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Der Schein trügt: Die Stimmung bei den Ottawa Senators ist derzeit im Keller.
Der Schein trügt: Die Stimmung bei den Ottawa Senators ist derzeit im Keller.Bild: AP/The Canadian Press

Misserfolg, Drohungen und Belästigungen – wie die Ottawa Senators im Chaos versinken

Bei den Ottawa Senators brennt der Baum. Nachdem sie ein Jahr voller Pleiten, Pannen und unerklärlichen Entscheiden hinter sich gebracht haben, eskaliert nun der Streit zwischen zwei Spielern und deren Familien – mit happigen Vorwürfen.
13.06.2018, 13:3713.06.2018, 13:49

Vor einem Jahr und einigen Wochen befanden sich die Ottawa Senators im Hoch. Obwohl den «Sens» eine schwierige Saison vorausgesagt worden war, erreichten sie den Final der Eastern Conference und forderten dort den späteren Stanley-Cup-Sieger Pittsburgh. 

Senators-Besitzer Eugene Melynk geriet stark in die Kritik.
Senators-Besitzer Eugene Melynk geriet stark in die Kritik.Bild: AP/CP

Nun, ein Jahr später, ist Ottawa hart auf dem Boden der Realität aufgeschlagen. Die kanadische NHL-Franchise hat ein regelrechtes Seuchenjahr hinter sich. Einige Beispiele: 

  • Sportlicher Absturz: Nachdem die Senators letztes Jahr die Saison unter den besten vier Teams beendeten, schaute dieses Jahr nur der 30. Platz heraus. 
  • General Manager Pierre Dorion gab im November Fan-Liebling und Leistungsträger Kyle Turris per Trade zu Nashville ab. 
  • Besitzer Eugene Melnyk drohte, die Franchise in eine andere Stadt zu verlegen, sollten die Zuschauerzahlen nicht besser werden. Mit durchschnittlich 15'586 Zuschauern pro Spiel ist Ottawas Stadion jeweils nur zu 85 Prozent ausgelastet. 
  • Melnyk feuerte CEO Tom Anselmi und ernannte sich selbst zum neuen CEO.
  • Schilder und Werbeplakate mit dem Hashtag #MelnykOut erschienen überall in der kanadischen Hauptstadt. 
  • Assistenz-General-Manager Randy Lee sah sich plötzlich mit dem Vorwurf konfrontiert, eine 19-jährige Busfahrerin in Buffalo sexuell belästigt zu haben. 
  • Um den besten Spieler des Teams, Erik Karlsson, entstand bis zur Trade-Deadline ein riesiges Transfertheater mit Gerüchten über mögliche Trades und ein Zerwürfnis mit der Ottawa-Führungsetage. 
  • Die Senators wollten Klub-Legende Daniel Alfredsson eine Führungsposition anbieten. Doch der Schwede erteilte Ottawa eine Absage und stellte gleichzeitig die Position von Besitzer Melnyk in Frage. 
  • Die Marketingabteilung musste Baby-Fankleider zurückrufen, da bei diesen Erstickungsgefahr bestand.

Doch diese erschreckend lange Liste ist gar nichts im Vergleich zu den neusten Berichten, die in diversen Medien aus Ottawa erschienen sind. Wie die Zeitung Ottawa Citizen berichtet, soll Monika Caryk, die Verlobte von Senators-Toptorschütze Mike Hoffman dessen Teamkollegen Erik Karlsson und insbesondere seine Frau Melinda über lange Zeit belästigt und beleidigt haben. 

Ein #MelynkOut-Billboard in Ottawa. Bezahlt von Fans der Senators.
Ein #MelynkOut-Billboard in Ottawa. Bezahlt von Fans der Senators.Bild: AP/The Canadian Press

Melinda Karlsson hat dem Bericht nach bei der Polizei von Ottawa einen Antrag auf Schutzanordnung (vergleichbar mit einer einstweiligen Verfügung) gegen Caryk eingereicht, da sie von dieser «über 1000 negative und abfällige Bemerkungen» erhalten hat. 

