Unvergessen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Basel's soccer players celebrate after winning the UEFA Champions League Group C soccer match between Switzerland's FC Basel and England's Manchester United FC at the St. Jakob-Park stadium in Basel, Switzerland, Wednesday, December 7, 2011. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Der FC Basel feiert nach dem 2:1-Heimsieg gegen ManUnited sich und Trainer Heiko Vogel. Bild: KEYSTONE

Unvergessen

«Steini» ballert an die eigene Latte – und Basel wirft ManUnited aus der Königsklasse

7. Dezember 2011: Serienmeister Basel sorgt in der Champions League für eine Sternstunde des Schweizer Klubfussballs. Im letzten Gruppenspiel der Champions League besiegt der FCB den grossen Favoriten Manchester United mit 2:1 und zieht auf Kosten der Engländer in die Achtelfinals ein.



Es ist der Abend, an dem einer der in der jüngsten Zeit populärsten Basler Fan-Songs entsteht:

«Dr Steini isch e Glatte, dr Steini isch e Glatte, dr Steini schiesst dr Ball an d Latte!»

abspielen

In Bild und Ton. Video: YouTube/McChrystals44

Eine Stunde ist vorbei im sechsten und letzten Gruppenspiel der Champions-League-Saison 2011/12. Der FC Basel führt gegen das grosse Manchester United, das mit den Superstars Wayne Rooney, Luis Nani, Rio Ferdinand und Ryan Giggs antritt, mit 1:0. Xherdan Shaqiri hatte von links vors Tor geflankt, dort wurde Marco Streller nicht gedeckt und mit einer Direktabnahme erzielte er nach neun Minuten schon die frühe Führung.

Sommer ohne den Hauch einer Chance

Mit diesem Resultat ist der FCB im Achtelfinal, Manchester United sensationell ausgeschieden. Doch die Partie hat ja eben erst angefangen. Und die Engländer sind zwar nicht in Hochform, aber dennoch der haushohe Favorit. Entsprechend muss Basel einige heikle Phasen überstehen – unter anderem eben die besagte Szene in der 60. Minute.

Der United-Portugiese Nani flankt vors Tor, wo Verteidiger Markus Steinhöfer am Fünfmeterraum steht und befreien will. Der Bayer feuert den Ball in Richtung Tor von Yann Sommer, der Goalie hat nicht den Hauch einer Abwehrchance. Doch weil «Steinis» wuchtiger Schuss von der Latte zurück ins Feld klatscht, kann der Abwehrspieler nach dem Spiel scherzen:

«Wir üben im Training Lattenschiessen und ich habe bewiesen, dass ich es kann.»

Markus Steinhöfer

abspielen

Video: streamable

Shaqiris Flanken und die Tore der Routiniers

Steinhöfer und die FCB-Fans können sich den Spass über die Aktion natürlich nur deshalb erlauben, weil die Szene nicht zu einem Eigentor führt und deshalb nicht spielentscheidend ist. Im Gegenteil: Sie ist das i-Tüpfelchen zu einem Fussballabend, der in einem rauschenden Fest endet. Sechs Minuten vor dem Schlusspfiff bucht Alex Frei das Basler 2:0. Wieder hatte Shaqiri vors Tor geflankt, dieses Mal von der rechten Seite.

Manchester United bäumt sich nochmals auf, den «Red Devils» gelingt durch Phil Jones aber nur noch der Anschlusstreffer. Um 22.37 Uhr pfeift der holländische Schiedsrichter Björn Kuipers die Partie ab und die Sensation ist perfekt: Basel ist weiter, Manchester United ist ausgeschieden!

abspielen

Die drei Tore beim 2:1-Heimsieg des FC Basel gegen Manchester United. Video: YouTube/MrBOOSSK

Alex Freis grosser Stolz …

Die NZZ vergisst nicht, auf das Wettkampfglück der Basler hinzuweisen. Normalerweise erreiche Manchester United mit solchen Spielanteilen im Minimum ein Unentschieden: «Doch der Fussball lebt davon, dass die Normalität nur in neun von zehn Fällen einkehrt und dass im zehnten Fall die in Stein gemeisselte Hierarchie auf den Kopf gestellt wird.»

