Gesundheit
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Umstrittene Partnerschaft: Philip Morris unterstützt den Schweizer Pavillon an der Expo 2020 in Dubai als Hauptsponsor. bild: Visualisierung: EDA/Präsenz Schweiz

Umstrittenes Tabak-Sponsoring: Stoppt Ignazio Cassis die Partnerschaft mit Philip Morris?

Sogar die Weltgesundheitsorganisation ist entsetzt darüber, dass der Tabakkonzern Philip Morris den Schweizer Pavillon an der Weltausstellung sponsert. Jetzt kündigt der zuständige Aussenminister eine Überprüfung an: Er will «die Sache genau anschauen».

Sven Altermatt / ch media



Es kommt nicht häufig vor, dass sich eine Behörde der Vereinten Nationen so dezidiert in eine Angelegenheit der Schweiz einmischt: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist entsetzt wegen einer umstrittenen Partnerschaft des Landes. Während die Schweiz einerseits viel Geld in die Tabakprävention steckt und ihren Bürgern die Lust aufs Rauchen austreiben will, lässt sie andererseits ihren Pavillon an der Weltausstellung 2020 in Dubai vom weltgrössten Tabakkonzern sponsern.

Seit die Redaktion von CH Media die Zusammenarbeit von Philip Morris mit dem Aussendepartement enthüllt hat, laufen Politiker und Gesundheitsexperten dagegen Sturm. Sogar das Bundesamt für Gesundheit bedauerte in dieser Zeitung, dass die Zusammenarbeit «im Widerspruch zur Präventionsstrategie des Bundes» stehe.

Unterdessen hat sich auch die WHO eingeschaltet. Jeder Staat stehe in der Verantwortung, seine Bevölkerung vor Krankheit und Tod zu schützen, die durch Tabakkonsum verursacht werden, appelliert die UNO-Behörde mit Hauptquartier in Genf regelmässig an ihre 194 Mitgliedsstaaten. «Dass nun ausgerechnet die Schweiz als Sitzstaat der WHO eine Sponsoring-Partnerschaft mit einem Tabakkonzern eingeht, ist sehr bedenklich», erklärte die WHO in den Tamedia-Zeitungen.

Sie erinnert daran, dass der Tabakkonsum weltweit pro Jahr acht Millionen Menschen tötet; in der Schweiz sterben laut Bund jährlich 9500 Personen an dessen Folgen. Trotzdem versuche die Tabakindustrie die Präventionsanstrengungen von Regierungen und internationalen Organisationen zu unterlaufen, kritisiert die WHO. Sie hat deswegen in Bern «bei hohen Stellen interveniert». Ein WHO-Sprecher bestätigte, dass solche Gespräche laufen.

Ohnehin hält die WHO das Tabak-Sponsoring im Rahmen der Weltausstellung für unzulässig. Denn die Expo in Dubai steht unter der Aufsicht des Bureau International des Expositions (BIE) in Paris, dessen Mitglied die Schweiz naturgemäss ebenfalls ist. Die WHO verweist auf eine Vereinbarung, die seit acht Jahren mit der zwischenstaatlichen Organisation bestehe. Demnach ist Tabak-Sponsoring an Weltausstellungen untersagt. Dies gelte im Übrigen auch für E-Zigaretten, hält die WHO fest. Sie will sich an das BIE wenden: «Wir werden darauf drängen, dass die Vereinbarung auch im Schweizer Pavillon in Dubai eingehalten wird.»

Aussendepartement von Ignazio Cassis reagiert

Im Zentrum der Kritik steht Aussenminister Ignazio Cassis. Pikant: Der Freisinnige ist seit langer Zeit der erste Arzt im Bundesrat, jahrelang arbeitete er als Präventivmediziner. Nachdem es das Engagement zuvor tagelang verteidigt hatte, liess das Aussendepartement am Montagabend auf Anfrage durchblicken, dass das letzte Wort in der Causa noch nicht gesprochen sein dürfte. «Bundesrat Ignazio Cassis ist über den Stand des Sponsorings für Dubai 2020 noch nicht im Detail orientiert», sagte sein Sprecher.

Der Aussenminister werde die Sponsoring-Partnerschaften – «insbesondere derjenigen von Philip Morris» – nun analysieren, Handlungsoptionen abklären und danach entscheiden. Der Sprecher betont:

«Als Präventivmediziner ist Bundesrat Cassis die Prävention gegenüber den schädlichen Folgen des Tabakkonsums ein grosses Anliegen.»

Deshalb werde er sich die «Sache entsprechend genau anschauen». So oder so werde man alles unternehmen, «um sicherzustellen, dass in keiner Weise der Eindruck entsteht, dass der Bund den Konsum von Tabakerzeugnissen fördert».

Hochgiftige Schadstoffe in Filtern von Tabak-Sticks: Hauptsitz des Tabakkonzerns Philip Morris in Lausanne.

Bild: KEYSTONE

Philip Morris hält am Engagement fest

Philip Morris wies derweil die Kritik zurück und erklärte, man halte am Engagement fest. Der Konzern will in Dubai «die Bedeutung und die globale Bühne einer der weltweit führenden internationalen Messen nutzen».

