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Strassenbarrikade vor der Reitschule in Bern: Bei den Krawallen am Samstagabend wurden elf Polizisten verletzt.&nbsp;<br data-editable="remove">
Strassenbarrikade vor der Reitschule in Bern: Bei den Krawallen am Samstagabend wurden elf Polizisten verletzt. 
Bild: KEYSTONE

«Das waren Tötungsversuche!» Grosse Empörung nach den Krawallen in Bern – nur die Reitschule nimmt's locker

Vermummte Aktivisten verletzten am Samstagabend vor der Berner Reitschule elf Polizisten. Politik und Polizei fordern nun ein hartes Vorgehen gegen die Angreifer. Die Reitschule selber distanziert sich über Facebook zwar von den Angriffen auf die Feuerwehr, aber nicht von den Attacken auf die Polizei. 
07.03.2016, 10:0907.03.2016, 17:00

Es ist Samstagabend, als bei der Berner Polizei diverse Anrufe eingehen und einen Brand beim Kulturzentrum Reitschule melden. Auf der Schützenmattstrasse wurden Strassensperren errichtet, die Strasse steht in Flammen. 

Als die Polizei bei der Reitschule eintrifft, haben die Einsatzkräfte nicht nur mit dem Feuer zu kämpfen, sondern auch mit vermummten Aktivisten. Zunächst wird Feuerwerk auf sie geschossen, später werden sie von den Dächern der Schule gezielt mit Flaschen und Steinen beworfen.

Manuel Willi, Regionalchef der Kantonspolizei Bern, spricht von einem gezielten «Hinterhalt», in den seine Einsatzkräfte gelockt worden seien. Gegenüber der Zeitung «Der Bund» sagt der Polizeichef: «Die Täter hatten so viele Steine und Flaschen gesammelt und sich gezielt positioniert, dass von einer akribisch vorbereiteten Aktion gesprochen werden kann.» Die Geschosse seien derart gefährlich gewesen, dass die Attacken ohne Schutzausrüstung der Polizei durchaus tödlich hätten enden können, so Willi weiter.

Insgesamt elf Polizisten verletzen sich beim Angriff der Demonstranten. Willi führt aus: «Etliche Beamte wurden von Steinen getroffen, einige haben schwere Hämatome davongetragen. Dazu kommen Brand- und Gehörverletzungen wegen der abgefeuerten Feuerwerkskörper.» Gemäss Polizeicommuniqué werden auch die später einrückende Feuerwehr unter Flaschen- und Steinbeschuss genommen. 

Reitschule postet Statement auf Facebook

Von den Attacken auf die Feuerwehrleute distanziert sich die Berner Reitschule tags darauf in einem Statement auf Facebook. Im Post heisst es: «Wir halten übrigens nichts davon, Feuerwehrleute anzugreifen. Wir mögen die Feuerwehr, wenn sie hilft, Brände zu löschen und waren auch schon auf ihre Hilfe angewiesen.»

Anders sieht es bei den Angriffen auf die Polizei aus, die Aktivisten entschuldigen oder distanzieren sich nicht von ihnen. Aus dem Facebook-Eintrag geht hervor, dass man sich in der Reitschule provoziert fühlte, weil die Polizei in den Tagen zuvor auf dem Parkplatz vor dem Kulturzentrum patrouilliert habe. 

Hintergrund dieser Aussage: Mehrere Polizisten hatten am Freitagabend ab 18 Uhr auf dem Parkplatz Schützenmatte in orangen Westen patrouilliert. Gemäss Polizeicommuniqué sollte der Einsatz «Straftaten entgegenwirken und Sicherheit vermitteln». Der grosse Parkplatz vor dem Kulturzentrum Reitschule gilt als Umschlagplatz für Drogen.

Schliessen tut die Reitschule ihren Post mit einem lockeren «Love & Peace» und appelliert an die Vernunft aller involvierten Akteure.

Reaktionen gefordert

Die Reaktionen auf die Krawalle fallen wie erwartet heftig aus. Auch Berns Sicherheitsdirektor Reto Nause spricht wie Polizeichef Willi von einem Hinterhalt, in den die Polizei gelockt wurde. «Ich habe das Gefühl, das waren gezielte Attacken», sagt der CVP-Mann gegenüber dem Radiosender SRF4.

