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Das ist es also: Das <strong>Pocophone F1</strong> von Xiaomi. Ich konnte es die letzten sechs Wochen ausgiebig testen.
Das ist es also: Das Pocophone F1 von Xiaomi. Ich konnte es die letzten sechs Wochen ausgiebig testen.bild: watson
Review

Warum ein 350-Franken-Handy das schnellste Smartphone ist, das ich je getestet habe

Bereits Ende August präsentierte Xiaomi das Pocophone F1, doch kaum jemand kennt die preiswerte Alternative zu Apple, Samsung oder Huawei. Zu Unrecht, wie unser Testbericht zeigt.
31.10.2018, 19:1412.04.2020, 12:18

Wenn mich jemand fragt, ob ich ein gutes und nicht zu teures Smartphone empfehlen könne, habe ich seit ein paar Wochen einen heissen Tipp: «Schau dir mal das Pocophone F1 an.»

«Poco was?»

Pocophone ist die neue Günstig-Marke von Xiaomi. Migros hat M-Budget – und Xiaomi hat nun eben Pocophone. Die Chinesen preisen das Pocophone F1 als «Master Of Speed» zum Tiefpreis an. Ein sehr schneller Prozessor, grosser Akku und 64 GB Speicher für 350 Franken sind in der Tat eine klare Kampfansage. Das F1 ist quasi der Gegenentwurf zum iPhone XS: Viel Leistung zum fairen Preis.

Der mehrwöchige Test offenbart aber auch: Beim F1 ist nicht alles Gold, was glänzt.

Die 64-GB-Version gibt es ab 350 Franken, das Modell mit 128 GB kostet rund 400 Franken.

Xiaomi verkauft die internationale Version des Pocophones in rund 30 EU-Ländern und der Schweiz. Das F1 läuft somit problemlos in unserem Handy-Netz.
Xiaomi verkauft die internationale Version des Pocophones in rund 30 EU-Ländern und der Schweiz. Das F1 läuft somit problemlos in unserem Handy-Netz. bild: watson

Smartphone-Preise im Vergleich:

  • iPhone XS (64 GB): 1200 Franken
  • iPhone XS Max (64 GB) 1300 Franken
  • iPhone XR (64 / 128 GB): 880 / 950 Franken
  • Huawei Mate 20 Pro (128 GB): 1000 Franken
  • Samsung Galaxy Note 9 (128 GB): 900 Franken
  • Xiaomi Pocophone F1 (64 / 128 GB): 350 / 400 Franken

Die neue Marke Pocophone richtet sich an Kunden, die zwar ein sehr schnelles Smartphone wünschen, aber nicht länger bereit sind, die jährlichen Preiserhöhungen von Samsung, Huawei und Apple mitzugehen. Dafür bekommt man (fast) alles, was ein sehr gutes Handy ausmacht, muss aber auf Extras wie kabelloses Laden, Dreifach-Kamera oder Stift-Bedienung verzichten.

Ob es Sinn macht, für ein Mobiltelefon 1000 Franken oder mehr auf den Tisch zu legen, muss jeder mit sich selbst ausmachen. Wer ein sehr schnelles Smartphone mit langer Akkulaufzeit zu einem moderaten Preis sucht, darf nun gerne weiterlesen.

Das Pocophone F1 gibt es bei uns in den Farben Steel Blue und Graphite Schwarz.

Das Testgerät wurde uns für die Dauer des Tests von Digitec zur Verfügung gestellt. Das Modell in Rot ist bei uns nicht oder nur sehr schwer zu bekommen.
Das Testgerät wurde uns für die Dauer des Tests von Digitec zur Verfügung gestellt. Das Modell in Rot ist bei uns nicht oder nur sehr schwer zu bekommen.bild: xiaomi

Das Pocophone hat ein 6,18 Zoll grosses, gestochen scharfes Full-HD-Display (416 ppi). Das Gerät ist relativ breit und daher für kleine Hände nicht ideal. Etwas gespart hat Xiaomi bei der Rückseite aus Kunststoff, die weniger fragil als Glas und weniger rutschig als Aluminium ist, dafür nicht ganz so edel aussieht. Damit meine ich auf keinen Fall, dass es billig wirkt.

