Unvergessen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Boca Juniors' Martin Palermo celebrates after scoring against Sao Paulo FC during the Recopa Final at Morumbi Stadium in Sao Paulo, Brazil, Thursday, Sept. 14, 2006. (AP Photo/Victor R. Caivano)

Keiner hat für die Boca Juniors mehr Tore geschossen als Martin Palermo. Bild: AP

Unvergessen

04.07.1999: Martin Palermo schafft's ins Guinness-Buch der Rekorde – weil er drei Penaltys in einem Spiel verschiesst

4. Juli 1999: Fällt der Name Martin Palermo, erinnert sich der Fussballfan eigentlich nur an seine drei in einer Partie verschossenen Penaltys. Dabei hat der Stürmer eine grosse Karriere hingelegt und ist von Diego Maradona sogar heilig gesprochen worden.



Wie reagiert ein Vater, wenn sein Sohn nach Hause kommt und erzählt, dass er in einem Spiel drei Elfmeter verschossen hat? Er bricht in schallendes Gelächter aus, auch wenn dies pädagogisch alles andere als sinnvoll ist.

Es passiert dem Argentinier Martin Palermo 1999 an der Copa America: Der Stürmer bringt es tatsächlich fertig, in einem Spiel gegen Kolumbien drei Penaltys zu verballern. Wie sein Umfeld auf die Hiobsbotschaft reagiert hat, ist nicht überliefert, ganz Argentinien lacht jedoch über den dreifachen Fehlschützen.

abspielen

Drei Versuche, drei Fehlschüsse. YouTube/FootballMania

Es ist diese eine Anekdote, die Martin Palermo ein Leben lang verfolgen wird und ihm sogar einen Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde bringt. Gleichzeitig lenkt sie von der Tatsache ab, dass der Argentinier ein richtig guter Fussballer war. In seiner Profilaufbahn erzielte er weit über 250 Tore.

Bild

Palermo ärgert sich über seine verschossenen Penaltys grün und blau. Bild: AP

«El Loco», «der Verrückte»

Seine Karriere beginnt 1992 als 18-Jähriger beim argentinischen Club Estudiantes de La Plata. Nach knapp 100 Partien und über 30 Toren wechselt der Stürmer 1997 zum Ligakonkurrenten Boca Juniors. Dort trifft Palermo am Laufmeter und aus allen Lagen, dies bringt ihm den Übernahmen «El Loco», «der Verrückte» ein.

«Meine Tore waren normal, er vollbringt Wunder.» 

Maradona über Palermo.

Bereits ein Jahr nach seinem Wechsel zum argentinischen Traditionsverein holt sich Martin Palermo die Torjägerkrone und wird Südamerikas Fussballer des Jahres. Nun ist die Zeit reif für einen Wechsel nach Europa, doch der Transfer zu Lazio Rom platzt, weil sich Palermo das Kreuzband reisst.

Palermo bricht sich beim Torjubel Schien- und Wadenbein

Als kleine Entschädigung gewinnt der Argentinier 2000 mit den Boca Juniors den Weltpokal. Im Finale gegen Real Madrid gelingen Palermo zwei Tore zum 2:1-Sieg, er wird zum besten Spieler gewählt.

Als nun der Wechsel nach Europa – Palermo wird vom FC Villareal verpflichtet – endlich zustande kommt, klebt erneut Pech an seinen Schuhen. 2001 steigt er nach einem Tor im Jubel auf eine Mauer, diese kippt unter dem Druck der Fans aber um und Palermo bricht sich dabei Schien- und Wadenbein. Er verpasst so die Weltmeisterschaft 2002.

abspielen

Palermo rechts im Bild mit der Nummer 9. YouTube/newsportHD

Nach seiner Verletzung kommt Palermo nicht mehr auf Touren und wird zu Betis Sevilla und anschliessend zu Deportivo Alaves abgeschoben. 2004 beendet der Stürmer sein erfolgloses Europa-Abenteuer und geht zurück zu den Boca Juniors.

Zurück in der Heimat erlebt Martin Palermo bei seinem Stammclub eine erfolgreiche Zeit und wird mit 222 Treffern zum besten Torschützen der Vereinsgeschichte. Unvergessen dabei sein Kopfballtor aus 40 Metern im Oktober 2009. Palermo erklärt das Tor gegenüber den Medien folgendermassen: «Ich wollte Druck ausüben».

abspielen

Schon mal mit dem Kopf ein Tor aus 40 Metern geschossen? YouTube/bobturkeee

«Geh rein und entscheide die Geschichte»

Für Argentinien bestreitet «El Loco» nur 15 Länderspiele, dabei gelingen ihm neun Tore. 2009 wird er von Trainer Diego Maradona nach zehnjähriger Absenz wieder für das Nationalteam aufgeboten und das zahlt sich aus. Am 10. Oktober 2009 erzielt Palermo beim WM-Qualifikationsspiel gegen Peru in letzter Sekunde das 2:1-Siegestor und wahrt so die Chance, sich für die Weltmeisterschaft zu qualifizieren.

Maradona bejubelt den Treffer mit seinem legendären Bauchklatscher und spricht nach der Partie vom «heiligen Palermo», der Argentinien ein zweites Leben geschenkt habe. «Ich habe zu ihm in der Pause gesagt: ‹Geh rein und entscheide die Geschichte!› Der ganze Regen, der Wind, die Kälte haben uns den Ausgleich eingebracht, damit hatten wir nicht gerechnet … doch dann kam ein weiteres Wunder von ‹San Palermo›. Meine Tore waren normal, er vollbringt Wunder.»

Diego Maradonas Bauchklatscher

An der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika wechselt Maradona Palermo im letzten Gruppenspiel gegen Griechenland in der 80. Minute ein. Neun Zeigerumdrehungen später erzielt der mittlerweile 36-Jährige den 2:0-Endstand, es ist seine Abschiedsvorstellung bei der Nationalmannschaft.

Bei den Boca Juniors wird ein emotionaler Palermo ein Jahr später als lebende Legende verabschiedet. «Ich bin sehr dankbar für alles. Die gemeinsamen Jahre, alle Erfolge und die traurigen Momente. Ich konnte euch nur mit meinen Toren etwas zurückgeben.»

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob eine hervorragende Leistung, ein bewegendes Drama oder eine witzige Anekdote – alles ist dabei.

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Unvergessen

Christian Gross motiviert Hakaaaan bis in die Zehenspitzen und wir dürfen zuschauen

9. Mai 2002: Das Schweizer Fernsehen strahlt einen Dok-Film über den FC Basel aus, der auf dem Weg zum ersten Meistertitel der Neuzeit ist. In Erinnerung bleibt besonders eine Pausenansprache von Trainer Christian Gross.

Acht Meistertitel in Folge zwischen 2010 und 2017 – bis YB zu seinem Höhenflug ansetzte, war der FC Basel das Mass aller Dinge im Schweizer Klubfussball. Dabei liegen die Zeiten, als Rot-Blau selber zu den Habenichtsen gehörte, noch gar nicht weit zurück.

Erst 2002 holt der FCB den ersten Titel der Neuzeit und aus dieser Zeit stammt auch ein köstliches Video. Es zeigt die Halbzeit-Ansprache von Trainer Christian Gross im Rückspiel des UI-Cup-Finals bei Aston Villa im August 2001, die bei seinem …

Artikel lesen
Link zum Artikel