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Facebook-Gründer Mark Zuckerberg steht vor dem EU-Parlament Rede und Antwort. Bild: EPA/EUROPEAN PARLIAMENT

Zuckerberg weicht vor EU-Parlament kontroversen Fragen aus

22.05.18, 19:39 22.05.18, 20:20


Das Format der Anhörung von Mark Zuckerberg im EU-Parlament hat die vielen harten Fragen verhallen lassen. Der Facebook-Chef konnte sie alle auf einmal beantworten - und so vielen angesprochenen kontroversen und tiefgründigen Problemen ausweichen.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg ist im EU-Parlament viel härter rangenommen worden als bei seinem Anhörungs-Marathon im US-Kongress. Das Format, bei dem in Brüssel alle Fragen zum Schluss auf einmal beantwortet werden sollten, gab dem 34-jährigen Tech-Milliardär jedoch die Möglichkeit, unangenehmen Fragen auszuweichen.

Zuckerberg konnte einfach nur breit gefasste Mini-Stellungnahmen zu einigen der angesprochen Themen statt konkreter Antworten geben. Das Verfahren ist nach Auskunft des EU-Parlaments generell üblich bei der sogenannten «Conference of Presidents» mit dem Kreis der Fraktionsvorsitzenden.

Konkurrenzlose Rolle

Die Fraktionsspitzen wollten unter anderem Wissen, warum Facebook die vom Datenskandal um Cambridge Analytica betroffenen nicht bereits 2015 informierte und ob Zuckerberg an dieser Entscheidung beteiligt war. Und ob der Fall «nur die Spitze eines Eisbergs» war.

Sie sprachen an, dass Facebook zum Beispiel über den «Like»-Button auch einige Daten von Nicht-Mitgliedern sammle - und auch eine konkurrenzlose Rolle Facebooks, nachdem Konkurrenten mit ähnlichen Online-Netzwerken aus dem Geschäft gingen.

Mit besonders scharfen Worten fiel Guy Verhofstadt, Fraktionsvorsitzender der Allianz der Liberalen und Demokraten für Europa, auf. Zuckerberg müsse sich entscheiden, ob er in die Geschichte in einer Reihe mit Technologie-Innovatoren wie Apple-Gründer Steve Jobs und Microsoft-Gründer Bill Gates eingehen werde - oder als «ein Genie, das ein digitales Monster geschaffen hat, das unsere Demokratien zerstört».

Verhofstadt versuchte auch, den üblichen Argumenten Zuckerbergs bei Fragen nach einer dominierenden Stellung Facebooks schon vorab den Wind aus den Segeln zu nehmen - das sei, als würde ein monopolistischer Autohersteller sagen, man könne schliesslich auch Flugzeug, Zug oder ein Fahrrad nehmen, sagte er.

Nachträgliche Beantwortung zugesagt

Zuckerberg wiederholte dazu seine vorherigen Worte, dass es in der Branche viel Wettbewerb gebe, weil die Nutzer auf vielen Kanälen miteinander kommunizierten. «Aus meiner Perspektive kommen jeden Tag neue Konkurrenten hinzu.»

«Mir ist bewusst, dass es viele konkrete Fragen gab, auf die ich nicht konkret eingehen konnte», sagte der Facebook-Chef zum Schluss. Man werde sie nachträglich beantworten.

Einige der Fraktionschefs machten ihrer Unzufriedenheit Luft. «Ich habe sechs Fragen eingereicht, die mit »Ja« oder »Nein« beantwortet werden können - und keine davon ist beantwortet worden», empörte sich der Grüne Philippe Lamberts. Eine davon war, ob Facebook seinen Mitgliedern die Möglichkeit geben werde, sich komplett personalisierter Werbung zu entziehen.

«Das war ein Fehler»

Zum Auftakt entschuldigte sich Zuckerberg abermals für den jüngsten Datenskandal um Cambridge Analytica. Facebook habe das Ausmass seiner Verantwortung unter anderem im Kampf gegen den Missbrauch von Nutzer-Informationen durch App-Entwickler nicht erkannt, sagte Zuckerberg am Dienstag bei einem live übertragenen Treffen mit Fraktionsspitzen. «Das war ein Fehler und es tut mir leid.»

Das waren ähnliche Worte wie bei Zuckerbergs insgesamt zehnstündigem Auftritt im US-Kongress. Dort fielen die Senatoren und Abgeordneten zum Teil damit auf, dass sie die Funktionsweise von Facebook nicht kannten - oder von der Beschränkungen auf wenigen Minuten pro Fragesteller ausgebremst wurden.