Rund 1.8 Millionen Franken bezahlt Philip Morris für die Expo-Partnerschaft. Der Konzern bekommt dafür ein Sponsoring-Paket mit über 30 Leistungen und darf sich mit dem «Image der offiziellen Schweiz» schmücken. In einem separaten Pavillon-Bereich, der ab 21 Jahren zugänglich ist, wird er eine «Alternative zur traditionellen Zigarette» präsentieren. (aargauerzeitung.ch)

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34Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • PapaBär 23.07.2019 20:51
    Highlight Highlight Es ist einfach traurig. Das Verhalten von Hr. Chassis ist das Eine, dass so etwas trotz aller Kommissionen und am Gesamtbundesrat vorbei so zustande kommt, ist für mich schlicht nicht nachvollziehba. Offenbar geht es wirklich nur noch um den Mammon... siehe auch die nicht wenigen problematischen Geschäftspartner der Schweiz... und wie diese umgarnt werden. Bleibt zu hoffen, dass hier noch was korrigiert wird.
  • murrayB 23.07.2019 19:43
    Highlight Highlight Die Tabakindustrie ist seit Jahren ein fester Bestandteil der Schweiz - von dem her sehe ich nichts falsches, dass man auch ein Schweizer Sponsoring bevorzugt...

    Und das sage ich als Nichtraucher!
  • TanookiStormtrooper 23.07.2019 14:03
    Highlight Highlight Wir brauchen gar keine Lobbyisten, wir wählen sie gleich direkt. Bleibt zu hoffen, dass Cassis den blocherischen Weg geht und bei nächster Gelegenheit abgewählt wird. Es zeigt sich immer mehr, dass er kein Fettnäpfchen auslässt und zum Bundesrat schlicht nicht taugt. Das passiert wohl, wenn die Herkunft wichtiger ist als die Kompetenz. Ich würde dem Tessin einen Bundesrat gönnen, aber damit tut man auch der italienischen Schweiz keinen Gefallen...
  • Ali G 23.07.2019 12:20
    Highlight Highlight Der Erfolg der Schweiz gründet auf Neutralität und das Firmen nicht mit der Moralkeule vertrieben werden.
    Aus Staatssicht sind unsere Tabakkonzerne sehr gute Arbeitgeber mit fairen Anstellungsbedingungen sogar für die weniger Gebildeten.
    Darum soll jede schweizer Firma das gleiche Recht erhalten das Land zu vertreten wenn Sie das möchte.
    • Moelal 23.07.2019 14:21
      Highlight Highlight Das hat nun rein gar nichts mit einer Moralkeule zu tun. Dies ist eine etwas dümmliche Formulierung. Nikotin ist nun einmal für fast 9000 Tote im Jahr in der Schweiz verantwortlich. Was hat dies bitte mit Moral zu tun?
  • Willy.Hufschmid 23.07.2019 09:33
    Highlight Highlight Dass er davon nichts gewusst hat, kauf ich ihm nicht ab. Das ganze Konzept eines Pavillons an der Weltausstellung muss ja wohl geplant und genehmigt werden. Typische FDP Politik. Auf beiden Augen blind wenn es um Anliegen und Geschäfte der Wirtschaft geht.








    • Moelal 23.07.2019 14:22
      Highlight Highlight Richtig natürlich hat er es abgewunken. Er ist direkt verbandelt mit PM...
  • Buoenito 23.07.2019 09:23
    Highlight Highlight Gab es denn keine anderen, die Schweiz besser vertretenden Interessenten für das Sponsoring? Die grossen der Finanzindustrie (UBS, CS, Zürich etc.) oder die Uhrenbranche (Swatchgroup, Rolex etc.) wären sicher passendere Sponsorpartner gewesen.
    • Charming 23.07.2019 12:36
      Highlight Highlight Nein sicher nicht, Bildung, Forschung, Innovation...positive Images! Wieder einmal eine desaströse Leistung der Unfähigen...Abwählen die Bürgerlichen, es ist genug!
  • Alice36 23.07.2019 07:28
    Highlight Highlight Ja dann überprüft mal schön. Ihr gebt in Bern Milliarden für Militärgerümpel aus, ihr verzichtet auf Steuern der Wirtschaft das die Schwarte kracht dann werdet ihr wohl noch die 1.8 Milliönchen an Spaziermünz aufwerfen können um euren tollen Pavillon aufzustellen damit die Scheich's merken wo sie ihre Kohle investieren sollen.
    Kleiner Tipp: Verzichtet doch einfach auf die Subventionen für den Tabakanbau an unsere Bauern dann habt ihr sogar noch Geld übrig das ihr in Dubai verlochen könnt.
  • Thomas Melone (1) 23.07.2019 07:09
    Highlight Highlight Einmal mehr macht der drittschlechteste Bundesrat aller Zeiten seinem Ruf alle Ehre.
    • Caturix 23.07.2019 07:40
      Highlight Highlight Er will auf Platz 1 kommen.
    • pamayer 23.07.2019 08:53
      Highlight Highlight Wer sind dann die erst- und zweitschlechteste Bundesräte neben Blocher und Maurer und Parmelin?
    • Charming 23.07.2019 12:31
      Highlight Highlight Der schlechteste war Blocher dann folgt schon Maurer oderParmelin, ja dann stimmts...!
    Weitere Antworten anzeigen
  • esclarmonde 23.07.2019 07:05
    Highlight Highlight Er will „die Sache genau anschauen“. Mit gesundem Menschenverstand und als Arzt hätte er es gar nicht erst so weit kommen lassen müssen.
    • NotWhatYouExpect 23.07.2019 08:24
      Highlight Highlight Als Arzt? Du denkst also ein Arzt macht nur richtige entscheidungen bezüglich Gesundheit?

