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Pegida-Renaissance mit rechtem Stargast

Lange war es still um die Pegida-Bewegung. In Dresden feierte sie Wiederauferstehung. Mit Hilfe des AfD-Rechtsaussen Björn Höcke.

Christoph Reichmuth / Aargauer Zeitung



Deutschland-Flaggen wehen im kühlen Wind vor der weltberühmten Dresdner Frauenkirche, vereinzelt auch Fahnen der Alternative für Deutschland (AfD). Auf einem kleinen Podest spricht Lutz Bachmann, Gründer der selbst ernannten «Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes» (Pegida) und verurteilt wegen Volksverhetzung, da er Flüchtlinge als «Dreckspack» und «Viehzeug» bezeichnet hatte. «Merkel muss weg!», skandiert die Menge, etwa 3000 sind gekommen zum «200. Abendspaziergang» der Pegida-Bewegung. Im Oktober 2014 wurde die Bewegung gegründet, einst sorgten die Islamfeinde international für Schlagzeilen, als im Januar 2015 25000 Menschen durch Dresden marschierten, gegen die «Lügenpresse», Kanzlerin Merkel und die muslimischen Zuwanderer wetterten.

epa08224508 Alternative for Germany (AfD) faction chairman in the regional parliament of Thuringia, Bjoern Hoecke speaks during the rally of the far-right, anti-Islam PEGIDA (Patriotic Europeans Against the Islamisation of the Occident)  movement at Neumarkt square in Dresden, Germany, 17 February 2020. The far-right, anti-Islam PEGIDA movement taking to the streets in Dresden for the 200th time since first rally in 2014.  EPA/FILIP SINGER

Der Stargast des Abends: Björn Höcke, AfD-Chef in Thüringen. Bild: EPA

An diesem Montag erfährt Pegida eine Art Wiederauferstehung, die mediale Aufmerksamkeit ist plötzlich wieder da. Obwohl die Pegida-Anhänger seit 2014 immer montags durch die sächsische Landeshauptstadt marschieren. Zuletzt allerdings waren die im Durchschnitt etwa 1000 Demonstranten von der Öffentlichkeit kaum mehr beachtet. Doch beim Jubiläum fährt die Bewegung nochmal gross auf, später am Abend wird der Stargast in Dresden erwartet: Björn Höcke, AfD-Chef in Thüringen. Ihm ist vor knapp zwei Wochen der grosse Coup gelungen, als er mit seiner Partei im Thüringer Landtag zur Finte ansetzte und zusammen mit den Bürgerlichen einen Kandidaten der FDP ins Amt des Ministerpräsidenten hievte.

«Erfurter Erdbeben», schreibt dazu Pegida in seiner Einladung, und falsch liegen die Islamfeinde nicht. Das Land wurde durchgeschüttelt durch das Ereignis in Erfurt, erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg wurde ein Regierungschef mit Hilfe einer rechts der Union stehenden Kraft ins Amt gehoben. Ein Tabu-Bruch für das Land.

«Höcke, Höcke!», rufen die Menschen, doch Höcke, prominenter Vertreter des im Visier des Verfassungsschutzes stehenden «Flügels» der AfD, der nach einem Gerichtsurteil straffrei «Faschist» genannt werden darf, lässt sich Zeit. Er wird erst später am Abend zu den Pegida-Anhängern sprechen. Zwei Bündnisse haben zur Gegendemo gerufen. «Nazis raus!», ertönt es, als Lutz Bachmann zur Menge spricht. Die Pegida-Anhänger reagieren mit Buhrufen. Ein Mann hält ein Plakat in die Höhe: «Grüne Lügen sind passé – letzte Rettung AfD

Radikalisierung von Pegida und der AfD

Die Argumente der Pegida-Anhänger haben sich in den letzten Jahren nicht geändert. Kanzlerin Merkel muss weg, Flüchtlinge, vor allem aus muslimischen Ländern, sollen Deutschland verlassen. Immer wieder werden im Gespräch mit Demonstranten Vergleiche zur DDR gezogen. «Wir sind 1989 nicht auf die Strasse gegangen, damit wir heute wieder von einer Diktatur regiert werden – der Merkel-Diktatur», sagt Horst, ein 55-Jähriger Mann aus dem Umkreis von Dresden. Wie so viele hier kritisiert auch er die Ereignisse von Erfurt, als der gewählte FDP-Ministerpräsident auf Druck von Kanzlerin Merkel sein Amt nach wenigen Stunden wieder ablegen musste. «Das sind Zustände wie in einem SED-Staat.» Andreas, 56-jähriges AfD- Mitglied aus Sachsen, schimpft Merkel die «Staatsratsvorsitzende».

«Wir sind hier, weil wir eine Demokratie haben wollen wie ihr in der Schweiz.»

Thomas, 53, AfD-Mitglied.

Der Dresdner Politikwissenschaftler Werner J. Patzelt, der sich 2014 bis 2016 akribisch mit Pegida auseinandergesetzt hat und die Bewegung noch heute beobachtet, sagt: «Inzwischen setzt sich Pegida im Wesentlichen aus Rechtsradikalen und stark rechtsstehenden Teilnehmern zusammen.» Patzelt sieht Parallelen zur Entwicklung der AfD, die in den letzten Jahren ebenfalls eine Radikalisierung durchlebt habe.