Nause kündet für die nächsten Tage eine Krisensitzung an, bei der über die Betriebsbewilligung der Institution diskutiert werden müsse. Man habe seitens der Stadt versucht, einen «konstruktiven Dialog» mit der Reitschule zu führen, doch das habe wohl nicht so viel gebracht, meint Nause. 

Auch beim Verband Schweizerischer Polizei-Beamter (VSPB) reagiert man entrüstet auf die Angriffe der Aktivisten. «Mit grosser Wut und Unverständnis» habe der Verband von den Vorfällen erfahren. «Das waren vorsätzliche Tötungsversuche!», wird VSPB-Generalsekretär Max Hofmann in einem am Sonntag verschickten Communiqué zitiert. 

SVP-Hess fordert kantonale Abstimmung

Weiter schreibt der Verband: «Wacht endlich auf! Wir Polizistinnen und Polizisten haben genug von diesem rechtsfreien Raum, der toleriert und zudem mit öffentlichen Geldern der Steuerzahler finanziell unterstützt wird.» Er fordert die Politik auf, endlich aufzuwachen und zu handeln. Sonst müsse der Druck aus der Bevölkerung kommen. 

Diese könnte sich durchaus schon bald wieder zur Reithalle äussern. Der Berner SVP-Nationalrat Erich Hess verschickte nach Bekanntwerden der Krawalle am Sonntag die Einladung zur Übergabe der Unterschriften für die kantonale Initiative der Jungen SVP «Keine Steuergelder für die Berner Reithalle» an die Staatskanzlei.

Auf seiner Facebook-Page spricht Hess von «bürgerkriegsähnlichen Zuständen» in der Berner Innenstadt. «Alle gewalttätigen Demonstrationen, die in Bern stattfinden, haben ihren Ausgangspunkt in der Reithalle und nachdem sie die ganze Stadt kaputt gemacht haben, ziehen sich die Demonstranten wieder dorthin zurück.»

Zu Festnahmen ist es bis jetzt noch nicht gekommen, da die Polizei sich nicht ins Innere der Reitschule vorwagte, weil es sonst aller Voraussicht nach zu noch grösseren Auseinandersetzungen gekommen wäre. (cma)

Update: Am Montag nimmt die Reitschule erneut Stellung zu den Ereignissen. Hier die Stellungnahme:

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175 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Ordo Malleus
06.03.2016 14:24registriert August 2015
Haha was für ein Zwergenaufstand. Nennen sich autonom und sind trotzdem im höchsten Masse vom Goodwill und Geld der Stadt abhängig. Und jetzt machen sie wieder einmal einen auf dicke Hose, um ihrem propagierten Selbstverständnis Ausdruck verleihen zu können. Aber eigentlich ist es nur ein Aufschrei der Frustration, weil sich langsam aber sich die Erkenntnis durchsetzt, dass ihre idealisierte Eigenwahrnehmung und die Realität meilenweit auseinanderklaffen. Die gezeigte Bewältigung dieser Sinneskrise ist dann nur noch erbärmlich.
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küng-fü
06.03.2016 15:18registriert Juli 2015
Die Reitschule ist wie ein Fussballspiel im Joggeli.
38000 friedliche Besucher und 512 krawallbereite Vollidioten.

Nächstes Wochenende spielt Sophie Hunger zweimal im Dachstock, zurzeit ist gerade friedlich Flohmi.
Es wird durchaus Kultur geboten in der Reitschule, aber die
Assis mit der Fackel in der Hand sind ohne Frage ein Problem.

Ich war schon 2-3 im Joggeli, und auch ab und zu in der Reitschule, und ich möchte keines von beidem missen nur wegen den verblödeten, gelangweilten Stinker.
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Madison Pierce
06.03.2016 17:11registriert September 2015
Es wird immer mehr zu einem Problem für unseren Rechtsstaat, dass sich die Polizei "zurückziehen muss". Das sendet die falschen Signale an die entsprechenden Leute.

Wenn man betrunken in eine Polizeikontrolle kommt, kann man dem Beamten zwar eine runterhauen, aber das geht dann übel für einen aus. Das weiss man, deshalb fährt man schon gar nicht betrunken oder akzeptiert die Strafe.

Bei anderen Delikten scheinen Krawallmacher aus der Erfahrung zu lernen, dass nach ein paar brennenden Autos ziemlich jedes Verhalten akzeptiert wird.
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