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Der Weg zur Tür der Harmonie führt über offene Gespräche, nicht Stille. 
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Bild: Kafi Freitag
FRAGFRAUFREITAG

Hallo, ich führe mit meinem Partner seit sieben Jahren eine schöne Beziehung mit Höhen und Tiefen. Nun sind wir vor Kurzem Eltern geworden und es steht der erste Muttertag an. 

07.05.2015, 12:0707.05.2015, 12:35

Ich würde mir soooooo sehr wünschen, dass mich mein Partner irgendwie überrascht. Ich erhielt zu gefühlten tausend Anlässen (Geburtstag, Valentinstag, Weihnachten, Jahrestag ...) keine Aufmerksamkeit, während ich mich stets bemühe, ihn zu überraschen. Ich würde mich sehr freuen, wenn er jetzt die Gelegenheit nutzt und mich mit was Kleinem überrascht. Wie kann ich ihm einen Wink geben, ohne dass es doof rüberkommt? Jasmine, 22

Liebe Jasmine 

Sie sind 22 Jahre alt und feiern bereits den 1. Muttertag? Das ist ja grossartig, wow! Ich bin ein grosser Fan von jungen Müttern im sprichwörtlichen Sinn, womit ich meine, dass ich eben nicht 44-jährige Mütter, die vor einer Woche ein Kind bekommen haben, meine, aber auch von denen bin ich Fan, weil ich vor jeder Mutter in jedem Alter ganz grossen Respekt und Hochachtung habe. Aber das ist ein anderes Thema.

Sie fiebern nun also Ihrem ersten Muttertag entgegen und würden sich wünschen, endlich einmal überrascht zu werden und ich kann Ihnen versichern, das werden Sie auch. Und zwar dahin gehend, dass wieder nichts passieren wird.

Wenn Sie mir nämlich sagen, dass Sie seit nunmehr sieben Jahren eine Beziehung führen und seit nunmehr sieben Jahren auf eine Überraschung warten, dann wird sie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch diesmal nicht kommen. Ausser vielleicht, Sie sprechen das Thema offen und ehrlich an.

Wir Frauen wünschen uns in Beziehungen nicht selten, dass man uns die Wünsche von den Augen abliest, und tragen dabei eine dunkle Sonnenbrille, anstatt dass wir mit unseren Bedürfnissen rausrücken, indem wir über sie reden. Und ich gehe davon aus, dass Sie in den letzten sieben Jahren viel in Überraschungen für Ihren Freund investiert haben, anstatt in ein klärendes Gespräch. Das kann man natürlich auf diesem Weg versuchen und es kann auch sein, dass diese Strategie funktioniert. Ganz frei nach «Wie du mir, so ich dir». Aber es kann auch vollkommen nach hinten losgehen und Ihren Partner total unter Druck setzen. Schliesslich sind Ihre kleinen Gesten an ihn nicht frei von Erwartungen und das spürt ein Mensch sofort, auch wenn es nonverbale Botschaften sind, die man damit aussendet. Und haben Sie sich eigentlich schon gefragt, ob Sie ihm damit überhaupt eine Freude machen oder ob es mehr darum geht, ihm etwas anzudeuten?

Gehen Sie lieber in die Offensive und reden Sie Klartext mit ihm. Das verstehen Männer in der Regel besser und es entspricht auch eher der Art männlicher Kommunikation. Sie müssen das Gespräch ja nicht mit Vorwürfen und Forderungen starten, sondern können ihm in normalem Ton sagen, dass Sie den ersten Muttertag vor sich haben und sich freuen würden, wenn er Sie mit einem Abendessen in einem Restaurant überraschte. Sagen Sie ihm, dass eine solche Geste mit Wertschätzung zu tun hat. Und Sie sich genau über diese sehr freuen würden. Sie werden das in Ihrer Beziehung noch oft machen müssen, wenn diese für Sie befriedigend sein soll. Sehen Sie es darum sportlich und als Lernaufgabe.

Was sagen Sie, das ist ja dann keine Überraschung mehr? Ja, mag sein. Aber bitte bedenken Sie, dass es nicht allen Menschen von Natur aus gegeben ist, andere mit tollen Plänen zu überraschen. Schenken ist eine hohe Kunst und wird längst nicht in allen Familien kultiviert und gelehrt. Seien Sie darum nachsichtig und geben Sie Ihrem Partner etwas Starthilfe, damit er nicht vollkommen überfordert ist. Und seien Sie bitte nicht enttäuscht, wenn es nicht beim ersten Mal der volle Treffer ist. Solche Aktionen brauchen etwas Übung. Und es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.

 Ganz herzliche Grüsse zum baldigen Muttertag! Und alles Liebe. Ihre Kafi.

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Kafi Freitag (39) beantwortet auf ihrem Blog www.FragFrauFreitag.ch Alltagsfragen ihrer Leserschaft. Daneben ist sie Mitbegründerin einer neuen Plattform für Frauen: Tribute.ch.



Im analogen Leben führt sie eine Praxis für prozessorientiertes Coaching (www.FreitagCoaching.ch) und fotografiert leidenschaftlich gern. Sie ist verheiratet und Mutter eines zehnjährigen Sohnes.



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Bild: Kafi Freitag
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