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Gladbach – angeführt von Yann Sommer – darf endlich wieder jubeln.<br data-editable="remove">
Gladbach – angeführt von Yann Sommer – darf endlich wieder jubeln.
Bild: Bongarts

Gladbachs wundersame Wandlung in Spiel 1 nach Lucien Favre – und was der neue Captain Granit Xhaka damit zu tun hat

Ausgerechnet im ersten Spiel nach dem Abgang von Trainer Lucien Favre fährt Borussia Mönchengladbach den ersten Saisonsieg in der Bundesliga ein. Grossen Anteil daran hat nicht nur Interimstrainer André Schubert, sondern auch der neue «Fohlen»-Captain Granit Xhaka.
24.09.2015, 11:2924.09.2015, 13:47
David Nienhaus, mönchengladbach

Als letzter biegt Granit Xhaka um die Ecke und findet den Weg in die Katakomben in Richtung Kabine. Der Borussia-Park ist leergefegt, das Flutlicht lässt den Rasen erstrahlen, als wolle er sagen: Seht her, es geht doch. Auch Xhaka, der Kapitän, strahlt nach dem ersten Saisonsieg im sechsten Spiel. Trotz Interviewmarathons und frühzeitiger Auswechslung. Nur eine von vielen richtigen Entscheidungen, die Borussia Mönchengladbachs neuer Trainer André Schubert an diesem Abend getroffen hatte.

Gladbachs Neuer: André Schubert hat die Borussia vorerst wieder auf Kurs gebracht.<br data-editable="remove">
Gladbachs Neuer: André Schubert hat die Borussia vorerst wieder auf Kurs gebracht.
Bild: INA FASSBENDER/REUTERS

Das 4:2 gegen den FC Augsburg war Spiel 1 nach Lucien Favre. Der eigenwillige Romand hatte am Sonntag gekündigt, weil er keine Lösungen mehr für die Krise des Champions-League-Teilnehmers wusste, unzufrieden mit der Gesamtsituation war. Fünf Niederlagen in fünf Spielen, dazu noch die deutliche Pleite in der Königsklasse beim FC Sevilla – zu viel für Favre, der den Klub mit seinem Rücktritt vor vollendete Tatsachen und eine schwierige Situation stellte.

Binnen zwei Tagen und nur zwei Trainingseinheiten musste André Schubert, den Manager Max Eberl als Zwischenlösung zum Cheftrainer ernannt hatte, der Mannschaft neues Leben einhauchen. Mit Erfolg.

«Das hätte uns niemand zugetraut»

Gladbach begann mit Wucht und spielte sich in einen Rausch. Fabian Johnson brachte sein Team schon nach fünf Minuten in Führung – die erste in dieser Spielzeit – und binnen 20 Minuten stand es 4:0 für die Hausherren gegen schwache und völlig überforderte Augsburger.

Treffer von Lars Stindl, Mo Dahoud und «Capitano» Xhaka folgten – einer schöner als der andere. Ausgerechnet Raffael, Favres Lieblingsschüler, kickte sich mit dreieinhalb Vorlagen aus einer persönlichen Leistungskrise. «So eine Führung gibt Selbstvertrauen und Ruhe im Spiel», erklärte Granit Xhaka den Auftritt der Mannschaft. «Das hätte uns vor der Begegnung wohl niemand zugetraut.»

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Granit Xhaka ist für das 2:0 zuständig. 
gif: ard
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Der herrliche Treffer von Lars Stindl zum 3:0 nach Doppelpass mit Raffael.
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Lag es nur an der schnellen Führung, die dem Team unter Favre in den vergangenen Wochen verwehrt bleib, oder wie hatte der neue Coach die Krise aus den Köpfen der Spieler bekommen?

Schubert hatte den Spielern mit auf den Weg gegeben, dass sie die so bitteren Resultate vergessen sollten. Unter dem beförderten U23-Trainer der Borussia «ging es für alle wieder bei null los und er hat uns richtig heiss gemacht», so Xhaka, der vor allem mit der mentalen Leistung zufrieden war.

Dabei änderte der neue Mann an der Seitenlinie eigentlich nicht so viel. Zwar setzte er im Vergleich zur Derbypleite beim Erzrivalen 1. FC Köln (0:1) fünf neue Spieler ein, taktisch aber bleib es im favre’schen 4-4-2-System mit offensiven Aussenspielern und schnellem Kombinationsspiel.

