Kunst
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Art Basel 2018

Art Basel: Kunst ist teuer – ausser sie ist von Frauen

Die Geschäfte an der Art Basel sind in diesem Jahr gut angelaufen. Einige Millionenwerke waren schon weg, bevor unsere Autorin an der VIP-Preview zuschlagen konnte. Macht nichts, war eh meist überteuerte Männerkunst.

14.06.18, 05:31 14.06.18, 08:36

Sabine Altorfer / bz Basel



Vor der Messe checkt man noch schnell die Ratings. Welche Künstler sind hip, welche gelten als wichtig, und wo liegt aktuell ihr Preisranking. Dabei fällt auf: Am wichtigsten ist nicht gleich am teuersten.

«Fait d'Hiver» von Jeff Koons. Archivbild 2012: EPA/DPA FILE

Um es mit meinen «Lieblingskünstlern» zu illustrieren: Der amerikanische Kitschier Jeff Koons ist der teuerste. Bis 80 Millionen Dollar kosten seine buchstäblich aufgeblasenen Werke. Da muten 30 Millionen für den begnadeten Maler Gerhard Richter geradezu bescheiden an. Vor allem weil er viel malt und es auch kleinere Werke an der Messe gibt – gar unter der Millionengrenze.

Wer ein bisschen günstiger einkaufen will: der setzt auf Kunst von Frauen. Die Japanerin Yayoi Kusama ist das weibliche Pendant zu Jeff Koons: Ihre Bilder, Räume und Skulpturen sind ebenso knallig und bunt, aber fantasievoller, verspielter und ein bisschen weniger banal.

Yayoi Kusama eröffnet 2017 in Tokio ihr eigenes Museum. Bild: EPA/EPA

Ihr berühmtestes Werk – den gelben Kürbis – gibt es in vielen Grössen und mit unterschiedlichen Tüpfchenmustern. Ein gelbes Unikat, ungefähr einen Meter hoch, hat die Galerie Victoria Miro aktuell im Angebot – neben einem riesigen Keramik-Blumengebilde und fröhlichen Gemälden. «Der Kürbis ist schon weg, sorry», sagt man mir. Gekostet habe er zirka eine Million. Also viel, viel weniger als Werke von Macho Koons.

Soll ich jetzt noch anfügen, dass das Verhältnis von Frauen und Männern auch in der Galerien-Szene der (noch) üblichen Macht-Verteilung entspricht? Die Mehrheit der Galerien wird von Frauen geführt – die grossen, multinationalen Kunstläden wie Zwirner, Gagosian oder Hauser&Wirth aber von Männern.

Statt mich weiter darüber aufzuregen, gehe ich jetzt lieber auf die Jagd nach Kunst von Frauen. Nach guter und teurer, und solcher, die die Themen Frau, Gender und Feminismus beleuchtet. Und Freude macht.

Ich starte im Untergeschoss bei den teureren, etablierten Geschäften – und weiss, hier wirds schwierig: Bei Michael Haas hängen als Aushängeschilder wunderhübsche Frauenporträts: Eines malte Ferdinand Hodler, das andere Emil Nolde. Die Frau ist in den 1910er-Jahren Model, Geliebte, Muse. Und sie bleibt es. Die Liste der Künstler in den nächsten Galerien liest sich wie eine Auflistung der männlichen Kunstgeschichte: Picasso, Miro, Magritte, Dubuffet, Warhol.

Man redet von Marktwert

Dann, endlich, das erste prominent ausgestellte Werk einer Künstlerin: Louise Bourgeois, die grosse Französin, die in den USA und dann weltweit erst im reifen Alter Beachtung gefunden hatte. Von ihr steht ein etwa zwei Meter hohes Türmchen aus Stoffkissen bei Aquavella, New York.

Werke von Louise Bourgeois in der Tate Modern in London. Archivbild 2016: EPA/EPA

Die rauen Kissen verkörperten das männliche, die glatten das weibliche Prinzip, erklärt die Angestellte und betont, es sei eines der späten, hochgeschätzten Werke. Der Preis von vier Millionen Dollar scheint exorbitant – bis man realisiert, dass der Picasso und der Bacon daneben ein Mehrfaches kosten.

Erklären kann das niemand richtig. Man redet vom Marktwert. In der Kunst ist das nicht primär das Spiel von Nachfrage und Angebot, sondern ein nicht explizit abgesprochener, von Verkäufen und Auktionsergebnissen gestützter Erfahrungswert.

Vor die Tapete von Cindy Sherman werden Werke von Francis Picabia gehängt. Bild: KEYSTONE

Bei der Pariser Galerie 1900-2000 ist eine Wandtapete von Cindy Sherman mit einem Doppelselbstbildnis der Künstlerin der Blickfang. Sherman zeigt sich zwar geschminkt, aber irgendwie ungeschminkt ehrlich. Also als Gegenteil von Muse und Model. 350'000 Euro für die Sechser-Edition klingt ok, eher ungewöhnlich scheint mir, dass die Galerie auf Shermans Wandbild gerahmte Zeichnungen von Francis Picabia platziert. Das sei keine Missachtung der Künstlerin, sondern mit ihrer ausdrücklicher Genehmigung und zu ihrer Freude passiert, wird mir versichert. Cindy Sherman schätze Picabia sehr.

