Gesellschaft & Politik
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Abgeholzt: Die Zerst

Die Zerstörung des Amazonas – obwohl ein altbekanntes Thema – schreitet immer schneller voran. Bild: EPA

«Die faulen Äpfel Brasiliens» – So viel illegale Abholzung steckt in EU-Produkten

Rund 20 Prozent der Agrarexporte aus Brasilien in die EU stammen von illegal gerodeten Flächen. Das geht aus einer kürzlich publizierten Studie hervor.



Etwa ein Fünftel der jährlichen Exporte von Soja und Rindfleisch aus Brasilien in die EU stehen in Zusammenhang mit illegaler Abholzung im Amazonas-Gebiet und in der Cerrado-Savanne. Das geht aus einer Studie hervor, die die US-Wissenschaftszeitschrift «Science» am Donnerstag veröffentlichte.

Die Studie mit dem Titel «Die faulen Äpfel der brasilianischen Landwirtschaft» untersuchte anhand von mehr als 800'000 Flächen, wo illegale Abholzung in Verbindung mit Soja-Anbau und Viehzucht steht und wie viel «faule Äpfel» unter den Produkten für die EU landen.

Der europäische Soja-Bedarf ist gross

Rund 13.6 Millionen Tonnen oder ungefähr 41 Prozent des importierten Sojas in die EU-Märkte, wo dieses etwa als Schweinefutter verwendet wird, kommen demnach jährlich aus Brasilien.

Während des Untersuchungszeitraums zwischen 2009 und 2017, für den der Durchschnitt herangezogen wurde, könnten circa zwei Millionen Tonnen Soja im Jahr, die auf illegal gerodeten Flächen angebaut wurden, die EU erreicht haben, davon 500'000 Tonnen aus dem brasilianischen Amazonas-Gebiet.

Ein Dutzend Forscher aus Brasilien, den USA und Deutschland haben die Studie unter der Führung von Raoni Rajão von der Bundesuniversität von Minas Gerais erstellt. Unter anderem die Climate and Land Use Alliance, der brasilianische Rat für Wissenschaftliche und Technologische Entwicklung, die Alexander-von-Humboldt-Stiftung und das Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützten die Arbeit.

Land recently burned and deforested by cattle farmers stands empty near Canutama in Amazonas state, Brazil, Monday, Sept. 2, 2019. The Brazilian Amazon saw 30,901 fires in August, the highest for the month since 2010, according to Brazil’s National Institute for Space Research, drawing international criticism over the government’s approach to environmental issues and its pro-business agenda. (AP Photo/Andre Penner)

Bolsonaros Regierung gerät zunehmend unter Druck: BDie Anzahl der Brandrohdungen im Amazonas-Regenwald betrug 2019 über 30'000 Brandherde. Bild: AP

Die Ergebnisse erscheinen in einer Zeit, in der internationale Investoren die Abholzung zunehmend kritisieren und Brasiliens Wirtschaft unter Druck gerät. Vize-Präsident Hamilton Mourão hielt deswegen vergangene Woche eine Videokonferenz mit europäischen Investoren ab.

Nach einem Medienbericht hatten 38 brasilianische und ausländische Firmen die Regierung zu konkreten Schritten gegen die Abholzung aufgerufen. Im brasilianischen Amazonas-Gebiet gab es im Juni die schlimmsten Brände für diesen Monat seit 13 Jahren.

Die Unternehmen sorgen sich offensichtlich um das Image der grössten Volkswirtschaft Lateinamerikas. Beispielsweise treten wegen der Zerstörung des Regenwaldes bereits EU-Länder bei der Umsetzung des Freihandelsabkommens der EU mit dem südamerikanischen Wirtschaftsbündnis Mercosur auf die Bremse. (sda/dpa)

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Brände im Amazonas-Gebiet

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