Sexismus
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Frauen streiken am nationalen Frauenstreik am Freitag, 14. Juni 2019, in Luzern. Am heutigen Freitag findet in der Schweiz der Frauenstreik statt. Der Kampftag fŸr die Gleichstellung der Geschlechter ist dezentral organisiert und geht an vielen Orten mit mannigfaltigen Aktionen ueber die Buehne. (KEYSTONE/Alexandra Wey)

Frauen sind zum Frauenstreiktag in der ganzen Schweiz auf die Strasse gegangen. Bild: KEYSTONE

Rekordzahlen: In diesem Kanton stehen die meisten Frauen auf der Nationalratsliste

Bei den nationalen Wahlen im Herbst zeichnet sich eine Rekordzahl gewählter Frauen ab: Die Zahl der Kandidaturen schnellt in die Höhe, und die Wahlchancen stehen so gut wie nie.

Roger Braun / ch media



Nicht nur am Wochenende auf der Strasse waren es viele, auch bei den eidgenössischen Wahlen im Herbst dieses Jahres werden die Frauen in grosser Zahl kandidieren. Die «NZZ am Sonntag» hat erhoben, wie viele Frauen auf den Hauptlisten der sechs grössten Parteien in den sieben grössten Kantonen antreten werden. Es sind so viele wie noch nie.

An der Spitze steht der Kanton Luzern, wo die Nationalratskandidatinnen mit 53 Prozent gar in der Überzahl sind. Im Aargau sind es 48 Prozent. In Zürich, Genf und Bern liegt der Frauenanteil deutlich über 40 Prozent, in St. Gallen und der Waadt knapp darunter.

In jedem einzelnen der sieben Kantone gibt es mehr Frauenkandidaturen als noch vor vier Jahren. Und: Sämtliche Parteien treten mit mehr Frauen an. Sogar die SVP, die der Frage kaum Interesse beimisst, bewegt sich. In allen sieben Kantonen hat sie den Frauenanteil auf den Wahllisten gesteigert.

Erfolgschancen wachsen stetig

Nun ist die höhere Beteiligung lediglich der erste Schritt zu einer ausgewogeneren Vertretung im Nationalrat. Entscheidend wird sein, wie viele dieser Kandidatinnen am 20. Oktober tatsächlich gewählt werden.

Gegenwärtig beträgt der Anteil der Frauen im Nationalrat 32 Prozent, im Ständerat sind es 13 Prozent.

Eine Studie des Politikwissenschafters und Mitarbeiters des Bundesamts für Statistik, Werner Seitz, gibt Anlass zur Hoffnung auf eine gleichmässigere Vertretung der beiden Geschlechter. Seitz hat die Wahlchancen von Kandidatinnen über die Zeit verglichen und ist zu einem eindeutigen Resultat gelangt: Die Erfolgsaussichten der Frauen werden immer besser.

Bei den letzten eidgenössischen Wahlen 2015 war die Erfolgsquote der Frauen so hoch wie nie. Der Anteil gewählter Frauen entsprach beinahe dem Anteil kandidierender Frauen. Das entsprechende Verhältnis lag bei 95.5 Prozent; 100 Prozent würden den Wahlchancen der Männer entsprechen.

Auch wenn die Chancen damit noch leicht tiefer liegen: Der Fortschritt ist enorm. Bei der ersten Wahl mit Frauenbeteiligung im Jahr 1971 betrug diese Quote noch 32 Prozent. Danach stieg sie kontinuierlich an. Anders gesagt: Waren die statistischen Wahlchancen eines Mannes 1971 noch 3.5-mal grösser als bei einer Frau, so sind die Chancen heute beinahe ausgeglichen.

Für ambitionierte Politikerinnen sind das gute Nachrichten. Nicht nur ist es einfacher geworden, auf eine Wahlliste zu kommen. Auch sind die Wahlchancen gestiegen. Für die kommenden Nationalratswahlen zeichnet sich damit eine Rekordzahl gewählter Frauen ab.

Frauenkandidaturen im Ständerat

Im Ständerat zeigt sich dieselbe Tendenz. Noch nie haben mehr Frauen für die kleine Kammer kandidiert als dieses Jahr. Damit stehen die Chancen gut, dass die derzeitige Untervertretung – von 46 Sitzen sind lediglich 6 von Frauen besetzt – korrigiert wird. Politische Beobachter gehen von etwa elf Frauen aus, die im Herbst in den Ständerat gewählt werden. Damit würde man wieder den bisherigen Höchststand aus dem Jahr 2003 erreichen.

Im Parlament gibt es zudem Anstrengungen, den Frauen noch mehr Schub zu geben. Ein Vorstoss der Grünen will die Parteien verpflichten, bei den Nationalratswahlen gleich viele Frauen auf die Wahllisten zu setzen wie Männer. Chancen dürfte dieses Ansinnen allerdings wenig haben: Vor gut einem Jahr lehnte das Parlament einen ähnlich lautenden Vorstoss der Grünen für eine Mindestquote von einem Drittel mit 133 zu 52 Stimmen deutlich ab.

GLP will Männerlisten abstrafen

Bessere Aussichten dürfte eine Idee der Grünliberalen haben. Parteipräsident Jürg Grossen will die Parteien mit finanziellen Anreizen motivieren, mehr Frauen auf die Wahlliste zu setzen, wie die «Sonntags-Zeitung» schreibt.

