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Genf erhält Sekretariat der internationalen Quecksilber-Konvention



Genf wird Sitz der internationalen Quecksilber-Konvention. Die erste Vertragsstaatenkonferenz zur Minamata-Quecksilber-Konvention sprach sich am Samstag für die Schweizer Stadt aus. Die Schweiz mit Genf war die einzige Kandidatur.

Das teilte das Bundesamt für Umwelt (BAFU) am Samstag mit. Der Entscheid, wo das Sekretariat anzusiedeln sei, hätte eigentlich bereits am Vortag fallen sollen. Die Teilnehmer der Konferenz in Genf konnten sich aber zunächst nicht entscheiden.

«Die Niederlassung des Sekretariats der Minamata-Konvention wird Genf als Standort der internationalen Umweltgouvernanz stärken», wird Marc Chardonnens, Präsident der Konferenz und BAFU-Direktor, in der Mitteilung zitiert.

Die Wahl Genfs für den Sitz des Sekretariats sei ein Zeichen der Anerkennung für das Engagement der Schweiz zugunsten eines Übereinkommens über Quecksilber und bestätige die Rolle der Calvinstadt als Kompetenzzentrum für Umweltfragen.

Die Wahl des Bürostandorts hat fast bis morgens um drei Uhr gedauert. Im Zentrum der Diskussionen standen vor allem Differenzen mit den USA zur Form des Sekretariats. Gemäss übereinstimmenden Quellen hat die amerikanische Delegation bis zum letzten Moment versucht, die Entscheidung über den Standort und die Finanzierung des Sekretariats in die nächste Vertragsparteienkonferenz zu übertragen.

Um einen Konsens zu finden, kündigte Bundespräsidentin Doris Leuthard am Donnerstag an, eine zusätzliche Million US-Dollar zu sprechen, wenn das Büro in Genf angesiedelt wird.

Gefährliches Schwermetall

Das Übereinkommen, welches auf eine Initiative der Schweiz und Norwegens zurückgeht, wurde 2013 in Genf abgeschlossen. Die Schweiz werde sich auch weiterhin für die Minamata-Konvention einsetzen, insbesondere mit dem jährlichen Beitrag von einer Million Franken als Gastgeberland, hält das BAFU in seiner Mitteilung fest.

Die Konferenz hätte ursprünglich bereits am Freitagnachmittag mit Abschluss des zweitägigen Ministerteils zu Ende gehen sollen. Bundespräsidentin Doris Leuthard hatte am Donnerstag zur Eröffnung des Ministersegments das Übereinkommen als «Erfolg für den Multilateralismus» gelobt.

Der Name Minamata werde nicht mehr nur mit einem Problem, sondern auch mit einer Lösung in Verbindung gebracht, sagte sie. Die Konvention ist nach der japanischen Stadt Minamata benannt, wo sich in den 1950er Jahren eine verheerende Quecksilbervergiftung ereignet hatte. Rund 3000 Personen kamen ums Leben, Tausende weitere trugen schwere Gesundheitsschäden davon.

Weg für Umsetzung frei

Mit den Beschlüssen der Konferenz sei nun der Weg für die Umsetzung der Konvention auf nationaler Ebene freigemacht, wird Chardonnes in der BAFU-Mitteilung zitiert. Verschiedene Leitlinien wurden verabschiedet, namentlich zur Regulierung des kleingewerblichen Goldbergbaus und der Verminderung der Quecksilberemissionen in diesem Sektor.

Ziel der Konvention ist, die Quecksilberproduktion und -Anwendung weltweit zu senken. Bis 2020 sollten Produkte, die das Schwermetall enthalten wie beispielsweise Thermometer, verschwunden sein.

Zu den grössten Belastungen kommt es beim Abbau von Gold mit Hilfe von Quecksilber, das eine grosse Gefahr für Boden, Wasser sowie die Gesundheit der Arbeiter darstellt. Mehr als 15 Millionen Arbeiter und ihre Angehörigen sind direkt dem gefährlichen Schwermetall ausgesetzt. Bis 2032 sollte Quecksilber nicht mehr in solchen Bereichen zur Anwendung kommen.

Schweiz in der Pflicht

Nichtregierungsorganisationen hatten diese Woche die Schweiz aufgefordert, den Export des Schwermetalls einzustellen, wenn sie denn den Sekretariatsposten wolle. Erik Solheim, Chef des UNO-Umweltprogramms (UNEP), hatte am Donnerstag gefordert, die Schweiz solle Lösungen für eine Garantie dafür finden, dass ihre Quecksilber-Ausfuhren nicht in Goldminen eingesetzt werden.

Die Schweiz sei dabei, ihre Gesetzgebung anzupassen, so dass weniger Quecksilber verwendet und ein- und ausgeführt wird, sagte Leuthard an der Konferenz. «Quecksilber, vor allem auch solches, das aus dem Recycling stammt, musst stabilisiert und umweltgerecht gelagert werden», sagte Leuthard. «Wir wollen alle eine neue Generation ohne Vergiftung.»

Die Schweiz führte 2016 rund 30 Tonnen Quecksilber aus, in den Vorjahren waren es noch jährlich etwa 110 Tonnen. Der Export des Schwermetalls erfolgt über ein Unternehmen, das nur an Kunden liefert, die sich an die Konvention halten. (sda)

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