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Auto-Abos boomen in der Schweiz – doch es gibt ein Problem

Ein neues Auto fahren zu können, ohne es zu leasen und ohne sich um Ausgaben kümmern zu müssen: Das versprechen Auto-Abos. Der Markt ist zunehmend umkämpft – und hat seine Tücken.
26.07.2021, 10:0726.07.2021, 11:40
stefan ehrbar

Wer sich auf der Internetseite des Auto-Abo-Marktführers Carvolution umsieht, muss sich als Autokäufer dumm vorkommen. Im Vergleich zum Leasing werden Neuwagen mit bis zu 50 Prozent Preisabschlag beworben, in bezahlten Interviews auf Onlineportalen erzählt eine Kundin, warum sie die «sensationelle Idee» vom Autokauf abgehalten habe und Carvolution-Chef Olivier Kofler lässt sich zitieren, dass ein Abo löse, wer richtig rechne.

Genaue Zahlen gibt es nicht, doch Carvolution dürfte auf einen Marktanteil von etwa 80 Prozent kommen. Die Konkurrenz wird allerdings stärker. Kein Wunder: Dem Markt werden traumhafte Wachstumsaussichten bescheinigt. Aktuell dürften laut Aussagen von Carvolution-Chef Olivier Kofler etwa 1,5 bis 2 Prozent der Neuzulassungen von Fahrzeugen in der Schweiz auf Abos zurückzuführen sein. Das wären im ersten Halbjahr etwa 1'900 bis 2'500 Fahrzeuge gewesen.

Bis 2030 könnten Abos aber einen Anteil von bis zu 40 Prozent an den Neuzulassungen erreichen, schreibt der Auto Gewerbe Verband Schweiz. Das wären deutlich über 100'000 Fahrzeuge pro Jahr.

Der Auto-Abo-Service ist in der Schweiz auf dem Vormarsch.
Der Auto-Abo-Service ist in der Schweiz auf dem Vormarsch.
Bild: Shutterstock

Auch Amag lanciert Abo

Kürzlich hat der grösste Autohändler der Schweiz, die Amag, ein neues Abo-Modell lanciert. «Amag Retail» bietet seinen Kunden seit Mai mit einem Abo «eine zeitgemässe, alternative und flexible Mobilitätslösung an», wie es Sprecher Emanuel Steinbeck ausdrückt. Angeboten werden Occasions-Fahrzeuge der Personenwagen-Marken VW, Audi, Skoda, Seat sowie VW Nutzfahrzeuge ab einer Laufzeit von 12 Monaten. Die Autos sind ein bis drei Jahre alt.

Es ist bereits die zweite Auto-Abo-Offensive der Amag: Unter dem Namen «Clyde» bietet sie seit 2019 ein Modell an, das im Gegensatz zu jenem von Amag Retail auf neuwertige Fahrzeuge setzt. In den letzten Monaten sei Clyde um nahezu 300 Prozent gewachsen, sagt Steinbeck. «Es dürfte aktuell der wohl am schnellsten wachsende Abo-Service in der Schweiz sein». Die Abo-Zahlen bewegten sich im vierstelligen Bereich.

Bald über 100'000 Autos pro Jahr?

Auto-Abos zeichnen sich durch eine vordefinierte Laufzeit und Kilometerpakete aus. Nach Ablauf müssen die Autos zurückgegeben werden, wobei meist eine Verlängerung und seltener auch ein Kauf möglich ist. Während der Laufzeit sind alle Kosten ausser das Tanken inklusive – also Service und Wartung, Fahrzeugsteuern, Reifenwechsel und die Versicherungen.

Beim Leasing hingegen müssen diese Kosten selbst berappt werden, hinzu kommt eine Anzahlung. Während Abos in den meisten Vergleichen günstiger abschneiden als Leasing-Angebote, ist der Vergleich mit Autokauf weniger eindeutig. Je nach Dauer des Autobesitzes ist der Kauf häufig weiterhin die günstigere Variante.

Immer mehr Anbieter

Allerdings ermöglicht das Abo eine zunehmend gefragte Flexibilität: Nach wenigen Monaten können Kunden auf ein neues Auto wechseln oder sich wieder vom Auto verabschieden, wenn sie keines mehr brauchen. Auch nutzen viele Kunden die Abos, um etwa Elektrofahrzeuge auszuprobieren.

Der Glaube an das Modell ist gross. Mittlerweile sind auch die Versicherung Axa mit ihrem Angebot Upto, der Autohändler Emil Frey, der Anbieter Flatdrive und die Mietwagen-Firmen Hertz und Sixt mit einem eigenen Abo-Modell auf Kundenfang in der Schweiz.

«Das Potenzial ist enorm»

Seit Herbst 2020 mischt zudem die französische Grossbank BNP Paribas mit. Sie bietet Geschäftskunden über ihren Ableger Arval bereits seit 20 Jahren Flottenmanagement und Fahrzeuge an. Nun nimmt sie Private ins Visier. Arval-Manager Pascal Seeger spricht von einem nächstlogische Schritt für die Firma, die sich sehr erfolgreich im Geschäftskunden-Bereich etabliert habe und auf dem Schweizer Markt führend sei.

Nach mehreren Hundert Verträgen in den ersten Monaten seit dem Ausrollen von «Arval für Privatkunden» erwarte er in den kommenden Monaten und Jahren ein starkes Wachstum, sagt Seeger. Rund zwei Drittel der Autos auf Schweizer Strassen würden von Privatpersonen gelenkt: «Das Potenzial ist also enorm». Er sei überzeugt, dass sich der Trend von «kaufen» zu «nutzen» fortsetzen werde. Das liege hauptsächlich an Vorteilen wie Wirtschaftlichkeit oder Komfort. Arval wolle nun auch mit branchennahen Vertriebspartnern zusammenarbeiten. Ein Beispiel dafür ist die Zuger Abo-Anbieterin Navigas Mobility, die ebenfalls Fahrzeue von Arval vertreibt.

Es geht nur ums Auto

Das Geschäft hat allerdings auch seine Tücken. Um tiefe Preise anbieten zu können, sind Anbieter auf Skaleneffekte und durchgängig digitale Lösungen mit möglichst viel Automatisierung angewiesen. Anbieter mit einem Hintergrund in der IT-Welt haben einen Vorteil. Zwar bieten mittlerweile auch klassische Automarken wie Toyota ein Abo-Modell an oder arbeiten wie BMW oder Mini mit externen Partnern zusammen. Andere hingegen haben das Thema vertagt – so etwa Volvo. Zwar heisst es auf der Webseite, das Abomodell werde bald in der Schweiz auf den Markt kommen. Einen Zeitpunkt nennt der schwedische Autobauer auf Anfrage aber nicht.

Das Rad haben die Abo-Anbieter nicht neu erfunden. «Im Kern ist ein Abo – wenn auch juristisch anders – ein Fullservice-Leasing mit variablerer Kündigungsfrist», sagt Emanuel Steinbeck von der Amag. «Wie gross dieser Markt für die Flexibilität schlussendlich ist, wird sich weisen. Der Kunde abonniert beispielsweise auch den Streaming-Dienst Netflix nicht, weil es Netflix ist, sondern weil ihm die Filme dort gefallen», sagt er. Übersetzt bringt das Steinbeck auf eine ziemlich einfache Formel: «Der Kunde will ein Auto.» (ch media)

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