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Chartreuse, Frangelico und Co. – was zum Geier stelle ich damit an?

Suze? Grand Marnier? Unicum? Alle haben wir diese eine Flasche in der Bar stehen, mit der wir nicht wissen, was man damit machen soll. Hier eine Anleitung.
18.09.2021, 18:57

Vielleicht hat ein Gast sie mal mitgebracht. Oder es ist ein Erbstück eines längst vergessenen WG-Mitbewohners. Oder dein Partner oder deine Partnerin hat sie aus den Ferien mitgebracht. Jedenfalls steht sie nun da, diese Flasche, hinten in der Hausbar. Und du weisst nicht, was du damit anstellen sollst.

Die Zutaten für G&Ts hast du immer parat. Und dass man mit Campari und rotem Vermouth Negronis mixen kann, ist auch soweit klar. Aber diese Flasche Cointreau? Oder jene Buddel Cynar? Wann ... und wie trinkt man das? Wegkippen wäre ja schade, oder?

Hier eine Auswahl jener ungeliebten Platzhalter in deiner Hausbar ... und wie du sie trotzdem trinken könntest.

Suze

  • Woher es kommt: 🇫🇷 /🇨🇭(siehe unten)
  • Was es ist: Suze ist ein vor allem in der frankofonen Welt beliebter Enzian-Likör mit einem bitter-süsslichen Geschmack. Die Entstehungsgeschichte ist teilweise widersprüchlich: Einer Version zufolge entwickelte Fernand Moureaux die Rezeptur 1885 in Frankreich und benannte sie nach seiner Schwester Susanne. In einer anderen Version der Story war es der Schweizer Hans Kappeler aus dem Dorf Sonvilier im Berner Jura – hier war der Fluss Suze der Namensgeber. Kappeler habe die Marke aber jedoch nicht geschützt und so sei er später, anno 1914, krank und ruiniert, gezwungen gewesen, das Rezept einem französischen Industriellen zu verkaufen. Ein Indiz für Schweizer Herkunftsversion ist, dass der Gelbe Enzian, die Hauptzutat von Suze, vor allem auf den Weiden des Berner Juras gedeiht (während französische Liköre damals eher auf Wein-Basis hergestellt wurden). Die Marke gehört heute zum französischen Spirituosenkonzern Pernod-Ricard. Traditionell gibt es eine enge Verbindung zu verschiedenen Künstlern. Auf einer Collage von Pablo Picasso aus dem Jahr 1912 ist bereits eine Suze-Flasche zu sehen (siehe Bild oben).
  • So trinkt man es: pur oder auf Eis als Aperitif. Mehr und mehr sieht man Suze als Zutat von Twists On Classic Cocktails, ergo Alternativversionen und Abwandlungen klassischer Drinks. So ersetzt man beim White Negroni den Campari mit Suze und den roten Vermouth mit Lillet Blanc (Gin wird beibehalten). Oder Suzie Americano ist ein Americano, bei dem Campari und roter Vermouth mit Suze und weissem Vermouth ersetzt wird.
  • Alternativen und Artverwandte: Andere Enzian-Liköre wie Salers oder Avèze.

Grand Marnier, Cointreau und Co.

Bild: shutterstock
  • 🇫🇷
  • Süssliche Liköre mit Bitterorangen-Geschmack. Die Marken Grand Marnier und Cointreau gehören spezifisch zur Gattung der Triple Secs, da sie dreifach destilliert werden.
  • Wie immer darf man solche Getränke pur trinken – gerade Grand Marnier wird oftmals als Digestif genossen. Typischerweise findet man Triple Sec als Zutat diverser klassischer Cocktails wie etwa des Sidecar, Cosmopolitan oder Margarita. Bei Letzterem unterscheidet man aber gerne zwischen ‹gängigeren› Triple Secs und edleren, wie die oben genannten französischen. Ein Cadillac Margarita etwa verlangt explizit nach Grand Marnier. Und, ach ja, als Dessert-Zutat eignet es sich perfekt: zu Zitronensorbet oder, ganz klassisch, crêpe suzette.
  • De Kuyper, Bols, Giffard und andere Marken haben alle einen Triple Sec im Sortiment.

Maraschino

  • 🇭🇷 / 🇮🇹
  • Likör aus Maraska-Kirschen, einer ursprünglich dalmatinischen, intensiv schmeckenden Sauerkirschsorte. Es hat einen Alkoholgehalt von um die 30% und ein würziges Kirscharoma mit einer deutlich wahrnehmbaren Bittermandelnote. Letztere soll auf die Mitverwendung zerkleinerter Kirschkerne zurückgehen. Maraschino wurde im 18. Jahrhundert in Zadar (heute Kroatien, damals Venezien) entwickelt und erstmals vom italienischen Spirituosenhersteller Girolamo Luxardo erfolgreich kommerzialisiert, dessen Maraschino mit den ikonischen Bastfasergeflecht-Flaschen heute noch Marktführer ist.
  • Nebst als Zutat diverser Desserts verwendet man Maraschino für diverse klassische Cocktails wie The Last Word, Aviation, Martinez oder die Daiquiri-Variante Hemingway Special.
  • Heering Cherry Liqueur ist ebenfalls auf Kirschbasis aber einiges süsslicher und ausserdem kirschfarben. Guter Schweizer Kirsch hingegen ist wiederum ein klarer Brand, der mindestens 40% Alkohol aufweist.

