DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
material: shutterstock / bearbeitung: watson

Mit dem irren Iren im Irish Pub

Sie seien trinkfest, laut und hätten einen primitiven Humor, heisst es über die Iren. Nach einem Date mit Cleo und Hutch weiss ich: Alles wahr! Zumindest bei diesem einen Iren.
06.06.2019, 09:40

Hutch lerne ich an einem Yoga-Workshop kennen, an den mich Cleo zwingt. An einem Samstagmorgen. Um 8 Uhr. Den ganzen Tag müssen wir Yoga machen, meditieren und ayurvedisch essen.

Nichts gegen Yoga. Eine Stunde lang. Und ohne «Omm»-Gesänge. Hutch sieht das anders. Er fällt mir auf, weil seine Atmung und sein Gesang am lautesten sind. Hutch ist Anfang 40. Sein Haar ist rot, gekraust, halblang. Es sind einfach rote Haare auf einem Kopf. Von einer Frisur kann nicht die Rede sein.

Hutchs Haut ist blass. Sein Körper drahtig, seine Hände und Füsse riesig. Hutch ist sehr Yogi. Egal, welche Übung wir machen müssen, Hutch kann alles fast besser als die Lehrerin. Streber.

Wenn aus einem Drink 20 Biere werden

Hutch ist so im Zeugs, dass er weder Cleo noch mich wahr nimmt. Bis zur Mittagspause. Da setzt er sich nämlich zwischen uns. Und macht kein Geheimnis daraus, dass er uns beide gut findet. Hutch startet die skrupelloseste Flirtoffensive, die ich jemals erlebt habe. Wenn man so zen ist, sagt Hutch, dann könne man jegliche Hemmungen ablegen.

Hutch lädt Cleo und mich nach dem Yoga auf einen Drink ein, sagt er. Dass daraus mindesten 20 Biere werden, wissen wir zu der Zeit noch nicht. Cleo und ich lassen uns auf das Threesome-Date ein. Hutch führt uns in sein Lieblingslokal: ein Irish Pub. Ich kenne es. Ich bin schon 1000 Mal daran vorbei spaziert, habe es aber noch nie von innen gesehen. Cleo auch nicht.

Der Barkeeper begrüsst Hutch per Handshake. Die beiden reden – logisch – Englisch. Ohne ein Wort zu sagen, serviert uns der Barmann drei grosse Biere. Wir haben Hutch auch hier in unsere Mitte genommen. Er ist Ire. Noch nicht sehr lange in der Schweiz. Sein Deutsch mit Akzent (sexy!) ist überdurchschnittlich gut.

Überdurchschnittlich gut ist auch das Tempo, das Hutch beim Biertrinken an den Tag legt. Cleo und ich haben unser erstes Bier noch nicht mal zur Hälfte getrunken, da ist Hutch schon beim dritten angekommen.

Es dauert nicht lange, bis Hutch so richtig einen sitzen hat. Mit dem steigenden Alkohol-Pegel sinkt das Niveau seiner Witze. Ich weiss nicht, ob es daran liegt, dass Cleo und ich auch nicht mehr ganz nüchtern sind, aber wir reiten die Welle und amüsieren uns prächtig mit dem irren Iren. Und auch der Barkeeper hat ein Chäferfest mit uns. Oder zumindest mit Cleo. Wenn mich nicht alles irrt, hat der mächtig ein Auge auf sie geworfen.

Allgemein ist hier drin die Stimmung so, dass jeder jeden kennt. Und jeder mit jedem spricht. Ich dachte ja immer, dass hier vor allem Au-pair-Girls-Aufriss herrscht. Und dass rülpsende Typen in grossen Gruppen Fussball schauen. Möglich, dass beides wahr ist. Heute aber ist das Publikum gemischt. Nur eines haben alle gemeinsam: Nächstenliebe. Ist es das Bier, die Mentalität oder Zufall? Keine Ahnung. Aber just in diesem Moment sind wir eine riesige Clique.

Cleo und ich lassen uns nonverbal verstehen, dass wir das hier gerade super finden. Und dann teilt sie mir auch noch mit diesem einen Blick mit, dass sie auf Greg, den Barkeeper steht.

