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Kerri Strug hält sich den «Knöchel der Nation».
Kerri Strug hält sich den «Knöchel der Nation».
Bild: Getty Images North America
Unvergessen

«Kerri, wir brauchen dich noch ein einziges Mal» – Atlanta wird 1996 zu Hollywood

23. Juli 1996: Es ist ein Märchen, das sich kein Filmproduzent schöner ausdenken könnte. Die USA gewinnen an den Olympischen Spielen im eigenen Land erstmals Team-Gold – dank Kerri Strug, die alles gibt und nach ihrem letzten Sprung auf der Matte zusammenbricht.
23.07.2021, 00:0119.07.2021, 15:16

Mehr Heldengeschichte «Made in the USA» geht gar nicht. Man nehme:

  • Olympische Spiele
  • Im eigenen Land (in Atlanta)
  • Einen Team-Wettkampf
  • Russland als grossen Widersacher
  • Eine 1,45 m kleine und 39 kg leichte Teenagerin in der Hauptrolle
  • Eine dramatische Verletzung
  • Und trotzdem gibt's Gold!
1,45 m trifft 1,89 m: Kerry Strug schüttelt die Hand von US-Präsident Bill Clinton.
1,45 m trifft 1,89 m: Kerry Strug schüttelt die Hand von US-Präsident Bill Clinton.
Bild: AP

Wir wissen nicht, was Bela Karolyi durch den Kopf schoss, als er eines Tages in einem Supermarkt die Schachteln mit Frühstücksflocken betrachtete. Aber da lächelte tatsächlich seine Turnerin Kerri Strug von einer Packung «Wheaties». Dabei hatte doch Karolyi vor den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta prophezeit: «Kerris Gesicht wird man niemals auf einer Cornflakes-Schachtel sehen.»

Doch genau in dieses Gesicht blickt Karolyi nun im Supermarkt. Denn Strug wird in den USA zum grossen Star der Spiele. Sie wird in jede Talkshow eingeladen, erhält eine Gastrolle in der Hit-Serie «Beverly Hills, 90210», mögliche Sponsoren stehen Schlange. Im Nu ist aus der 18-Jährigen mit der Mickey-Maus-Stimme aus Tucson (Arizona) eine Millionärin geworden.

Die zwei Sprünge, die Strug zur Legende machten.

Ein Zweikampf bis zum bitteren Ende

Mannschafts-Wettkampf der Frauen, das letzte Gerät steht an. Die Russinnen müssen noch am Boden turnen, die führenden Amerikanerinnen den Sprung absolvieren. Die Osteuropäerinnen wissen, dass Gold noch möglich ist – falls ihre Gegnerinnen patzen.

Die machen ihnen den Gefallen. Denn die ersten vier Amerikanerinnen können nicht wirklich überzeugen. Der Vorsprung der USA schmilzt. Und Dominique Moceanu fällt gar zweimal auf den Hintern, was zu einer tiefen Note führt. Nun hängt alles an Kerri Strug, die als letzte US-Turnerin ans Gerät muss.

«Kerri, du kannst es!», ruft der Coach. Sie kann es. Eine Kurz-Doku von 1996 (englisch, 13 Min.).

Strug hat zwei Versuche. Und auch sie verhaut ihren ersten. Bei der Landung stürzt sie. Noch viel schlimmer als das: Sie verknackst sich den linken Knöchel. Sollte es das gewesen sein mit dem schönen Traum vom US-Team-Gold?

«Kerri, wir brauchen dich noch ein einziges Mal»

Rosalija Galijewa, welche die letzte russische Übung absolvieren wird, hat noch nicht geturnt. Strug muss also zwingend ihren zweiten Sprung absolvieren und dabei eine gute Wertung erreichen. «Kerri, wir brauchen dich noch ein einziges Mal für die Goldmedaille», sagt Trainer Karolyi und macht ihr Mut: «Du kannst das!»

Also holt Kerri Strug ein zweites Mal Anlauf. Sie springt sauber und landet auf beiden Füssen. Rasch hüpft sie nur noch auf dem gesunden Fuss, grüsst die Kampfrichter und bricht dann auf der Matte zusammen. 40'000 Fans im Georgia Dome halten den Atem an.

Das gespannte Warten auf die Wertung und dann die Erlösung: 9,712 Punkte für Strug, für die USA – für die Goldmedaille. Bela Karolyi trägt seine kleine Turnerin aufs Podest. Das Bild geht um die Welt – und mit ihm der Spitzname des US-Teams, das den historischen Triumph geschafft hat: «The Magnificent Seven» («Die glorreichen Sieben»).

Coach Karolyi und sein verletzter Star: Tränen vor Freude, Tränen vor Schmerz.
Coach Karolyi und sein verletzter Star: Tränen vor Freude, Tränen vor Schmerz.
Bild: AP
1,45 m trifft 1,93 m: Ringer Matt Ghafari, der Silber gewann, trägt Kerri Strug auf Händen.
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Bild: Getty Images North America
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