Kahlúa

Bild: shutterstock

Chartreuse

Bild: shutterstock
  • 🇫🇷
  • Hier handelt es sich um einen Markennamen für diverse Kräuterliköre, die von einem Unternehmen der Kartäusermönche der Grossen Kartause (französisch: La Grande Chartreuse) bei Grenoble hergestellt werden und dessen Rezeptur auf obskure Alchemisten des 16. Jahrhunderts zurückgeht. Die zugrundeliegende geheime Essenz aus Kräutern und Gewürzen wird angeblich nach wie vor im Mutterkloster von nur zwei Mönchen gemischt. Angeblich kennen immer nur drei Mönche gleichzeitig die Rezeptur. Interessanterweise gilt dieses Mönchsgetränk bereits seit den Fünfzigerjahren als Partygetränk. Chartreuse wird explizit im Tarantino-Streifen «Death Proof» gefeatured; ausserdem gibt es einen absoluten Kracher von ZZ Top mit dem Titel.
  • Eigentlich wäre gedacht, Chartreuse pur als Digestif zu trinken. Häufiger wird er in geselliger Runde als Shot serviert. Ebenfalls ist er als Zutat diverser Cocktails zu finden, etwa im Last Word oder Widow's Kiss. Auch kann er mit Tonic als Longdrink serviert werden.

Frangelico

Bild: shutterstock
  • 🇮🇹
  • Frangelico ist ein süsser Haselnusslikör aus dem italienischen Piemont. Die Form der Flasche mitsamt Kordel soll an einen Mönch in Kutte erinnern, denn der Name Frangelico soll von einem gewissen Fratello Angelico (Bruder Angelico) abstammen.
  • Getrunken wird Frangelico pur oder auf Eis. Er passt aber auch zu Whisky oder Brandy in Cocktails. In Kombination mit anderen Spirituosen kann Frangelico oftmals seine Haselnussnote in etwas anderes umwandeln. So ist er einer der Hauptzutaten im Chocolate Cake Shot, der Drink, der bekanntlich keine Schokolade enthält, obwohl er danach schmeckt.
  • Gewiss gibt es ähnliche Haselnussliköre ... aber Achtung: Amaretto ist wegen seiner Marzipan-Note kein passgenauer Ersatz ... ach, gute Überleitung! ...

Amaretto

  • 🇮🇹
  • Unter Amaretto versteht man sämtliche italienischen Nussliköre mit jenem unverkennbarem Marzipan-Aroma. Weitaus am bekanntesten – und auch globale Marktführer – sind jene Marken aus dem Städtchen Saronno nahe Milano: Disaronno Originale und Lazzaroni; letzterer stellt auch die bekannten Guetzli Amaretti di Saronno her.
  • Disaronno wird oftmals als Zutat von Tiramisù verwendet. Getrunken wird er, nebst pur nach einem Dessert, als Zutat diverser Cocktails, am bekanntesten beim Amaretto Sour, wo man den Bourbon des Whiskey Sour mit Amaretto ersetzt oder zumindest streckt.

St-Germain

Bild: shutterstock
  • 🇬🇧 / 🇺🇸 / 🇫🇷
  • Obwohl Name, Image und Marketing auf ein durch und durch französisches Produkt schliessen lassen, wurde dieser Holunderblüten-Likör in London vom englischen Brenner Robert Cooper erfunden (und zwar erst 2007), der seinen Firmensitz in New York hatte. Die Herstellung indes ist inzwischen in Frankreich. Von der New York Times als das Produkt gelobt, das «quasi im Alleingang die serbelnde Likör-Kategorie wiederbelebt hat», ist die ikonische Flasche heute omnipräsent – so sehr, dass St-Germain in der Industrie gerne abschätzig als «bartender's ketchup» bezeichnet wird.
  • St-Germain verwendet man für den Hugo und andere sommerliche Spritzers. Oft wird er als Modifikator für gängige Cocktails verwendet, um ihnen einen etwas leichteren, süffigeren Charakter zu verleihen. So gibt es den French Gimlet oder den St-Germain Champagne Cocktail.
  • Klassische Likör-Brands wie Bols oder DeKuyper bieten selbstverständlich auch Holunderblüten-Liqueurs an.

Fernet-Branca, Unicum, Cynar und Co.

Bild: shutterstock
  • 🇮🇹 / 🇭🇺 / 🇩🇪 / 🇨🇭 uvm.
  • Das sind alles Magenbitter oder Kräuterbitter – so nennt man Spirituosen mit einer Kombination von Kräutern, die sich positiv auf die Verdauung auswirken sollen. Betonung auf ‹sollen›, denn während die jeweiligen Kräuterbestandteile durchaus die Magen- und Galle-Sekretion anregen können, ist der Alkoholanteil wiederum (und bei Likören auch der höhere Zuckeranteil) der Verdauung eher hinderlich. In der Schweiz kennen wir Appenzeller oder Glarner Alpenbitter, etwa. Von Deutschland kennt man Underberg, von Ungarn Unicum und von Italien etliche amari wie etwa Fernet-Branca, Cynar oder Averna.
  • Viele Handelsmarken dieser Aperitifs und Digestifs begannen ihre Produktion im 19. Jahrhundert mit Rezepten, die noch aus Klöstern oder Apotheken stammen. Einige wurden in der Folge durch Marketingkampagnen aus der Vergessenheit hervorgeholt und berühmt gemacht. Das Paradebeispiel ist Jägermeister: Früher ein deutscher Alt-Herren-Kräuterlikör, der bei Zimmertemperatur serviert wurde, kennt man ihn heute als Party-Shot, der eisgekühlt von lautstark johlenden Studentenrunden konsumiert wird. Fernet-Branca wird in Argentinien gerne als fernet con coca, als Longdrink mit Coca-Cola getrunken. Für Cynar gibt es diverse Cocktails, u.a. den Drunk Uncle, der aus weissen Vermouth, Cynar und Islay Scotch Whisky besteht.
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