Der erste Eindruck: Es liegt gut in der Hand, ist für meinen Geschmack aber ein Mü zu breit und klobig.

Für kleine Hände ist das Pocophone vermutlich zu breit (und ja, ich blende die Notch im Alltag aus).
Für kleine Hände ist das Pocophone vermutlich zu breit (und ja, ich blende die Notch im Alltag aus).bild: watson

Das 350-Franken-Handy ist genau so schnell wie ein zig mal teureres Smartphone.

Der neuste Prozessor und 6 GB RAM: Wer auf einem Pocophone F1 die neusten Games spielen möchte, wird keine Probleme haben.
Der neuste Prozessor und 6 GB RAM: Wer auf einem Pocophone F1 die neusten Games spielen möchte, wird keine Probleme haben.

Definitiv nicht gespart hat Xiaomi bei der Geschwindigkeit. Die Chinesen nutzen für ihr Günstig-Smartphone den selben Snapdragon-845-Prozessor, der sonst nur in den aktuellen Spitzengeräten von 2018 zu finden ist. Kurz gesagt: Das F1 mit 6 GB Arbeitsspeicher (RAM) ist ideal für Gamer und im Alltag genau so schnell wie doppelt oder dreifach so teure Handys.

Im F1 steckt derselbe Prozessor, der sonst nur in den aktuellen Spitzengeräten von Samsung, Sony, Google, HTC etc. von 2018 zu finden ist.

bild: watson

Ich habe das Pocophone sechs Wochen im Alltag genutzt und mit dem brandneuen Huawei Mate 20 Pro (1000 Franken), dem sechs Monate alten Huawei P20 Pro (aktuell 650 Franken) und dem gut ein Jahr alten Galaxy Note 8 (aktuell 650 Franken) verglichen: Bei der Performance hält das 350-Franken-Handy mit den teureren Modellen problemlos mit, dafür muss man bei der Kamera kleine Abstriche machen. Dazu später mehr.

Das F1 läuft ohne den kleinsten Ruckler und Apps (abgesehen von Games) starten in Sekundenbruchteilen.

bild: watson

Wie so viele aktuelle Smartphones hat es eine markante Notch (Aussparung für die Front-Kamera).

Die Notch lässt sich in den Einstellungen ausblenden.
Die Notch lässt sich in den Einstellungen ausblenden.bild: watson

Auch der untere Rand ist deutlich breiter als bei den doppelt und dreifach so teuren Handys.

bild: watson

Kopfhöreranschluss? Check.✔️

Aber! Xiaomi zeigt sich geizig und legt dem Pocophone keine Kopfhörer bei.

bild: watson

Die Verarbeitung ist genau so gut wie bei weit teureren Smartphones.

Der Einschaltknopf und die Volumen-Tasten befinden sich wie bei fast allen Android-Smartphones auf der rechten Seite.
Der Einschaltknopf und die Volumen-Tasten befinden sich wie bei fast allen Android-Smartphones auf der rechten Seite.bild: watson

Was wie Aluminium aussieht und sich auch so anfühlt, ist effektiv eine Rückseite aus Kunststoff.

bild: watson

Ich hätte schwören können, die Rückseite sei aus Alu, denn das Pocophone F1 fühlt sich keineswegs wie ein günstiges Kunststoff-Handy an. Tatsächlich aber ist die Rückseite bei meinem Testgerät aus mattem Plastik.

Das hat gleich mehrere Vorteile: Es ist rutschfest und auf dem Kunststoff (Polycarbonat), der sich wie Metall anfühlt, sind weder Staub noch Fettflecken zu erkennen. Im Gegensatz zu Glas ist Kunststoff bruchsicher und das Handy braucht für guten Empfang keine Antennenstreifen am Rahmen.

