Liebe
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Warum mein Freund R. erst glücklich wird, wenn er Tinder endlich gelöscht hat

Bild: derick anies

Wie sollen wir die grosse Liebe finden, wenn sie hinter jeder Person stecken könnte? 



R. ist ein sehr schöner Mann. Nicht dieses Unterwäschemodel-schön, nicht 1.80 gross und nicht übermässig definiert. R. hat hohe Wangenknochen, trägt enge Jeans und übergrosse Oberteile. Eine Reihe von Mädchen, Jungs und allen anderen Geschlechtern im Genderhimmel finden Gefallen an ihm. R. ist bisexuell und R. will sich verlieben. Doch ich vermute, nein, ich bin mir ziemlich sicher, dass das nicht klappen wird. Nicht so, wie er es momentan versucht.

«Da ist Sandra von Tinder und Timo von Grindr. Sandra hört dieselbe Musik wie ich und Timo studiert Kunst und macht so abgefahrene Sachen. Ah, und da ist noch Jamie, die kenn ich von der Uni.» 

Smalltalk mit R.

Ich kenne R. seit dem Gymnasium. Und wir sehen uns im Vierteljahrestakt zum Plaudern und Kaffee trinken. Neulich sprachen wir über Beziehungen. Was wir uns erhoffen und wie unsere Ansprüche an eine romantische Beziehung aussehen, sind natürlich in höchstem Grade individuell. Das plumpe Bedürfnis, dass wir (irgendeine) Beziehung wollen, könnte konventioneller nicht sein.

Einen Jemand haben, mit dem man gleichzeitig über die Unendlichkeit des Universums debattieren, Trash-TV gucken, Sex haben und sich langweilen kann – das Bedürfnis nach so einem Universalfreund ist nur zu gut zu verstehen. Und die Verzweiflung, wenn man einen will und keinen findet, noch viel besser.

Diese Verzweiflung ist denn auch der Grund, wieso sich die meisten an den Ort verkriechen, an dem jeder sucht und alle vorgeben, etwas bieten zu können: ins Internet. So auch R.

Zur Zeit hat er drei aktive Accounts auf verschiedenen Dating-Seiten. Plus zwei inaktive, die aber jeder Zeit auffrischbar sind. Alle ein bis zwei Wochen trifft er sich mit jemandem. Manchmal mit jemandem, den er schon mal getroffen hat, andere Male mit einer neuen potentiellen Liebe. Wenn R. jemanden mehr als drei Mal sieht, macht er sich Hoffnungen, es kommt zum ersten Sex, zu einem ausgedehnten Frühstück mit anschliessendem Spaziergang. Das ist dann das höchste aller Gefühle und hält solange an, bis es ihm oder der anderen Person verleidet. Denn R.s Dates sind wie er selber: Suchende.

Das läuft seit zweieinhalb Jahren so. R. ist Single und sucht die Liebe. «So klappt das aber nicht!», werfe ich ihm vor. Aus den folgenden Gründen:

  1. Dating-Plattformen fokussieren aufs Äussere, aufs Sexappeal, auf optische Sympathie.
  2. Bei Treffen in Wirklichkeit passiert genau dasselbe. Leuten in der Wirklichkeit gebe ich aber viel mehr die Chance, mir zu beweisen, dass meine Oberflächlichkeit völlig daneben ist.
  3. Im Internet klicke ich diejenigen, die mir nicht gefallen, aber einfach weg. Und verpasse den/die Einen/e so vielleicht.

«Siehst du, es gibt keinen Ausweg. Ob im Internet oder im realen Leben. Wir sind alle Scheisse», faucht mich R. an.

Ja, wir sind alle ziemlich oberflächlich. Okay, vielleicht nicht alle, aber die meisten. Doch Dating-Apps zu verpönen, wird dieses kollektive Persönlichkeitsmerkmal kaum eliminieren. Laut einer US-amerikanischen Studie bringt uns das Entsagen ebendieser Plattformen aber trotzdem etwas: Bessere Chancen, die grosse Liebe zu finden.

Arbeitsweise der Studie

Für die Untersuchungen haben die Studienleiter eine Gruppe aus 65 Hetero-Männern und 65 Hetero-Frauen zusammengestellt und in drei Untergruppen unterteilt. Jeder Proband kriegte die Chance, ein Gespräch/ Date mit einem Probanden des anderen Geschlechts zu haben. Jedoch mit verschiedenen Voraussetzungen: Gruppe eins musste vor dem Date 10 Fotos bewerten, von denen ein Bild ihren späteren Dating-Partner zeigte. Bei Gruppe zwei passierte im Vorfeld dasselbe, wobei aber ihr Dating-Partner nicht unter den Bildern zu finden war. Bei der dritten Gruppe fand das Date ohne jegliche Vorausbewertung statt.

