Aargau
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General Electric will in der Schweiz weitere 450 Stellen abbauen



FILE - In this Jan. 16, 2018, file photo, the General Electric logo is displayed at the top of their Global Operations Center in the Banks development of downtown Cincinnati. General Electric Co. reports financial results Tuesday, April 30, 2019. (AP Photo/John Minchillo, File)

Bild: AP/AP

Der US-Konzern General Electric (GE) setzt in der Schweiz erneut den Rotstift an. Der Konzern will in Baden und Birr weitere 450 Jobs abbauen. Die Gewerkschaften reagieren enttäuscht.

Der erneute Stellenabbau ist eine weitere Hiobsbotschaft für Schweizer Angestellte des Konzerns. Bereits 2016 strich der Schweizer Ableger des US-Unternehmens nach dem Kauf der Energiesparte des französischen Industriekonzerns Alstom rund 900 Stellen.

Auszug aus der Medienmitteilung von GE

(...) Von den 450 potenziell betroffenen Stellen sind derzeit mehr als 10 Prozent aufgrund von natürlicher Fluktuation nicht besetzt. Diese Reorganisation steht im Einklang mit dem Unternehmensziel, die operative und finanzielle Leistungsfähigkeit der Geschäfte zu verbessern, die Organisation zu vereinfachen und so die nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen. Die Vorschläge werden mit den europäischen und lokalen Arbeitnehmervertretern abgestimmt, bevor Entscheidungen getroffen werden.
GE ist sich der sehr schwierigen Situation für die Mitarbeitenden bewusst. Das Unternehmen verpflichtet sich, den bestehenden umfassenden Sozialplan weiterzuführen. Er soll den Mitarbeitenden helfen, schnell wieder eine Arbeitsstelle zu finden. (...)

Im Dezember 2017 folgte der nächste Kahlschlag. Damals wollte GE von den noch 4'500 verbleibenden Jobs in der Schweiz nochmals 1'400 streichen. Nach einem Konsultationsverfahrens einigte sich man mit den Arbeitnehmervertretern auf einen Abbau von höchstens 1'200 Stellen. Aktuell beschäftigt GE in der Schweiz 3'050 Mitarbeitende, wie ein GE-Sprecher gegenüber der Nachrichtenagentur AWP sagte.

ARCHIVBILD ZUM ANGEKUENDIGTEN ABBAU VON 450 STELLEN BEI GENERAL ELECTRIC IN BADEN UND BIRR, AM MONTAG, 17. JUNI 2019 ---- Sitz der Alstom Schweiz (General Electric) in Birr AG, am Sonntag, 5. Juni 2016. Im Januar 2016 hatte der Industriekonzern Alstom angekuendigt, in der Schweiz aufgrund eines Sparprogramms bis zu 1'300 Stellen abzubauen. Dies stehe im Zusammenhang mit der Uebernahme der Alstom-Energiesparte durch den US-Konzern General Electric im November 2015. Am Montag 6. Juni 2016 will Alstom informieren, wie viele Stellen vom Sparprogramm betroffen sind. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Bild: KEYSTONE

Sorgenkind Kraftwerkssparte

Den erneuten Abbau von 450 Arbeitsplätzen begründet GE mit dem «finanziell herausfordernden» Geschäftsjahr 2018. Die US-Mutter wies zuletzt für das erste Quartal 2019 aus dem fortgeführten Geschäft einen Gewinn von 954 Millionen Dollar aus. Die kriselnde Kraftwerks-Sparte zog den Gewinn im Industriegeschäft allerdings insgesamt um ein Fünftel nach unten.

Genau dieses Geschäft mit Gas-Kraftwerken zwinge die Sparte GE Power nun zum Abbau weiterer Stellen: «Die Nachfrage nach Stromerzeugung mit fossilen Brennstoffen nimmt, vor allem im Europa, in einem umkämpften Markt ab», teilte GE am Montag mit. Dies habe einen negativen Einfluss auf das Geschäft mit neuen Gas-Kraftwerken und folglich auch auf den Service-Bereich.

Diese Faktoren hätten bereits 2018 Auswirkungen auf das Finanzergebnis von GE Power gehabt und zu einem operativen Verlust von fast einer Milliarde Dollar geführt. Daher sehe sich GE Power gezwungen, die 2018 weltweit begonnenen Bemühungen für Kostensenkungen weiterzuführen, um die Wettbewerbsfähigkeit wiederzuerlangen.