Dank der griffigen Rückseite rutscht das Handy kaum aus der Hand.

Nach sechs Wochen im Alltag (ohne Schutzhülle) sind keine Kratzer sichtbar.
Nach sechs Wochen im Alltag (ohne Schutzhülle) sind keine Kratzer sichtbar.bild: watson

Das Full-HD-Display ist sehr gut, für die Spitzenklasse reicht es aber nicht ganz.

Der Touchscreen ist hell, aber nicht übermässig hell. Im direkten Sonnenlicht kann es daher schwierig werden, auf dem Display zu lesen.
Der Touchscreen ist hell, aber nicht übermässig hell. Im direkten Sonnenlicht kann es daher schwierig werden, auf dem Display zu lesen. bild: watson

Das gleiche Foto – geschossen mit einem Nokia-Smartphone – auf dem Pocophone (oben) und dem mehr als doppelt so teuren Huawei Mate 20 Pro (unten).

Das LC-Display im Pocophone hält mit dem weit teureren Top-Smartphone von Huawei (OLED-Display) gut mit.
Das LC-Display im Pocophone hält mit dem weit teureren Top-Smartphone von Huawei (OLED-Display) gut mit.bild: watson

Für mich und wohl alle anderen Ottonormalverbraucher ist das Display mit einer Auflösung von 1080 Mal 2246 Bildpunkten (Full-HD+) mehr als ausreichend, da der Unterschied zu noch höher aufgelösten Bildschirmen abseits von VR-Anwendungen mit dem blossen Auge kaum auszumachen ist. Viel wichtiger ist der Kontrast und die Farbdarstellung und in beiden Kategorien überzeugt das Handy.

Die Dual-Kamera auf der Rückseite knipst für ein relativ günstiges Handy sehr ansprechende Fotos

In der Preiskategorie von 350 bis 400 Franken dürfte es aktuell schwierig sein, eine signifikant bessere Kamera zu finden.
In der Preiskategorie von 350 bis 400 Franken dürfte es aktuell schwierig sein, eine signifikant bessere Kamera zu finden.bild: watson

Wie die meisten aktuellen Top-Smartphones kommt auch das Pocophone mit einer Dual-Kamera auf der Rückseite. Die Hauptkamera schiesst bei gutem Licht sehr anständige Handy-Fotos mit 12 Megapixel.

Die zweite Kamera hat einen 5-MP-Sensor und eine andere Blende, was bei Porträt-Fotos die Tiefenunschärfe (verschwommener Hintergrund) verbessern soll.

Leider klappt das nur bedingt und der Porträtmodus kann im besten Fall als mässig bezeichnet werden. Gesichter werden teils derart weichgezeichnet, dass es grotesk wirkt.

Die Kamera im Pocophone im Vergleich mit anderen Smartphones

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Die Kamera im Pocophone im Vergleich mit anderen Smartphones
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Die optische Bildstabilisierung für verwacklungsfreie Fotos hat sich Xiaomi gespart, ebenfalls fehlt ein optischer Zoom, wie er in absoluten Spitzenmodellen inzwischen Standard ist.

Kurz gesagt: Die Kamera ist zwar für den moderaten Preis des Pocophones sehr gut, hat aber gegen die Top-Modelle von Huawei (P20 Pro, Mate 20 Pro), Apple (iPhone XS) und Samsung (Galaxy S9, Note 9) keinen Stich – von Googles «Nacht-Kamera» im Pixel 3 ganz zu schweigen. Die weit teureren Rivalen knipsen insbesondere bei schlechtem Licht weit bessere Fotos und bieten eine grössere Auswahl an Aufnahme-Modi.