Im März war bekanntgeworden, dass sich die britische Firma Cambridge Analytica Zugang zu Daten von Millionen Facebook-Nutzern verschafft hatte. Mit Hilfe der Daten sollen etwa Wähler im US-Präsidentschaftswahlkampf zugunsten von Donald Trump mit Wahlwerbung beeinflusst worden sein. Facebook hatte sich wiederholt entschuldigt und diverse Konsequenzen gezogen. (leo/sda/dpa)

Cambridge Analytica: Der Skandal einfach erklärt

Video: watson/Emily Engkent, Corsin Manser

Facebook erklärt seine Spielregeln

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19
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19Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • My Senf 23.05.2018 00:34
    Highlight Ok

    Alles geht weiter wie bisher.

    Und watson behaltet immer noch den fb den Messenger und den WhatsApp Button.
    Wieso auch nicht. fb ist eine gute Firma und Mark ein netter CEO 👨‍💼

    Also alles gut 😊
    3 1 Melden
  • Ueli der Knecht 22.05.2018 23:48
    Highlight Einige progressive Gruppen starteten diese Woche eine gemeinsame Kampagne, um von den US-Behörden lautstark die Aufspaltung von Facebook zu fordern (in Facebook, Messenger, Whatsapp und Instagram). Auch soll es möglich werden, dass Benutzer konkurrierender Plattformen untereinander kommunizieren können/dürfen.

    Die Werbebotschaften:

    "Facebook verletzt weiterhin deine Privatsphäre.
    Teilen wir's auf!"

    “Mark Zuckerberg hat erschreckend viel Macht.
    Wir wollen sie zurück!”

    https://www.axios.com/facebook-mark-zuckerburg-left-coalition-regulation-c79debfa-5ccd-4af8-a59f-71cb23aa6918.html
    0 0 Melden
  • Bivio 22.05.2018 23:33
    Highlight Warum ausgewichen? Die EU Vertreter haben sich lieber selbst insziniert als Zuckerberg antworten zu lassen. Von den 70 Minuten, welche diese Hearing dauern sollte, wurde fast eine Stunde von den EU Vertretern genutzt, ihre Statements zu verlesen. Fast jede Fraktion und Partei, sei sie auch noch so klein, wollte sich mit diesem Hearing profilieren. Die Aufklärung etc. war gar nie vorgesehen.
    Frage an alle: Wie konnte CA die Wahlen beeinflussen? Sie haben ja nur Werbung bei entsprechenden Profilen geschaltet. Nichts anderes als Migros und Coop, welche Werbung je nach Demographics schalten.
    1 1 Melden
  • PlanB 22.05.2018 23:08
    Highlight Für mich gehört Zuckerberg ins Gefängnis.
    3 2 Melden
  • Zeit_Genosse 22.05.2018 22:46
    Highlight Jeder weiss dass FB eine Datenschleuder ist. Also einfach löschen oder akzeptieren der AGB. Das empörte Gejammere wegen Datenschutz. Da werden Millionen Apps runtergeladen und freiwillig Daten für alles mögliche „gespendet“. Die EU setzt mit diesem DSVG ein Bürokratiemonster am 25.5. in Kraft, an das sich FB halten will und auch die Schweiz nicht verschont, die mit ihrem eigenen - fast inhaltlich gleichlautenden - Gesetz hinterherhinckt.
    6 2 Melden
    • Mikee 23.05.2018 00:11
      Highlight Die Welt ist nicht nur Schwarz und Weiss. Auch mit deinem gelöschten Account / oder nie existierten Account sammelt FB Daten über dich, da gibt es keine AGB zu akzeptieren. Ich sag nur Kontaktdaten deiner Freunden, Like/Share Button, WhatsApp und so weiter...


