Mehrere tausend Menschen demonstrieren für Demokratie in der Türkei

25.03.17, 17:28

Friede, Freiheit und Demokratie für die Türkei: mehrere tausend Menschen, darunter viele Kurdinnen und Kurden, haben dieser Forderung am Samstag an einer Kundgebung auf dem Berner Bundesplatz Ausdruck verliehen. Der Anlass verlief friedlich.

Seit dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei würden Demokratie und Rechtsstaats schrittweise abgebaut. Im Land herrsche wieder Krieg und Gewalt, insbesondere in den kurdischen Gebieten, kritisierten die Kundgebungsteilnehmenden.

Tausende Menschen, die dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan und seiner AKP-Partei kritisch gegenüberstehen, riskierten ihre Arbeit oder gar ihre Freiheit, hiess es auf einem Demo-Flyer.

Paul Rechsteiner, SP-Nationalrat und Präsident des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB) forderte einen «Stopp der blinden Repression gegen Andersdenkende». Was derzeit in der Türkei geschehe sei besorgniserregend.

«Beispiellose Repressionswelle»

Tausende Angestellte seien gefeuert, zahlreiche Menschen verhaftet, Schulen und Universitäten geschlossen und Medien zum Schweigen gebracht worden. Die Türkei erlebe eine beispiellose Repressionswelle gegen alle, die der Regierung nicht passten.

Doch eine Demokratie brauche Meinungsfreiheit, wie Menschen die Luft zum Atmen. Rechsteiner rief dazu auf, sich mit «den Demokraten und mutigen Menschen in der Türkei» zu solidarisieren, die nicht verstummten und für die Wahrheit einstünden.

Grünen-Nationalrätin Sibel Arslan kritisierte den «dreckigen Flüchtlingsdeal», den Europa mit der Türkei geschlossen habe. Europa mache sich dadurch erpressbar. Arslan bedauerte, dass die Verfolgung und Denunziatioin von Oppositionellen sogar bis in die Schweiz getragen worden sei. Es sei daher richtig, dass die Bundesanwaltschaft Ermittlungen aufgenommen habe.

Zahlreiche Rednerinnen und Redner kurdischer Vereine und Organisationen warben für ein Nein am 16. April. Dann entscheidet das türkische Volk, ob es die Verfassung ändern und Präsident Recep Tayyip Erdogan mit mehr Machtbefugnissen ausstatten will. Auch türkische Staatsbürger im Ausland sind stimmberechtigt.

«Ein Nein wird die Türkei wieder in die Demokratie führen», betonte Feleknas Uca, Abgeordnete der linksgerichteten türkischen HDP-Partei, die für die Kundgebung nach Bern gereist war.

Keine Zwischenfälle

Die Kundgebung auf dem Berner Bundesplatz verlief friedlich und ohne Zwischenfälle. Viele Kundgebungsteilnehmende hatten Fahnen und Transparente dabei. Die Polizei hielt sich im Hintergrund und war kaum sichtbar. Die Kundgebungsveranstalter waren mit einem eigenen Sicherheitsdienst vor Ort.

Kurz vor 14 Uhr hatte sich vor der Berner Reitschule eine eigene Gruppe mit etwa 150 Demonstrantinnen und Demonstranten aus linksautonomen Kreisen versammelt. Die Gruppe marschierte von der Reitschule zum Bundesplatz, wo sie sich der offiziellen Kundgebung anschloss.

Die Veranstalter rechneten im Vorfeld insgesamt mit 2000 bis 3000 Teilnehmenden. Eine Zahl, die am Samstag wohl übertroffen worden sein dürfte, wie ein Augenschein auf dem Bundesplatz zeigte.

Aufgerufen zur Kundgebung hatten unter anderem kurdische Vereine, SP und Grüne sowie die Organisationen medico international schweiz, solidaritéS und solifonds. Unterstützt wurden sie von rund 30 weiteren Organisationen darunter beispielsweise der Schweizerische Gewerkschaftsbund, Terre des Hommes Schweiz oder die Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSOA).

Nicht immer verliefen prokurdische Kundgebungen in Bern friedlich. Vor zwei Jahren forderte eine Auseinandersetzung mit protürkischen Gegendemonstranten 22 Verletzte. Ein Auto war in eine Gruppe kurdischer Demonstranten gefahren. (sda)

Hol dir die App!

Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen