EU
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epa05885752 Switzerland's Ambassador Roberto Balzaretti, responsible for the asset recovery dossier at the Swiss Federal Department of Foreign Affairs FDFA, delivers a press conference on the Switzerland's anti-corruption efforts in Brussels, Belgium, 03 April 2017.  EPA/STEPHANIE LECOCQ

Wird er zum Kopf der Bilateralen III? Roberto Balzaretti. Bild: EPA/EPA

Wird dieser Tessiner «Bruce-Willis-Diplomat» der neue Mister Europa? 

Der Tessiner Diplomat wird künftig eine Schlüsselrolle im EU-Dossier spielen. Die Neuorganisation im Aussendepartement könnte ein Hinweis darauf sein, dass Cassis umfassende Verhandlungen mit Brüssel anstrebt

Doris Kleck / Nordwestschweiz



«Unsere Leute in Brüssel»: Alt-Nationalrat und Neo-Journalist Christoph Mörgeli durchleuchtete kürzlich in der «Weltwoche» das Personal der Schweizer Mission in Brüssel. Der SVP-Vordenker teilte auch ein paar Seitenhiebe an Roberto Balzaretti aus –  auch wenn dieser längst in die Zentrale nach Bern zurückgekehrt ist. Er leitet seit 2016 die Direktion für Völkerrecht. Balzaretti sei «ausgesprochen europhil», schrieb Mörgeli und erinnerte an die Aussagen des ehemaligen Botschafters in Brüssel im Vorfeld der Brexit-Abstimmung: «Die Briten sollten die Situation der Schweiz kennen, um eines zu wissen: EU-Mitgliedstaat zu sein, ist angenehmer.»

Diese Sätze zitieren SVP-Politiker derzeit gerne, wenn es um Balzaretti geht. Ausgerechnet diesem Tessiner Karrierediplomaten will der neue Aussenminister Ignazio Cassis also eine Schlüsselrolle im EU-Dossier geben. So hat sich die grösste Partei den «Reset» in der Europapolitik nicht vorgestellt. Zwar hat sich die SVP auf Staatssekretärin Pascale Baeriswyl eingeschossen. Doch «Balzaretti statt Baeriswyl – das hiesse, den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben», hielt die «Weltwoche» auch fest.

Tatsächlich ist der 53-Jährige eng mit der Schweizer Europapolitik verflochten. Er war Chef der EU-Mission in Brüssel, als das nun so verpönte Verhandlungsmandat zum Rahmenabkommen entstand. Baeriswyl war dannzumal in New York tätig und hatte mit der EU-Politik nichts zu schaffen.

Wie bei den Bilateralen II

Ein Geschenk von Cassis an seine SVP-Wähler dürfte die bevorstehende Beförderung Balzarettis nicht sein. Verschiedene Medien machten Ende letzter Woche publik, dass Balzaretti neuer Chef der Direktion für Europäische Angelegenheiten (DEA) werden soll. Das Geschäft ist morgen im Bundesrat traktandiert. Was steht also hinter dieser Ernennung? Nüchtern betrachtet: Die DEA brauchte eine neuen Chef, weil der bisherige, Henry Gétaz, neuer Efta-Generalsekretär wird. Gétaz verhandelt für die Schweiz das institutionelle Rahmenabkommen – das heisseste Dossier in den Beziehungen zur EU.

Gemäss der «Luzerner Zeitung» ist geplant, dass die Ernennung Balzarettis mit einer Aufwertung des Amtes einhergeht: Der Tessiner soll den Titel eines Staatssekretärs erhalten und neben Pascale Baeriswyl als Delegierter des Bundesrats die Verhandlungen der Schweiz mit der EU koordinieren. In der öffentlichen Leseart kommt dies einer Entmachtung der Sozialdemokratin Baeriswyl gleich.