Tapeten als Geschäftsmodell

Geschäftstüchtig und praktisch ist das. Sammler, die zu wenig Wände haben, können mit Künstlerinnentapeten, auf die sie in einer zweiten Schicht Bilder hängen, ihre Kapazität verdoppeln. Man findet an der Art Basel eine gute Auswahl an Tapeten, bei Sadie Coles eine hübsche von Sarah Lucas (460 Franken pro Rolle).

Titty Bunny von Sarah Luca Bild: KEYSTONE

Weniger hübsch ist die Skulptur «Titty Bunny» von Lucas. Der mit einem Stuhl verschmolzene Frauenkörper aus Strumpfmaterial wirkt hässlich, ausgeliefert und doch auch wie eine ironische Antwort auf die Männerkunst. Sozusagen ein Sennentuntschi, das es in die Kunstwelt verschlagen hat.

Frauen gehen eben nicht gerade zimperlich mit Frauenbildnissen um, schon gar nicht mit ihren eigenen. Wie Sherman in ihren Selbstbildnissen scheuen auch Marina Abramovic und Jana Sterbak in ihren Performances seit Jahrzehnten keine Grenzerfahrungen. Abramovics hinterleuchtete Bilder (Krinziger, Wien) sind eine Gratwanderung zwischen Schönheit und Schmerz. Sterbaks Dokumentationen und Utensilien (Barbara Gross, München) gehören zu meinen Lieblingen dieser Messe. Etwa der Rucksack aus einem Felsbrocken oder die Objekte aus gerollten Meterbändern (21'000 Euro).

Ein Werk von Jana Sterbak in der Villa Rot in Burgrieden, Deutschland. Archivbild 2015: EPA/DPA

Es soll nicht so krass und doch weiblich sein, nicht schon Geschichte, sondern lieber Gegenwart? Karma International (Zürich, Los Angeles) vertreten mit Pamela Rosenkranz und Vivian Suter tolle Künstlerinnen, die junge Katja Seib (bei Sadie Coles) malt feministische Statements, Pedro Cero (Lissabon) hat poetische Aquarien mit Bergen von Mariele Neidecker (46'000 Franken). Bei Stampa (Basel) empfehle ich, Sabine Hertig anzuschauen und bei Peter Kilchmann (Zürich) Shirana Shabazis neue Siebdrucke und die Neonschrift-Arbeit von Maja Bajevic. Die bosnisch-französische Künstlerin schreibt: «Liberté pour les Libres / Égalité pour les Égaux / Fraternité pour les Frères». Sie bringt damit auf den Punkt, wie das so geht mit der Gleichheit – gerade im Kunstmarkt. (aargauerzeitung.ch)

Augenblicke – Bilder aus aller Welt

Wunderschöne Kunstwerke aus leeren Dosen

Video: watson

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    Alle Leser-Kommentare
  • brooklyn94 14.06.2018 14:43
    Highlight "Macht nichts, war eh meist überteuerte Männerkunst."

    Wenn ja Frauenkunst stehen würde statt Männerkunst in dem Artikel hätten wir schon den nächsten shit storm von irgendwelchen Feministinen nach der kleidervorschrift am gymi. Oh mann
    12 6 Melden
  • 4berratio1ctus 14.06.2018 10:47
    Highlight und was schliessen wir daraus? Frauen können halt nicht so schön malen wie Männer - ganz einfach. Wie sie halt auch nicht so gut arbeiten können....
    20 7 Melden
  • Zeit_Genosse 14.06.2018 08:29
    Highlight Auf der Suche nach dem #metoo in der Kunstszene kann man sich verlaufen, wenn man eigentlich einen Skandal sucht, den man persönlich bewirtschaften möchte und dahinter ein Drang sich in Bedeutung zu bringen steht. Ich geniesse die Kunst, nicht die KünstlerInnen, höre die Musik, nicht die MusikerInnen und damit setzt sich bei mir durch was mir gefällt, egal ob da ein PiPi oder MuMu dran ist.
    31 5 Melden
  • lilie 14.06.2018 08:25
    Highlight Vielleicht sollte man auch mal fragen, wer denn die teure Kunst kauft.

    Kunstsammler sind doch fast alles alte, reiche (Säcke) Männer.

    Warum sollen die Feministenkunst kaufen? Die wollen nackte Frauen, durch Männeraugen gesehen.

    Warum aber bieten nicht Frauen mehr für Kunst von Frauen, um die Preise hochzutreiben?

