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epa08897853 Second placed Manuel Feller (L) of Austria and his teammate, third placed Marco Schwarz celebrate on the podium for the Men's Slalom race at the FIS Alpine Skiing World Cup in Alta Badia, Italy, 21 December 2020.  EPA/ANDREA SOLERO

Manuel Feller (l.) und Marco Schwarz laufen rechtzeitig für die WM zu Topform auf. Bild: keystone

«Do sind sie wieder» – Ösi-Duo Feller/Schwarz tritt aus Hirschers Schatten

Manuel Feller und Marco Schwarz stehen in diesem Winter für den Aufschwung in Österreichs Slalom-Team. Die Loslösung vom Schatten des Überfahrers Marcel Hirscher ist eingeleitet.



Es musste raus in diesem Augenblick. «Do issa wieder», schrie Manuel Feller nach seiner Fahrt im zweiten Lauf des Slaloms in Alta Badia vor sich hin. Der kurze Satz stand für vieles. Für Erleichterung, für Freude, für Genugtuung. Da hatte es einer eben geschafft, viel Druck von seinen Schultern zu nehmen, Ballast abzuwerfen, auf Kritik zu reagieren.

Die Fahrt war so gut, dass sie zu Platz 2 hinter Ramon Zenhäusern reichte. Da liess Feller erst recht tief in seine Gefühlswelt blicken. Der Tiroler rang um seine Fassung. Tränen flossen. Er sprach vom emotionalsten Moment seiner Karriere. Es war die verständliche Reaktion eines Fahrers, bei dem sich zuletzt vieles angestaut hatte und noch mehr nicht nach Plan gelaufen war.

Der Rücken als Schwachstelle

Fellers Agenda wird in zu hohem Mass von der Gesundheit mitbestimmt. Der Rücken ist seine Schwachstelle. Zu Beginn der letzten Saison waren die Probleme wieder besonders akut. Die Ärzte diagnostizierten einen Bandscheibenvorfall. Das gleiche Übel wie fünf Jahre zuvor – mit dem Unterschied, dass Feller um eine Operation herumkam.

Die rund einen Monat dauernde Pause war aber nicht lang genug. Die Beschwerden begleiteten Feller durch den Rest der Saison. Die sportliche Bilanz war ohne Klassierung in den ersten zehn entsprechend ernüchternd. In der Weltcup-Startliste im Slalom wurde Feller noch als Nummer 26 geführt. Der Absturz aus den so wichtigen ersten 30 Positionen drohte.

Die körperlichen Probleme beeinflussten auch die Vorbereitung auf diesen Winter. Feller und sein Umfeld reagierten auf das anhaltend Unerfreuliche mit einem angepassten Aufbauprogramm. Er gestand sich für die Regeneration mehr Zeit zu, verschob seinen Saisoneinstieg und verzichtete auf den Start im Riesenslalom in Sölden und im Parallelrennen in Lech-Zürs. Feller ging den Weg der kleinen Schritte, die Intensität in den Trainings fuhr er behutsam hoch.

Die Geduld zahlte sich aus. Dem Coup in Alta Badia folgten die Plätze 4 und 2 in Madonna di Campiglio und Zagreb – mit der erstmaligen Führung in der Disziplinenwertung als erfreulicher Konsequenz.

Nach dem ersten kleinen Rückschlag, dem Ausscheiden im ersten Lauf in Adelboden, musste Feller die Führung an Teamkollege Marco Schwarz abtreten. Der Kärntner war mit seinem Sieg im Berner Oberland endlich dort angelangt, wo sie ihn im ÖSV schon länger erwartet hatten, zumindest vor der schweren Verletzung im linken Knie, die Schwarz vor knapp zwei Jahren in Bansko erlitten hatte. In Bulgarien hatte er sich im Kombinations-Super-G bei einem Sprung kurz vor dem Ziel ohne zu stürzen einen Kreuzband- und Innenmeniskusriss zugezogen.

Schwarz fand im Verlauf der letzten Saison zwar schnell wieder den Anschluss an die Spitze. Die Ergebnisse genügten allerdings bei Weitem nicht, um sich aus dem grossen Schatten der Lichtgestalt Marcel Hirscher zu lösen. Obwohl sich der Salzburger nach seinem im vorletzten September verkündeten Rücktritt in der Öffentlichkeit rar machte, schien er allgegenwärtig zu sein.

Ungesundes Mass an Abhängigkeit

Die Vergleiche blieben, die kritischen Fragen ebenso. Die Situation für die Techniker im österreichischen Team war alles andere als einfach. Der nahtlose Übergang war Utopie, die Lücke nach Hirschers Abgang war zumindest so gross wie die Erwartungshaltung und die Ungeduld in der Öffentlichkeit. Die Realität war ein Vakuum, das so gar nicht überraschend kam, denn die Abhängigkeit der Ski-Grossnation Österreich von Hirscher in Slalom und Riesenslalom hatte ein ungesundes Mass angenommen.

Hirscher hatte die Szene nicht nur beherrscht, im eigenen Land hatte er auch vieles übertüncht und von Problemen abgelenkt. Er gewann in acht Jahren 32 Weltcup-Slaloms. In dieser Zeit gab es lediglich vier Siege anderer Österreicher, drei von Mario Matt, einen von dessen jüngerem Bruder Michael. Im Riesenslalom ist die Diskrepanz noch krasser. In der Phase nach dem ersten von Hirschers 31 Siegen gewann nur Philipp Schörghofer – einmal, vor mittlerweile knapp zehn Jahren in Hinterstoder.

Im Slalom haben Feller, Schwarz und ihre Teamkollegen die Basis für eine Zeit gelegt, in der die Gegenwart und nicht mehr die Vergangenheit im Zentrum steht. In Diskussionen zum Riesenslalom dagegen wird Hirscher vorerst Thema bleiben. Da sind die Österreicher noch nicht so weit. Da lassen Erleichterung und Genugtuung auf sich warten. (pre/sda)

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