Darauf mussten die Teilnehmer ihren Dating-Partner bewerten. Bezüglich Intelligenz, Karriereperspektiven und Unterhaltungswert. Die besten Werte verteilte Gruppe drei, gefolgt von zwei und eins.

Aber wie? Das Spannende an unserer Oberflächlichkeit ist ja, dass sie situationsbedingt ist. Wie fast alles in unserer Welt lebt sie von Angebot und Nachfrage. Ist das Angebot an potentiellen Liebschaften gross, sinkt die Wahrscheinlichkeit, deinem Gegenüber eine richtige Chance zu geben. Man ist abgelenkt von den vielen Alternativ-Dates, die man noch haben könnte. Man denkt unbewusst an den süsse(re)n Blonden, dessen Selfie einen vorhin aus dem Smartphone-Bildschirm heraus angelächelt hat oder an die Eine mit Septum-Piercing, mit der man vor zwei Abenden noch stundenlang über Musik gechattet hat. 

«Trifft man einen potenziellen Partner ohne die mentale Anwesenheit von alternativen Partnern, beeinflusst das unser Urteil gegenüber der Sympathie jener Person enorm. Es lässt uns sogar deren körperliche Attraktivität schöner erscheinen.»

Jeff Hall, leitender Autor der Studie. via university of kansas

Jeff Hall, Chefautor der Studie, zog für seine Schlüsse die Theorie der Evaluierbarkeit herbei. Darin heisst es, dass Menschen in der Regel Dinge als wertvoller betrachten, wenn man sie für sich selbst beansprucht und aus einem grösseren Angebot loslöst. So erscheint beispielsweise die billigere Variante eines neuen Smartphones im Handyshop mickrig gegenüber der ausführlichen Version mit besserer Kamera und grösserem Speicherplatz. Kauft man sich dann aber doch das billigere Gerät und merkt, dass dieses den eigenen Ansprüchen komplett genügt, ist dessen Minderwertigkeit ganz schnell wett gemacht. So laufe das auch bei Beziehungen ab, schreibt Hall.

Kommen wir zurück zu Tinder-Sandra, Grindr-Timo und Uni-Jamie. Sandra hört tolle Musik und Musik ist für R. wichtig. Aber Timo ist ein künstlerischer Schöngeist mit wirren Ideen. Ob er auch so einen guten Musikgeschmack wie Sandra hat? Oder hört er etwa Taylor Swift? Ein abturnender Gedanke für R. Jamie ist clever und sehr politisch, aber was treibt sie sonst so?

«Vielleicht würden mir Timos Skulpturen aus verschmorten Kabeln genügen, auch wenn er Taylor Swift hört. Denn, wenn es genügt, ist mir Sandra egal. Und Jamie auch.» 

R. im Reflektionsmodus

Bild

Zu viel nachgedacht. via tumblr

Noch bevor wir unseren Kaffee bezahlen, löscht R. alle drei Dating-Apps, die aneinander gereiht auf dem Dashboard seines Smartphones hocken. 

P.S. Das tat er natürlich nicht. Dafür ist R. viel zu stolz. Ich habe es ihm lediglich geraten. Was aus meinem Ratschlag wurde, erfahre ich frühestens in drei Monaten. 

Wie datest du?

Irgendwann vielleicht auch für R.? – Diese 25 coolen Partner-T-Shirts ergänzen sich perfekt!

Auch Gregor findet Tinder nicht wirklich toll: «Auf Tinder sind alle so: Ja. Nö. Nei. Geil, Titten!»

Video: watson/Gregor Stäheli, Emily Engkent

Und das beste am Online-Dating-Stopp ist, dass du diesen 11 Idioten eine Zeit lang nicht mehr begegnest:

Video: watson/Lya Saxer, Knackeboul, Madeleine Sigrist

Mehr mint gibt's hier:

15 Styles, die Ende 90er und Anfang 2000er der Shit waren

präsentiert vonMarkenlogo
Link zum Artikel

Nach «Avengers: Endgame» – diese 7 kommenden Filme könnten auch die Milliarde knacken

Link zum Artikel

Ich + Ich + Tattoo-Dirk à Paris

Link zum Artikel

«Game of Thrones»: Das war sie also, die grösste Schlacht der TV-Geschichte?!?!