    Weil keine Frau für ein reines Prestigeobjekt soviel Geld ausgibt.
    24 10 Melden
    • Gubbe 14.06.2018 13:07
      Highlight Ausgestopfte Strümpfe auf einem Stuhl ist Kunst? Fast schäme ich mich ein wenig. Überhaupt ist heute das Vermarkten Kunst. Frauen und Männer, ich habe bei den Bildern keine Kunst ausgemacht.
      8 2 Melden
    • lilie 14.06.2018 13:56
      Highlight @Gubbe: Eben. Woher kommen dann die Mondpreise? Weil es Leute gibt, welche das als Prestigeobjekt kaufen, um damit anzugeben. Und das sind nun mal öfters Männer (Frauen geben dafür eher Mondpreise aus, um sich selber in ein wandelndes Kunstwerk zu verwandeln, Stichworte Schönheit, Gesundheit, Mode; also nicht dass Frauen besser wären, der Fokus liegt einfach woanders).
      8 3 Melden
  • DerTaran 14.06.2018 07:45
    Highlight Wenn Frauenkunst unterbewertet ist - und ich sag damit nicht, dass sie das nicht ist - dann muss frau ab jetzt ausschliesslich auf Kunst von Frauen setzen und kaufen.
    Das ist dann wohl die Gelegenheit des Jahrhunderts reich(er) zu werden.

    Koons finde ich ebenfalls überbewertet, es würde mich nicht wundern, wenn er sich als Satire auf den Kunstmarkt herrausstellen würde.
    13 8 Melden
  • Redly 14.06.2018 06:36
    Highlight Mimimi
    Wem es nicht passt, muss Kunst von Frauen halt selber besser vermarkten. Oder selber (auf ihre/seine Kosten!) teurer kaufen.
    Selbst ist die Frau - oder will irgendjemand sagen, sie sei dazu weniger fähig.
    75 36 Melden
  • WayneTheBrain 14.06.2018 06:13
    Highlight Der Marktwert eines Kunstwerks erschliesst sich in erster Linie aus dem erwarteten zukünftigen Wert. Und dieser ist bei pseudoschockierender Feministenkunst einfach nicht all zu hoch. Selbstverständlich ist aber auch dies eine Verschwörung böser Männer gegen die ach so kreative Frauenkunst.
    101 36 Melden
    • Nick Name 14.06.2018 08:38
      Highlight Also sind die achsokreativen Männerkünstler einfach total viel besser und deeper, ja?
      Oder anders gesagt: Kunst von Frauen ist ganz einfach weniger wert.

      Oder?
      17 23 Melden
    • WayneTheBrain 14.06.2018 08:58
      Highlight Nein, auch viele Männer machen grauenhafte Kunst, nur versteiffen sich viele Frauen auf das Gender Thema und dieses ist mittlerweile mehr als ausgelutscht. Menstruationsblutungen von Abramovic, Orgasmusgestöhne von Ono oder vaginales Eierlegen von Moiré sind hald eben nur ein absurder Auswuchs einer Fehlinterpretation von Feminismus und keine nachhaltige Kunst.
      33 9 Melden
    • Nick Name 14.06.2018 10:31
      Highlight Da haben wir das Problem der medialen Verbreitung: Schlagzeilen werden nun mal einfach gern gemacht von sexuell Aufgeladenem – und zwar ganz besonders, wenn es von Frauen ist. Was sie sonst produzieren, scheint für die Medien nicht so wichtig.
      Und zu den Genannten: Moiré ist in erster Linie ein Ringier(«Blick»)-«Star» und als Künstlerin höchst beschränkt ernstzunehmen. Ono und Abramovic haben noch einiges mehr geleistet als zu bluten und zu stöhnen und sich deswegen einen Namen (und auch Geld) gemacht. Wüsste mann, wenn mann sich etwas intensiver mit Kunst beschäftigte.
      6 10 Melden
    • lohessmile 14.06.2018 10:55
      Highlight Bin deiner Meinung! Manchmal möchte ich einfach schöne/interessante/spannende Kunst anschauen, und nicht nach der feminismus-metapher suchen müssen.
      7 4 Melden
    • Nick Name 14.06.2018 14:49
      Highlight @lohessmile: Sorry, aber wenn du dieses Gefühl hast, dann ist das dein Problem. Es gibt massenhaft Kunst ohne jegliche «Feminismus-Metapher».

      ... im Übrigen ist es in der Kommentarspalte hier ganz offensichtlich wichtiger, einfach seine Meinung sagen zu können, als auf Fakten Rücksicht zu nehmen. :-)
      5 7 Melden
  • Captain Downtown 14.06.2018 05:57
    Highlight nächster artikel: warum sind yachten von männlicher multimilliardären länger als die von frauen.
    oder warum dürfem männer im schnitt früher sterben als frauen?
    wir sind dem strukturellen zukurzkommem weiter auf der spur. bleiben sie dran.
    115 36 Melden

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