Asylgesetz

Studie belegt: Kürzere Asylverfahren senken Arbeitslosigkeit bei Flüchtlingen

03.08.16, 21:08 05.08.16, 16:25

Eine lange Wartezeit im Asylverfahren verschlechtert den Berufseinstieg von anerkannten Flüchtlingen in der Schweiz. Dies zeigt eine neue Studie. Damit werden erstmals die Argumente für die jüngste Reform der Asylverfahren wissenschaftlich untermauert.

Ein Aufenthalt im Asylzentrum ist geprägt von langen Wartezeiten. 
Bild: KEYSTONE

Am 5. Juni sagte die Stimmbevölkerung klar Ja zur Asylgesetzrevision. In Zukunft sollen die meisten Asylverfahren in Bundeszentren durchgeführt und innerhalb von maximal 140 Tagen abgeschlossen werden. Im vergangenen Jahr dauerte es durchschnittlich 280 Tage, bis ein rechtskräftiger Entscheid vorlag.

Dass sich kürzere Asylverfahren in mehrfacher Hinsicht als positiv erweisen, belegt nun auch eine Studie von Politologe Dominik Hangartner der Universität Zürich und Kollegen der Stanford University, die im Journal «Science Advances» publiziert wurde.

Flüchtlinge werden entmutigt

Die Forscher haben dabei die Daten von rund 17'000 vorläufig aufgenommenen Flüchtlingen im Migrationsinformationssystem des Staatssekretariats für Migration (SEM) zwischen 1994 und 2004 untersucht. Darin ist neben der Dauer des Verfahrens auch die Erwerbstätigkeit festgehalten, während fünf Jahren nach der Einreise.

Die Wahrscheinlichkeit, eine Stelle zu finden, sinke um einen Fünftel, wenn der Flüchtling ein Jahr länger auf den Entscheid warten müsse, schreibt der Schweizerische Nationalfonds (SNF) in einer Mitteilung vom Mittwoch.

Politologe Dominik Hangartner von der Universität Zürich. bild: hangartner.net

Der negative Effekt der langen Warterei könne nicht durch andere Faktoren wie Nationalität, Geschlecht und Alter erklärt werden, wird Hangartner in der Mitteilung zitiert.

Die Studienautoren gehen davon aus, dass die Flüchtlinge durch die Wartezeit zunehmend entmutigt würden. Allerdings beträgt in ihrer Stichprobe die Wartezeit bis zum Entscheid im Schnitt 665 Tage und damit mehr als doppelt so lange wie im vergangenen Jahr.

Millioneneinsparungen

Eine kürzere Verfahrensdauer wirkt sich laut Studie auch positiv auf die Kosten aus. So könnten durch eine um zehn Prozent reduzierte Wartezeit in der Schweiz jährlich über fünf Millionen Franken eingespart werden – dank tieferer Sozialausgaben und höherer Steuereinnahmen. (gin/sda)

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8Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • jueporto 04.08.2016 00:48
    Highlight Wenn ich das richtig verstehe, bei einer kürzeren Dauer
    der Antragsbearbeitung, wären die Jobaussichten für die Asylanten wesentlich besser und die Volkswirtschaft würde noch mehr profitieren. D.h. folglich, die Anträge innert Tagen, oder max. In einer Woche abschliessend
    beurteilen/bearbeiten ?
    4 1 Melden
    • seventhinkingsteps 04.08.2016 09:34
      Highlight In einer Woche kann kein faires Verfahren garantiert werden
      1 4 Melden
  • demokrit 03.08.2016 21:32
    Highlight Interessant wäre zu erfahren, welche Nationalitäten besonders schlecht abschneiden.
    19 16 Melden
    • Froggr 04.08.2016 00:43
      Highlight Alle die geblitzt haben: Wahrscheinlich wollt ihr es einfach nicht erfahren, da ihr es entweder schon wisst, oder weil ihr ein Brett vor den Augen habt.
      10 7 Melden
    • twentynine 04.08.2016 06:34
      Highlight Und weshalb sollte die Nationalität von Belang sein? Da sind doch Faktoren wie Bildungsstand und Sprachkenntnisse viel aussagekräftiger. Ein Flüchtling mit Universitätsabschluss, der bereits eine Landessprache spricht hat es sicherlich einfacher als ein Analphabet der erst noch Deutsch, Französisch oder Italienisch lernen muss. Und dies unabhängig von der Herkunft…
      8 3 Melden
    • seventhinkingsteps 04.08.2016 06:38
      Highlight Es steht im Text, dass die Unterschiede nicht durch Nationalität erklärt werden kann.
      6 4 Melden
    • Fabio74 04.08.2016 07:56
      Highlight Weils im Text steht zum Thema Nationalität.
      4 1 Melden
    • demokrit 04.08.2016 11:11
      Highlight "Der negative Effekt der langen Warterei könne nicht durch andere Faktoren wie Nationalität, Geschlecht und Alter erklärt werden, wird Hangartner in der Mitteilung zitiert." - Das ist erstens so unerläutert bloss eine Behauptung und gälte zweitens sowieso nur für die vom Autor konkret behandelte Frage. Es gibt sehr wohl statistische Unterschiede zwischen Nationen, die auf kulturelle Unzulänglichkeiten hinweisen. Kritisches Textverständnis.
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