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Die Raiffeisen-Headhunterin: Hat sie den Kontakt zu Leuthard eingefädelt?

Doris Aebi berät die Genossenschaftsbank bei der Neubesetzung des Verwaltungsrats. Sie kennt das Department von Doris Leuthard bestens.

Beat Schmid / Nordwestschweiz



Die Gespräche zwischen Bundesrätin Doris Leuthard und den Spitzen der Raiffeisen sind das heisse Thema im Ostschweizer Bankkonzern. Gestern Nachmittag nahm Raiffeisen Stellung zu einem entsprechenden Bericht der «Nordwestschweiz».

Bundesraetin Doris Leuthard waehrend einer Podiumsdiskussion zur No Billag-Initiative, am Donnerstag, 1. Februar 2018, in Lugano. (KEYSTONE/Ti-Press/Pablo Gianinazzi)

Noch-Bundesrätin Doris Leuthard Bild: TI-PRESS

In einem Communiqué bestätigt die Zentrale der Genossenschaftsbanken in St. Gallen, dass der Verwaltungsrat von Raiffeisen Schweiz einen «breit angelegten Erneuerungsprozess» in die Wege geleitet hat. «Bis 2020 werden neun der zwölf Verwaltungsratsmitglieder (...) zurücktreten», heisst es weiter. Der Grund für die Rücktritte seien das Erreichen statutarischer Amtszeit- oder Altersbeschränkungen.

Zu dieser Gruppe gehöre auch der aktuelle Präsident Johannes Rüegg-Stürm. Ob der Konzern mit Doris Leuthard im Gespräch stehe, wie diese Zeitung gestern meldete, darauf ging Raiffeisen nicht ein, was auch nicht weiter überrascht. Die Bank bezeichnete die «Spekulationen» um das Präsidium erneut als «Gerüchte».

Kaum jemand mit Berufserfahrung

Dass bei Raiffeisen eine Kompletterneuerung des Verwaltungsrats ansteht, war bisher nicht bekannt. Davon betroffen wird auch die bekannteste Raiffeisen-Verwaltungsrätin sein. Die frühere Zürcher SVP-Regierungsrätin Rita Fuhrer wird dieses Jahr 65 und muss das Gremium 2019 verlassen.

Rita Fuhrer, Alt-Regierungsraetin Kanton Zuerich, links, spricht an der Seite von Karin Keller-Sutter, Staenderatin FDP-SG, waehrend einer Medienkonferenz

ZürcherEx-Regierungsrätin: Rita Fuhrer Bild: KEYSTONE

Das Zwölfer-Gremium bildet die Landesteile mit Vertretern aus der Westschweiz und dem Tessin nahezu perfekt ab. Bank-Know-how ist im Raiffeisen-Verwaltungsrat hingegen dünn gesät. Mit Ausnahme des Vertreters der regionalen Genossenschaften gibt es niemanden, der Berufserfahrung in einer Bank gesammelt hätte.

Aebi kennt Berner Politszene

Bei der Suche nach neuen Mitgliedern arbeitet der Verwaltungsrat gemäss übereinstimmenden Quellen mit der Zürcher Headhunterin Doris Aebi zusammen. Sie ist eine der bekanntesten Vertreterinnen ihres Fachs. Die frühere Solothurner SP-Kantonsrätin und Regierungsratskandidatin soll auch den Kontakt zu Doris Leuthard hergestellt haben. Aebi kennt die Welt der Genossenschaften. Sie ist als sogenanntes externes Verwaltungsmitglied seit 2003 in der Verwaltung des Migros-Genossenschafts-Bundes aktiv. Aebi liess Anfragen unbeantwortet.

Valentin Vogt, links, Praesident des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes und Doris Aebi, rechts, Direktorin der Aebi und Kuhn AG, an einer Medienkonferenz, am Dienstag, 21. April 2015, in Zuerich. Der Arbeitgeberverband hat zusammen mit Projekt-Partnern Profile von 400 Frauen zusammengetragen, die sich fuer ein Verwaltungsratsmandat eignen. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Headhunterin: Doris Aebi Bild: KEYSTONE

Aebi kennt die Berner Politszene sehr gut. Legendär ist ein Such-Mandat, das sie vor über zehn Jahren von Leuthards Vorgänger im Uvek erhalten hat, dem damaligen Bundesrat Moritz Leuenberger. Als dieser einen neuen Post-Präsidenten suchte, setzte er auf das Netzwerk von Headhunterin Aebi. Diese zauberte dabei Claude Béglé aus dem Hut, einen Mann, der zwar einen beeindruckenden Lebenslauf vorweisen konnte, der aber bei früheren Arbeitgebern nicht unumstritten war, wie sich später herausstellen sollte.

Béglé und der damalige Post-Konzernchef boten sich über Monate einen schmutzigen Machtkampf. Nachdem die beiden viel Geschirr zerschlagen hatten, war das Intermezzo mit dem Post-Präsidenten nach nur einem Jahr schon wieder vorbei. Doris Aebi musste wegen des Mandats öffentliche Kritik einstecken.

Erst Vize-, dann Präsidentin

Gemäss Insidern könnte Doris Leuthard bereits Ende März ihren Rücktritt bekannt geben. Würde die Bundesrätin danach tatsächlich zu Raiffeisen wechseln, dürfte sie zunächst als Vizepräsidentin in den Verwaltungsrat einziehen und später, wenn sich der Staub gelegt hat, zur Präsidentin aufsteigen. Für ehemalige Bundesräte gibt es formell keine Regeln, ab wann sie nach ihrem Rücktritt eine neue Funktion annehmen dürfen. Vorstösse, eine sogenannte Cooling-off-Periode festzulegen, sind im Parlament gescheitert.

Leuthards möglicher Wechsel vom Uvek zu Raiffeisen dürfte gleichwohl zu Diskussionen führen. In ihrer aktuellen Funktion ist sie verantwortlich für die Post und damit auch für Postfinance. Der Finanzarm ist in vielen Bereichen direkter Konkurrent von Raiffeisen. Gemäss aktuellem Postorganisationsgesetz darf Postfinance keine Hypotheken und andere Kredite direkt vergeben, würde das aber gerne tun. (aargauerzeitung.ch)

So klingt die neue 20-Franken-Note

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    Alle Leser-Kommentare
  • Fritz Müller (1) 20.02.2018 12:30
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