Link zum Artikel

Dieses Model trägt als Erste einen Burkini auf der Titelseite der «Sports Illustrated»

Link zum Artikel

«Avengers: Endgame» pulverisiert Kinorekord – und sorgt für Schlägerei

Link zum Artikel

«Meine Ehefrau hat mich jahrelang mit ihrer Jugendliebe betrogen»

Link zum Artikel

Die vegane Armee

Link zum Artikel

14 Comics, die das Leben als Mann perfekt auf den Punkt bringen

Link zum Artikel

Die Jackson-Doku «Leaving Neverland» erhitzt die Gemüter – 6 Gründe, warum das so ist

Link zum Artikel

Auf den Spuren meiner Urgrossmutter

Link zum Artikel

Regie-Legende Francis Ford Coppola: Neues Alter, neuer Film, neues «Apocalypse Now»

Link zum Artikel

Schwangerschafts-Abbruch wegen Trisomie: «Die Entscheidung war furchtbar, aber klar»

Link zum Artikel

«Mimimi» – Wie schnell bist du empört?

Link zum Artikel

Sterben am Schluss alle? Das verraten uns die 3 neuen Teaser zu «Game of Thrones»

Link zum Artikel

So heiss, stolz und glücklich feierten die «Game of Thrones»-Stars Premiere

Link zum Artikel

10 lustige Antworten auf die dumme Frage: «Wann hast du entschieden, homosexuell zu sein?»

Link zum Artikel

Böööses Büsi! Stephen Kings «Pet Sematary» ist wieder da

Link zum Artikel

RTS zeigt GoT zeitgleich am TV. Und wir fragen: Wann wollt ihr dazu was von uns lesen?

Link zum Artikel

Ja, in der Schweiz gibt es Obdachlose – und so leben sie

Link zum Artikel

«Krebs macht einsam» – wie Ronja mit 27 Brustkrebs überlebte

Link zum Artikel

Coca Cola Life und 17 weitere Getränke, die (beinahe) aus der Schweiz verschwunden sind

Link zum Artikel

US-Komiker Noah spricht über seine (Schweizer-)Deutsch-Erfahrungen – und es ist grossartig

Link zum Artikel

Die Boeing 737 ist derzeit nicht sehr beliebt – wie dieser Litauer jetzt auch weiss

Link zum Artikel

«Leaving Neverland»: Brisante Jackson-Doku kommt am Samstag im SRF

Link zum Artikel

Sag nicht, wir hätten dich nicht gewarnt: 7 Dokus zum 🐝-Sterben

präsentiert vonMarkenlogo
Link zum Artikel

Der neue Schweizer Streaming-Dienst «Filmingo» will das Anti-Netflix sein

Link zum Artikel

Tantra-Tina, ihre Latexhandschuhe und mein Orgasmus

Link zum Artikel

Ich machte bei GNTM mit – und so war's (empörend!)

Link zum Artikel

Mick Jagger braucht eine neue Herzklappe – und will bald wieder auf der Bühne stehen

Link zum Artikel

Nacktbild von Sohn löst Shitstorm aus – Sängerin Pink rastet aus

Link zum Artikel

«Ich liebe meine Freundin, aber ich liebe auch schöne Frauen…»

Link zum Artikel

Ihre Produkte haben die Welt erobert – trotzdem wurden diese 5 Erfinder nicht reich

Link zum Artikel

Disney wird immer mächtiger – warum darunter vor allem Kinos und Zuschauer leiden

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Und heute in der Bachelor-Video-Zusammenfassung: «Das ist wie beim ersten Orgasmus!»

Weil du womöglich nicht die ganze Sendung geschaut hast, auf den Gossip aber auch nicht verzichten willst ...

Neue Woche, neue Abenteuer für Bachelor Alan. Unser Lieblings-Brasilianer holte diese Woche kurzerhand Rio de Janeiro nach Portugal und mixte für die Ladys «KAAIPIRINIAAAS». Der Bestseller jeder Happy Hour schmeckte einer Kandidatin so gut, dass sie gar nicht mehr gehen wollte und mit Alan die Nacht auf dem Zuckerhut verbrachte.

Die ganzen Highlights siehst du im Video oben.

(nfr)

Artikel lesen
Link zum Artikel