Wirtschaft

Erwartungen erfüllt: Roche legt beim Umsatz um 5 Prozent zu

19.10.17, 07:13 19.10.17, 18:13

Roche legt beim Umsatz 5 Prozent zu Bild: KEYSTONE

Trotz Verlusten bei bewährten Blockbustern hat der Pharmakonzern Roche sein Wachstumstempo die letzten neun Monate gehalten. Zu verdanken ist dies drei neu lancierten Medikamenten, die 60 Prozent zum Wachstum beisteuerten.

Die wichtigste Division Pharma mit einem Umsatzanteil von 78 Prozent kriegt die Konkurrenz von Nachahmerprodukten vor allem in Europa immer mehr zu spüren. Die Verkäufe in Europa sanken in den ersten drei Quartalen 2017 gegenüber der Vorjahresperiode um 2 Prozent.

Dagegen stiegen die Umsätze in den USA (plus 10 Prozent) und in der Region International (plus 4 Prozent) weiter stark. Insgesamt erhöhte sich der Umsatz des Konzerns um 5 Prozent auf 39,4 Milliarden Franken - sowohl in Franken als auch zu konstanten Wechselkursen. Im dritten Quartal 2017 resultierte gegenüber dem Vorjahresquartal wechselkursbereinigt ein Plus von 6 Prozent.

Hauptwachstumsträger bei Pharma sind die neu eingeführten Medikamente Tecentriq, Ocrevus sowie Alecensa. «60 Prozent des Wachstums stammt von diesen Produkten», sagte Konzernchef Severin Schwan am Donnerstag an einer Telefonkonferenz.

Besonders zufrieden sei er mit Ocrevus zur Behandlung der Nervenerkrankung Multiple Sklerose. Es erzielte in den ersten neun Monaten 500 Millionen Franken Umsatz.

Erst der Anfang von Immuntherapien

«Obwohl wir erst am Anfang stehen, gibt es in den USA bereits ausserordentlich viele Patienten, die Ocrevus beziehen», sagte Schwan weiter. Roche freue sich das Medikament Ende Jahr auch in Europa einzuführen.

Bei Tecentriq wiederum, das 355 Millionen Franken Umsatz erzielte, handelt es sich um die erste Krebs-Immuntheraphie des Konzerns. Derzeit führe Roche Studien für weitere 20 Krebsimmuntherapien durch, Tecentriq sei erst der Anfang.

Weiter fulminant zugelegt hat das jüngere Krebsmittel Perjeta, das mit einem Umsatzplus von 17 Prozent auf 1,6 Milliarden Franken in den ersten neun Monaten zum neuen Wachstumstreiber aufstieg.

Dagegen schrumpften der Umsatz des Krebsmittels Avastin um 2 Prozent auf 5 Milliarden Franken. Es handelt sich bei Avastin um ein biotechnologisches Medikament wie bei den Blockbustern Herceptin (5,2 Milliarden Franken Umsatz) und MabThera/Rituxan (5,6 Milliarden Umsatz). Letztere zwei legten bloss 2 Prozent zu.

Konkurrenz und Kannibalisierung

Alle drei Medikamente kämpfen gegen die zunehmende Generikakonkurrenz. Der Druck wird laut dem Leiter der Division Pharma, Daniel O'Day, im laufenden und nächsten Quartal weiter zunehmen.

Aber auch in den USA sei der Avastin-Umsatz bei einer Indikation bereits rückläufig wegen der Konkurrenz durch neue Krebs-Immuntherapien.

Natürlich hoffe Roche, dass sich Avastin in Kombination mit eigenen Immuntherapien wie Tecentriq beweisen werde. Doch es könne auch sein, dass sich die Produkte kannibalisieren - das werde sich zeigen.

Mit einem Rückgang von 21 Prozent auf 397 Millionen Franken erlitt das Grippemittel Tamiflu in den ersten neun Monaten dieses Jahres den grössten Rückschlag unter den umsatzstarken Medikamenten. Seit letztem Jahr sind günstige Nachahmerprodukte auf dem Markt.

Markt nicht überzeugt

Das Umsatzplus der Division Diagnostics um 5 Prozent auf 8,8 Milliarden Franken sei vor allem dank der guten Entwicklung von Produkten für die Immundiagnostik zu verdanken, wie Roche weiter mitteilte.

«Aufgrund der bisherigen Entwicklung bin ich zuversichtlich, dass wir unsere Ziele für das Gesamtjahr erreichen werden», sagte Schwan. Roche prognostizierte im Sommer ein Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich, nachdem zuvor nur von einem tiefen bis mittleren einstelligen Bereich die Rede war.

Der Konzern bekräftigte zudem die Absicht, die Dividende in Schweizer Franken weiter zu erhöhen. Der Finanzmarkt zeigte sich am Morgen wenig überzeugt, dass Roche die erwarteten Umsatzrückgänge bei den Blockbustern weiter mit neuen Medikamenten kompensieren kann.

Am Vormittag verloren die Roche-Genussscheine 0,7 Prozent. Bis am Abend weiteten sich die Verlust auf 2,3 Prozent aus. Gleichzeitig gab der Leitindex SMI 0,8 Prozent nach. (sda)

Das könnte dich auch interessieren:

Dem Nachtzuschlag gehts an den Kragen – und Uber ist daran nicht ganz unschuldig

Für 27 Franken nach Berlin? So teuer müsste dein Flug eigentlich sein

Diese Feministin will die SVP aus Debatten (und Taxis) verbannen

Erwachsensein – wie du es dir vorgestellt hast, und wie es wirklich ist

Poisson prallte gegen einen Baum: «Als wir am Unfallort ankamen, war er bereits tot»

Wie lit bist du, du sozialtoter Bruh? Wir suchen die Jugendwörter vergangener Jahre

Erfolg für Facebook-Schreck Max Schrems: Datenschutz-Aktivist kann Facebook verklagen

5 Grafiken, die man im No-Billag-Nahkampf kennen muss

Diese 6 Grafiken zeigen, in welchem Kanton du für die Autoprüfung am meisten zahlst

Nico Hischier ist in seiner ersten NHL-Saison besser unterwegs als Auston Matthews

«Cookies»-Backen in der Schweiz – ein Drama in 5 Akten

10 Vorteile, die nur sehr langsame Leute kennen

Gesichtserkennung beim iPhone X angeblich überlistet

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Von wegen Käse, Schokolade und Uhren: Die Schweiz ist Vizeweltmeister im Waffenhandel

Laut einer neuen US-Studie liefert pro Kopf kaum ein Land mehr Waffen an Entwicklungsländer als wir Schweizer.

Die Schweiz ist ein Top-Exportland. Nicht nur bei Waren wie Käse, Schokolade und Uhren. Sondern auch bei Waffen. Vor allem bei Waffen an Entwicklungsländer.

Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie des US-amerikanischen Congressional Research Service (CRS). Demnach war die Schweiz 2015 der weltweit siebentgrösste Rüstungslieferant an Entwicklungsländer: Sie lieferte Rüstungsgüter im Wert von 700 Millionen Dollar an sogenannte «developing nations».

Pro Kopf umgerechnet, belegt die neutrale Schweiz …

Artikel lesen