      Das EU-DSVGO ist auch nicht nur negativ. Aber das jammern über alles mögliche ist halt lauter.
      3 0 Melden
  • manuel0263 22.05.2018 22:03
    Highlight Wozu hat es eigentlich eine (sogar öffentliche...) Anhörung, wenn der Milchbubi nicht mal ein paar konkrete Fragen beantworten kann? Viel Blabla...und ändern tut sich wieder nichts. Aber solange so viele mitspielen...Habt Ihr eigentlich schon mal was über Datenschutz gehört? Scheint fast keinen mehr zu interessieren.
    14 3 Melden
    • Factfinder 22.05.2018 23:31
      Highlight Warst du schonmal in einem Theater? ;)
      Das ist dasselbe.
      Nur sind echte (=so angeschriebene) Theater manchmal wenigstens noch privat finanziert.
      2 0 Melden
  • lilie 22.05.2018 21:46
    Highlight Könnte man nicht einfach den Nutzern die Wahl lassen, ob sie FB gratis benutzen und dafür Werbung kriegen oder ob sie bezahlen und dafür keine Werbung kriegen wollen? Wär das nicht die einfachste Lösung?
    12 3 Melden
    • Saraina 22.05.2018 23:02
      Highlight Ihre Daten liefern aber auch die zahlenden Nutzer. Die Frage ist, kann man Facebook trauen? Wieso sollte man Facebook trauen? Hat sich die Firma bis jetzt vertrauenswürdig verhalten?
      2 0 Melden
    • lilie 23.05.2018 06:46
      Highlight @Seraina: Das Problem betrifft nicht nur Facebook, sondern jede Firma die (bisher) gratis Dienstleistungen im Netz im Austausch gegen Nutzerdaten anbietet. Und es wird in Zukunft auch immer neue geben. Somit muss das Problem unabhängig von Facebook gelöst werden.

      Ich finde einfach, diese Gratiskultur öffnet der Nutzerausbeutung Tür und Tor. Unter dem Deckmantel "Dafür ists ja gratis" haben diese Anbieter das Gefühl, sie könnten mit dem Nutzer machen, was die wollen.

      Mit der guten, alten "Bezahlung gegen Dienstleistung" wird das Ganze transparenter und ehrlicher.
      1 0 Melden
  • Scaros_2 22.05.2018 21:27
    Highlight Reine Öffentlichkeitsarbeit ohne wirkliche Wirkung. Die Fragen waren zum Teil ja richtig gut aber wenn der Ausweichen kann passiert genau 0. Die Glaubwürdigkeit, das sich was ändert und die Politik die Macht hat sich Techgiganten zu widersetzen ist einmal mehr gesunken.
    15 1 Melden
  • CASSIO 22.05.2018 21:00
    Highlight faketreffen gegen fakenews... glsubt wirklich jemand dran, dass sich hier auch nur etwas zugunsten der nutzer ändern wird?
    32 1 Melden
  • StereoFM 22.05.2018 20:59
    Highlight Was rührt man den Zuckerberg mit Samthandschuhen an? Es wäre ein leichtes ihn endlich dazu zu bewegen den Datenschutz ernst zu nehmen, indem man mit der Abschaltung von Facebook in Europa droht. Dann wird auch der Mark spurten. Die Amis haben es uns mit den CH Banken vorgezeigt wie schnell das geht.
    68 2 Melden
    • o.shry 22.05.2018 22:22
      Highlight Stream/Video gesehen?
      Samthandschuh wars nicht....
      1 4 Melden
    • A7-903 23.05.2018 00:16
      Highlight ach stereo... die sollen fb nicht zensieren im netz, sondern monetäre konsequenzen folgen lassen. Viel sinnvoller. Und ich bin eh gegen den unnatürlich schnellen vormarsch von netzzensur nach chinesischem vorbild in der welt.
      1 1 Melden
  • Radiochopf 22.05.2018 20:58
    Highlight Wow, der Facebook Chef kommt wiedermal locker davon.. die Facebook Aktie steigt weiter und der Skandal hat überhaupt nicht geshsdet.. war zu erwarten, denn die Menschen akzeptieren mittlerweile die totale Überwachung und wollen lieber etwas gratis ohne Privatsphäre als Privatsphäre die bezahlt werden muss... es ist schön zu sehen, dass vorallem die junge Generation auf Facebook verzichten kann und sich davon abwendet.. ich hoffe, dass ich den Facebook Untergang noch erleben werde...
    43 4 Melden
  • olmabrotwurschtmitbürli 22.05.2018 20:24
    Highlight Ich sehe da leichte Fortschritte in der KI. Der Bug bei der Vorversion vor dem US-Senat war ja übel...
    17 0 Melden
  • Factfinder 22.05.2018 19:44
    Highlight Ist aber lieb dass sich eine EU-Organisation gegen "Falschnachrichten" einsetzt.
    Echt lieb von denen.
    In der UdSSR gab's das auch.
    19 26 Melden

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