Trotz der Schwächen gilt: In der Preiskategorie von 350 bis 400 Franken dürfte es aktuell schwierig sein, eine signifikant bessere Kamera zu finden. Wer sowieso fast nur bei Tageslicht fotografiert, kann sehr gut mit der Pocophone-Kamera leben. Und wer noch mehr rausholen will, installiert sich Googles Kamera-App auf dem Pocophone.

Die Selfie-Kamera ist gut, kann aber ebenfalls nicht ganz mit den Front-Kameras in doppelt oder drei Mal so teuren Smartphones mithalten.

Die 20-Megapixel-Frontkamera hat wie die Hauptkamera einen Porträt-Modus, der Fotos mit Tiefenschärfe-Effekt (Bokeh) erlaubt.
Die 20-Megapixel-Frontkamera hat wie die Hauptkamera einen Porträt-Modus, der Fotos mit Tiefenschärfe-Effekt (Bokeh) erlaubt. bild: xiaomi

Das F1 macht passable Videos mit maximal 4K-Auflösung.

bild: watson

Während teurere Smartphones mit (unnötigen) Extras wie Superzeitlupe (960 Bilder pro Sekunde) Eindruck schinden, gibt sich das F1 bescheidener (240 Bilder pro Sekunde). Zwar sind Videos mit bis zu 4K-Auflösung möglich, die Bildstabilisierung kann aber ebenfalls nicht mit den absoluten Top-Smartphones mithalten.

Auch hier gilt: Wer nicht gerade ein ambitionierter Hobby-Filmer ist, sollte sich von der nicht überragenden Videoqualität nicht abschrecken lassen. Für ein kurzes Ferien-Video reicht das Gebotene allemal.

Auf der Unterseite findet sich der USB-C-Port mit Schnelllade-Funktion.

Beim USB-Anschluss handelt es sich zwar um einen modernen USB-C-Port, im F1 überträgt er Daten aber nur über den vergleichsweise langsamen 2.0-Standard.
Beim USB-Anschluss handelt es sich zwar um einen modernen USB-C-Port, im F1 überträgt er Daten aber nur über den vergleichsweise langsamen 2.0-Standard.bild: watson

Der USB-C-Anschluss im Pocophone ist natürlich massiv schneller als die früheren micro-USB-Ports, aber Xiaomi hat auch hier ein wenig gespart und nicht die allerneuste Technik verbaut. Die Datenübertragung an einen PC ist somit etwas langsamer als bei einigen teureren Android-Smartphones.

Auch damit dürften sich die allermeisten Nutzer gut abfinden können. Für die Mehrheit ist im Alltag weit wichtiger: Der Kopfhörer-Anschluss ist weiterhin vorhanden und der interne Speicher lässt sich per microSD-Karte erweitern.

Bei normalem Einsatz reicht der Akku bei mir knapp zwei Tage.

Wie bei fast allen modernen Smartphones ist der Akku nicht mehr selbst wechselbar.
Wie bei fast allen modernen Smartphones ist der Akku nicht mehr selbst wechselbar.bild: youtube / marques brownlee

Der riesige Akku ist nach 30 Minuten zu knapp 40 Prozent geladen. Das ist angesichts der grossen Kapazität von 4000 mAh sehr beachtlich.

Selbst für ein 6,18 Zoll grosses Full-HD-Display ist der Akku mit 4000 mAh gut bemessen.
Selbst für ein 6,18 Zoll grosses Full-HD-Display ist der Akku mit 4000 mAh gut bemessen.bild: watson

Gut, aber keineswegs rekordverdächtig ist die Schnelllade-Funktion, die gemessen folgende Werte liefert:

  • 30 Minuten am Ladegerät --> 37% Akkuladung
  • 60 Minuten am Ladegerät --> 78% Akkuladung
  • 90 Minuten am Ladegerät --> 94% Akkuladung
  • 120 Minuten am Ladegerät --> 100% Akkuladung (der Akku war irgendwann zwischen 90 und 120 Minuten ganz voll)

Zum Vergleich: Beim Huawei Mate 9 von 2016 mit dem exakt gleich grossen Akku (4000 mAh) steht die Akkuanzeige nach 30 Minuten bei 57 Prozent. Die neueren Handys von Huawei lassen sich gar noch schneller laden, hier hinkt das Pocophone also deutlich hinterher.