Sein Glück ist auch ein bisschen mein Glück

Ich verstehe und wende mich Hutch zu. Freie Bahn für Greg und Cleo. Hutch schnallts nicht. Und flirtet nun statt mit Cleo und mir mit mir und einer blonden Schönheit. Eventuell flirtet er auch noch mit dem Typen auf der anderen Seite vom Tresen. Ein bisschen fühlt es sich hier an wie das Intro eines Swinger-Pornos.

In der Zwischenzeit ist es schon nach zwei Uhr. Ich habs langsam etwas gesehen. Cleo will warten, bis Greg seine Schicht fertig hat. Also setze ich mich noch einmal hin und überlege, ob ich Hutch mit nach Hause nehmen soll. Ich bin noch mitten im Abwägunsgprozess, als er mir die Entscheidung abnimmt.

Auf der anderen Seite des Tresens sehe ich ihn knutschen. Mit einem Typen. Schön für ihn!

Also packe ich mein Zeugs und verabschiede mich. Zuerst von Cleo, dann von Greg, dann von all meinen anderen neuen Freunden hier und am Ende von Hutch. Und seinem Lover. Der sehr gut aussieht, wie mir nun aus der Nähe auffällt. Von ihm verabschiede ich mich am langsamsten. So langsam, dass der dritte Kuss auf die Backe nicht auf der Backe, sondern auf seinem Mund landet.

Hoppla.

Nun bin ich so angeturnt, dass ich mit beiden knutsche. So lässig diese Küsse in dieser Sekunde sind, sie riechen nach Bier und Zigaretten. Sie riechen aber nicht nach mehr. Die Männer versuchen noch, mich mit betrunkenen Balzgesängen zurückzuhalten. Ich lache und bleibe aber beim Gehen.

Auf dem Weg nach Hause bin ich sicher, dass mein Leben eine einzige Sensation aus Spass, Freiheit und Spontanität ist. Und manchmal aus Sex. Und manchmal auch nicht aus Sex. Das macht aber absolut nichts. Den sollen heute Cleo und Greg haben.

Update: Cleo und Greg hatten Sex. Und haben ihn immer noch.

Adieu,

Übrigens: Rote Haare <3

1 / 30
Sie sind wieder da! Sommersprossen sind grossartig. Punkt.
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Die Geschichten aus dem Leben von Emma Amour:

1 / 90
Die Geschichten aus dem Leben von Emma Amour:
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer
Emma Amour ist ...
... Stadtmensch, Single, Anfang 30 – und watsons Bloggerin, die nicht nur unverfroren aus ihrem Liebesleben berichtet, sondern sich auch deiner Fragen annimmt. Und keine Sorge, so wie auch Emma, wirst auch du mit deinen Frage anonym bleiben. Madame Amour ist es nämlich sehr wichtig, auch weiterhin undercover in Trainerhosen schnell zum Inder über die Strasse hoppeln zu können.
Das bin nicht ich, aber so würde ich als Illustration aussehen. Öppe.
Das bin nicht ich, aber so würde ich als Illustration aussehen. Öppe.
bild: watson
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Emma Amour

Mein Fussball-Märchen mit Kathi-Kate-Cat und Pat

Shit, ist das krass! Die Schweizer Nati qualifiziert sich nicht nur für das Viertelfinale, nein, die Jungs hauen auch grad noch den Weltmeister aus dem Rennen. Was hab ich die Männer gefeiert. Auch wenn ich am Ende mit einer Frau rummachte.

Nicht nur, weil die Schweizer Nati Geschichte schrieb, geht der vergangene Montag in die Geschichte ein. Auch für mich war die Nacht nach dem Match gegen Frankreich so ereignisreich, dass ich nie, nie, nie meinen Enkel-Kartoffeln davon erzählen werde.

Aber von Anfang an. Ich gabs mir ja hart. Hab zuerst das Spiel Kroatien gegen Spanien geschaut. Und zwar beim Public Viewing. Ich war Team Kroatien. Obwohl ich diese Karo-Trikots unmöglich finde.

Aber da in dieser Gartenbeiz war ein Kroate, der es …

Artikel lesen
Link zum Artikel