Analyse
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Second placed Marco Odermatt of Switzerland, right, and third placed Gino Caviezel react after the second run of the Men's Giant Slalom race of the FIS Alpine Ski World Cup season opener on the Rettenbach glacier, in Soelden, Austria, on Sunday, October 18, 2020. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Gino Caviezel (links) und Marco Odermatt jubeln über ihre Podestplätze. Bild: keystone

Analyse

Die Schweizer Skisportler sind so zuversichtlich, da kann der Winter gerne kommen

rainer sommerhalder / ch media



Die neue Skisaison beginnt, wie die alte endete: mit einer Machtdemonstration der Schweizer Rennfahrerinnen und Rennfahrer. Beim Weltcup-Prolog auf dem Gletscher bei Sölden fahren Marco Odermatt als Zweiter und Gino Caviezel als Dritter aufs Riesenslalom-Podest, Michelle Gisin verpasst es bei den Frauen als Vierte nur um 17 Hundertstelsekunden. Caviezel im ersten und Odermatt im zweiten Durchgang erzielen Laufbestzeiten. Für den Bündner Caviezel ist es der erste Podestplatz im 92. Weltcup-Rennen. Gisin egalisiert ihr Bestresultat in dieser Disziplin.

Nicht nur mit der Präsenz an der Ranglistenspitze fällt das Team von Swiss-Ski auf. Je fünf Fahrerinnen und Fahrer holen Weltcup-Punkte. Keine andere Nation kann gleiches für sich in Anspruch nehmen. Drei Athletinnen und vier Athleten klassieren sich in den ersten elf Positionen. Eine selten erreichte Dichte, ausgerechnet in jener Disziplin, die zuletzt so etwas wie ein kleiner Schwachpunkt der erstrahlenden Skination Schweiz darstellte – wenn man angesichts der Erfolge auf breiter Front überhaupt von einer Schwäche reden darf.

ABD0030_20201018 - SÖLDEN - ÖSTERREICH: Marco Odermatt (SUI) am Sonntag, 18. Oktober 2020, während dem 1. Lauf im Riesentorlauf der Herren beim Weltcup Auftakt am Rettenbachferner in Sölden. - FOTO: APA/EXPA/JOHANN GRODER

Gute Aussichten für die Schweizer Skifahrer. Bild: keystone

Schweizer Team hat keine Problemdisziplin mehr

Im Durchschnitt sämtlicher Riesenslaloms der zwei vergangenen Saisons holte sich die Schweiz 1,6 Top-10-Plätze bei den Männern und 0,93 bei den Frauen. Es ist bei beiden Geschlechtern der tiefste Wert aller Disziplinen. Im Vergleich fuhren während der gleichen Zeitspanne in den Abfahrten der Männer durchschnittlich 2,24 Athleten in die ersten zehn. Bei den Frauen liegt der Bestwert (2,15) im Super-G.

Bild

Die Schweiz hat in der Nationenwertung bereits wieder die Führung übernommen. screenshot: teletext

Zahlen sind das eine, das gute Gefühl das andere. In der Saisonvorbereitung strahlten die Schweizer Skisportler eine ansteckende Zuversicht aus. Selbstvertrauen bewiesen sie mit mutiger Fahrweise möglichst oft in der Falllinie und bereits äusserst stabiler Technik auch auf der schwierigen Piste in Sölden. Manch einer verwies auf den Teamspirit und den gesunden Konkurrenzkampf in den Trainings als Erfolgsfaktoren. In keiner Disziplin ist der Erfolg derzeit von einer einzigen Athletin oder einem Athleten abhängig.

Grosse Kontinuität, gute Planung und viel Ruhe

Ein einzelnes Rennen, und erst noch fern des wirklichen Winters, liefert nie die ganze Wahrheit. Die Vergangenheit jedoch zeigt: Wer in Sölden bereit ist, der ist es auch später in der Saison. Selbst wenn es in diesem Winter wegen des coronabedingt angepassten Rennkalenders so lange wie noch nie geht, bis der nächste Riesenslalom ansteht. 56 Tage müssen die Männer darauf warten, 50 Tage die Frauen.