Leider ist das Pocophone nicht vollständig wasserdicht und es lässt sich auch nicht kabellos laden.

Regen kann dem F1 nichts anhaben, aber tauchen gehen sollte es nicht.
Regen kann dem F1 nichts anhaben, aber tauchen gehen sollte es nicht.bild: watson

Beim Einrichten lassen sich Apps und Daten von Smartphones anderer Marken problemlos übertragen.

bild: watson

Wahlweise lässt sich statt einer SD-Speicherkarte auch eine zweite SIM-Karte einfügen.

Das F1 hat wahlweise 64 oder 128 GB Speicherplatz, der sich per microSD-Karte erweitern lässt. In einigen Märkten gibt es auch ein Modell mit 8 GB RAM und 256 GB Speicher.
Das F1 hat wahlweise 64 oder 128 GB Speicherplatz, der sich per microSD-Karte erweitern lässt. In einigen Märkten gibt es auch ein Modell mit 8 GB RAM und 256 GB Speicher.bild: watson

Auf dem Handy ist leider Bloatware vorinstalliert (also Apps von Drittanbietern).

bild: watson

Vorinstalliert sind wie immer Googles Standard-Apps wie Chrome, YouTube, Fotos, Kalender etc. Dazu kommen Microsofts Office-Apps sowie Xiaomis eigene Apps wie Video, Musik, Browser, Fotos und Nachrichten. Einige dieser Apps kann man löschen, andere nur vom Startbildschirm entfernen.

Während die Apps von Google und Microsoft für viele Nutzer nützlich sein dürften, bergen die Apps von Xiaomi eine unschöne Überraschung.

Die vorinstallierten Video- und Musik-Apps haben mich täglich mit mehreren Werbebenachrichtigungen zugespamt.

Die vorinstallierten Apps nerven mit penetranter Werbung. Dies lässt sich zum Glück deaktivieren.
Die vorinstallierten Apps nerven mit penetranter Werbung. Dies lässt sich zum Glück deaktivieren.screenshot: watson

Auf dem Pocophone sind relativ viele System- und Bloatware-Apps vorinstalliert, die teils mehrmals am Tag nervige Werbung aufs Handy senden. So zeigen die vorinstallierten Apps «Musik» und «Video» regelmässig Werbung für neue Songs, Videos etc. in den Benachrichtigungen an. Die Werbespam-Apps können nicht einfach gelöscht werden, vielmehr muss man ihnen in den System-Einstellungen die Erlaubnis für Benachrichtigungen entziehen.

Obwohl das Display Full-HD+ unterstützt, wird Netflix nicht in HD abgespielt.

Ein fehlendes Zertifikat beim Pocophone beschränkt die maximale Auflösung bei einigen Streaming-Anbietern auf Standard-Qualität (SD).
Ein fehlendes Zertifikat beim Pocophone beschränkt die maximale Auflösung bei einigen Streaming-Anbietern auf Standard-Qualität (SD).bild: watson

Wer oft Netflix oder Amazon Video auf dem Pocophone schaut, wird sich wundern, warum Serien in 4K oder HD auf dem Pocophone nur in SD-Qualität abgespielt werden. Das liegt offenbar an einer fehlenden Zertifizierung (Widevine L1) des Smartphones, welche die maximale Auflösung bei einigen Streaming-Anbietern auf Standard-Qualität (SD) beschränkt.

Im Klartext heisst dies, dass Videos von Netflix und einigen anderen Streamingdiensten trotz Full-HD-Display nicht in HD-Qualität abgespielt werden können. Xiaomi musste dafür viel Kritik einstecken und arbeitet offenbar daran, die fehlende HD-Unterstützung für Netflix und Co. nachzuliefern.