      You dreamer du ;)
    • esclarmonde 23.07.2019 09:22
      Highlight Highlight @NotWhatYouExpect In seiner aktuellen Position ist er nun mal öffentlich und ausgestellt und hat entsprechend eine Vorbildfunktion. Aber er hat seit Amtsantritt nicht gerade oft geglänzt... Von daher: ja, Dreamer 😂
  • Spamalotto 23.07.2019 07:01
    Highlight Highlight Wikipedia: "Der Begriff Praktikum (Plural: „Praktika“) bezeichnet eine auf eine bestimmte Dauer ausgelegte Vertiefung erworbener oder noch zu erwerbender Kenntnisse in praktischer Anwendung oder eine Mitarbeit für das Erlernen neuer Kenntnisse und Fähigkeiten in einem Betrieb."
    Drum: Seid doch nicht so... Der Ignazio ist doch noch am Lernen....
    • Charming 23.07.2019 12:41
      Highlight Highlight Er ist ein Praktikant und wird es bis zu seiner Abwahl auch bleiben...!
  • Pius C. Bünzli 23.07.2019 06:14
    Highlight Highlight "...dass die Zusammenarbeit «im Widerspruch zur Präventionsstrategie des Bundes» stehe."

    Wird nicht etwa gleichviel Geld für Subventionen im Tabakanbau ausgegeben wie für die Prävention?
    • 獅鳥 lionbird 23.07.2019 08:32
      Highlight Highlight Naja die paar Milliönchen. Es dürfen ja auch nicht zu viele aufhören, wer stopft sonst das Loch von über 2 Mia. jährlich in AHV/IV?
      So lange das so ist kann ich „Prävention“ eh nicht ernst nehmen, die vor allem aus medialen Imagegründen betrieben wird.
  • Raphael Stein 23.07.2019 05:46
    Highlight Highlight Da gibts nichts anzuschauen. Da gibts zu entscheiden.
  • cada momento 23.07.2019 05:29
    Highlight Highlight Als unser Repräsentant für die Weltausstellung in Dubai, wäre die Ruag ebenfalls geeignet und tödlich wie Tabak. Oder Gölä?
    • Charming 23.07.2019 12:42
      Highlight Highlight Göla ins Spiel zu bringen ist unfair - er hat sowieso keinen Schimmer!
  • Spooky 23.07.2019 05:15
    Highlight Highlight "Sogar das Bundesamt für Gesundheit bedauerte,
    dass die Zusammenarbeit «im Widerspruch zur Präventionsstrategie des Bundes» stehe."

    Ich sehe da keinen Widerspruch. Aber das Ganze wurde falsch aufgezogen. Philip Morris und Ignazio Cassis sollten sagen, es handle sich nicht um Sponsoring, sondern um eine Spende. Dann wäre der Fall gelöst.

    Reiche Leute spenden ja auch Geld für gute Zwecke. Zum Beispiel Bill Gates oder Roger Federer. Und dagegen hat ja auch niemand etwas einzuwenden.

    "Die linke Hand soll nicht wissen, was die rechte tut."
    • pamayer 23.07.2019 08:55
      Highlight Highlight Spende ist immer gut. Noch besser, wenn zu meinen Gunsten.

      Hi, Spooky. 👋🏼
    • Charming 23.07.2019 12:43
      Highlight Highlight Und wo ist der gute Zweck...?
    • Spooky 23.07.2019 18:57
      Highlight Highlight Hi, pamayer

      Heheeee !!! Du hast die richtige Einstellung 💪😂😆
    Weitere Antworten anzeigen
  • Hexenkönig 23.07.2019 05:00
    Highlight Highlight Klimgt jetzt böse, aber vielleicht kommt das ja davon, wenn man Politiker wegen ihrer Herkunft, statt ihrer Fähigkeiten und ihrem Rückgrat wählt.

    Cassis leistet damit v.a. jenen einen Bärendienst, welche ihre Randregionen seriös vertreten möchten...
    • FrancoL 23.07.2019 08:33
      Highlight Highlight Das ist nicht böse, sondern ein Grundproblem bei der Wahl der Bundesrät/Innen.
    • Charming 23.07.2019 12:44
      Highlight Highlight Nicht nur der Bundesrät/Innen generell des Parlaments mit Ausnahmen im linken Spektrum...!

Hälfte der Kantone hat Chlorothalonil-verunreinigtes Grundwasser

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