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viktoria weber abfall

So viel Abfall an nur einem Tag – das Verbesserungspotenzial ist riesig. Bild: watson

Ein Leben ohne Müll?

Ein Tag ohne Abfall: Was eine junge New Yorkerin seit zwei Jahren macht, kann ich auch. Nicht.

Dass wir alle zu viel Müll produzieren, ist nichts Neues. Wer wirklich etwas ändern möchte, merkt jedoch schnell, dass das gar nicht so einfach ist. So lange man am «normalen» Leben teilhaben möchte, produziert man praktisch ständig Abfall.



Die 23-jährige Lauren Singer ist mit einem gut gemeinten Projekt zu Berühmtheit gelangt: Nachdem sie sich vor Augen geführt hatte, wie viel Abfall jeder von uns Tag für Tag produziert, hat sie sich entschieden, ihr Leben vollständig umzukrempeln – und ihre Müllproduktion auf null zu reduzieren.

In einem Interview erzählt sie, wie sie Zahnpasta und Deo selbst anrührt und wie sie ihre Einkäufe minutiös plant, damit sie keinen Müll produziert. Seit inzwischen zwei Jahren sei sie damit absolut erfolgreich. Um auch beim Kleiderkauf ein gutes Vorbild zu sein, geht sie hauptsächlich in Second-Hand-Läden shoppen.

Der Gedanke gefällt uns wirklich gut und ihr Einsatz muss sicher gelobt werden. So ganz glaubwürdig erscheint uns die Geschichte aber dennoch nicht. Nur schon die Tatsache, dass die junge New Yorkerin im Video geschminkt ist, wirft Fragen auf. Denn die Produkte, die sie verwendet hat, waren sicher mal in einer Verpackung, die sie am Ende – wohl oder übel – wegwerfen musste. Es sei denn, sie würde diese Dinge auch alle selbst anrühren.

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Wir wollen an dieser Stelle nicht päpstlicher wirken als der Papst. Spinnt man diesen Gedanken jedoch weiter, kommen einem so viele Dinge in den Sinn, die schlicht und einfach jeder von uns verwendet und die nun mal in Verpackungen geliefert werden, die dann früher oder später im Kübel landen. Ein Leben ganz ohne Abfall erscheint im heutigen Zeitalter schlicht unmöglich.

Ich mache den Selbsttest

Achtest du darauf, wie viel Müll du Tag für Tag produzierst?

Um ihr Anliegen publik zu machen, hat sich Singer sowohl einen Instagram- als auch einen Twitter-Account zugelegt. In beiden Fällen postet sie unter dem Pseudonym @Trashis4Tossers – was so viel heissen soll wie «Müll ist was für Wichser».

Als ein solcher möchte ich nun wirklich nicht gelten, also versuche ich, mir die Müllproblematik etwas stärker bewusst zu machen. Um herauszufinden, wo ein jeder von uns etwas ändern könnte, mache ich den folgenden Test: Einen Tag lang lebe ich so, wie es die meisten von uns tun. Sprich: Ich mache mir keine Gedanken über die Müllproduktion und verhalte mich ganz «normal». Mit einem kleinen Unterschied: Statt meinen Abfall wegzuwerfen, hebe ich ihn auf – und mache am Ende des Tages Fotos von den gesammelten Werken.

Was dabei herausgekommen ist, siehst du hier:

So viel Müll produziere ich an einem ganz normalen Tag

Und das waren nur die Verpackungen, die ich an diesem einen Tag tatsächlich weggeworfen habe. Selbstverständlich habe ich noch einige weitere Produkte verwendet, deren Verpackungen ich erst dann wegschmeissen werde, wenn sie leer sind: zum Beispiel Duschgel, Shampoo und Schminke am Morgen, Olivenöl, Essig und Co. für das Salatdressing am Abend. 

Es muss sich etwas ändern

Am nächsten Tag mache ich mir Gedanken darüber, welchen Abfall ich wie hätte vermeiden können. Das Ergebnis ist durchwachsen: Einen gewissen Teil könnte ich sicher mit ganz geringem Aufwand einsparen, bei anderen Abfallprodukten wird es schon etwas schwieriger – und bei wieder anderen Teilen fällt mir spontan keine Lösung ein.

