Emma Amour
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bild: unsplash

Emma Amour

«Wie viele Chancen soll ich ihr noch geben?»



Liebe Emma, 

Letzten November habe ich eine tolle, alleinerziehende Frau kennengelernt. Sie hat 2 Kleinkinder, ich eines, das bei meiner Ex-Frau lebt.

Nach vier Jahren hatte ich endlich wieder das Gefühl, angekommen zu sein. Die Kinder und ich kommen super aus, schon nach kurzer Zeit sagten sie mir – immer wieder aus «Versehen» – Papi.

Es stimmte alles, bis ich letzten Dezember merkte, dass meine Freundin etwas beschäftigt. Sie jedoch sagte stets: Alles in Ordnung.

Nach einer kleinen Auseinandersetzung im Januar bin ich zu mir gefahren. Fuhr dann aber um 2 Uhr noch einmal zu ihr, weil ich spürte, dass sich aus dem kleinen Streit eine «Staatsaffäre» anbahnte. Ich erwischte sie in flagranti mit einem anderen im Bett.

Ich stand tagelang unter Schock. Konnte nichts essen, nicht schlafen, nicht arbeiten, nichts. Nicht einmal weinen. Aber ich konnte und wollte mein Herz nicht mit Hass füllen, worauf ich ihr eine zweite Chance gab. Und ich bin eigentlich der Typ, der Brücken hinter sich niederreisst, ja, sogar in die Luft sprengt. Bei ihr war das anders.

Sie konnte sich nicht erklären, wieso sie das tat. Sie erzählte mir, dass sie letzten Sommer ein halbes Jahr lang verarscht wurde, von einem verheirateten Typen. Der sich am Ende für seine Familie entschied. Seither sei es schwierig für sie, Männern zu vertrauen.

Sie wusste nun, wie wichtig es war, dass ich wieder Vertrauen fasste. Ich bewog sie sogar dazu, zu einer Psychologin zu gehen.

In den letzten Wochen distanzierte sich meine Freundin nun wieder von mir. Die Chats wurden weniger, die Berührungen, der Sex, der über Wochen nicht mehr stattfand. Wieder fragte ich und wieder hiess es: Alles in Ordnung.

Ich kontaktierte ihre beste Freundin. Wie sich herausstellte, hat sich der verheiratete Typ vom letzten Sommer wieder gemeldet. Sie bestritt dies eine ganze Stunde lang am Telefon. Erst als ihr kein anderer Ausweg mehr blieb, hat sie es dann zugegeben.

Später stand sie vor meiner Haustüre. Wir weinten, diskutierten und ich gab klar meine Erwartungen durch, wenn unsere Beziehung überhaupt noch eine Chance haben soll: Wenn ich dies nicht spüre, ist Schluss.

Dies ist nun eine Woche her und sie gibt sich wirklich Mühe. Bezieht mich mit ein, zeigt ihre Nähe, ja sogar Sex haben wir wieder. Aber ich habe Angst vor der Zukunft. Weil das Schlimmste ist, jemanden loslassen zu müssen, den man liebt. Das aber werde ich tun. Das ist ihre letzte Chance. Die erste war aus Liebe, die zweite aus Hoffnung ... und eine dritte aus Dummheit werde ich ihr nicht geben. Wie soll ich damit umgehen?

Liebe Grüsse,
Georg

Hoi Georg,

heilandsack, da hast du dir in der Tat keine einfache Kandidatin angelacht. So wie es scheint, hat deine Freundin schon einiges an fiesen Enttäuschungen erlebt. Nun, das haben wir alle. Die einen aber können Liebesdramen etwas besser wegstecken, andere schleppen ein sehr schweres Rücksäckli mit sich rum.

Toll finde ich, dass sich deine Freundin auf eine Therapie eingelassen hat. Und zwar ganz unabhängig davon, ob das mit euch ein Happy End nimmt oder nicht.

Du scheinst sehr verliebt zu sein. Und trotzdem macht dich all die Liebe nicht ganz ganz ganz blind. Dir ist sehr wohl bewusst, dass du es mit einer Frau zu tun hast, die dazu neigt, destruktiv zu handeln, sich selber und vor allem auch dich zu verletzen.

Meine Erfahrung zeigt, dass die meisten Geschichten, die kompliziert beginnen, kompliziert bleiben, um dann irgendwann schmerzvoll zu enden. Natürlich gilt auch hier: Keine Regel ohne Ausnahme.

Du hast ihr nun eine zweite und letzte Chance gegeben. Dies erfordert aber auch Arbeit deinerseits: Es ist schwierig für eine Beziehung, wenn du ständig auf Nadeln hockst und auf das nächste Drama wartest. Mir kommt es so vor, als wäre das bei dir der Fall. Unter den gegebenen Umständen kann man es dir nicht verübeln, ich kann dir aber nur ans Herz legen, tief in dich reinzuhorchen und dir zu überlegen, ob du wirklich noch an die Möglichkeit glaubst, dass bei euch alles gut wird oder ob du innerlich sowieso schon aufgegeben hast und jetzt einfach dein Herz noch hinterher hinkt.

Sollte Zweiteres der Fall sein, würde ich die Geschichte, wohlwissend, wie schmerzhaft dass das ist, beenden, trauern, die Welt hassen, die Liebe verfluchen, im Selbstmitleid baden und dann irgendwann mal wieder aufstehen und Platz für Neues schaffen.

Ich weiss nicht, ob es deine jetzige Freundin ist, die dir am Ende ein Zuhause bietet oder eine andere. Ich weiss aber, dass ich dir von Herzen wünsche, dass du dich da dann leicht, glücklich und wohl fühlen wirst. So sollte Liebe nämlich sein. Manchmal anstrengend, manchmal ätzend, mehrheitlich aber bunt, toll, harmonisch und einander wohlgesinnt.

Fühl dich umarmt,

deine Emma

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Und was würdest du Georg antworten?

Fast so verwirrend, wie die Liebe: Wenn unten oben ist und umgekehrt

Auch kompliziert: Jassen. Zumindest für Emily (jetzt kann sie es aber! Sehr gut sogar.)

Video: watson/Emily Engkent

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Dann schick sie per Mail an Emma: emma.amour@watson.ch

Emma Amour ist ...

... Stadtmensch, Single, Anfang 30 – und watsons neue Bloggerin, die nicht nur unverfroren aus ihrem Liebesleben berichtet, sondern sich auch jeden Donnerstag deinen Fragen annimmt. Und keine Sorge, so wie auch Emma, wirst auch du mit deiner Frage anonym bleiben. Madame Amour ist es nämlich sehr wichtig, auch weiterhin undercover in Trainerhosen schnell zum Inder über die Strasse hoppeln zu können.

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Das bin nicht ich, aber so würde ich als Shutterstock-Illustration aussehen. Öppe. bild: shutterstock/unsplash/watson

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