Film
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«Wellness» im Sozialismus: Der junge Schriftsteller (Jude Law) führt in die Geschichte ein. Bild: Twentieth Century Fox

«The Grand Budapest Hotel»

Grosses Kino: Hier sollten Sie einchecken

Wes Anderson hat mit «The Grand Budapest Hotel» ein farbenfrohes Kunstwerk hingelegt, das ungemein unterhaltend ist: Bei diesem Filmemacher ist man gern zu Gast.



Die Story

Willkommen im Grand Budapest Hotel, einem abgewrackten Sozialistenbau in den 70ern, in dem nur noch einsame Seelen eine Herberge finden. Unter ihnen ist auch ein junger Schriftsteller, der mittlerweile die wenigen Stammgäste beim Namen kennt.

Doch eines Tages erregt ein «Neuer» in der Lobby die Aufmerksamkeit des Erzählers. Es stellt sich heraus, dass dieser Mann der Besitzer des Hotels ist, das ziemlich sicher auf den wirtschaftlichen Abgrund zusteuert. Doch das war nicht immer so, vertraut der Mann dem Schriftsteller beim Abendessen an. 

Jude Law, der junge Schriftsteller und Erzähler, erspäht erstmals den Besitzer des Hotels (Englisch). Video: YouTube/FoxSearchlight

Mr. Gustave: «Sie war übrigens eine Granate im Bett.» Lobby-Boy: «Sie war 84!» Mr. Gustave: «Ich hatte schon ältere.»

Konversation auf dem Weg zur Beerdigung.

In den 30ern steckte unter der bröckelnden Beton-Fassade des Budapests noch das florierende Grandhotel. Ein historischer Prachtbau, dessen Gäste nicht weniger alt und edel waren. Und viele von ihnen kamen nur für eines: den Concierge Mr. Gustave, der selbst Damen fortgeschrittensten Alters in jeder Lebens- und Horizontallage mit pathetischer Hingabe zu Diensten ist. 

Hier eine weitere Kostprobe vom Können des Concierge.

Madame D. alias Tilda Swinton ahnt, dass ihre Tage gezählt sind. Sie will sich nicht von Mr. Gustave trennen.  Video: YouTube/FoxKino

Auch bei Geschöpfen wie Madame D. (Tilda Swinton, was für eine Maske!) ....  Bild:Twentieth Century Fox 

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... reicht Concierge Mr. Gustave mehr als nur das Händchen.  Bild: Twentieth Century Fox

Herrlich schräg: Nach kritischer Begutachtung akzeptiert Mr. Gustave seinen neuen Lehrling. Vor allem, weil der Lobby-Boy seine Bewunderung zum Ausdruck bringt. Bild: Twentieth Century Fox

Erst jetzt beginnt diese Geschichte um diesen glatt-gediegenen Butler, dem eine der alten Frauen nach ihrem Dahinscheiden ein Bild vermacht. Deren adlige deutsche Familie sieht aber gar nicht ein, dass der Dienstbote des Hotels aus dem Nachbarland auch nur einen Pfennig bekommt, geschweige denn jenes Bild mit dem Apfel. Ein absurdes Ränkespiel beginnt, in dem Mr. Gustave von seinem Lobby-Jungen, dem jungen Zero, unterstützt wird. 

«Ich schlafe mit allen meinen Freunden.»

Mr. Gustave zum Sohn der verstorbenen Madame D.

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Madame D.'s Anwalt (Jeff Goldblum) verliest das Testament der Verstorbenen. Bild: Twentieth Century Fox

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 Mr. Gustave erbt ein Gemälde. Ist es viel wert? Unwichtig, er soll es nicht kriegen, finden die Hinterblieben. Bild: Fox Searchlight

Die Akteure

Die Hauptfiguren, Mr. Gustave und sein Lobby-Boy, werden von Ralph Fiennes und Tony Revolori übernommen. 