Denn der FC Basel eliminiert mit Manchester United einen der allergrössten Klubs der Welt aus dem wichtigsten Klubwettbewerb der Welt. «Etwas Unglaubliches» hätten sie geschafft, strahlt Alex Frei, «für die ganze Fussballschweiz. Auch die, die kein rotblaues Trikot tragen, dürfen an diesem Abend stolz sein.» Die «Basler Zeitung» ist in Gönnerlaune und verteilt lauter Bestnoten: Sechs FCB-Akteure erhalten eine 6, die anderen fünf werden mit einer 5,5 benotet.

Basel's Alex Frei, center, celebrates after scoring the 2-0 with teammates Marco Streller, left, and Fabian Frei, right, during the UEFA Champions League Group C soccer match between Switzerland's FC Basel and England's Manchester United FC at the St. Jakob-Park stadium in Basel, Switzerland, Wednesday, December 7, 2011. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Lass dich drücken! Marco Streller (links) und Fabian Frei (rechts) knuddeln Torschütze Alex Frei. Bild: KEYSTONE

… und der Frust bei Manchester United

Während der Schweizer Meister im Hoch ist, muss Sir Alex Ferguson das Debakel seiner Mannschaft erklären. Für Manchester United geht es nach Rang 3 in der Gruppenphase der Champions League im Frühling in der Europa League weiter. «Ich kenne diesen Wettbewerb gar nicht», knurrt der Schotte, «ich weiss nicht mal, welche Teams drin sind und wann gespielt wird.»

Ganz auf der anderen Seite der Gefühlsskala ist Heiko Vogel angelangt. Erst im Herbst nach dem Abgang Thorsten Finks nach Hamburg zum Cheftrainer aufgestiegen, feiert er den grössten Erfolg seiner Karriere. «Manchester United musste und wollte, aber konnte nicht», sagt Vogel. Sein Team habe «phänomenal gespielt», lobt der Deutsche.

abspielen

Spontan feiern Mannschaft und Fans auf dem Barfüsser-Platz die Achtelfinal-Qualifikation. Aus vollen Kehlen singen sie unter anderem das «Steini»-Lied (ab 1:51 im Video). Video: YouTube/Lukeoncourse

Basel's players pose before the UEFA Champions League Group C soccer match between Switzerland's FC Basel and England's Manchester United FC at the St. Jakob-Park stadium in Basel, Switzerland, Wednesday, December 7, 2011. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Die Basler Startelf, hintere Reihe, von links: Alex Frei, Xhaka, Streller, Abraham, Fabian Frei, Sommer. Vordere Reihe: Dragovic, Cabral, Park, Steinhöfer, Shaqiri. Bild: KEYSTONE

Die FCB-Helden heute:

Acht Jahre sind seit der Partie schon vergangen. Der Trainer und die elf Spieler der Startformation sind zum Teil schon längst aus Basel verschwunden. Das wurde aus den Protagonisten:

Heiko Vogel, Trainer: Gewann 2012 erst den Meistertitel, dann den Cup – und wurde im Herbst entlassen. Mittlerweile ist er mal wieder vereinslos.

Yann Sommer: Spielt in der Bundesliga bei Borussia Mönchengladbach, ist die Nummer 1 der Nati geworden.

Markus Steinhöfer: Erhielt in Basel im Sommer 2013 keinen Vertrag mehr, eine Odyssee setzte ein: Steinhöfer war eine halbe Saison bei Betis Sevilla, ein Jahr bei 1860 München, ein halbes beim VfR Aalen und dann eine Saison bei Sparta Prag. Nachdem er bei Darmstadt 98 nicht mehr erwünscht war, spielte er in der vierten deutschen Liga beim VfB Eichstätt. Im Sommer 2019 beendete er seine Karriere.

Steinhöfer Shaqiri

«Schweizer» in München: Steinhöfer und Shaqiri spielten nach ihrer FCB-Zeit bei 1860 bzw. bei den Bayern. Bild: Facebook/Markus Steinhöfer

David Abraham: Der Argentinier verliess Basel im Sommer 2012 in Richtung Spanien. Eine halbe Saison lang war Getafe sein Arbeitgeber, danach wechselte er in die Bundesliga zu Hoffenheim. Seit anfangs Saison 15/16 ist Abraham bei Eintracht Frankfurt.