Schubert hatte sich einen Vier-Punkte-Plan für den Erfolg zurecht gelegt: «Erstens: Zweikämpfe immer aktiv führen, nie passiv. Zweitens: Das Eins gegen Eins suchen, mit Mut spielen. Drittens: Gutes Umschalt-Verhalten in beide Richtungen. Und der vierte Punkt ist Selbstvertrauen, was wir nur kriegen, wenn wir Punkt eins bis drei erfolgreich durchziehen.»

Komplett veränderte Körpersprache

Die Borussia überraschte den FCA mit diesem Engagement und einer komplett veränderten Körpersprache. Auch wenn Gladbach zwischenzeitlich etwas vogelwild und ungestüm wirkte, Fehlpässe und Unkonzentriertheit wurden meistens postwendend wieder ausgebügelt.

«Die Jungs haben sich auf das konzentriert, was wir vor der Partie besprochen haben, und einen überragenden Auftritt hingelegt», lobte Schubert und auch Sportdirektor Eberl war sichtlich erleichtert: «André hat es mit seiner Ansprache geschafft, die Köpfe der Jungs frei zu machen.» Es sei unglaublich gewesen, was in der ersten Hälfte los war, so Eberl.

Granit Xhaka sah den Wandel der Mannschaft etwas sachlicher. «Wir haben ja in den vergangenen vier Wochen das Fussballspielen nicht verlernt. Wir haben immer noch das Favre-Spiel im Kopf, trotz André», der zwei, drei Dinge verändert habe.

Granit Xhaka mit Captain-Binde am Oberarm und einem Liebesbekenntnis nach seinem Tor.<br data-editable="remove">
Granit Xhaka mit Captain-Binde am Oberarm und einem Liebesbekenntnis nach seinem Tor.
Bild: Bongarts

Unter anderem hatte er eben den erst 22-Jährigen Schweizer zum Captain ernannt. «Auch zwei, drei andere Spieler hätten Tony Jantschke in der Situation vertreten können», sagte Schubert nach dem Sieg. Aber die Entscheidung für Xhaka fiel bewusst, «weil er ein wichtiger Spieler für uns ist, der Qualitäten hat, der aber auch lernen muss, Verantwortung zu übernehmen.»

Xhaka könne mit seiner emotionalen Art Mitspieler mitreissen, aber er müsse auch diszipliniert spielen und sich hier und da unter Kontrolle haben. «Wir haben ihm gesagt, dass wir ihm vertrauen und dass er eine wichtige Rolle im Team hat». Die spielte Xhaka «sehr gut», auch wenn er in der Schlussphase der Partie einen Penalty verursachte und stark gelbrot-gefährdet ausgewechselt werden musste.

«Das war wohl besser so», lachte der Mittelfeldboss des VfL. «Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen, den Verein im Borussia-Park als Captain auf das Feld führen zu dürfen. Das werde ich so schnell nicht vergessen», freute sich Xhaka über die Anerkennung nach dem 4:2-Sieg, der wie ein Vulkanausbruch all das Krisengeröll am Niederrhein wegschleuderte. «Gute Mannschaften, die am Boden liegen, stehen auch wieder auf», sagte Xhaka abschliessend. Selbstbewusst wie eh und je.

Favre liebevoll verabschiedet

Und Lucien Favre? Der wurde von über 40'000 Fans im Stadion mit tosendem Applaus verabschiedet, als auf den grossen Videoleinwänden «Merci, Lucien!» flimmerte. Der Coach habe sich telefonisch von all seinen Spielern verabschiedet, «sich bedankt», verriet Xhaka. Es sei immer schade, wenn ein Trainer oder ein Spieler geht, der für so einen Erfolg steht und mit dem der Klub eine enorm schöne Zeit hatte. «Das ist schwer zu akzeptieren», ist aber nun Vergangenheit.

Danke für alles – die Gladbach-Fans feiern zum letzten Mal Lucien Favre.<br data-editable="remove">
Danke für alles – die Gladbach-Fans feiern zum letzten Mal Lucien Favre.
Bild: INA FASSBENDER/REUTERS

Die Gegenwart heisst André Schubert. Für die Zukunft allerdings sucht der Klub einen neuen Fussballlehrer, der das Erbe von Favre weiterführt. Dafür werde sich Manager Eberl aber Zeit nehmen. Vielleicht sogar bis zur Winterpause. Beim Gastspiel beim VfB Stuttgart also wird der Interimstrainer wieder auf der Trainerbank platz nehmen. Und sicherlich erneut auf Captain Xhaka bauen.

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