Wie gross das Problem effektiv ist, dürfte sehr individuell wahrgenommen werden, da auf einem kleinen Handy-Display der Unterschied zwischen HD- und SD-Qualität weit weniger sichtbar ist als auf einem grossen TV-Bildschirm. YouTube-Nutzer sind übrigens fein raus, sie können auf dem Pocophone Videos auch in 4K streamen.

Das Pocophone wird mit Android 8.1 ausgeliefert. Im Laufe des Jahres soll das Update auf die aktuelle Version 9 kommen. Das Pocophone wird auch Android 10 erhalten.

bild: watson

Käufer eines Pocophones haben zwei grosse Betriebssystem-Updates garantiert. Xiaomi versorgt seine Top-Smartphones darüber hinaus bis zu fünf Jahre mit Updates. Dabei muss man aber zwischen Android und der Xiaomi-eigenen Benutzeroberfläche MIUI unterscheiden. Das heisst, auch wenn das Pocophone nach Android 10 keine weitere Betriebssystem-Version erhalten sollte, wird das Handy voraussichtlich weiter mit neuen MIUI-Updates bzw. neuen Funktionen versorgt werden.

Xiaomis Benutzeroberfläche bietet unzählige Einstelloptionen und erinnert ein bisschen an Apples iOS.

Auf dem Pocophone läuft Xiaomis Benutzeroberfläche MIUI in der Version 9.6. Das Update auf MIUI 10 soll diese Woche folgen.
Auf dem Pocophone läuft Xiaomis Benutzeroberfläche MIUI in der Version 9.6. Das Update auf MIUI 10 soll diese Woche folgen.bild: watson

Das Pocophone kommt zudem mit einem neuen App-Launcher. Das F1 kann so ähnlich wie Smartphones mit Original-Android bedient werden.

Animiertes GIFGIF abspielen
Wer nicht auf den iOS-Look steht, kann mit einem Wisch nach oben die Android-typische App-Auswahl aufrufen. Der Poco-Launcher sortiert Apps automatisch nach Kategorien, den Icon-Farben oder alphabetisch (siehe Gif).gif: watson

Persönlich finde ich die neue Benutzeroberfläche für das Pocophone gelungen. Die Xiaomi-eigene Benutzeroberfläche läuft butterweich und wirkt wie ein Mix aus Android und iOS. Ob man das mag, ist Geschmacksache. Auf jeden Fall sollten Android- und iPhone-Nutzer so gleichermassen schnell mit dem Pocophone klarkommen.

Xiaomis eigene Systemoberfläche hat den Nachteil, dass es auch mal länger dauern kann, bis Android-Updates eintreffen. Umgekehrt ist Xiaomi dafür bekannt, seine Top-Modelle über mehrere Jahre mit MIUI-Updates zu versorgen. Ob das auch für das Pocophone gilt, muss die Zukunft zeigen.

Unsicher, ob dir die Benutzeroberfläche des Pocophone gefällt? Du kannst den Poco-Launcher ganz einfach auf deinem Android-Handy ausprobieren.

Xiaomis Poco-Launcher gibt es im Play Store.
Xiaomis Poco-Launcher gibt es im Play Store.

Das F1 lässt sich wie gewohnt mit den drei Navi-Buttons oder rein durch Wischgesten bedienen, was sehr gut von der Hand geht.

bild: watson

Der Fingerabdruck-Scanner auf der Rückseite arbeitet schnell und zuverlässig.

bild: watson

Der Fingerabdruck-Leser liegt auf der Rückseite unterhalb der Dual-Kamera. Er ist gut zu erreichen, aber für meinen Geschmack einen Tick zu nah an der Linse.

Noch etwas schneller und bequemer geht das Anmelden per Gesichtserkennung.

