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A drunken man lies in the sand surrounded by partying German tourists at the beach in Platja de Palma on the Spanish island Mallorca, pictured on June 4, 2010. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Ein betrunkener Mann liegt am Strand von Platja de Palma auf der spanischen Insel Mallorca umringt von feiernden deutschen Touristen im Sand, aufgenommen am 4. Juni 2010. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Bild: KEYSTONE

Kommentar

«Die Komatrinker sind nicht die Einzigen in unserer Gesellschaft, die sich nicht im Griff haben»

Erneut geistert die Meinung durch die politische Landschaft, dass die Jugendlichen für die Kosten aufkommen sollen, falls sie sich ins Koma saufen. Mit jeder solchen Empörungswelle steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es auch effektiv umgesetzt wird. Ein Kommentar, weshalb der Damm der Solidarität nicht brechen darf.



Die konkrete Forderung heisst diesmal «Komatrinker sollen finanziell in die Pflicht genommen werden» und kommt aus dem Bundeshaus. Die Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit des Nationalrates schickt den Vorentwurf für eine Änderung des Krankenversicherungsgesetzes in die Vernehmlassung. 

Diese Forderung deckt die stark verbreitete Jugendfeindlichkeit unserer Gesellschaft auf. Alle wollen heute zwar jung sein und bleiben. Aber niemand kann und will sich in Jugendliche einfühlen. 

Die komasaufenden Jugendlichen sollen nun also die Folgekosten übernehmen, weil sie sich nicht im Griff haben. Dies liesse sich jedoch auf fast alle Schadenfälle übertragen: 

Die Entsolidarisierung in der Gesellschaft beginnt dort, wo am wenigsten Gegenwehr erwartet wird. Als Nächstes sind die Fettleibigen dran, danach die Extremsportler und dann diejenigen, die einen Selbstmordversuch überlebt haben. Enden tut das Ganze mit dem Leitspruch:

«Du bist selber schuld!»

Alles wird auf die Menschen zurückfallen:

Keine Ahnung, ob je erfasst wurde, wie oft sich dieselben Jugendlichen ins Koma saufen. 
Die wenigen Fälle, die ich kenne, hörten nach ein- oder allerspätestens zweimal auf. Es ging ihnen dabei viel zu übel, als dass sie es geil fanden. 

Keine Ahnung, ob je erfasst wurde, weshalb die Jugendlichen dies tun. 
Ich gehe jedoch nicht davon aus, denn sonst käme man wohl zum Schluss, dass es die unterschiedlichsten Gründe dafür gibt. Und diese Gründe werden den Ursprüngen der oben aufgelisteten Schadenfällen ähneln, die ebenso darin begründen, «sich nicht im Griff zu haben». 

Stoppen wir die Entsolidarisierung der Gesellschaft in ihren Anfängen!

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22 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
Tux
04.07.2014 21:20registriert April 2014
Komatrinker - also bitte schön - das gab es schon immer und niemand scherte sich darum. Früher gab es einfach kein Schlagwort dafür und man machte keinen Wirbel drum. Heute gibt es auch gleich ein Riesenpromborium um jeden kleinen Hasenfurz....
Wenn schon - dann sollten Verkehrverunfaller für die Folgeschäden aufkommen - für jeden Autofahrer der im Stau stecken bleibt gibt es dicke Kohle vom Verursacher....
Wo kämen wir da hin, wenn es für jeden Hasenfurz ein Gesetz gäbe...
Man soll und darf mal jung und unvernünftig sein. Das ist unser Recht - und selbst wenn es nur darum geht - auch diese Erfahrung zu machen....
Ach was sind wir Schweizer doch für Bünzlis geworden....
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Tanuki
04.07.2014 17:10registriert March 2014
Sollte das wirklich durchgesetzt werden, erwarte ich, dass Jugendliche in gewissen fällen nicht mehr den Notarzt rufen, weil sie es ja selber bezahlen müssen. Es darf nicht soweit kommen! Die ganze Sache ist sehr kurzfristig gedacht und extrem populistisch.
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