Aber die Diskrepanz etwa zwischen den selbstbewussten Schweizern und der entthronten Langzeit-Skination Nummer 1 Österreich war eklatant. Zwei Szenen aus dem Männerrennen unterstreichen die derzeitige Gefühlslage. Beide sorgen zwar für Lacher, dokumentieren allerdings zwei Welten: Justin Murisier nimmt nach dem zweiten Lauf vorübergehend in der Leaderbox Platz. Im Gesicht trägt er eine Virenmaske, die Nase, Mund und Zahnlücken einer hässlichen Erscheinung zeigen. Zum Brüllen komisch. Nur wer alles im Griff hat, findet den Mut für diesen optischen Slapstick.

Im Lager der Österreicher sieht und hört man, wie der neue Riesenslalomtrainer seinem Schützling Stefan Brennsteiner vor dem Lauf per Funk Anweisungen erteilt. Der Fahrer quittiert die Meldung mit den Worten: «Ich habe nicht verstanden, was er gesagt hat.» Während im Schweizer Trainerteam grosse Kontinuität und wenig Hektik herrschen, reagiert man bei Österreichs Betreuern mit personellen Wechseln auf die Baisse. Da muss man sich zuerst finden – nicht zuletzt kommunikativ.

Die Schweizer Alpinen verdanken ihren starken Saisonstart auch Trainingsbedingungen, die andere Nationen neidisch machen. Heimrecht im Sommer auf den besten Gletschern der Alpen und eine eindrückliche Dichte beim Teamsupport. Auf einen Athleten kommt faktisch eine Betreuungsperson. In keiner anderen Sportart gibt die Schweiz im weltweiten Vergleich derart viel Geld für den Erfolg aus. Man darf ihn also durchaus einfordern.

Michelle Gisin of Switzerland reacts after the second run of the Women's Giant Slalom race of the FIS Alpine Ski World Cup season opener on the Rettenbach glacier, in Soelden, Austria, on Saturday, October 17, 2020. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Auch Michelle Gisin konnte im Riesenslalom überzeugen. Bild: keystone

Corona und Verletzungen als Damoklesschwert

Zwei Aspekte werden in diesem Winter mitentscheidend sein, ob das sportliche Bild aus Sölden Bestand hält: das Coronavirus und die Verletztenliste. Wenn etwa Beat Feuz wegen eines positiven Falls im direkten Umfeld vor den Abfahrten in Wengen und Kitzbühel in Quarantäne muss, nützt ihm jede Topform nichts. Und wenn die aktuelle Kadenz an schweren Verletzungen in den Kadern von Swiss-Ski – Aline Danioth, Charlotte Chable und Sandro Jenal – Bestand hält, droht selbst der neuen Skination Nummer 1 im Verlauf der Saison ein personelles Vakuum auf der Piste.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Die bestverdienenden Skistars der Saison 2019/20

Unsere Ski-Stars sind in die Fragenlawine geraten

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Themen

Analyse

«Da gibt es keine Magie» – warum Julius Nättinen der gefährlichste Spieler der Liga ist

Der finnische Stürmer Julius Nättinen wird allen Vorschusslorbeeren gerecht und schiesst bei Ambri-Piotta Tor um Tor. Wir suchen nach Gründen für den Torrausch – in den Analytics, aber auch bei Teamkollegen und Nättinen selbst.

Zehn Spiele, zwölf Tore. Das ist die unfassbare Ausbeute von Julius Nättinen. Der finnische Stürmer musste grosse Erwartungen erfüllen und hat diese aber bereits übertroffen. Nachdem er den Saisonstart wegen einer leichten Blessur noch verpasst hatte, schiesst er nun mehr als ein Tor pro Spiel.

Wie ist das möglich? Dieser Frage wollen wir auf den Grund gehen. Dafür ziehen wir einerseits Statistiken zu Rate, sprechen aber auch mit Leuten, die Nättinen schon gut kennen: einem Scout, einem …

Artikel lesen
Link zum Artikel