Es gibt aber auch eine andere Interpretation. Cassis wird morgen dem Bundesrat wohl vorschlagen, Verhandlungen mit der EU zu führen, die über die institutionellen Fragen hinausgehen. Verschiedene Medien schrieben von einem neuen Paket «Bilaterale III». Stimmt die Regierung umfassenden Verhandlungen zu, ist auch klar, dass sich die höchste Diplomatin nicht selbst an den Verhandlungstisch setzen wird, weil die Doppelrolle kaum zu bewältigen wäre. Bereits bei den Bilateralen II verhandelte nicht der EDA-Staatssekretär Franz von Däniken, sondern Michael Ambühl, der dannzumal das Integrationsbüro leitete, die Vorgängerorganisation der DEA. Mit anderen Worten: Balzarettis Ernennung könnte auch eine Rückkehr zum Courant normal sein.

Bruce Willis der Diplomatie

Balzaretti scheint für die Rolle des Monsieur Europa prädestiniert: Er war zwischen 2012 und 2016 Chef der Schweizer Mission in Brüssel. Kennt also das EU-Innenleben aus erster Hand. Zuvor war er Kabinettschef und Generalsekretär von Micheline Calmy-Rey - Balzaretti galt als graue Eminenz im Aussendepartement.

Die «Weltwoche» verglich den fünffachen Familienvater einst mit Robert De Niro in seinen besten Tagen. Er sieht sich selbst jedoch eher als Bruce Willis, den Actionhelden, bekannt für seine Überlebensgabe, mit der er sich fluchend durch Explosionen, Schiessereien und wilde Verfolgungsjagden kämpft. Der Doktor der Rechte gehört zu den Diplomaten der kommunikativen und offenen Sorte. Calmy-Rey verglich er einmal mit einem Auto: «Sie ist ein Sportauto der 70er-Jahre, als noch Leidenschaft und nicht standardisierte Produktionsprozesse massgeblich waren.»

Strukturen? Inhalte!

Dass Bundesrat Cassis Tessiner Funktionäre in hohe Posten hievt, wird von ihm erwartet. Die neue Position Balzarettis steht aber auch sinnbildlich für Cassis’ Mantra: Aussenpolitik ist Innenpolitik. Die grössten EU-Skeptiker leben in der Südschweiz. Dass nun einer der ihren, aufgewachsen in Ligorette, nur einen halben Kilometer von der italienischen Grenze entfernt, das Verständnis für die Schweizer EU-Politik auch im Tessin erhöhen soll, macht Sinn.

Parlamentarier reagieren unterschiedlich auf die Personalie Balzaretti und auf die Frage, ob es tatsächlich einen neuen Staatssekretär für Europa braucht. Einigkeit herrscht aber in einem Punkt: «Eine personelle Änderung bedeutet nicht automatisch einen Durchbruch mit Brüssel», sagt FDP-Nationalrätin Christa Markwalder. «Wir brauchen eine klare Position und keine neuen Strukturen», sagt SP-Nationalrat Carlo Sommaruga. Und Elisabeth Schneider-Schneiter (CVP/BL) macht klar: «Mich interessiert nicht, wie Cassis das Aussendepartement organisiert. Wichtig ist, dass sich der Bundesrat auf eine Linie in der Europapolitik einigt.» 

Ignazo Cassis: Der neue Bundesrat

abspielen

Video: srf

Das könnte dich auch interessieren:

«Das Beste im Mann» – mit diesem Anti-Sexismus-Werbespot läuft Gillette voll in den Hammer

Link zum Artikel

Grippewelle in Zürich und Schaffhausen

Link zum Artikel

Ein ziemlich seltsames Outfit – so erklärt Serena Williams ihren Netzstrumpf-Auftritt

Link zum Artikel

Drei Lawinen fordern eine Tote und mehrere Verletzte im Wallis

Link zum Artikel

Nico soll Schneeketten montieren und bringt damit den Chef zur Verzweiflung 😂

Link zum Artikel

Wie der Schweizer Arzt Ruedi Lüthy in Simbabwe tausende Menschen vor dem Aids-Tod rettete

Link zum Artikel

So hast du die Karriere von Roger Federer noch nie gesehen

Link zum Artikel

Warum die Bezahl-App Twint bei Schweizer Teenagern gerade so richtig durchstartet

Link zum Artikel

Vorsicht! Mit den Apple-Ohrstöpseln wird das iPhone zur Wanze 😳

Link zum Artikel

«Der Zug stellt einfach ab»: So leiden die Lokführer unter den SBB-Pannen-Doppelstöckern

Link zum Artikel

Der Lambo-Trottel, sein High-Heels-Schrank und ich

Link zum Artikel

Die grössten Apple-Irrtümer – was nicht nur iPhone-Fans wissen sollten

Link zum Artikel

Die grosse Game-Vorschau: Auf diese 50 Spiele dürfen wir uns 2019 freuen

Link zum Artikel

So cool ist es WIRKLICH, im Januar auf Alkohol zu verzichten 🤔😂

präsentiert vonMarkenlogo
Link zum Artikel

Trump will den Notstand ausrufen – aber darf er das überhaupt?

