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Eröffnungs-Zeremonie der Winterspiele von Lillehammer 1994 Werden die damaligen Spiele in Norwegen zum Vorbild für «Sion 2026» keystone

Umstrittene Defizitgarantie: Olympia-Bosse kommen Sion 2026 entgegen

Die Bewerbung von Sion für Olympia 2026 hatte einen schlechten Start – auch weil unklar war, wie teuer ein Defizit die Schweiz zu stehen käme. Ein Brief des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) bringt nun Licht ins Dunkel.

Othmar von Matt / Nordwestschweiz



Der Prozess hinter den Kulissen dauerte monatelang. Finanzexperten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) gingen beim Kandidatur-Komitee «Sion 2026» ein und aus. Gemeinsam diskutierte man über die Garantien, die das Komitee, die Stadt Sion, die Kantone oder die Schweiz für die Olympischen Spiele 2026 leisten müssten. Das bestätigt Jean-Philippe Rochat, Präsident des Kandidatur-Komitees. Im August war es dann so weit. «Wir erhielten die feste Zusicherung», sagt Rochat, «dass das IOC von uns keine unlimitierte Garantie verlangt, um ein eventuelles Defizit in der Organisation der Spiele zu decken.» Eine Aussage, die Rochat aber bis vor kurzem nicht belegen konnte.

Das hat sich inzwischen geändert. Das IOC hat «Sion 2028» per Brief vom 27. Oktober schriftlich bestätigt, dass es eine limitierte Garantie akzeptiert. Der Brief liegt der «Nordwestschweiz» vor. «Das IOC stellt keinerlei Anforderung, was den Betrag der Defizitgarantie betrifft», schreibt Christophe Dubi darin, Exekutivdirektor der Olympischen Spiele. «Aus diesem Grund wird es im Rahmen einer Kandidatur eine Deckung mit limitierten Garantien akzeptieren.»

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Ausriss aus dem Brief. az

Ausriss aus dem Brief, datiert vom 27. Oktober, von Christophe Dubi (IOC) an Jean-Philippe Rochat (Komitee Sion 2026). ©

Dieser Schritt des IOC sei «eine Novität», sagt Jean-Philippe Rochat, der Adressat des Briefes. Das Schreiben verdeutlicht den Willen des IOC, Olympische Winterspiele wieder weiss aufzugleisen, in einem echten Wintersportland wie der Schweiz. Vor allem aber auch weise, spricht nachhaltig und ohne überrissene Infrastrukturbauten. Wie es die 40 Empfehlungen der «Olympischen Agenda 2020» des IOK von 2014 versprechen.

Die «Agenda 2020» sei «fundamental», sagt Exekutivdirektor Dubi. «Weil sie der strategische Fahrplan des IOC ist. Sie hat das IOC und die olympische Bewegung grundlegend verändert.» Die 40 Massnahmen seien relevant für die Organisation der Spiele. Es geht unter anderem darum, die Bewerbungskosten für Spiele zu senken, die Nachhaltigkeit in alle Aspekte der Spiele einzubeziehen, ihr Management kostengünstiger und flexibler zu gestalten, Autonomie, Transparenz und ethisches Verhalten zu stärken und die Compliance sicherzustellen. «Die ‹Agenda 2020› beeinflusst auch Bereiche wie die Governance des IOC oder die Nachhaltigkeit», sagt Dubi. «Das IOC ist heute ein anderer Partner als noch vor ein paar Jahren.»

In Tirol sagte das Volk Nein

Diese Bemühungen sind aber nicht wirklich ins Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit gedrungen. Das verdeutlicht das Beispiel Österreich. Die Einwohner Tirols lehnten eine Bewerbung von Innsbruck für 2026 ab. «Das tief sitzende Unbehagen weiter Teile der Bevölkerung gegen das IOC und seine jahrzehntelange Gigantomanie konnte nicht in wenigen Monaten abgebaut werden», sagte Günter Platter, Tiroler Landeshauptmann.

