Gesellschaft & Politik
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Beim Talk am Montagabend fielen harte Worte – aber auch viele Schmeicheleien.  bild: watson / screenshot srf

«Ein Wunderkind»: So schmeichelte Schawinski Pierre Maudet

Er steht im Zentrum einer der brisantesten Politaffäiren: Bei seinem Auftritt in Roger Schawinskis Talksendung kämpfte Pierre Maudet weiter um seinen Ruf. Schawinski konfrontierte den Genfer Staatsrat mit kritischen Fragen – warf aber auch mit Komplimenten um sich. 



«Ich habe den Ruf, ein kritischer Interviewer zu sein. Warum kommen Sie in diese Sendung?» Das war Roger Schawinskis erste Frage am Montagabend in seiner Talk-Sendung. «Ich habe einen Fehler gemacht und es ist für mich die Gelegenheit, dies auch den Deutschschweizern zu erklären», entgegnete Maudet. Ob ihm das gelungen ist, sei dahingestellt.

Hier die kritischsten, lustigsten und aufschlussreichsten Fragen und Antworten in der SRF-Sendung: 

«Sie waren ein Wunderkind. Und dann kam die Reise.»

Charmeur Schawinski. 

«Viele Schweizer waren lange überzeugt, da kommt ein neuer, grossartiger, eloquenter Politiker daher. Auch ich war begeistert.»

Charmeur Schawinski, part 2.

«Sie gelten als briliantester Kommunikator seit Calvin.»

Charmeur Schawinski, part 3.

«Ich bin anfangs davon ausgegangen, dass ich die Reise aus eigener Tasche bezahlen werde. Das habe ich dann nicht. Diesbezüglich zu lügen war mein Hauptfehler. Den Staat Genf hat die Reise aber keinen Rappen gekostet.»

Maudets Erklärung. 

«Ich habe Fehler gemacht. Ich hätte auf die Reise nach Abu Dhabi verzichten müssen.» 

Er habe sich aber dafür einsetzen wollen, die Beziehungen zwischen seinem Heimatkanton und den Emiraten zu stärken.

«Wenn man effektiv eine Gegenleistung erbringt, aus  Naivität oder krimineller Energie, ist man ein Gangster.»

Korruptions-Experte findet in SRF-Einspieler klare Worte. 

«Ich wurde in den letzten Jahren oft angegriffen. Ich glaube, dass ich mich etwas zu viel davor geschützt habe, wie ein Panzer.»

Deshalb, vermutet Maudet, habe er weniger auf Kritik gehört.

«Die FDP wurde in den vergangenen Jahren zur bodenständigen Partei. Und dann kam Pierre Maudet.»

Schawinski, weniger charmant.

«Ich fühle mich unschuldig, deshalb kämpfe ich. Ich habe immer im Interesse des Kantons gehandelt.»

Maudet. 

«Sie schrieben auch Kolumnen bei Blick. Weil Sie haben ja gute Kontakte zum Verlagshaus Ringier.»

Schawinski in Fahrt.

«Sie hatten also Grössenphantasien.»

Schawinski sehr in Fahrt.

«So ein grosses Theater zu machen war auch ein Teil des Problems.» 

Maudet über die Parteileitung der FDP. Es gelte schliesslich die Unschuldsvermutung.

«Sie sind wirklich ein hochbegabter Politiker, der Hybris hat. Schade für die Schweiz.»

Schawinski ist enttäuscht. Und Maudet zum Vorwurf: «Hybris ist genau das. Ich habe Griechisch studiert» (imfall).

Die ganze Sendung hier:

Maudet – was war da schon wieder? Hier kannst du alles nachlesen: 

Genfer wollen Maudets Rücktritt

Just zu jenem Zeitpunkt, in dem Maudet bei Schawinski sass, wurde eine repräsentative Umfrage der Medienhäuser RTS, «Le Temps» und Radio Lac publik. Sie zeigt: Die Genfer wollen zu 62 Prozent seinen Rücktritt. 

Laut der neu publizierten Umfrage bezeichnen nur 26 Prozent der Befragten einen Rücktritt als den falschen Weg. 12 Prozent sind unentschlossen. Sowohl FDP-Wähler (65 Prozent) als auch Personen, welche bei den Kantonswahlen im April 2018 für Maudet gestimmt haben (62 Prozent), würden einen Rücktritt des ehemaligen Bundesratskandidaten befürworten.

Angesprochen auf die Umfrage, räumte Maudet ein, die Resultate seien «ein Zeichen». Aber er frage sich auch, worauf sich die befragten Leute stützten, wenn sie sich ihre Meinung bildeten: «Auf die Medien, auf soziale Netzwerke?»

Die Gründe, die laut den Befragten für einen Rücktritt sprechen, sind zahlreich: Für viele soll er gehen, weil «er das Volk belogen hat». Andere sagen, dass er «nicht mit gutem Beispiel vorangegangen ist».

Dagegen argumentieren treue Maudet-Unterstützer, dass eine «unerbittliche Medienkampagne gegen seine Person» laufe. Einige unterstreichen gemäss der Umfrage seine trotz allem «hervorragende Politik» oder die geltende Unschuldsvermutung.Imageschaden angerichtetFast Einigkeit herrscht darüber, dass der Imageschaden angerichtet ist. 94 Prozent der Befragten finden, dass Genfer Politiker nun generell einen weniger guten Ruf geniessen. Fast zwei Drittel sehen auch einen Imageschaden für die FDP Schweiz.

