«Kann's noch nicht realisieren»: Rachel Rinast kommentiert als erste Frau an der Männer-WM
Es sind gerade wieder einmal aufregende Tage im Leben von Rachel Rinast. Heute kommentiert sie zusammen mit Calvin Stettler das WM-Qualifikationsspiel der Schweizer Fussballerinnen in Nordirland. Am nächsten Samstag heiratet sie. Und dann wird sie als erste Frau überhaupt für SRF Spiele der Männer-WM kommentieren.
Rinast ist als Kommentatorin Pionierin in der Schweiz. Vor einem Jahr gab sie ihr Debüt als Solo-Begleiterin auf SRF im Rahmen der Frauen-EM. Nun folgt bei der WM 2026 der nächste, logische Schritt.
«So wirklich realisieren kann ich das noch nicht», sagt Rinast im Gespräch mit «Schweiz heute». «Es tönt grausam nach Floskel, aber es ist halt so: Die WM ist etwas Besonderes. Nochmals ein anderes Kaliber. Es ist schon cool, wenn ich mir überlege, dass da die ganze Welt dabei ist.» Und Rinast fügt an: «Langsam frage ich mich: Was kann da eigentlich noch kommen?»
Nun, in der Fussball-TV-Landschaft des Schweizer Fernsehens gibt es schon noch die eine oder andere grössere Aufgabe. Zumal Rinast derzeit – bei den Männern – bei Schweizer Nati-Spielen noch nicht involviert ist.
Nach der Hochzeit eine Flitterwoche auf Sizilien
Rinast ist Teil des elfköpfigen Teams, das alle 104 Spiele der WM live für SRF kommentiert. Insgesamt kommentiert Rinast sieben Partien. Ihren ersten Einsatz leistet sie allerdings erst am 27. Juni beim Spiel Ägypten gegen Iran. Dies weil sie zuvor noch einen privaten Meilenstein erreicht. Am nächsten Samstag heiratet sie ihren Freund Arvid Schenk. Nach dem Fest in Deutschland reist das frisch vermählte Paar in die Flitterwoche nach Sizilien. Wobei sich auch dort vieles um die WM drehen wird. «Ich bin sicher, wir werden ziemlich viele Spiele schauen – mein zukünftiger Mann ist als Torwarttrainer ebenfalls im Fussball zu Hause», sagt Rinast. Schenk arbeitete zuletzt beim FC Ingolstadt und wechselt nun zu Hansa Rostock.
Als Teil der Vorbereitung auf die WM hat Rinast in diesem Jahr erstmals Panini-Bilder gesammelt. «Sonst war das nicht so mein Ding, nun habe ich tatsächlich damit begonnen.» Wobei damit selbstredend nicht die ganze Vorbereitung abgedeckt ist. «Viel lesen – das ist das Wichtigste», sagt Rinast.
Nervosität vor WM? «Wird kommen – und das ist gut so»
Ihrer WM-Premiere schaut die mittlerweile 35-jährige Rinast gelassen entgegen. «Die Nervosität wird schon noch kommen vor dem ersten Spiel. Aber so wie eigentlich vor jedem Spiel – und das ist gut so.»
Vor einem Jahr vor ihrem ersten alleinigen Einsatz als SRF-Kommentatorin bei der Frauen-EM war das etwas anders. Auch, weil sie sich bewusst war, eine Pionierrolle innezuhaben. «Ich habe mir gedacht: Ich darf auf gar keinen Fall versagen. Denn wenn ich versage, dann heisst es: «Die Frauen können das nicht!» Ich hatte wirklich ein, zwei schlaflose Nächte, weil ich auch davon träumte, dass mir etwas ganz Schlimmes passiert beim Kommentieren. Zum Beispiel, dass ich Spielerinnen vertausche. Ich wusste, eigentlich kann das nicht passieren, ich kenne sie ja alle. Aber unter Druck macht das menschliche Hirn manchmal komische Sachen», sagte sie uns im Interview.
Rinast meisterte die Herausforderung souverän. Das Feedback danach war grösstenteils positiv. «Ich fand es schon verrückt, wie viele Reaktionen es gab. Da war ordentlich Schwung drin.» Auf 20 positive Rückmeldungen kam etwa eine negative, schätzte Rinast im Rückblick. Und gibt zu: «Ich bin schon relativ resistent. Aber es gibt nur wenige Menschen, die sagen: ist mir völlig egal, was andere über mich denken. Und da gehöre ich nicht dazu. Es geht mir schon auch nahe, wenn mich dann jemand richtig kritisiert.»
Die Zukunft: Ein Duo Sascha Ruefer und Rachel Rinast?
Rinast switcht mühelos zwischen ihren beiden verschiedenen Rollen. Wenn sie wie heute mit Calvin Stettler bei der Frauen-Nati als Co-Kommentatorin unterwegs ist, lässt sie ab und an einen Spruch fallen. Sie gibt neben der Expertin auch gerne die Unterhalterin. Zudem pflegt sie als ehemalige Nati-Spielerin einen guten Draht zu den Spielerinnen – wovon das TV-Publikum noch immer profitiert.
Wenn Rinast und Stettler miteinander kommentieren, versuchen sie, eine Atmosphäre zu schaffen, die das Gefühl vermittelt, man sitze mit Freunden vor dem Fernseher beim gemeinsamen Fussball schauen. Arbeitet Rinast hingegen als alleinige Kommentatorin, tut sie das mit einer Stimme, die nüchterner und sachlicher ist als im Duo. Und das sorgte bei einem Teil des Publikums tatsächlich für Verwirrung. Rinast sagte: «Ich erhalte häufig die Frage: Warum bist du denn so ernst, wenn du alleine kommentierst? Aber ich mache ja nicht selbst einen Witz und lache mir noch ins Fäustchen.»
Bleibt noch eine Frage: Was, wenn die SRF-Chefs zum Schluss kommen, dass man Rinast eines Tages auch bei den Nati-Spielen der Schweizer Männer hören sollte? Vielleicht an der Seite von Sascha Ruefer? Wie sagte sie uns im Interview? «Mitkommentieren? Das würde ich nie verneinen. Sascha Ruefer ist eine lebende SRF-Legende. Jeder kennt ihn. Er ist DER Kommentator bei SRF, überhaupt in der Schweiz. Darum würde ich nie nein sagen, weil das wäre eine riesige Ehre. Und das würde ich mir auch zutrauen.» Eines aber möchte Rinast unbedingt anfügen: «Calvin Stettler war und ist für mich der absolute Glücksgriff als Kommentatoren-Partner. Ich hoffe, wir arbeiten noch sehr lange zusammen.»