Frederic Favre, Staatsrat Kanton Wallis, Jean-Philippe Rochat, Praesident des Kandidaturkomitees Sion 2026, Juerg Stahl, Praesident Swiss Olympic, und Philippe Varone, Stadtpraesident Sion, von links, waehrend einer Medienkonferenz zum Bundesratsentscheid betreffend Olympische Winterspiele 2026 in Sion, am Mittwoch, 18. Oktober 2017 in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Das OK von Sion 2026 gibt sich kämpferisch.  Bild: KEYSTONE

Diese Skepsis bekommt das IOC auch in der Schweiz zu spüren. Die Kandidatur «Sion 2026» wird, vor allem in Bezug auf ein mögliches Defizit, sehr kritisch begleitet. Selbst eine Telefonkonferenz, in der Dubi Journalisten gegenüber bestätigte, das IOC verzichte auf eine unlimitierte Defizitgarantie, brachte die Kritik nicht zum Verstummen. Auch Sportminister Guy Parmelin gelang es nicht, die Zweifel zu zerstreuen, obwohl er im «Tages-Anzeiger» sehr deutlich wurde. «Der Beschluss des Bundesrates ist klar: Wir unterstützen die Durchführung der Spiele mit einem limitierten Höchstbetrag», sagte er. «Das Dossier mit dieser Garantie ist die verbindliche Offerte der Schweiz ans IOC. C’est à prendre ou à laisser, wie man auf Französisch sagt.»

Will auch Italien?

Calgary, Stockholm, Sapporo und Sion seien zu diesem Zeitpunkt Kandidaten für 2026, sagt Dubi. «Zudem gibt es mehrere amerikanische Städte, welche die Winterspiele 2026 gerne hätten.» Im Umfeld der IOC-Sitzung in Lima sei auch klar geworden, dass es in Italien Interesse gebe für die Winterspiele 2026. «Wir werden uns dies in den nächsten Wochen genauer ansehen», sagt Dubi. Almaty (Kasachstan) habe das IOK bisher nicht von sich aus kontaktiert. Das IOK werde den Kontakt noch suchen. «Der Prozess ist viel offener als in der Vergangenheit», sagt Dubi. «Wir verlangen von den interessierten Städten, dass sie uns bis Ende März 2018 einen Brief schicken, in dem sie bestätigen, dass sie Kandidaten sind, wenn sie vom IOC ausgewählt werden.» Über den Ausrichter entschieden wird 2019. (ATT)

Mit dem Brief von Christophe Dubi an Jean-Philippe Rochat schafft das IOC in diesem Punkt nun schriftlich Klarheit. Dubi hält im selben Schreiben aber auch fest, das IOC werde noch eine vertiefte Evaluation der Chancen und Risiken des Projekts «Sion 2026» durchführen. Dabei werde das Komitee beweisen müssen, «dass das Budget glaubwürdig und genügend solide ist, um eine limitierte Defizitgarantie zu rechtfertigen».

Das weiss auch Jean-Philippe Rochat. «Das Kandidatur-Komitee muss nun dem IOC die Zuverlässigkeit des Budgets und die Angemessenheit der vorgeschlagenen Garantie aufzeigen», sagt er. Es sieht ein operationelles Budget von 1.98 Milliarden Franken vor, das 215 Millionen Reserven aufweist. 827 Millionen der budgetierten Einnahmen stammen vom Bund. Das Budget für Infrastrukturbauten beträgt 100 Millionen (31 Millionen vom Bund) und die Sicherheitskosten sind mit 303 Millionen veranschlagt (der Bund zahlt über einen Drittel). Total berappt der Bund 995 Millionen.

Christophe Dubi ist auch etwas klargeworden. Das IOC dürfe künftig die Kommunikation nicht vergessen, sagt er. «Wir haben vermutlich ein Kommunikationsdefizit. Hier müssen wir besser werden.» 

2000 Kilometer quer durch Griechenland

Video: srf/SDA SRF

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