Link zum Artikel

«Gölä ist die falsche Art von Büezer» – Nico bügelt mit dem Berner Rapper Nativ

Link zum Artikel

Samsung, Huawei oder doch Nokia? Diese Android-Handys erhalten am längsten Updates

Link zum Artikel

Sie wollte dieses Kleid kaufen – und brach bei der Lieferung (zu Recht) in Tränen aus

Link zum Artikel

Theresa May übersteht das Misstrauensvotum

Link zum Artikel

Genfer Caritas-Lagerleiter vergriff sich an jungen Mädchen

Link zum Artikel

Warum Trump plötzlich die Sowjets verteidigt

Link zum Artikel

«Die toten Hoden» – neue Twitter-Challenge ruiniert die Namen deiner Lieblingsbands

Link zum Artikel

«Familie wird mich töten»: Rahaf auf Flucht aus Saudi-Arabien in Thailand vorerst sicher

Link zum Artikel

Wenn sogar Fox News Trumps Grenz-Lüge anprangert

Link zum Artikel

Das Beste an den Golden Globes? Diese Wasserträgerin

Link zum Artikel

Die bizarre Liebesgeschichte der KZ-Aufseherin, die sich in eine Gefangene verliebte

Link zum Artikel

7 Wahlen hat er analysiert – jetzt meint er: «Das System könnte aus den Fugen geraten»

Link zum Artikel

Sexy Särge oder phallische Felsen – welcher Wandkalender darf's denn sein?

Link zum Artikel

Bellydah: «Diesen Job nennt man ‹Rap-Video-Bitch›»

Link zum Artikel

Kann man wirklich zu lange schlafen?

Link zum Artikel

Der einzige Schweizer auf Mikronesien braut Bier und lebt auf diesem Inselcheln

Link zum Artikel

6 Webseiten, auf denen du dir toll die Zeit totschlagen kannst – klicken auf eigene Gefahr

Link zum Artikel

7 Dinge, die dir bei diesen bekannten Weihnachtsfilmen noch nie aufgefallen sind

Link zum Artikel

Jetzt muss Trump die Börse mehr fürchten als Mueller 

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

2
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • hävi der spinat 30.01.2018 07:23
    Highlight Highlight Interessante Webung, die Watson neuerdings aufschalten.
  • hävi der spinat 30.01.2018 06:19
    Highlight Highlight Der EU Beitritt würde auch bedeuten: Erhöhung der Mehrwertsteuer auf 15% (nicht gerade sozial) und etwa 4,5 Milliarden Netozahlung.

    Mir einem weitgehenden Verlust der direkten Demokratie verbunden, versteht sich.

    Wie man da noch EU-Fan sein kann und diese am liebsten verküssen möchte, wie Frau Markwalder dies tut, ist mir ein Rätsel.

Die (un)heimlichen Parallelen zwischen UK und CH

Grossbritannien und die Schweiz versuchen, ihr Verhältnis zur Europäischen Union neu zu regeln. In beiden Ländern ist die Lage schwierig bis aussichtslos. Und das ist nicht die einzige Gemeinsamkeit.

Das Vereinigte Königreich gilt – ob zurecht oder nicht – als Musterbeispiel für Common Sense. Blickt man heute über den Ärmelkanal, drängt sich dagegen ein Wort auf: Nonsense.

Der Brexit hat die britische Politik in ein derartiges Chaos gestürzt, dass kaum noch jemand den Durchblick hat. Am Montag sagte Premierministerin Theresa May kurzerhand die für den folgenden Tag geplante Abstimmung im Unterhaus über den mit der EU ausgehandelten Austrittsvertrag ab. Mit diesem handstreichartigen …

Artikel lesen
Link zum Artikel