Justiz
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Bosnian Serb military chief Ratko Mladic, left, enters the Yugoslav War Crimes Tribunal in The Hague, Netherlands, Wednesday, Nov. 22, 2017, to hear the verdict in his genocide trial. Mladic's trial is the last major case for the Netherlands-based tribunal for former Yugoslavia, which was set up in 1993 to prosecute those most responsible for the worst carnage in Europe since World War II. (AP Photo/Peter Dejong, Pool)

Mladic am Mittwoch vor dem Uno-Tribunal vor der Urteilsverkündung. Bild: AP/AP POOL

«Schlächter vom Balkan», Ratko Mladic, vom Uno-Tribunal zu lebenslanger Haft verurteilt 

22.11.17, 11:49 22.11.17, 20:36


22 Jahre nach dem Völkermord von Srebrenica hat das UNO-Kriegsverbrechertribunal den früheren bosnisch-serbischen General Ratko Mladic zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Richter sprachen den 74-Jährigen am Mittwoch in Den Haag schuldig für Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und den Völkermord in Srebrenica 1995.

In Srebrenica hatten bosnisch-serbische Truppen etwa 8000 bosnisch-muslimische Jungen und Männer ermordet. Es war das schlimmste Kriegsverbrechen nach 1945 in Europa. Maldic war danach als «Schlächter vom Balkan» bezeichnet worden.

Mladic war Oberkommandant der bosnischen Serben während des Krieges von 1992 bis 1995 mit etwa 100'000 Todesopfern und über zwei Millionen Vertriebenen. Die Richter unter Vorsitz des Niederländers Alphons Orie sahen die Schuld des Angeklagten als zweifelsfrei erwiesen an. «Das Gericht verurteilt den Angeklagten daher zu einer lebenslangen Haftstrafe», sagte Orie.

Zuvor hatte der Angeklagte für einen Eklat gesorgt. Der Vorsitzende Richter Orie liess ihn aus dem Gerichtssaal entfernen, nachdem Mladic lautstark protestiert hatte. Die Verteidigung hatte zuvor erfolglos gefordert, die Urteilsverkündung abzukürzen, weil der Blutdruck des Angeklagten gefährlich hoch sei. Das Gericht setzte die Verlesung des Urteils dann ohne Mladic fort.

epa06343539 Bosnian Serb military chief Ratko Mladic (C) greets lawyers as he enters the Yugoslav War Crimes Tribunal for the verdict hearing in his genocide trial, in The Hague, Netherlands, 22 November 2017. Mladic's trial is the last major case for the Netherlands-based tribunal for former Yugoslavia, which was set up in 1993 to prosecute those most responsible for the worst carnage in Europe, since World War II.  EPA/PETER DEJONG / POOL

Mladic vor Gericht. Bild: EPA/ANP POOL

Auch Mord, Vertreibung und Folter

Im Juli 1995 schliesslich hatten serbische Einheiten unter seinem Kommando die damalige UNO-Schutzzone Srebrenica überrannt und kurz darauf Tausende muslimische Männer und Jungen ermordet. Die niederländischen UNO-Blauhelme hatten sich damals kampflos ergeben.

Der frühere General war erst 2011 nach 16 Jahren auf der Flucht festgenommen worden. Er selbst hatte stets seine Unschuld beteuert. Er habe sein Volk nur verteidigt, sagte er. Es gilt als sicher, dass er gegen das Urteil Berufung einlegen wird.

Bereits 2016 war sein politischer Chef, der damalige bosnische Serbenführer Radovan Karadzic, für eine fast identische Anklage zu 40 Jahren Gefängnis verurteilt worden.

«Sieg für Gerechtigkeit»

UNO-Menschenrechtskommissar Said Raad al-Hussein bezeichnete die Verurteilung Mladics als monumentalen Sieg für Gerechtigkeit. «Mladic ist der Inbegriff des Bösen, und die Verurteilung von Mladic ist der Inbegriff für internationale Gerechtigkeit», sagte Said Raad al-Hussein am Mittwoch in Genf.

Mladic sei für einige der schlimmsten Verbrechen in Europa nach Ende des Zweiten Weltkriegs verantwortlich gewesen. Er habe Tausenden Menschen Tod und Zerstörung angetan. Das Trauma der Opfer sei unbeschreiblich.

Umso wichtiger ist nach den Worten des UNO-Menschenrechtskommissars die gerichtliche Aufarbeitung des Falles. «All jene, die heutzutage internationale Verbrechen in so vielen Situationen auf der ganzen Welt begehen, sollten dieses Resultat fürchten», erklärte er. Die Verantwortlichen für Gräueltaten könnten der Justiz nicht entkommen.

Auch die frühere UNO-Chefanklägerin Carla del Ponte begrüsste das Urteil. «Das ist sehr gut, vor allem weil mit Mladic einer der höchsten noch lebenden Verantwortlichen für die Kriegsverbrechen verurteilt wurde», sagte die Tessinerin gegenüber dem Westschweizer Radio RTS sowie der «Tagesschau» von Fernsehen SRF. Dies sei eine Erleichterung für alle Opfer.

Der Prozess gegen Mladic war der letzte Völkermord-Prozess des UNO-Tribunals. Ende des Jahres wird das Gericht nach 24 Jahren seine Arbeit abschliessen. Wegen des Völkermordes in Srebrenica waren mit Mladic 16 Personen schuldig gesprochen worden. (sda/dpa/afp)

Völkermord – das schlimmste Verbrechen

Der Begriff Völkermord ist auch unter der Bezeichnung «Genozid» geläufig. «Genozid» ist aus dem griechischen «genos» (Herkunft) und dem lateinischen «caedere» (töten) zusammengesetzt. Der jüdische Anwalt Raphael Lemkin prägte das Wort im Jahr 1944, um eine Grundlage für die Bestrafung der von den Nazis begangenen Verbrechen zu legen.

