DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

«Ich bin ein Kind im Krieg» – Lilly ist Thailands Antwort auf Greta Thunberg

18.09.2019, 17:0418.09.2019, 17:43

Auf einem Paddelbrett gleitet Lilly durch einen verdreckten Kanal in Thailands Hauptstadt Bangkok und sammelt Müll ein. Wie so häufig lässt die Zwölfjährige an diesem Tag die Schule sausen - in ihrem selbst erklärten Krieg gegen den Plastikmüll.

Für ihr Alter hat Lilly, die mit vollem Namen Ralyn Satidtanasarn heisst, sich einiges vorgenommen in einem Land, in dem jeder Einwohner durchschnittlich acht Plastiktüten pro Tag verbraucht.

«Ich bin ein Kind im Krieg», sagt die temperamentvolle Zwölfjährige nach ihrer stundenlangen Müllsammel-Tour, bei der sie Getränkedosen, Tüten und Flaschen aufgefischt hat. «Ich versuche, optimistisch zu bleiben, aber ich bin auch wütend. Unsere Welt verschwindet», fügt sie hinzu.

3000 Plastiktüten pro Einwohner

Thailand steht in der Rangliste der Verursacher von Plastikmüll in den Ozeanen an sechster Stelle, Plastik ist in dem Land eine Plage. Ob als Verpackung für Garküchen-Essen, für den Kaffee zum Mitnehmen oder für die Einkäufe - jeder Thailänder verbraucht statistisch rund 3000 Einweg-Plastiktüten pro Jahr. Das ist zwölfmal so viel wie der durchschnittliche EU-Bürger.

Bild: EPA

Lilly begann schon im Alter von acht Jahren mit ihrem Einsatz gegen den Plastikmüll - Auslöser war ein Familienurlaub in Süd-Thailand, wo sie entsetzt war über den zugemüllten Strand. «Wir haben gemeinsam mit meinen Eltern Müll aufgesammelt, aber das hat nichts gebracht», erinnert sie sich. «Am nächsten Morgen hatte das Meer schon wieder neuen Abfall angeschwemmt.»

Ermutigt durch das Beispiel der Schwedin Greta Thunberg, die mit ihrem Schulstreik für das Klima weltweit Schlagzeilen macht, begann Lilly mit Sitzstreiks vor thailändischen Regierungsgebäuden. «Greta Thunberg hat mir Selbstvertrauen gegeben», sagt die Zwölfjährige. «Wenn die Erwachsenen nichts tun, dann ist es an uns Kindern, zu handeln.»

Erster Erfolg

Auch wenn Lilly für ihre Anti-Müll-Einsätze häufig die Schule schwänzt, wird sie nicht nach New York reisen, um am Freitag an der Seite von Greta Thunberg zu demonstrieren. «Mein Platz ist hier, der Kampf findet auch in Südostasien statt», sagt sie.

Im Juni konnte Lilly ihren ersten Erfolg verbuchen: eine grosse Bangkoker Supermarktkette verpflichtete sich, zumindest einmal wöchentlich keine Plastiktüten an ihre Kunden auszugeben. Und in diesem Monat kündigten einige der grössten Firmen, darunter der Betreiber der in Thailand allgegenwärtigen 7-Eleven-Märkte, an, ab Januar keine Einweg-Plastiktüten mehr bereitzustellen.

«Wenn die Regierung mir nicht zuhört, muss ich eben direkt mit denen reden, die Plastiktüten verteilen, und sie davon überzeugen aufzuhören», sagt die Müll-Bekämpferin. Allmählich scheint sich das Bewusstsein in Thailand zu verändern - nicht zuletzt auch wegen des Schicksals des Seekuh-Babys Mariam, das im August mit zahlreichen Plastikteilen im Bauch verendete.

Junge Aktivisten wie Lilly können Aufmerksamkeit auf das Müll-Problem lenken. «Es ist sehr schwer, ein Kind zu ignorieren wenn es fragt, warum wir den Planeten zumüllen, auf dem es leben muss», stellt Kakuko Nagatani-Yoshida vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen fest.

In ihrem Kampf kann Lilly jedenfalls auf ihre Eltern zählen. «Zuerst dachte ich, es ist nur eine kurzzeitige Marotte, aber Lilly ist bei der Stange geblieben, deshalb habe ich beschlossen, sie zu unterstützen», sagt ihre Mutter Sasie. (aeg/sda/afp)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Greta Thunberg und das Schiff

1 / 26
Greta Thunberg und das Schiff
quelle: ap / kirsty wigglesworth
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Wie Greta Thunberg zum Vorbild einer Generation wurde

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

15 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Gipfeligeist
18.09.2019 17:20registriert Januar 2016
Es ist eigentlich ein trauriges Zeichen, wenn schon Kinder nicht mehr auf unsere Ignoranz gegenüber der Umwelt klarkommen. Umso ermutigender ist es, wenn diese Kinder trotzdem den Glauben und den Mut haben, daran etwas zu ändern!

Davon darf sich jeder eine Scheibe abschneiden
26212
Melden
Zum Kommentar
avatar
Gartehäx
18.09.2019 18:04registriert Juni 2015
Dieses Kind beeindruckt mich tief. Kenne die thailändische Mentalität aus beruflichen Gründen recht gut. Umso erstaunlicher finde ich das Engagement inkl. Unterstützung durch die Familie. Chappeau!
1608
Melden
Zum Kommentar
avatar
Schpudelchen
18.09.2019 21:02registriert September 2016
Diesen Samstag findet der World Cleanup Day auch in der Schweiz statt. Jeder kann ohne Anmeldung mitmachen, helfen Abfall zu sammeln und sich Gedanken machen wie er seinen eigenen Plastikverbrauch reduzieren kann.

Also los, seid wie Lilly ;)
303
Melden
Zum Kommentar
15
Zum Schutz der Korallen: Thailand verbietet schädigende Sonnencremes

Thailand hat Sonnenschutzmittel mit Chemikalien, die Korallen schädigen, aus allen seinen Marine-Nationalparks verboten. BBC News berichtete, dass die Parkbetreibenden zunehmen besorgt sind, dass Lotionen, die Touristen als Sonnenschutz verwenden, langsam wachsende Korallen schädigen.

Zur Story