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Am Donnerstagmorgen strahlte die ARD erneut eine Reportage aus Oberwil-Lieli aus.<br data-editable="remove">
Am Donnerstagmorgen strahlte die ARD erneut eine Reportage aus Oberwil-Lieli aus.
screenshot: ard

ARD kehrt nach Oberwil-Lieli zurück: «Eine der reichsten Schweizer Gemeinden, die jetzt 8 Flüchtlinge aufnehmen muss»

Andreas Glarner erreichte als Gemeindeammann von Oberwil-Lieli und mit seiner Haltung gegenüber Asylbewerbern Bekanntheit bis nach Deutschland. Nun waren die ARD-Reporter für eine neue Reportage zu Gast im Freiämter Dorf.
18.12.2015, 14:1718.12.2015, 15:26

Vor drei Monaten waren sie schon einmal zu Gast in Oberwil-Lieli und berichteten über den Asylstreit, die Reporter des ARD-«Morgenmagazins». Damals sprachen sie mit Gemeindeammann Andreas Glarner und verhalfen ihm zu zweifelhafter Berümtheit.

Auf die Frage, was er einer hergereisten Flüchtlingsfamilie sagen würde, antwortete der SVP-Ammann: «Dass sie vergebens gekommen sind.» Und er ergänzte: «Das sind potenzielle Sozialhilfebezüger, die uns immer und ewig auf der Tasche liegen würden.»

Der Beitrag des ARD-Morgenmagazins. 
YouTube/Larry Swarez

Nun war es wieder so weit. In der Zwischenzeit hat Studentin Johanna Gündel Glarner die Stirn geboten und an der Gemeindeversammlung per Antrag bewirkt, dass Oberwil-Lieli nun doch acht Asylbewerber aufnehmen wird.

Jetzt auf

«Morgenmagazin»-Reporter Matthias Ebert trifft sie und lässt den ARD-Bericht Revue passieren. «Ich war empört», beschreibt Gündel ihre Reaktion auf die Aussagen Glarners.

Sie nimmt den Journalisten mit zu einer Sitzung ihrer Gruppe Bündnis für ein solidarisches Oberwil-Lieli, die eine direkte Reaktion auf die Berichterstattung ist. «Gerade dieser ARD-Bericht hat uns motiviert, uns zu organisieren», so Bündnismitglied Thomas Gull. Er ergänzt: «Ich wurde im Büro von Kollegen mit ‹Wo wohnst du denn?› angesprochen».

Ähnlich ging es Dominique Lang. Sie wolle sich dagegen wehren, dass Andreas Glarner in der Öffentlichkeit stets im Namen von ganz Oberwil-Lieli spricht. «Alle wussten: ‹Das ist dieses fremdenfeindliche Oberwil›. Dieses ‹Wir›, das bin nicht ich», sagt Lang.

Auch Glarner selbst, der nach dem ersten ARD-Beitrag in den Nationalrat gewählt wurde, setzt sich nochmals mit dem Reporter an einen Tisch. Auf die Frage, ob er mit einer solchen Gegenreaktion im Dorf gerechnet habe, sagt Glarner: «Wir wussten immer, dass es ungefähr 20 Prozent Linke gibt in Oberwil-Lieli.»

Andreas Glarner trifft sich erneut mit dem ARD-Reporter.<br data-editable="remove">
Andreas Glarner trifft sich erneut mit dem ARD-Reporter.
screenshot: ard

Trotzdem muss Glarner eingestehen: «Es war für uns negativ, dass unsere Gemeinde in Verruf kam.» Doch mit der schlechten Presse kann er offensichtlich leben.

Glarner: «Es sind ja Dutzende Gemeinden im Aargau, die keine Flüchtlinge aufnehmen wollen. Wir kamen einfach ein bisschen ins Visier.»

Zum Schluss des Berichts zieht der ARD-Reporter dann aber doch noch ein versöhnliches Fazit: «Für mich haben Johanna und die anderen den Ruf des Dorfes gerettet.»

Zurück im Studio hört es sich dann aber wieder anders an, die Moderatorin findet harte Worte: «Um das Ganze nochmals einzuordnen: Wir sprechen hier von einer der reichsten Gemeinden der Schweiz und die muss im Frühjahr acht Flüchtlinge aufnehmen.» (rhe/az)

Hier war die ARD zum ersten Mal in Oberwil-Lieli.
YouTube/darkriderman
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19 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Linus Luchs
18.12.2015 15:46registriert Juli 2014
Für Andreas Glarner ist es links, wenn es jemand für falsch hält, leerstehende Gebäude abzureissen, damit sie nicht als Unterkunft für Flüchtlinge dienen können. Für ihn ist es links, wenn sich jemand über anonyme Flyer empört, die gegen Flüchtlinge hetzen. Er hält es für links, wenn es jemand ablehnt, sich von der Pflicht freizukaufen, Flüchtlinge aufzunehmen. Das ist aber alles nicht links, sondern Ausdruck der ethischen Reife von gesunden Menschen, wie es sie in allen Parteien gibt. Ausser ganz rechts aussen, wo sich die Glarners tummeln. Von dort aus gesehen ist dann alles andere links.
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maddiepilz
18.12.2015 16:13registriert Mai 2015
Herr Glarner ist mir sehr unsympathisch
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Tunella
18.12.2015 19:51registriert September 2015
Gerne würde ich einen Kommentar abgeben. Aber er würde kaum freigeschaltet. Oder dann später gelöscht. Abgesehen davon, er wäre einfach nicht salonfähig. Natürlich nicht bezüglich Flüchtlinge. Aber bezüglich die Reichen, von denen die Aufnahme von acht Flüchtlinge zu viel verlangt ist, während Deutschland derweil das Menschenmögliche und mehr für die Flüchtlinge tut.
Ich gehöre nicht zum Menschentyp, der spuckt. Aber, um den Fall doch noch gelinde zu kommentieren: hier würde ich ganz sicher ausspucken, wenn ich Glarner Auge in Auge begegnen würde, und zwar zünftig - "schpeutz".
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Post aus dem Gefängnis: Was hat der abgewiesene Asylbewerber aus Senegal zu erzählen?
Ein junger Senegalese empfängt CH Media im Gefängnis. Seine Botschaft: Er will einen Ausweis, damit er nicht ständig inhaftiert wird. Seine reale Perspektive: Er wird schon bald wieder nach Italien ausgeschafft – bereits zum siebten Mal.

Die Post erreicht die Redaktion von CH Media aus dem Untersuchungs- und Strafgefängnis Stans. Der Absender: Babukar Ndour (Name geändert) aus dem Senegal, im Strafvollzug wegen illegalen Aufenthalts. Auf einem kleinen Zettel der handschriftliche Vermerk: Bitte um Kontaktaufnahme. Der Brief enthält einen Stapel amtlicher Dokumente. Daraus geht hervor: Am 14. September dieses Jahres wurde Ndour zum sechsten Mal von der Schweiz nach Italien ausgeschafft. Zehn Tage später reiste er mit dem Zug zurück von Mailand nach Chiasso – um hier einen Reisepass zu machen, wie er später den Behörden sagte. Seine finanziellen Verhältnisse? 100 Schweizer Franken und 50 Euro, in Italien habe er geputzt.

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