Neues Konsultationsverfahren

Der nun seitens GE erfolgte Vorschlag zum Abbau von rund 450 Stellen in der Schweiz unterliege noch einem Konsultationsverfahren und von den 450 potenziell betroffenen Stellen seien derzeit mehr als 10 Prozent aufgrund von natürlicher Fluktuation nicht besetzt.

Zudem sei man sich der «sehr schwierigen» Situation für die Mitarbeitenden bewusst und verpflichte sich, den bestehenden umfassenden Sozialplan weiterzuführen. Erste Gespräche mit den Gewerkschaften hätten bereits am Vormittag stattgefunden, sagte der GE-Sprecher.

Gewerkschaften und Politik enttäuscht

Die Gewerkschaften reagieren enttäuscht auf die Ankündigung von GE: «Das Vertrauen ist endgültig weg», teilte die Gewerkschaft Syna mit. Mit der Restrukturierung trete GE den Industriestandort Schweiz und insbesondere den Kanton Aargau erneut mit Füssen.

Die Gewerkschaft Unia fordert von GE zudem ein klares Bekenntnis zum Werkplatz Schweiz und eine langfristige Strategie für die hiesigen Niederlassungen. Man werde im anstehenden Konsultationsverfahren «alles daransetzen, die Stellen in Birr und Baden zu erhalten» teilte die Gewerkschaft mit.

Kritik übt die Unia aber auch an der Politik, die bei der Übernahme von Alstom durch GE keine konkreten Garantien verlangt habe. Der Bundesrat müsse sich für eine moderne Industriepolitik entscheiden, was auch ein entschlossenes Auftreten gegenüber transnationalen Konzernen beinhalte.

Auch von Seiten der Lokalpolitik herrscht grosses Unverständnis. So lässt der Aargauer Regierungsrats verlauten, dass der nochmalige Abbau früheren Aussagen von GE widerspreche. Es werde erwartet, dass im Einzelfall grosszügige Lösungen getroffen würden.

Von einem «schmerzhaften Schlag für den sich allgemein solid entwickelnden Wirtschaftsstandort» spricht der Stadtrat Baden in einer Stellungnahme. In Baden würden 350 Stellen wegfallen.

(aeg/sda/awp)

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22Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Chääschueche 17.06.2019 19:48
    Highlight Highlight Nüchtern betrachtet ist das ein logischer Schritt. Wenn weniger entsprechende Kraftwerke gebaut werden sinkt auch der Bedarf an diesen Maschinen. Dafür geht man ja Freitags auch auf die Strasse oder? Umweltschutz!

    Klar man könnte die Produktion Umstellen und Teile für Zukunftsträchtige Dinge Entwickeln/Bauen. Die Frage ist nur: braucht es dazu diese Leute im Kanton Aargau oder baut man andere Standorte aus die dies Bereits tun?

    Sparen. Das tut auch Herr und Frau Schweizer auch indem er bei Alibaba/Wish bestellt und in Deutschland einkauft. Wieso soll das ein Unternehmen also nicht tun?
  • einmalquer 17.06.2019 16:33
    Highlight Highlight Bei vielen Abstimmungen sagen uns economiesuisse und ihre Parteien wie wir abstimmen müssen, damit Arbeitsplätze erhalten werden und neu geschaffen werden können und dass wir ganz lieb sein müssen mit der Wirtschaft.

    Und dann stimmen wir praktisch immer so, wie es die "Wirtschaft" will.

    Und dann entlassen sie "uns".
  • Kaspar Floigen 17.06.2019 14:25
    Highlight Highlight Wenn die Stellen so einfach gestrichen werden können, dann waren sie offenbar nicht nötig.
  • AfterEightUmViertelVorAchtEsser___________________ 17.06.2019 14:18
    Highlight Highlight Soviel ich weiss, debattiert heute Nachmittag der Ständerat, ob ausländische Investoren ungehindert Schweizer Unternehmen aufkaufen können.

