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epa06378620 Jasmine Flury, of Switzerland, right, first place, and  Michelle Gisin, left, of Switzerland, second place, celebrate on the podium in the finish area at the women's Super-G race at the FIS Alpine Ski World Cup, in St. Moritz, Switzerland, Saturday, December 9, 2017.  EPA/ALEXANDRA WEY

Doppelsieg: Der Erfolg von Jasmine Flury (rechts) vor Michelle Gisin im Super-G von St.Moritz war eines der Highlights des bisherigen Winters. Bild: EPA/KEYSTONE

Kommentar

Darum haben Skirennen schon lange nicht mehr so viel Spass gemacht

Wir freuen uns mit Aksel Lund Svindal mit, weil er die Österreicher so oft paniert. Wir sind beeindruckt, wenn Anna Veith nach ihrem Comeback wieder siegt, und Lindsey Vonn erhält von uns grossen Respekt für ihre vielen Siege. Aber was wirklich zählt, sind Schweizer Erfolge.



Es gab Zeiten, da war es richtig schwierig, ein Schweizer Ski-Fan zu sein. Vor allem dann, wenn dieser Fan in den glorreichen 80er-Jahren aufgewachsen ist. Als Schweizer Siege so selbstverständlich waren wie Schnee von Dezember bis März und als jeder Bube so wie Pirmin Zurbriggen sein wollte und als jeder mit Blizzard-Ski ausgelacht wurde, weil man unmöglich für Peter Müller sein konnte.

Ausgelacht hätten wir damals auch einen Besucher aus der fernen Zukunft, der von düsteren Zeiten berichtete, die über das Schweizer Ski-Team hereingebrochen sind. Unvorstellbar! Doch diese Zeiten kamen. Weltmeisterschaften wie jene in Bormio 2005, von der die Schweiz nicht eine einzige Medaille nach Hause brachte. Oder Weltcuprennen, in denen es nicht einmal ein einziger Schweizer in die Punkte schaffte.

epa04923715 (FILE) A file picture dated 12 February 2005 of Austria's Benjamin Raich posing with his medals during the official medal ceremony of the men's Slalom race at the Alpine Skiing World Championships in Bormio, Italy. Two-time Olympic champion Benjamin Raich on 10 September 2015 announced his retirement, ending a career of 19 years as professional alpine ski racer. Raich won 14 medals at Olympic Games and World Championships, including two gold in the Slalom and Giant Slalom races of the Turin 2006 Winter Olympic Games and two gold at the 2005 World Championships in Bormio. He took the overall World Cup trophy in 2006 and won 36 World Cup races.  EPA/CLAUDIO ONORATI *** Local Caption *** 00368701

Fünf Medaillen in Bormio: Der Österreicher Benjamin Raich war die grosse Figur der WM 2005. Bild: EPA/ANSA FILE

Diese Zeiten sind glücklicherweise vorbei. Im aktuellen Winter stand fast in jedem dritten Rennen ein Schweizer auf dem Podest (in sechs von 21) und nur vier Mal schaffte es Swiss-Ski nicht in die Top 10. Den Schweizer Frauen gelang dies in jedem einzelnen Rennen.

So macht es wieder richtig Spass, Skirennen zu schauen: Wenn in jedem Rennen die Aussicht auf einen Sieg, einen Podestplatz oder eine Spitzenplatzierung von Schweizern besteht.

Besonders wertvoll ist, dass es nicht immer die «üblichen Verdächtigen» sind, die Glanzlichter setzen. Wenn Lara Gut in Sölden ausscheidet, wird Wendy Holdener im Riesenslalom überraschend Sechste. Wenn Holdener im Slalom von Killington ausscheidet, springt Denise Feierabend mit Rang 4 in die Bresche. Und während Ex-Weltmeister Patrick Küng nur ein Schatten seiner besten Zeiten ist, wird in Val Gardena schier aus dem Nichts der junge Zürcher Gilles Roulin mit einer Fahrt auf den vierten Platz bester Schweizer Abfahrer. Kann der Druck auf mehrere Schultern verteilt werden, so entlastet das die Teamleader, was wiederum zu besseren Resultaten führen kann. Eine Positivspirale.

epa06393114 Joana Haehlen of Switzerland speeds down the slope during the Women's Super-G race at the FIS Alpine Skiing World Cup in Val D'Isere, France, 16 December 2017.  EPA/GUILLAUME HORCAJUELO

Auch der zweite Anzug sitzt: Joana Hählen wird in Val d'Isère 5. im Super-G. Bild: EPA

Selbst in der historischen Schweizer Sorgen-Disziplin, dem Männer-Slalom, liegt plötzlich etwas drin. In Levi klassierten sich Luca Aerni, Daniel Yule, Loïc Meillard und Reto Schmidiger auf den Rängen 4, 5, 6 und 10. Vier Schweizer in den Top 10 eines Weltcup-Slaloms – das hatte es überhaupt noch nie gegeben.

Die Zeiten von Pirmin Zurbriggen, Vreni Schneider und Maria Walliser werden nie mehr wiederkommen. Das ist selbst dem grössten Träumer klar. An den Weltmeisterschaften 1987 in Crans-Montana errang die Schweizer Equipe acht von zehn Titeln und ergatterte 14 von 30 Medaillen. Ganz so viele werden es in knapp zwei Monaten bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang nicht werden. Aber in jedem einzelnen Rennen wird das Schweizer Team Kandidaten für eine Medaille stellen. Das sind schöne Aussichten für den weiteren Verlauf des Winters.

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Video: watson/Emily Engkent

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