Das Handy erkennt dank Sensoren, wenn man es hochhebt, aktiviert die Gesichtserkennung und meldet den Nutzer an (ohne dass man einen Button drücken oder auf das Display tippen muss).
Das Handy erkennt dank Sensoren, wenn man es hochhebt, aktiviert die Gesichtserkennung und meldet den Nutzer an (ohne dass man einen Button drücken oder auf das Display tippen muss).bild: watson

Neben der Front-Kamera findet sich ein Infrarot-Sensor, der zur Entsperrung per Gesichtserkennung genutzt wird. Diese Entsperrmethode ist extrem schnell und hat bei mir fast immer und aus unterschiedlichen Winkeln funktioniert. Ob mit oder ohne Brille bzw. ob im Dunkeln oder bei Tageslicht spielt dabei keine Rolle. Ganz am Anfang hatte die Gesichtserkennung im Freien zwei, drei Mal Probleme, später sind mir keine Probleme mehr aufgefallen.

Wichtig: Um die Gesichtserkennung nutzen zu können, muss man etwas tricksen und die Landeseinstellung auf Indien, Hongkong etc. ändern. Offenbar hat Xiaomi diese Funktion bei uns offiziell noch nicht aktiviert.

Wer seine Chats, Mails etc. vor fremden Augen schützen möchte, kann den Zugriff auf beliebige Apps nochmals mit einem Screen-Muster oder Fingerabdruck schützen.

Dieser doppelte Schutz macht zum Beispiel Sinn, wenn andere das Handy zwar nutzen dürfen, aber private Nachrichten, Fotos etc. nicht sehen sollen.
Dieser doppelte Schutz macht zum Beispiel Sinn, wenn andere das Handy zwar nutzen dürfen, aber private Nachrichten, Fotos etc. nicht sehen sollen.bild: watson

Das Fazit: Prozessor gut, alles gut?

bild: watson

Leider nein. Das preislich attraktive Pocophone F1 ist zwar im Alltag gleich schnell wie die Spitzengeräte der Konkurrenz und die Akkulaufzeit ist ebenfalls erstklassig. Mit den doppelt oder drei Mal so teuren Geräten von Samsung, Huawei und Apple kann es aber nicht in allen Belangen mithalten.

Dies sollte einen aber nur stören, wenn man unbedingt die bestmögliche Smartphone-Kamera möchte oder so gar nicht über die im folgenden zusammengefassten (kleinen) Kritikpunkte hinwegsehen kann. Alle anderen können bedenkenlos zugreifen und erhalten das Smartphone mit dem aktuell vielleicht besten Preis-Leistungs-Verhältnis.

Pocophone F1: Pro und Contra

+ Sehr schnell
+ Lange Akkulaufzeit
+ Gutes Display
+ Kamera für den Preis gut
+ Preis-Leistung insgesamt top
+ Blitzschnelle Gesichtserkennung
+ Zuverlässiger Fingerabdrucksensor
+ Intuitive Gestensteuerung (optional)
+ Kopfhöreranschluss
+ Speicher erweiterbar (microSD-Slot)
+ Notch lässt sich ausblenden
- Nicht wasserdicht (nur spritzwasserfest)
- Kein kabelloses Laden
- (Noch) kein Netflix-Streaming in HD
- Kein NFC (z.B. für Google Pay)
- keine Kopfhörer im Lieferumfang
- Bloatware (mit nerviger Werbung, die sich ausschalten lässt)
- Google Assistant reagiert nicht auf Sprachbefehl (soll mit Update gefixt werden)

Ein Video sagt mehr als tausend Worte? Voilà!

