Eismeister Zaugg
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Biels Cheftrainer Antti Toermaenen beim Eishockey-Qualifikationsspiel der National League zwischen dem HC Davos und dem EHC Biel, am Sonntag, 5. Januar 2020, im Eisstadion in Davos. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Der EHC Biel sucht einen Stellvertreter für den erkrankten Antti Törmänen. Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Heikler Job in Biel: Trainer sein, wenn ein anderer Trainer stets gegenwärtig ist

Biels Sportchef Martin Steinegger sucht nicht einen neuen Trainer. Er sucht einen Stellvertreter für Trainer Antti Törmänen.



Eigentlich ist die Suche nach einem Trainer für einen erfahrenen Sportchef wie Martin Steinegger (48) nicht so schwierig. Der EHC Biel ist einer der begehrtesten Arbeitsplätze in Europa. An qualifizierten Bewerbern fehlt es nicht. Aber in diesem Fall geht es nicht einfach um die Suche eines Trainers. Es geht darum, eine Persönlichkeit zu finden, die einerseits fachlich kompetent ist und andererseits mit einer ganz besonderen Situation umgehen kann.

Antti Törmänen (50) muss seine Arbeit nach einer Krebsdiagnose seit dem 31. Juli für die nächsten sechs Monate ruhen lassen. Er braucht nun all seine Kraft, um wieder gesund zu werden. Der finnische Trainer gehört nun erst recht zum EHC Biel. Martin Steinegger sagt, das sei ihm sehr wichtig. «Er hat mit der Chemotherapie begonnen und wird ab und zu bei uns im Stadion vorbeischauen und wohl auch mal bei einer fachlichen Diskussion im Trainerbüro dabei sein. Ich denke, wir können Antti unterstützen, wenn wir ihm die Möglichkeit zu einer Ablenkung geben.»

Biel ist also nicht auf der Suche nach einem neuen Trainer. Sondern nach einem Trainer auf Zeit. Einem Stellvertreter für Antti Törmänen, der die Mannschaft seit dem 11. Dezember 2017 erfolgreich geführt hat.

Offene Ausgangslage

Martin Steinegger sagt, er lege jedem Kandidaten diese Ausgangslage offen. «Ich stelle ihm am Anfang des Gespräches die Frage, ob er mit dieser besonderen Situation umgehen kann. Der Trainer, den er für die nächsten Monate ersetzen muss, gehört nach wie vor zu uns. Auch wenn Antti vielleicht physisch nicht immer präsent sein wird, in den Köpfen der Spieler wird er es sein. Und das ist gut so. Mit dieser Gegenwart eines anderen Trainers muss einer umgehen können. Wenn er sich das nicht zutraut, macht die Fortsetzung des Gespräches keinen Sinn. Deshalb stelle ich diese Frage gleich als Erstes.»

Martin Steinegger wäre fähig, den Job des Cheftrainers vorübergehend zu übernehmen. Er hat sich dagegen entschieden. Wohlwissend, dass die Mannschaft nach den Rücktritten von Torhüter-Titan Jonas Hiller und Captain-Legende Mathieu Tschantré und mehr als zehn auslaufenden Verträgen in einer Umbruchphase steht, aber nach zwei Halbfinals de Suite trotzdem hohe Erwartungen erfüllen sollte.

Cheftrainer ad interim Martin Steinegger verfolgt einen Spielzug von der Bande aus im Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem EHC Biel und den ZSC Lions, am Freitag, 8. Dezember 2017, in der Tissot Arena in Biel. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Biel-Sportchef Martin Steinegger hat Coaching-Erfahrung, doch er hat derzeit andere Aufgaben. Bild: KEYSTONE

Der Sportchef wird vor allem neben dem Eis gebraucht. Um Spieler mit auslaufendem Arbeitsverhältnis per Ende Saison wie Janis Moser (20), Samuel Kreis (26), Valentin Nussbaumer (19), Jason Fuchs (24) oder Michael Hügli (24) zu halten. Auch wenn beim EHC Biel in diesen Tagen einiges wichtiger ist als eine Vertragsverlängerung: The show must go on! Spitzen-Mannschaftssport gewährt dem Management in unsicheren Zeiten keine Pausen.