«Sie wünschte sich den Tod von meinem ungeborenen Kind.»
Melinda Karlsson

Die Beleidigungen hätten Mitte November 2017 angefangen, nachdem die Karlssons in den sozialen Medien verkündeten, dass sie einen Sohn erwarteten, und sich bis weit in dieses Jahr weiter gezogen.

Melinda Karlsson sagte vor Gericht aus, dass Caryk «in mehreren Statements gesagt hat, sie wünsche sich den Tod von meinem ungeborenen Kind». Ende März erlitt Karlsson eine Fehlgeburt.

Die Hass-Nachrichten bezogen sich aber auch auf die Karlssons selbst. «Caryk sagte auch, jemand soll endlich Eriks Beine brechen und so seine Karriere beenden. Mir wünschte sie den Tod», sagte Melinda weiter aus. Aus welchen Gründen Caryk die Karlssons angeblich mit derart schrecklichen Aussagen eindeckte, ist nicht bekannt.

«Die Chancen stehen bei 150 Prozent, dass Monika und ich nicht involviert sind.»
Mike Hoffman

Mike Hoffman verneinte auf Anfrage der kanadischen Medien, dass seine Verlobte hinter der Belästigung steckt. «Die Chancen stehen bei 150 Prozent, dass Monika und ich nicht in diese Anschuldigungen involviert sind», gab der Flügelstürmer zu Protokoll. 

Für die Ottawa Senators sind die Anschuldigungen keine Neuigkeiten. Hoffmans Agent Robert Hooper sagt, sie stünden wegen dieser Sache bereits seit einigen Monaten in Kontakt mit Senators-GM Pierre Dorion. Wer am Ende Recht behält, wird sich wohl erst nach einer langen Untersuchung zeigen. 

Für die Franchise geht der Albtraum also auch nach der Seuchensaison weiter. Es scheint unmöglich, dass Karlsson und Hoffman nach dieser Geschichte noch im selben Team verbleiben können. Die Senators versuchen derzeit Hoffman via Trade loszuwerden. Ihr Ziel ist es, dies bis zum Draft in etwas mehr als einer Woche zu tun.

Die Senators versuchen, Mike Hoffman nach den Anschuldigungen loszuwerden. 
Die Senators versuchen, Mike Hoffman nach den Anschuldigungen loszuwerden. Bild: AP/The Canadian Press

Doch die anderen Teams dürften nach den happigen Vorwürfen zögern, den 28-Jährigen in ihre Mannschaft aufzunehmen. Die meisten werden mit einer Entscheidung warten, bis seine Verlobte entweder schuldig- oder freigesprochen wird. 

Aber auch Erik Karlsson wird zu einer schwierigen Personalie. Sein Vertrag mit Ottawa läuft nächstes Jahr aus. Danach dürfte er zu einem der teuersten Spieler in der NHL werden. Experten gehen davon aus, dass der Verteidiger einen neuen Vertrag bei den Senators ausschlagen wird, um so einen Trade zu erzwingen. 

Doch sollte seine Frau mit ihren Anschuldigungen falsch liegen und die Belästigungen gehen weiter, wer wäre dann noch bereit teures Geld für Karlsson zu bezahlen, wenn er gleich noch schwierige Umstände mitbringt?

Die nächsten Tage und Wochen werden also für alle Parteien in Ottawa äusserst kompliziert. Und bei den Senators scheint so schnell keine Ruhe mehr einzukehren. 

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2 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Coliander
13.06.2018 14:12registriert Oktober 2014
Als Sens Fan hoffe ich natürlich, das King Karl bleibt. Aber ich denke ein Neustart würde ihm sehr gut tun und hat er sich verdient. Er ist der Organisation absolut nichts schuldig. Egal wo er landet ich drücke ihm die Daumen dass er den SC holt.
Vielleicht geht er mit Tavares nach Vegas?
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