russischen Regierung hörten, warum jeder Kamaz-Lastwagen im so genannten «Hilfskonvoi» nur zwei, drei Paletten Hilfsgüter geladen hatte: «Die Kamaz-LKW konnten nicht vollständig beladen werden, um einen übermässigen Verschleiss der fabrikneuen Lastwagen zu vermeiden. Voll beladen wären die Kamaz-LKW zudem auf Bergstrassen zu langsam gefahren, um die Hilfsgüter …

Artikel lesen