Ford stellte 1958 das Konzeptauto «Nucleon» vor, ein Gefährt angetrieben mit Atomenergie. Umgesetzt wurde es nie.  symbolbild: shutterstock

Die grössten Flops der Tech-Geschichte

Klingelt's bei Video 2000? Apples Newton? Oder Ford Nucleon? Viele technische Erfindungen sind spektakulär gefloppt – obwohl es sich um gute Produkte handelte. 

06.10.17, 13:43

Benedikt Plass-Flessenkämper

Ein Artikel von

Mit einer guten Erfindung muss man einfach Erfolg haben. Diesem Irrglauben erliegen viele Start-ups. Doch nicht nur junge und kleine Unternehmen scheitern mit innovativen Produkten, auch Grosskonzerne sind nicht vor Flops gefeit. Ganz egal, wie viel sie in Marketing und PR pumpen – so manche verheissungsvolle Idee wird einfach nicht vom Markt angenommen.

Hier kommen sie also, die grössten Tech-Flops der Geschichte

Video 2000

bild: Aixsellent

Die Besonderheit von Video 2000 war, dass man die Kassetten drehen und somit doppelseitig bespielen konnte. Mit der Longplay-Funktion liessen sich bis zu 16 Stunden Film- und Fernsehunterhaltung festhalten. Ideal für extralange Videoabende. Doch dieses Argument war wohl zu schwach, um Video 2000 zum Durchbruch zu verhelfen. Das Konzept von Grundig und Philips verlor in den frühen Achtzigern zusammen mit Betamax von Sony den sogenannten «Formatkrieg», welcher in einer langen Ära der VHS-Kassetten mündete. 

DiscoVision und Laserdisc

bild: Discovision Associates

Filme auf magnetischen Bändern zu speichern – ist das eine gute Idee? Eigentlich nicht. Besser geeignet ist die digitale Speicherung. Deswegen konnte in den Neunzigerjahren die DVD ihren Siegeszug antreten. Rund zwei Jahrzehnte zuvor gab es bereits ein ähnliches System. Den Anfang macht in den 1970ern die DiscoVision, ein optisches Speichermedium, auf das Filme gebrannt wurden. Aufgrund von Fehlern verschwanden die «Bildplatten» jedoch bald vom Markt. Auch die bekanntere LaserDisc konnte sich am Massenmarkt nicht durchsetzen. Das lag vor allem am hohen Preis, ein Film kostete umgerechnet nicht selten bis zu 150 Franken.

Da half auch nicht, dass US-Schauspieler Bill Murray auf der Laserdisc «Fun & Games» mit irrwitzigen Zungenbrecher-Reimen für das Medium warb:

HD DVD

bild: microsoft

Die HD DVD («High Density Digital Versatile Disc») war als Quasi-Nachfolger der DVD konzipiert, schaffte es aber nicht, ihren Vorgänger adäquat zu beerben. Denn auch in den 2000er Jahren tobte ein Formatstreit um die neuen High-Definition-Speichermedien. Aus diesem ging die Blu-ray Disc als Sieger hervor, nachdem sich zahlreiche Filmstudios und Elektronikhandelsketten gegen die HD DVD entschieden hatten. Dabei war sich die Technik beider Systeme sehr ähnlich, lediglich bei der maximalen Speicherkapazität hatte die Blu-ray deutliche Vorteile. Die Ära von HD DVD dauerte nur drei Jahre – von 2005 bis 2008. Damit wurde das Medium sogar von der schon damals völlig veralteten VHS-Kassette überlebt. 

VR-Helm Forte VFX1 Headgear

Im Gegensatz zu den Virtual-Reality-Brillen von heute handelt es sich beim VR-Helm «Forte VFX1 Headgear» um eine Art Helm. Der kostete rund 1000 Franken und war so schwer, dass der Träger davon bald Nackenschmerzen bekam. Dazu gesellte sich ein Augenbrennen und eventuell Übelkeit, weil die niedrige Auflösung von 263x230 Pixel mehr als zu wünschen übrig liess. Ob dieser Mankos kein Wunder, dass der VFX1und ähnliche Systeme schnell wieder vom Markt verschwanden. 

Virtual Boy von Nintendo

bild: nintendo

Nintendos 1995 nur in Japan und den USA veröffentlichter Virtual Boy war eine klobige, technisch rückständige VR-Brille mit zwei integrierten LC-Displays. Das als mobiles Handheld vermarktete Gerät brachte ein solch hohes Gewicht auf die Waage, dass es eine zusätzliche Stütze benötigte. Darstellen konnte es nur die Farbe Rot – das war Mitte der 90er, kurz vor Beginn der Playstation-Ära, zu wenig. Ein schwacher 3D-Effekt, etliche über Kopfschmerzen klagende Spieler und ein mageres Spieleangebot verpassten Nintendos VR-Versuch den Todesstoss. 

Apple Newton

bild: apple

Das Kult-Unternehmen von Cupertinho umweht die Aura, nur Erfolge produziert zu haben. Das stimmt jedoch nicht. Zum Beispiel der Newton, ein 1993 vorgestellter PDA («Personal Digital Assistant»). Der zum Luxuspreis von 700 Dollar erhältliche Newton sollte das «digitale Zeitalter definieren» und sei «eine Revolution für die Jackentasche», sagte der damalige Apple-Boss John Sculley – und lag mit diesen Aussagen gründlich daneben. 