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Und so sieht der Anwalt aus, wenn er auf Rechtmässigkeit pocht und selbst ins Visier der Familie gerät.  Bild:Twentieth Century Fox

Fiennes könnten Kritiker vorwerfen, er sei der ewige «English Patient», immer leidend wie in «Schindler's List», stets eitel wie in «The Avengers» («Mit Schirm, Charme und Melone»). Und genau darum ist er wie gemacht für seine Rolle, denn Mr. Gustave, der kleine Teufel, frisst in der Not auch Fliegen – alte Damen – und tut dabei so, als sei das distinguiert.

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Fast schon selbstironisch: Fiennes alias Mr. Gustave bezirzt die weiblichen Hotelgäste. Bild: Twentieth Century Fox

This image released by Fox Searchlight shows Tony Revolori, left, and Saoirse Ronan in

Revolori als Lobby-Boy, Saoirse Ronan mimt seinen Schwarm Agatha. Bild: Fox Searchlight

Tony Revolori hat bisher wenig auf dem Kino-Kerbholz, doch das wird sich nach diesem Auftritt ändern. Der erst 17 Jahre alte Amerikaner wirft sich mit Verve in seine Rolle als eifrigen Handlanger, der von dem berühmten Concierge lernen will. «Trotz diverser Kurzauftritte der Stars zeigt ein Charakter die ganze Zeit Präsens» lobte etwa der kritisch-britische «Guardian» und führte prompt ein Interview mit dem Jungstar – standesgemäss im Berliner Edel-Hotel Adlon. Der Titel: «The Kid Stays in the Picture».

Die anderen grossen Namen spielen bloss kleine Rollen. Das ist gar kein Manko, aber Jude Law, Adrien Brody und Owen Wilson werden halt nicht die ganze Zeit zu sehen sein. Gedreht wurde im Umland von Görlitz in Sachsen: Franzosen und Deutsche freuen sich, dass mit Mathieu Amalric und Florian Lukas Landsleute ein Plätzchen in diesem Werk gefunden haben. Die Schweiz, Sie ahnen es, spielt keine Rolle.

«Meet the Characters»: Hier hören Sie das feine Englisch und sehen, wer noch alles mit von der Partie ist. Video: YouTube/FoxSearchlight

This image released by Fox Searchlight shows  Bill Murray in a scene from

Wes Anderson und Bill Murray: Die Kombination gabs schon sieben Mal. Bild: Fox Searchlight

Sie sollten den Film schauen, wenn ...

... Sie einen sonderbaren Humor haben. So wie der Macher des Streifens. Regie, Drehbuch und Produktion aus einer Hand: Wes Anderson knüpft mit dem neuen Kinofilm an den lakonisch-lustigen Ton an, den man von den «Royal Tenenbaums» kennt. 

Die Farben zeigen an: Hier wirds romantisch. Bild: Twentieth Century Fox

Die Erzählweise wechselt wild wie die erzählte Zeit: Erst tritt der junge Schriftsteller auf, der in den 70ern kommentiert. Dann gehts mitten ins Getümmel der späten 30er, Nazis inklusive. Und zwischendurch wieder zurück, versteht sich.

Lobend erwähnt werden muss auch die liebevolle Ausstattung – sowohl im heruntergekommen Sozialisten-Zeitalter als auch im romantisch traditionellen Grandhotel. Die Musik untermalt die überspitzten Szenen stets in klingender Harmonie: Falls Sie den Film sehen sollten, denken Sie in der Klosterszene an diese Zeilen. 

Der Film ist nichts für Sie, wenn ...

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Wenn Owen Wilson die Hotel-Rezeption übernimmt, hat es «politische Veränderungen» gegeben. Bild:Twentieth Century Fox

... Sie Action, eine «direktere» Story wollen und Ihnen Details, Farben und Formen eh egal sind. Denn dann können Sie wohl auch mit Andersons Humor nichts anfangen.

Ausserdem ist es schwer vorstellbar, dass der Film auf Deutsch geniessbar ist, denn viel Wortwitz wird schwer zu übersetzen sein. Nicht zuletzt ist historisches Interesse von Nutzen, um die Anspielungen auf die so genannte Sudetenkrise zu verstehen.

Der deutschsprachige Trailer. Video: YouTube/diefilmfabrik

Kinostart: 6. März

IMDB-Wertung: 8,3 von 10

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