Künftig sollen die Bundeshausfraktionen nur noch Geld vom Bund erhalten, wenn sie mit ausgewogenen Listen antreten. Der Richtwert soll 40 Prozent betragen, sagt Grossen auf Anfrage. Wer diesen Richtwert schweizweit erreicht, soll weiterhin die vollen Fraktionsbeiträge erhalten. Wer darunterfällt, muss mit Kürzungen rechnen.

Grossen sagt: Wer sich nicht für die Gleichstellung engagiert, soll dies auch finanziell zu spüren bekommen.» Für Grossen ist die Frauenvertretung im Parlament eminent wichtig. Er sagt: «Wir werden die Gleichstellung erst erreichen, wenn mehr Frauen im Bundesparlament politisieren.»

Das war der Frauenstreik vom 14. Juni 2019

Frauenstreik 1991

Wenn wir Männern die gleichen Dinge sagen

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16Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Bits_and_More 17.06.2019 08:53
    Highlight Highlight Häufig ist ja nicht der fehlende Wille der Parteien die Ursache für wenige Frauen auf der Liste, sondern es sind einfach zu wenig Frauen bereit, zu kandidieren. Gerade wenn die reellen Wahlchancen gegen 0 gehen ist es eine Knochenarbeit, sich zu motivieren und Wahlkampf zu betreiben.

    Und schlussendlich bestimmt die politische Agenda, wie sich eine Person bei Gleichberechtigungsthemen einsetzt und nicht das Geschlecht.
  • beaetel 17.06.2019 08:29
    Highlight Highlight Es braucht eine Mindestanzahl vom gleichen Geschlecht, damit Mann oder Frau nicht als Exot/in auffällt, sprich für normal genommen wird, also nicht auffällt. Im übrigen fände ich es überlegenswert, Parlamente per Losentscheid zusammenzustellen. Es geht nämlich nicht darum von den Besten vertreten zu werden, sondern von Leuten, die das Volk vertreten. Parteien vertreten nie das Volk, sondern nur eine Partei. Diese sind Interessengebunden und vor allem die Rechten mit der Wirtschaft verbandelt. Wer aber vom „Volk“ sitzt in einem Verwaltungsrat? Richtig, praktisch niemand!
  • Stambuoch 17.06.2019 08:28
    Highlight Highlight Den GLP-Ansatz find ich eigentlich recht gut. Niemandem wird etwas verboten aber diejenigen, welche sich an eine gewisse Quote halten, werden belohnt.
  • Friedhofsgärtner 17.06.2019 08:26
    Highlight Highlight „So sind die Chancen heute beinahe ausgeglichen“

    Das ist sehr erfreulich und zeigt das hier kein Stillstand herrscht! Wie allerdings bei solchen Voraussetzungen die Grüne auf einen solch radikalen Lösungsansatz kommt, ist mir ehrlich gesagt schleierhaft. Diese m. E. offensichtliche Diskriminierung von Männern klingt mir doch sehr populistisch. Auch dem Vorschlag der GLP stehe ich eher kritisch gegenüber.

    Ehrlich gesagt finde ich die Einstellung dass Frauen extra Hilfe brauchen sollen, höchst bedauerlich. Sie sind, wie man sieht, durchaus in der Lage ihre Ziele aus eigener Kraft zu erreichen.
  • reamiado 17.06.2019 08:22
    Highlight Highlight In welchem Kanton ist der Frauenanteil am geringsten? Appenzell? 😉
  • Hein Doof 17.06.2019 07:54
    Highlight Highlight Eigentlich sollte es doch um die Fähigkeiten gehen und nicht um das Geschlecht. Aber dann wären die Listen wohl eh nur zu 10% gefüllt.
  • Stu83 17.06.2019 07:33
    Highlight Highlight Wie wurde die Wahlchance berechnet?
    • Aurum 17.06.2019 08:24
      Highlight Highlight umfragen.
    • alles ist relativ 17.06.2019 09:01
      Highlight Highlight Gewählte Frauen in % geteilt durch Anteil der Frauen auf den Listen
  • Spirulina 17.06.2019 07:00
    Highlight Highlight Mir als Frau ist so ziemlich egal, wo am meisten Frauen aufgelistet sind. Ich möchte einfach die bestgeeigneten Kandidaten, egal ob da ein Penis dranhängt oder nicht.
    • barbablabla 17.06.2019 07:32
      Highlight Highlight Liebe Spirulina.
      Mir als Frau ist es nicht egal, ich möchte in Bern für meine Sicherheit, Gleichheit, Klimaprobleme vertreten werden. Das die grauen Herren der Schöpfung dies nicht zustande bringen bewisen sie mehr als genug. Ich wähle darum wann immer ich Frauen wählen kann Frauen. Gebe meine Stimme jedoch auch gerne Männer die meine Richtung vertreten.
    • Mira Bond 17.06.2019 08:01
      Highlight Highlight Ich möchte als Frau auch, dass meine Anliegen in der Politik Ernst genommen werden! Deshalb brauchen wir dringend mehr Frauen an den Schalthebeln. Ist doch spannend, dass ausgerechnet die zwei neuen Bundesrätinnen auf der Beliebtheitsskala zuoberst sind 😉
    • dorfne 17.06.2019 08:43
      Highlight Highlight @barba@Mira. Die Blitze zeigen wie Recht Ihr beiden habt.
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