Aleksandar Dragovic: Tätschelte Bundesrat Ueli Maurer nach dem Cupsieg 2012 die Glatze und musste sich dafür bei ihm entschuldigen. Der Österreicher blieb noch eine Saison am Rhein und wechselte vergangenen Sommer nach einem Abstecher bei Dynamo Kiew zu Bayer Leverkusen.

Park Joo Ho: Verliess Basel ebenfalls im Sommer 2013. Er hätte die Reise zum neuen Arbeitgeber im Gummiboot absolvieren können: Park wechselte zum FSV Mainz in die Bundesliga. Dort spielte er so stark, dass ihn nach zwei Saisons Borussia Dortmund verpflichtete. Nach einiger Zeit in der zweiten Mannschaft des BVB und vereinslose Monaten spielt er nun beim koreanischen Erstligisten Ulsan Hyundai.

Xherdan Shaqiri: Ging zu Bayern München, wo er weiter Titel sammelte, aber nur unregelmässig zum Einsatz gelangte. Anfangs 2015 zog es Shaqiri zu Inter Mailand, wo er jedoch nur ein halbes Jahr blieb. 2015 wechselte er in die Premier League zu Stoke City. Nach deren Abstieg im Sommer 2018 wurde er von Liverpool geholt.

Cabral: Der Mittelfeldspieler verliess die Schweiz im Sommer 2013. Der Cousin von Natispieler Gelson Fernandes konnte sich in Sunderland nicht durchsetzen, wurde an Genoa verliehen und wechselte dann zum FC Zürich, wo später der Vertrag im gegenseitigen Einvernehmen aufgelöst wurde. Nun spielt der 29-Jährige bei Lausanne-Sport in der Challenge League.

Basel's Marco Streller, left, reacts after he scored the first goal, with Basel's Markus Steinhoefer, center, and Basel's Adilson Tavares Varela Cabral, right, during the UEFA Champions League Group C soccer match between Switzerland's FC Basel and England's Manchester United FC at the St. Jakob-Park stadium in Basel, Switzerland, Wednesday, December 7, 2011. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Cabral (rechts) feiert mit Steinhöfer und Streller dessen Tor gegen ManU – auf der Insel hatte der 27-Jährige wenig zu lachen. Bild: KEYSTONE

Granit Xhaka: Wechselte 2012 zu Borussia Mönchengladbach in die Bundesliga. Dort wurde er Stammspieler und Captain, was ihn auf dem internationalen Markt sehr begehrt machte. Danach verpflichtete Arsenal den 24-Jährigen für über 40 Millionen Franken.

Fabian Frei: Blieb bis im Sommer 2015 in Basel, ehe doch noch der Wechsel in die Bundesliga folgte. Der Frauenfelder kickte bei Mainz 05, wechselte aber im Januar 2018 in seine alte Heimat zurück und ist seither Teil des deutlich erfolgloseren FCB-Ensembles.

Marco Streller: Beendete seine Karriere im Sommer 2015 beim FC Basel. Von 2017 bis 2019 war er dort Sportchef. Er ist weiterhin Mitglied des Verwaltungsrats und des Vereinsvorstands.

Alex Frei: Beendete seine Karriere im April 2013 abrupt, um Sportchef des FC Luzern zu werden. Mittlerweile ist Alex Frei Nachwuchstrainer und Verwaltungsratsmitglied beim FC Basel.

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Die grössten Schweizer Europacup-Erfolge im Fussball

Chefsache: Keine Fussball-Fans im Büro, bitte!

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Unvergessen

Elf kleine Schweizer liegen 0:2 zurück und sorgen dann für Begeisterung in der Heimat

9. Juni 1938: Karl Rappan formiert im Jahre 1938 mit seinem Riegel, einem Defensivsystem, eine der stärksten Nationalmannschaften aller Zeiten – und demütigt damit Hitlers Grossdeutschland.

Am 21. Mai 1938 gelingt den Schweizern der erste Sieg über England. In Zürich werden die Engländer mit allen Stars (Hapgood, Young, Matthews, Boulden und Bastin) mit 2:1 besiegt. Dieser grandiose Erfolg macht Mut für die WM in Paris. Dort heisst der erste Gegner Deutschland. Besser: Grossdeutschland.

Die Stimmung ist aufgeheizt. Rund zwei Monate vorher ist Deutschland in Österreich einmarschiert. Die sportliche Folge der politischen Aktion: Wiens Ballartisten werden ins deutsche …

Artikel lesen
Link zum Artikel