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Flüchtlinge: Offenbar mindestens 700 Flüchtlinge auf gekentertem Boot vor Kreta

03.06.16, 14:12

Nach einem schweren Bootsunglück im Mittelmeer werden vor der griechischen Insel Kreta hunderte Flüchtlinge vermisst. Vor der libyschen Küste wurden über 100 Leichen wurden angespült.

Das Boot, welches am Freitag vor der Südküste Kreta kenterte, hatte laut Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) mindestens 700 Menschen an Bord. Wie die griechische Küstenwache mitteile, wurden bisher vier Leichen geborgen. 340 Menschen konnten bisher gerettet werden.

Das Unglück ereignete sich 75 Seemeilen südlich von Kreta. Das 25 Meter lange Boot sei gekentert und zur Hälfte untergegangen, sagte eine Sprecherin der Küstenwache. Ein vorbeifahrendes Schiff habe die griechischen Behörden alarmiert.

An der libyschen Küste wurden derweil mehr als hundert tote Flüchtlinge gefunden. Wie die Marine des nordafrikanischen Landes mitteilte, wurden bis Donnerstagabend 104 Leichen an den Stränden von Suara rund 160 Kilometer westlich der Hauptstadt Tripolis angespült. Es war zunächst nicht klar, ob es die Toten Opfer der jüngsten Flüchtlingstragödien im Mittelmeer sind.

Viele Kinder unter den Toten

Unter den Toten, die auf einem Küstenstreifen von etwa 25 Kilometer Länge nahe der Stadt Suwara angetrieben worden seien, seien auch Kinder, berichtete die Webseite «Migrant Report» unter Berufung auf den libyschen Halbmond am Freitag. Die Marine geht nach Angaben eines Sprechers davon aus, dass noch mehr Leichen gefunden werden.

Wie die italienische Küstenwache mitteilte, hatte am Donnerstagnachmittag bereits ein italienisches Handelsschiff Alarm geschlagen. Es meldete demnach, dass im Grenzgebiet zwischen den ägyptischen und griechischen Hoheitsgewässern ein Flüchtlingsboot in Seenot geraten sei.

Vier Schiffe, die sich in der Nähe befanden, seien zu dem Flüchtlingsboot gefahren. Am Freitagmorgen habe eines der Schiffe dann gemeldet, dass das Boot gekentert sei.

Die griechischen Behörden starteten einen grossen Rettungseinsatz. Die Küstenwache schickte zwei Patrouillenboote, ein Flugzeug und einen Helikopter los. Fünf Schiffe, die in der Region unterwegs waren, beteiligten sich ebenfalls an dem Einsatz. Sie warfen Rettungsbojen aus, an denen sich die Flüchtlinge festhalten konnten.

Zur Nationalität der Flüchtlinge konnte die Küstenwache zunächst keine Angaben machen. Sie äusserte sich auch nicht dazu, wo das Boot in See gestochen sein könnte. Wie die IOM in Genf mitteilte, kam das Boot vermutlich aus Afrika.

Viele Boote wegen des guten Wetters

Wegen des guten Wetters und der ruhigen See wagen derzeit besonders viele Menschen die Überfahrt über das Mittelmeer nach Europa. Bei der gefährlichen Überfahrt zu den griechischen Inseln in der Ägäis kamen im vergangenen Jahr hunderte Menschen ums Leben.

In diesem Jahr ertranken dort bereits 366 Menschen, darunter viele Kinder. Zuletzt waren Anfang April vor der Küste der Ägäis-Insel Samos fünf Flüchtlinge ertrunken, vier Frauen und ein Kind.

Wegen der Schliessung der Balkanroute und des Inkrafttretens des EU-Flüchtlingsabkommens mit der Türkei hatten zuletzt weniger Flüchtlinge versucht, über die Türkei und Griechenland in die EU zu gelangen. Stattdessen waren wieder mehr Flüchtlinge über Libyen nach Italien gekommen. Kreta liegt zwischen der afrikanischen Küste und dem griechischen Festland.

Ende Mai hatte die griechische Küstenwache vor der Küste Kretas ein Flüchtlingsboot abgefangen, auf dem zwei mutmassliche Schlepper 65 Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und Pakistan transportierten.

Nach Angaben der Passagiere war das Boot in der Türkei losgefahren. Die Küstenwache äusserte sich nicht dazu, ob es auf dem Weg nach Italien oder Griechenland war. Möglicherweise hatte es die Route über Kreta gewählt, um den Nato-Patrouillen in der Nord-Ägäis auszuweichen. (sda/afp/dpa)

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