    Ich hoffe sie entscheiden weise.
  • Fairness 17.06.2019 13:46
    Highlight Highlight Kranke Gier. Mehr gibt‘s dazu eigentlich gar nicht zu sagen.
    • Bits_and_More 17.06.2019 15:55
      Highlight Highlight Was willst du den machen, wenn weniger Gaskraftwerke gebaut werden (was ja im Grundsatz auch von linker Seite Befürwortet wird).
      In diesen Branchen gibt es durch diesen Trend logischerweise überflüssige Jobs.
      Das hat mir Gier mal grundsätzlich wenig zu tun.
    • Troxi 17.06.2019 20:08
      Highlight Highlight Bits and More,eure Aussage ist ein Faustschlag ins Gesicht der betroffenen Mitarbeiter. 954 Millionen Reingewinn, Milliarden Umsätze und man muss nach bereits seit 2016 2100 entlassenen Mitarbeitern nun weitere 450 Arbeitsplätze streichen. Das macht von ursprünglichen rund 5200 Arbeitsplätzen noch rund 2600. Das ist reine Ausbeutung und Abzocke.
    • Bits_and_More 17.06.2019 20:28
      Highlight Highlight Jetzt vermischt du globale Zahlen mit lokalen. GE hat zudem über die letzten 10 Jahre in etwa gleich viele Arbeitsplätze gehabt.
      https://de.statista.com/statistik/daten/studie/277030/umfrage/anzahl-der-mitarbeiter-von-general-electric/

      Natürlich ist es beschissen, den Job zu verlieren, doch wenn es keine Arbeit mehr gibt, was soll man den ganzen Tag machen?
    Weitere Antworten anzeigen
  • Unicron 17.06.2019 12:21
    Highlight Highlight Arbeiten da überhaupt noch Leute?
    Oder haben die mitterlweile einen Minus-Bestand?
  • Whitchface 17.06.2019 11:34
    Highlight Highlight Erstaunt mich wirklich nicht, auch bei ABB ist der nächste Schritt nur eine Frage der Zeit. Finde es nur traurig, wie naiv die Politik in dieser Angelegenheit war. Speziell der Regierungsrat Urs Hofmann, hat sich hinters Licht führen lassen. Hatte die Aargauer Regierung wirklich das Gefühl, dass der Standort Baden für GE unverzichtbar wäre? Die Realität ist doch, dass GE nie vor hatte, den Standort weiter zu betreiben, trotz allen Garantien. Hofmann in seiner unendlichen Naivität, liess sich auch noch getrost Honig um den Mund schmieren.
    • Neruda 17.06.2019 15:54
      Highlight Highlight Was hätte er denn machen sollen? So weit mir bekannt ist, hat die Kantonsregierung gar nicht die gesetzliche Möglichkeit irgendwie mitzumischen bei solchen Übernahmen.
  • sherpa 17.06.2019 11:32
    Highlight Highlight Einmal mehr, man ist sich dies schon bald einmal gewohnt, gehen die Manager dieser Konzerne über Leichen und lassen die Arbeiter bluten. Hauptsache die Konzernspitze kann jedes Jahr ihre Saläre um ein x-faches erhöhen, alles andere interessiert diese Abzocker eh nicht. Das traurige dabei ist aber auch, dass die Aktionäre dieses Vorgehen auch noch absegnen und sich dafür auch noch mit höheren Vergütungen bezahlen lassen.

    0 0
  • Rainer Winkler. 17.06.2019 11:26
    Highlight Highlight Diese großen Firmen machen Milliardenumsätze, müssen aber stellen Streichen damit irgendwelche "Manager" noch mehr Geld verdienen als Sie sonst schon ausgeben können. Zuerst einmal sollten diese "Mafia" ähnlichen Firmen auch Ihre steuern Fair in der Schweiz bezahlen. Die Politik muss nun endlich härter durchgreifen um dieses Ungerechte System zu Ändern. 8i
    • Gzuz187ers 17.06.2019 13:25
      Highlight Highlight Weise Worte vom Drachen
    • Rainer Winkler. 17.06.2019 14:42
      Highlight Highlight Ich frage mich wer bei GE überhaupt arbeitet, anderst kann ich mir diese Krise nicht erklären. Meddl
    • Neruda 17.06.2019 15:56
      Highlight Highlight Das Volk hat ja erst gerade so ein ungerechtes Steuersystem durchgewunken...
  • inmi 17.06.2019 11:09
    Highlight Highlight Stellenabbau um Stellenabbau. Gleichzeitig richten wir unsere Wirtschaft mit immer neuen Steuern und Vorschriften zugrunde... Es geht bergab...
    • Neruda 17.06.2019 15:56
      Highlight Highlight Mit Steuererleichterungen meinst du wohl? Oder hast du die Steuervorlage 17 ohne dich zu informieren einfach angenommen?

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