Völkermord umfasst nach Artikel 2 der UNO-Konvention 260 aus dem Jahr 1948 Handlungen gegen Mitglieder einer nationalen, ethnischen, rassischen oder religiösen Gruppe, die in der Absicht begangen werden, die Gruppe ganz oder zum Teil auszulöschen. Mit der Konvention 260 wurde der Völkermord international geächtet.

(whr/sda/afp)

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48
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48Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Dä Brändon 23.11.2017 15:45
    Highlight Das Tribunal ist ein Witz, so wie die Medien. Thaci, Haradinaj und Gotovina wurden trotz ihren Gräueltaten freigesprochen. Wie fühlen sich die Eltern von den Kindern welche auf brutalster Art und Weise die Organe entnommen wurden, nachdem ein Thaci oder Haradinaj freigesprochen wurden? Das vergiftet nur noch mehr die Stimmung auf dem Balkan.

    Für diejenigen die trotz solcher Medienlandschaft einen einigermassen klaren Kopf behalten haben, hier ein Link zu einem Interview mit einem bosnisch-muslimischen Schriftsteller der das ganze aus verschiedenen Perpektiven betrachtet.
    1 1 Melden
    • Biggie Smalls 23.11.2017 23:02
      Highlight thaci und freigesprochen? er war nie vor dem tribunal...
      2 0 Melden
  • Schläfer 22.11.2017 22:58
    Highlight Krieg ist und war schon immer ein Verbrechen. Die Diskussion welcher Schlächter für wie lange weggesperrt wird ist somit sinnlos. Alle gehören weg
    3 4 Melden
    • Fabio74 23.11.2017 08:01
      Highlight Falsch. Es ist wichtig mit dem Rechtsstaat dagegen vorzugehen
      1 2 Melden
    • Dä Brändon 23.11.2017 16:57
      Highlight Da siehst Du ja wieviel mit dem "Rechtsstaat" erreicht wurde. Monster wie Haradinaj, Thaci oder Gotovina laufen frei rum, bzw. wurden freigesprochen.
      1 1 Melden
  • Booker 22.11.2017 20:45
    Highlight Lebenslänglich klingt - wobei das bei ihm ja nicht mehr so lang sein dürfte. Wie wäre es mit verschärften Bedingungen im Dunkeln Kerker, Einzelhaft und gelegentlich etwas Prügel aus dem Dunkeln heraus ? Ach ja und Wasser und Brot - mehr braucht es nicht.
    8 9 Melden
    • Fabio74 22.11.2017 22:27
      Highlight Nein. Das macht eben den Unterschied zwischen Rechtsstaat und Diktatur aus.
      9 2 Melden
  • loplop717 22.11.2017 18:07
    Highlight Wenn man nicht auf der seite der USA-Worldpolice kämpft ist man automatisch böse und wird verurteilt (sehr oft auch zu recht) abwr wenn man auf der Seite der USA steht kann man sich so ziemlich alles erlauben und wird nie verurteilt.
    17 69 Melden
    • Enzasa 22.11.2017 18:48
      Highlight Stimmt für Ex Jugoslawien nicht
      25 11 Melden
    • Saraina 22.11.2017 19:03
      Highlight Das hat schon was. Bush, Rumsfeld und Blair standen noch vor keinem Gericht. Assad allerdings auch nicht.
      28 4 Melden
    • Juliet Bravo 22.11.2017 19:24
      Highlight Was?
      11 6 Melden
    • Fabio74 22.11.2017 19:56
      Highlight dein tumber US-Hass legitmiert das Abschlachten von Zivilisten in Bosnien?
      19 5 Melden
    • Schlumpfinchen 22.11.2017 19:58
      Highlight Die USA erkennen den Gerichtshof nicht an. Dies macht es leider schwierig sie zu verurteilen. Es gibt noch viele Greueltaten die vor dieses Gericht gehören würden.
      Trotzdem ist hier dein whataboutism Fehl am Platz, loplop717.
      13 3 Melden
  • Enzasa 22.11.2017 15:18
    Highlight Hier die Liste der Angeklagten Personen
    aller Nationen:

    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Internationaler_Strafgerichtshof_für_das_ehemalige_Jugoslawien
    9 4 Melden
  • Wilhelm Dingo 22.11.2017 12:55
    Highlight Und, geht er nun ins Gefängnis und in welches?
    25 8 Melden
    • Max Dick 22.11.2017 13:36
      Highlight Ja er geht, und zwar in Scheveningen (Nähe Den Haag). Dort gibt es sozusagen ein Gefängnis im Gefängnis, welches für Kriegsverbrecher ist.
      68 2 Melden
    • AJACIED 22.11.2017 19:14
      Highlight In diesem Gefängnis sind dann alle die besten Kollegen wenn sie sich treffen für Feiertagen ect.
      8 1 Melden
    • AJACIED 22.11.2017 19:53
      Highlight Wäre Geschichte
      1 1 Melden
  • HansDampf_CH 22.11.2017 12:44
    Highlight Burn in hell - asshole
    201 28 Melden
  • cheko 22.11.2017 12:29
    Highlight Unglaublich wie uneinsichtig man nach so vielen Jahren noch sein kann..
    120 19 Melden

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