Martin Steinegger hat seine Kandidaten-Liste erstellt und führt nun die Gespräche ohne grossen Zeitdruck. Die Ausrichtung –schwedisches, schweizerisches, finnisches oder nordamerikanisches Hockey? – spiele eigentlich keine Rolle. Wichtiger sei Führungsqualität. «Wir sind gut vorbereitet und können uns mit der Wahl des neuen Mannes bis Anfang September Zeit lassen. Alles, was im Sommer getan werden musste, ist getan worden und taktisch brauchen wir keine neue Ausrichtung. Hockeytechnisch ist die Aufgabe gut lösbar.»

Erfahrung als wichtige Voraussetzung

Aber es sei wichtig, dass der neue Mann Erfahrung als Cheftrainer habe. «Ein Assistent mag fachlich gut genug sein. Aber es ist etwas ganz anderes, eine Mannschaft zu führen.» Man kann es salopp auch so sagen. Biel bildet immer wieder Spieler aus. Aber Biel kann es sich jetzt nicht leisten, einen Trainer auszubilden.

Ein logischer Kandidat wäre eigentlich Heinz Ehlers. Er hat Biel 2008 in die höchste Liga zurückgeführt und seither in der Schweiz eine grosse Karriere gemacht. Im letzten Frühjahr hat er den noch ein Jahr laufenden Vertrag in Langnau aufgelöst und ist in seine Heimat heimgekehrt, um die dänische Nationalmannschaft im Hauptamt zu übernehmen.

ARCHIVBILD ZUR VERTRAGSVERLAENGERUNG ZWISCHEN DEN SCL TIGERS UND HEAD COACH HEINZ EHLERS, AM DIENSTAG, 20. NOVEMBER 2018 ---- L'entraineur de Langnau Heinz Ehlers lors du match du championnat suisse de hockey sur glace de National League A entre le HC Fribourg-Gotteron et le SCL Tigers, ce samedi, 19 novembre 2016, a Fribourg. (KEYSTONE/Cyril Zingaro)

Heinz Ehlers wäre perfekt – und eben doch nicht. Bild: KEYSTONE

Martin Steinegger sagt, er habe auch an Heinz Ehlers gedacht. «Aber in unserer Situation wäre es für einen Trainer schwierig, wenn er sich zusätzlich auch noch um eine Nationalmannschaft zu kümmern hat.» Heinz Ehlers wird nicht Antti Törmänens Stellvertreter.

watson Eishockey auf Instagram

Selfies an den schönsten Stränden von Lombok bis Honolulu, Fotos von Quinoa-Avocado-Salaten und vegane Randen-Lauch-Smoothies – das alles findest du bei uns garantiert nicht. Dafür haben wir die besten Videos, spannendsten News und witzigsten Sprüche rund ums Eishockey.

Folge uns hier auf Instagram.

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

NLA-Trikotnummern, die nicht mehr vergeben werden

Dinge, die Hockey-Fans niemals sagen würden

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Eismeister Zaugg

Ambri und die Valascia – des Eismeisters Abschied von der steinernen Seele unseres Hockeys

Nach dieser Saison wird mit der Valascia ein Kraftort des Schweizer Eishockeys für immer von der Landkarte verschwinden. Ein letzter Rundgang durchs mythischste Stadion unseres Hockeys.

Beginnen wir unsere letzte Geschichte über die Valascia mit ein wenig Pathos. Gustave Flaubert ist ein französischer Dichter aus dem 19. Jahrhundert. Er hat einmal geschrieben: «Es gibt Orte auf der Welt, die so schön sind, dass man sie an sein Herz pressen möchte.» Wäre er ein Hockey-Chronist gewesen, dann hätte er mit diesem Satz die Valascia gemeint.

Soweit die Romantik. Aber Polemik gehört auch dazu. Es gibt ein Buch über Ambri, zusammengestellt von Ruedi Ingold. Darin gibt es eine …

Artikel lesen
Link zum Artikel