Gegen 20.30 Uhr kommt endlich der grosse, sehnlichst erwartete Auftritt des Stargasts dieses Abends. Björn Höcke tritt selbstbewusst vor das Mikrofon, die Menge jubelt. Höcke geht auf die rückgängig gemachte Wahl in Thüringen ein. Die politische Klasse in Berlin, die jedem Vergewaltiger und Kinderschänder die Menschenwürde nicht absprechen würde, «spricht uns die Menschenwürde ab», sagt er unter Applaus. «Unter wehrhafter Demokratie versteht man in Berlin die Verhinderung politischer Alternativen.» «Höcke-Höcke»-Rufe begleiten den 47-Jährigen vom Podium.

«Ich kenne den Koran. Und ich habe gerade deshalb Angst, dass der Islamismus in diesem Land zu gross wird.»

Alice, 21, gebürtig aus Ungarn, klatscht in die Hände. Neben ihr Begleiter Martin, 28, Halbmarokkaner, in Deutschland aufgewachsen. «Mittlerweile habe ich nachts alleine in der Stadt Angst», erklärt Alice, weshalb sich in Deutschland etwas ändern müsse. Martin betont: «Ich kenne den Koran. Und ich habe gerade deshalb Angst, dass der Islamismus in diesem Land zu gross wird.» Dass sich Pegida nicht gegen Rechtsradikale abgrenzt, stört ihn nicht. «Ich wüsste nicht, bei wem ich meine Meinung sonst kundtun sollte.»

Pegida: Anhänger und Gegner

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    Alle Leser-Kommentare
  • Basti Spiesser 18.02.2020 14:17
    Highlight Highlight „der nach einem Gerichtsurteil straffrei «Faschist» genannt werden darf“

    Gemäss dem Gerichtsurteil darf jeder im politischen Diskurs Faschist genannt werden, nicht nur Höcke.
  • derWolf 18.02.2020 09:15
    Highlight Highlight «Ich wüsste nicht, bei wem ich meine Meinung sonst kundtun sollte.»

    Das sollte zu Denken geben, mein ja nur..
  • Auric 18.02.2020 07:38
    Highlight Highlight Der letzte Satz sollte zu denken geben

    oder auch nicht, schliesslich stammt er vorm einem der auf der falschen Demo war
  • RhabarBär 18.02.2020 06:39
    Highlight Highlight Deutschland hat ein Problem. Mit der Demokratie. Statt dass sich die Politik der Sorgen und Probleme der Bevölkerung annimmt und gemeinsam Lösungen sucht, geht sie den eingeschlagenen Weg stur weiter. Die Unzufriedenen, hmtja, die suchen sich politisches Gehör bei denen, die ihnen zuhören. Logisch. So lief das auch vor rund 90 Jahren... Die AfD und die Pegida-Bewegung hören zu und die Unzufriedenen marschieren mit. Und es werden immer mehr. Und was tun CDU/CSU, SPD, Grüne, FDP und Co.? Ich finde es tragisch zuzusehen, wie Deutschland sich momentan politisch grad selbst auffrisst.
    • wasps 18.02.2020 06:58
      Highlight Highlight Da siehst Du zu wenig genau hin! Über 85 Prozent der Stimmbevölkerung wählt demokratische Parteien und nicht Faschisten wie Höcke. Man sollte die Kirche im Dorf lassen. Deutschland geht es sehr gut, wie uns übrigens auch.
    • MarGo 18.02.2020 07:27
      Highlight Highlight Hast du recht, Rhabarbär... Aber es zeigt auch, dass die Bevölkerung die Weisheit nicht gerade mit dem Löffel frisst... oder sich mit ihrer Geschichte auseinandersetzen... oder dass sie ihre eigene Unzufriedenheit am einfachsten im Ausländerhassbild spiegeln - obwohl das überhaupt nichts ändert...
      Erdbeerkäse-Wähler hald...
    • Auric 18.02.2020 07:40
      Highlight Highlight Sorgen und Nöte der Bevölkerung annehmen?
      Niemals! das wäre Populismus

      Das Volk hat doch überhaupt keine Ahnung von ihren Sorgen und Nöten.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Trasher2 18.02.2020 06:23
    Highlight Highlight Der Typ heisst Bernd! Bernd Höcke.
    • MarGo 18.02.2020 07:25
      Highlight Highlight Ich finds toll, dass so eine elende Flachzange noch immer nicht diese Berühmtheit erlangt hat, dass die Medien sich wegen seines Vornamens sicher sind... :DDD Bjöö-hörn, Bjö-hörn :DDD hinterletzter Faschistenzwerg, der Björn... :D
      Leider können wir ihm keine reinhauen, wenn wir ihn sehen würden... aber wir können ihn weiterhin Björn nennen ;D
    • wasps 18.02.2020 08:49
      Highlight Highlight Eigentlich sowas von scheissegal, wie dieser Faschist heisst. Ein Mückenschiss in der Weltgeschichte.
    • BTD90 18.02.2020 09:18
      Highlight Highlight @MarGo
      Ah... Hasssprech am Morgen
    Weitere Antworten anzeigen
  • Dummbatz Immerklug 18.02.2020 06:21
    Highlight Highlight Bernd, das Brot 😝😝😝
    • runthehuber 18.02.2020 12:38
      Highlight Highlight Und auch so dumm wie Brot
  • Heinzbond 18.02.2020 05:59
    Highlight Highlight Erstaunlich das zumindest einer bis 200 zählen könnte, sonst haben sie es ja nicht so mit echten Zahlen (und Fakten)

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