Teil 1: Abfall sparen leicht gemacht

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Einen beachtlichen Teil meines Abfalls könnte ich mit einfachen Mitteln vermeiden. Bild: watson

All die Papiertücher, die ich zum Nasenputzen, zum Händetrocknen, zum Abschminken und zum Brilleputzen benutzt habe, könnte ich wohl ziemlich einfach durch entsprechende Pendants aus Stoff ersetzen. Ob man sich mit einem Waschlappen genauso gut abschminken kann wie mit einem speziellen Pflegetuch, sei jetzt mal dahingestellt. Aber irgendwie würde das schon gehen.

Andererseits stellt sich die Frage nach dem Wasserverbrauch. Denn in dem Moment, in dem ich Brillenputztücher, Taschentücher, Handtücher und Waschlappen aus Stoff verwende, müssen diese regelmässig gewaschen werden. 

Um auch in diesem Bereich etwas Gutes für die Umwelt zu tun, hat Singer angefangen, chemiefreie Waschmittel und Haushaltsreiniger zu produzieren. Via Crowdfunding hat die New Yorkerin so viel Geld gesammelt, dass sie ihr eigenes Start-up gegründet hat und diese Produkte nun verkauft.

Teil 2: Abfall sparen auf höherem Niveau

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Mit etwas Mühe könnte ich auch diese Abfallprodukte vermeiden. Bild: watson

Bei den ganzen To-go-Produkten wäre der Aufwand schon etwas grösser als bei den Papiertüchern – aber immer noch durchaus machbar. Beim Bäcker könnte ich zum Beispiel einen eigenen Becher abgeben, damit die Verkäuferin den Kaffee dort hinein füllt, statt in einen Pappbecher. Und das Zmorge könnte sie mir direkt in die Hand geben, statt es in eine Tüte zu packen. Ich könnte es dann in eine von mir mitgebrachte Brotdose tun.

Als Singer ihr Müll-Projekt begonnen hat, konzentrierte sie sich vor allem auf den Plastikabfall. Denn dieser bereitete ihr am meisten Sorgen. Auch in meiner Tagessammlung lässt sich eine ganze Menge davon finden. Mal sehen, was sich tun liesse.

Das Restaurant, in dem ich mein Zmittag geholt habe, hat uns eine Zeit lang die hauseigenen Teller mitgegeben. Ich weiss nicht, ob wir zu langsam mit dem Zurückbringen waren, jedenfalls verkaufen sie uns seit einiger Zeit die Pasta nur noch in der Plastikpackung. Eine Möglichkeit wäre es natürlich, auch hier einen eigenen Teller oder eine Tupper-Dose abzugeben und den Koch darum zu bitten, die Pasta dort hinein zu füllen.

Da die meisten Lebensmittel im Supermarkt abgepackt sind, müsste ich mein Kaufverhalten ändern. Würde ich auf dem Markt oder direkt beim Metzger einkaufen, liessen sich die Verpackungen für Fleisch, Salat und Kartoffeln einsparen.

Teil 3: Abfall sparen nur durch Verzicht möglich

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Tschüss ihr lieben Süssigkeiten, es war schön mit euch. Bild: watson

Bei allen restlichen Abfallprodukten stosse ich wirklich an meine Grenzen: Der Schleckstengel, die Schokolade und die Kaugummis werden nun mal in ihren Verpackungen geliefert. Wollte ich meine Müllproduktion also tatsächlich auf null reduzieren, müsste ich auf diese Produkte verzichten.

Die Coop-Quittung lässt sich auch nicht vermeiden. Bei der Self-Check-Out-Kasse werde ich nicht gefragt, ob ich sie haben möchte oder nicht. Und an der «normalen» Kasse würde mich der Kassierer oder die Kassiererin zwar danach fragen– ausgedruckt wird die Quittung von der Kasse aber so oder so.

Mein Fazit

Beim Müllsparen ist es wohl so wie mit vielen Dingen: Ein gewisses Mass an Bemühungen kann sicher nicht schaden – aber es darf nicht ins Extrem rutschen. Denn der völlige Verzicht auf jegliche Leckereien wäre nichts für mich. Und auch sonst erscheint mir der Aufwand etwas zu gross, um tatsächlich jedes einzelne Abfallprodukt einzusparen.

Dennoch hat mir der Test die Stellen aufgezeigt, an denen ich ohne grosse Mühe etwas ändern kann. Falls ihr noch mehr Tipps habt, wie ich meine Müllproduktion reduzieren kann oder wie ihr dabei vorgeht, könnt ihr diese ins Kommentarfeld schreiben.

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