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Ein App-Store, um sie alle zu knechten? Einige der grössten und erfolgreichsten App-Entwicklerfirmen wollen den Profit nicht mehr mit Apple teilen.
Ein App-Store, um sie alle zu knechten? Einige der grössten und erfolgreichsten App-Entwicklerfirmen wollen den Profit nicht mehr mit Apple teilen.
screenshot: apple.com

Tinder, Spotify und die «Fortnite»-Macher tun sich zusammen – aus Gründen ...

Die «Koalition für App Fairness» will von Apple und Google den freien Zugang zu den weltgrössten Software-Plattformen erzwingen. Es geht um viel Geld.
25.09.2020, 16:2525.09.2020, 16:41

Mehrere grosse Software-Unternehmen haben sich im Kampf gegen Apple und Google zu einer Allianz zusammengeschlossen. Teil des Bündnisses, das sich «Koalition für App-Fairness» nennt, sind Epic Games («Fortnite»), der Streamingdienst Spotify und der Tinder-Eigentümer Match Group.

Die am Donnerstag in Washington DC gegründete Organisation will gegen die beiden grössten App-Store-Betreiber lobbyieren, um bessere Konditionen zu erzwingen.

Zu den insgesamt 13 App-Publishern gehören auch Deezer, Basecamp und Tile. Die neue Organisation will die Betreiber der App-Stores zwingen, ihre Richtlinien zu ändern. Sie wollen mehr Freiheiten bei der Veröffentlichung von Apps, und sie wollen insbesondere Apple weniger Geld abliefern. Bekanntlich kassieren Apple und Google bei den über den App Store und den Google Play Store erzielten Einnahmen einen Anteil von bis zu 30 Prozent (zumindest im ersten Jahr).

Die Koalition hat eine Liste mit 10 «App Store Prinzipien» veröffentlicht, die sie gerne branchenweit in Kraft gesetzt sehen würde. Darin wird unter anderem gefordert, dass Apps auch ausserhalb von App-Stores vertrieben werden dürfen – eine klare Kampfansage an Apple und die iOS-Plattform, die im Branchenvergleich als streng kontrolliert gilt.

Apple kontert

Apple habe die Lancierung der App-Entwickler-Koalition nicht direkt kommentiert, hält Techcrunch fest. Dafür hat das Unternehmen eine Informationsoffensive gestartet und verschiedene neue Ressourcen veröffentlicht:

  • eine neugestaltete Webseite über den App Store, auf der die Vorteile im Detail beschrieben werden.
  • eine neu hinzugefügte Seite, die sich speziell auf die Vorteile für Entwickler konzentriert,
  • eine Übersicht über die Vorteile des App Developer Programms und
  • eine neue Webseite, auf der das «Apple Video Partner»-Programm und die Bewerbungsmodalitäten erklärt werden.

Das Unternehmen betont den immensen Aufwand, den es für einen sicheren App Store betreibe. Es hat gemäss eigenen Angaben 2019 mehr als 150'000 App-Einreichungen wegen «Verletzung von Datenschutzrichtlinien» abgelehnt. Jede Woche überprüften mehr als 500 Software-Experten auf der ganzen Welt über 100'000 eingereichte Anwendungen. Im laufenden Jahr seien bereits über 60 Millionen User-Bewertungen entfernt worden, die als Spam klassifiziert wurden.

Apps sind ein Bombengeschäft, zumindest für die grossen Anbieter und die App-Store-Betreiber, allen voran Apple: 2019 gaben Apple-Kunden für Apps und damit verbundene In-App Käufe insgesamt 519 Milliarden US-Dollar aus.

Epic Games ist bereits in einen Rechtsstreit mit Apple verwickelt wegen der Provisionsrichtlinien des App Store. 2019 konnten die Spieleentwickler allein mit «Fortnite» einen Umsatz von 1,8 Milliarden US-Dollar verbuchen.

Google unter Druck

Gemäss Einschätzung von Techcrunch droht Apples Rivale Google abseits der App-Store-Querelen juristischer und finanzieller Ärger: Die erwartete Klage gegen Google durch das US-Justizministerium könnte die grösste Rechtsoffensive der Regierung zum Schutz des Wettbewerbs seit dem bahnbrechenden Fall gegen Microsoft vor fast 20 Jahren sein.

Der Gesetzgeber und die Konsumentenschutz-Anwälte würden dem Alphabet-Konzern vorwerfen, seine Dominanz in der Online-Suche und -Werbung zu missbrauchen, um den Wettbewerb zu ersticken und die Gewinne zu steigern.

Ob auch Apple eine marktbeherrschende Stellung innehat mit seinem App Store und diese Stellung missbräuchlich verwendet zum Nachteil der App-Entwicklerfirmen, werden ebenfalls die Gerichte klären müssen, das scheint klar.

Quellen

(dsc)

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