Ford Nucleon

symbolbild: shutterstock

In der Boomphase der Atomkraft vertraten viele Autohersteller die Ansicht, dass die Fahrzeuge der Zukunft mit einem kleinen Atomreaktor ausgestattet werden müssen – immerhin galt die Kernspaltung damals als saubere und effiziente Energiequelle. Unter anderem stellte Ford 1958 sein Konzeptauto Nucleon vor. Dieses sollte mit einer «Tankfüllung» rund 8000 Kilometer weit fahren können. Ford wie auch andere Autobauer scheiterten an der Umsetzbarkeit. Zum Glück, muss man heute wohl sagen. 

Sega Dreamcast

bild: sega

Das Konzept der Videospielkonsole Dreamcast galt als revolutionär. Der japanische Hersteller Sega wollte damit die Ära der vernetzten Gaming-Plattformen einläuten und spendierte dem Gerät ein fest verbautes Modem. Gegen «bis zu sechs Milliarden Spieler» könne man mit der Dreamcast antreten, versprach 1999 deren Hersteller Sega. Der PR-Ballon platzte, die Konsole floppte und der japanische Konzern geriet mächtig ins Wanken.

Aibo, der Heimroboter

Bild: TORU HANAI/REUTERS

Der 1999 veröffentlichte Spielzeugroboter von Sony sollte die heimischen vier Wände erobern. Der Plastikhund war unter anderem mit Kameras und einem Computer ausgestattet, womit er seine Umwelt wahrnahm, analysierte und auf die Kommandos seines Frauchens oder Herrchens reagierte. Trotz des recht hohen Preises von über 1500 Franken konnte Sony mehr als 150'000 Exemplare von dem Computervierbeiner absetzen. Das war aber offenbar nicht genug, Sony «schläferte» sein Projekt im Jahr 2006 ein. 

Bildtelefone

bild: telekom

Das Konzept eines Bildtelefons tauchte immer wieder auf. Es gab immer wieder Versuche, die Technologie in der breiten Masse zu etablieren, doch nie gelang es. Selbst dann nicht, als grosse Unternehmen wie Daimler und IBM derartige Bildtelefone intern einsetzten. Heutzutage braucht es keine Hardware-Lösung mehr: Dank Microsofts Skype, Googles Hangouts oder Apples Facetime «videotelefoniert» man heute per Smartphone-App. 

Nokia N-Gage

bild: wikipedia

Der Game Boy war für Nintendo viele Jahre lang ein Riesenerfolg. Und Handys boomten in den jungen 2000er Jahren ebenso. Da lag es nahe, beide Konzepte zu vereinen. Das Ergebnis: Nokias N-Gage. Die Grundidee war gut, die Umsetzung jedoch mies. Die teuren Spiele (Preis je über 30 Franken) erschienen auf Speicherkarten, die man in das N-Gage einsteckte. Dafür musste der Nutzer beim ersten Modell jedes Mal den Akku ausbauen. Beim Telefonieren hielt man das Handy seitlich ans Ohr, was aussah, als bohre man es sich in die Wange. Die verbesserten Nachfolger und auch die Umwandlung zu einer reinen Gaming-Plattform konnten den ruinierten Ruf des N-Gage nicht mehr retten. Im Oktober 2003 veröffentlicht, stampfte Nokia das Projekt im September 2010 endgültig ein. 

Segway Personal Transporter

Bild: DAVID W CERNY/REUTERS

Der seit 2002 erhältliche Stehroller Segway gilt zwar als sicher, leicht bedienbar und hat durchaus eine treue Fangemeinde, doch den grossen wirtschaftlichen Erfolg hat das Konzept eines elektrisch angetriebenen Einpersonen-Transportmittels seinem ehemaligen Hersteller Segway Inc. nicht beschert. Obwohl man dem fahrenden Roller im Alltag immer wieder begegnet, so ist er letztlich doch ein Nischenprodukt geblieben. 

Es gibt viele Gründe, warum ein Produkt scheitert

Woran es lag, dass die Produkte floppten? An der schlechten Qualität? Nicht unbedingt, die Gründe sind vielfältig. Konkurrenten waren schneller auf dem Markt, agierten klüger beim Vertrieb, investierten in schlaueres Marketing. Oder sie gaben keine Versprechen ab, die völlig überzogen wirkten.

So hat sich Technik von damals zu heute entwickelt: 

Ein anderer Grund, warum sich manche Produkte beim Konsumenten durchsetzen und andere nicht, ist trivial: der Preis. Die «Geiz ist geil»-Mentalität lässt grüssen. Die Kaufentscheidung wird ferner auch von Nachbarn und Freunden beeinflusst: Was die Early Adopter empfehlen, muss einfach gut sein. Mundpropaganda ist immer noch die beste und wirkungsvollste Form des Marketings.

Pornoindustrie hat eine Schlüsselrolle

Manchmal können es zudem ganz bestimmte Entscheidungen sein, die ein Produkt erfolgreich machen. So soll beispielsweise die Pornoindustrie der VHS-Kassette zum Durchbruch verholfen haben. Und auch die Videoformat-Schlacht von HD DVD gegen Blu-ray Disc soll letztlich die Erotikbranche entschieden haben, weil sie der Blu-ray den Vorzug gab.

Oft gibt es mehr als nur einen Grund, warum sich gerade Produkt A und nicht Produkt B durchsetzt. Doch für die moderne Legendenbildung ist die Sexindustrie immer gut geeignet. Es wäre kein Wunder, wenn plötzlich die Darstellung von Brüsten darüber entscheidet, was morgen im Technikbereich angesagt sein könnte. Etwa beim aktuellen Tech-Liebling Virtual Reality, dem sich schon einige Pornoanbieter zugewandt haben.

Virtual Reality war übrigens ein Thema, an dem man in den Neunzigern kaum vorbeikam, das dann aber kolossal floppte: Manchmal feiern einst gescheiterte Visionen doch noch ihr erfolgreiches Comeback. (gin)

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