«The Truth About the Pocophone F1!» von Marques Brownlee. Video: YouTube/Marques Brownlee

Das Pocophone in Zahlen:

  • LC-Display: 2246 x 1080 (FHD+), 403 ppi
  • Prozessor: Qualcomm Snapdragon 845 (Octa-Core, 4 × 2,8 GHz, 4 × 1,8 GHz; Adreno 630 GPU)
  • Speicher: 6 GB RAM mit 64 bzw. 128 GB Speicher und 8 GB RAM mit 256 GB Speicher (jeweils per microSD im zweiten SIM-Slot erweiterbar)
  • Akku: 4000 mAh (QuickCharge 3.0)
  • Kamera: Dual-Kamera mit Bokeh-Effekt; 12 MP (1.4μm, f/1.9) plus 5 MP (1.12μm, f/2.0); 4K-Videos, SlowMo-Videos bei 1080p mit bis zu 240 Bildern pro Sekunde; elektronische Bildstabilisierung (EIS)
  • Front-Kamera (20 MP) mit Poträt-Modus und Bokeh-Effekt
  • Gesichtserkennung: IR Face unlock (funktioniert im Dunkeln)
  • Fingerabdruck-Scanner: auf der Rückseite​
  • Hybrid-Dual-SIM: 2 x Nano-SIM oder 1 x Nano-SIM plus microSD
  • Konnektivität: Wi-Fi 802.11 a/b/g/n/ac, Dual-Band, Wi-Fi Direct, DLNA, Hotspot, Bluetooth 5.0, A2DP, LE, aptX HD, GPS; GLONASS, BDS, USB Typ-C (2.0),
  • Netzwerk: 2G (GSM 850 / 900 / 1800 / 1900), 3G (HSDPA 850 / 900 / 1900 / 2100), 4G (LTE-Band 1(2100), 3(1800), 5(850), 7(2600), 8(900), 20(800), 38(2600), 40(2300), 41(2500))
  • Masse: 155,5 x 75,3 x 8,8 mm
  • Gewicht: 155 Gramm
  • Betriebssystem: Android 8.1 mit MIUI und Poco-Launcher (Update auf Android 9 und 10 von Xiaomi garantiert)

Hierzulande ist Xiaomi – weltweit der viertgrösste Smartphone-Hersteller – nur eine kleine Nummer. Dies liegt aber keineswegs an der mangelnden Qualität. Im Gegenteil: Xiaomi hat das Image des schamlosen Kopierers längst abgestreift und überzeugt seit Jahren mit innovativen Ideen und einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis.

In China gestartet, erobert Xiaomi langsam aber sicher auch Indien und Russland. Seit Kurzem sind die Chinesen auch in Europa aktiv. Somit müssen Schweizer Kunden auch nicht mehr befürchten, dass Xiaomi-Geräte im lokalen 4G-Netz nicht die optimale Geschwindigkeit erreichen, was bei früheren Import-Geräten der Fall sein konnte.

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Ähnlich teure Handy-Alternativen sind:

Das Pocophone F1 mit 64 bzw. 128 GB Speicher gibt es bei uns aktuell ab 350 bzw. ab 390 Franken. Die im folgenden aufgeführten Mittelklasse-Smartphones anderer Marken sind teils etwas langsamer oder haben weniger Speicherplatz, kosten aber dennoch ungefähr gleich viel.

Fun Fact: Schweizer Läden verkaufen das iPhone 6 (32 GB) von 2014 ...

bild: watson

... und das 6S von 2015 zum gleichen Preis wie das Pocophone.

Aufgenommen diese Woche im Manor.
Aufgenommen diese Woche im Manor.bild: watson
Das Pocophone ist vielleicht nicht so cool wie das rahmenlose Xiaomi Mi Mix 3, Huawei Mate 20 Pro oder iPhone XS, bietet dafür extrem viel Leistung zu einem vernünftigen Preis.

Die teurere Alternative: Das Mi Mix 3 von Xiaomi mit Slider-Kamera.

bild: xiaomi

Hinweis: Das Testgerät wurde uns für die Dauer des Tests von Digitec zur Verfügung gestellt.

Xiaomi kann schon lange weit mehr als nur Smartphones:

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Xiaomi kann weit mehr als nur Smartphones
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