Maudet weigert sich, als Staatsrat zurückzutreten. Ein Amtsenthebungsverfahren gibt es im Kanton Genf nicht.

Für die repräsentative Umfrage wurden zwischen dem 29. Januar und 5. Februar 1032 Genfer Bürgerinnen und Bürger über 18 Jahren befragt. (kün/sda)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Petitsuisse 13.02.2019 07:08
    Highlight Highlight Und wieder schleimt der reaktionäre Brüllaffe der Nation einem potentiellen Machtmenschen vorsorglich um den Bart. Nein Schawinsky, sie sind kein guter Journalist, und kritisch wären Sie vielleicht, wenn Sie die Leute nicht dauernd runterquasseln und/oder niederbrüllen würden. Ihren beachtlichen Kredit aus den 80ern haben sie bei mir längst verspielt. Sie hätten wirklich gross werden können, schade.
    • Joe Frangelico 13.02.2019 20:26
      Highlight Highlight Sehr gut
  • Gina01 13.02.2019 06:52
    Highlight Highlight ….hat es ja bald geschafft, und dann hat er ja die Rente...
  • Pergjo 13.02.2019 00:54
    Highlight Highlight Habe die Sendung inzwischen nachgeschaut und die Rente wird kurz erwähnt. Schawinski hat aber von einer Rente von monatlich 2'500 Franken geredet (ca. ab Minute 20 in der SRF Mediathek).
    Watson hat sich dazumals auf Recherchen von RTS info gestützt und von 7'430 Franken monatlich geredet.

    Liebe Redaktion, lieber Herr Blunschi: was stimmt jetzt? Wäre froh um eine Klärung.

    https://www.watson.ch/!742380441?utm_source=mail&utm_medium=social-user&utm_campaign=watson-app-android

    https://www.rts.ch/info/regions/geneve/10017333-pierre-maudet-recevra-437-802-francs-s-il-demissionne-ces-jours.html
  • bastardo 12.02.2019 22:32
    Highlight Highlight "Ich habe den Ruf, ein kritischer Interviewer zu sein." Oh Mann, wie ich den Typen liebe. Schawinski ist "kritisch" gegenüber Nicht-Gleichgesinnten. Ansonsten ist die alte Falte lammfromm und ein Honig-um-den-Mund-Schmierer. Zudem hat er ein bisschen was trumpesques an sich (Narzissmus lässt grüssen).
  • Pergjo 12.02.2019 20:13
    Highlight Highlight Hab die Sendung leider nicht gesehen, aber hat Herr Schawinski auch etwas kritischer nachgefragt wegen der Rente, die Herr Maudet erwarten darf, wenn er die Legislaturperiode noch übersteht?
  • Papa la Papp 12.02.2019 18:21
    Highlight Highlight Selber schuld.
    Wenn man einem Verein angehört, welcher sich derart für FRAUENRECHTE einsetzt - FDP = Frauen Dürfen Pupsen - sollte man wirklich nicht zu den Ölschaichs reisen und sich einladen lassen 🤪
  • elnino 12.02.2019 14:55
    Highlight Highlight Definitiv ein fachlich fähiger Politiker, leider nach diesen Lügen wohl nie mehr tragbar...

    Herr Maudet, beweisen sie doch noch Rückgrat und treten Sie zurück!


  • N. Y. P. 12.02.2019 13:48
    Highlight Highlight «Ich bin anfangs davon ausgegangen, dass ich die Reise aus eigener Tasche bezahlen werde.»
    Zitat Maudet

    NEIN, Herr Maudet. Sie gingen NICHT davon aus, dass sie die Reise aus eigener Tasche bezahlen werden.
    Als Politiker wissen sie haargenau, dass Einladungen von Oligarchen, Milliardären oder Menschen aus dem Dunstkreis des Öls immer all inclusiv sind.
  • Angelo C. 12.02.2019 13:46
    Highlight Highlight Maudet tat mir ein wenig leid, obwohl sein Verhalten fraglos kritikwürdig war. Dennoch ein an sich fähiger Mann, der die Politszene der Schweiz grundsätzlich bereichert hätte und nicht umsonst um ein Haar Bundesrat geworden wäre.

    Er erinnert mich von seiner eloquenten Art her, aber auch durch seine Geschichte, etwas an den charmanten ehemaligen deutschen Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, der im Prinzip auch ein Winnertyp war 😊
    • zeusli 13.02.2019 09:23
      Highlight Highlight Der die Politszene der Schweiz grundsätzlich bereichert hat😬. Ist das die Aufgabe von Politikern?
  • N. Y. P. 12.02.2019 13:32
    Highlight Highlight «Viele Schweizer waren lange überzeugt, da kommt ein neuer, grossartiger, eloquenter Politiker daher. Auch ich war begeistert.»
    Schawinski

    Da haben wir es wieder !

    Eloquent. Immer sind sie eloquent, anbiedernd, überfreundlich und ach so beliebt.

    Alle gelten, bevor sie überführt werden, als eloquent.

    Sepp Blatter, galt als eloquent
    Pierre Vincenz, galt als eloquent.
    Gianni Infantino*, gilt als eloquent.
    etc.

    *gilt offiziell noch als unschuldig.
    • Mutzli 12.02.2019 17:15
      Highlight Highlight @N.Y.P.

      Öh, also nicht das ich irgendetwas gegen Ihre Grundaussage: "Charmant = Ziemlich Egal" habe, aber.....

      ...

      ...galt der Blatter jemals als eloquent oder sympathisch? Das ist für mich eine ziemlich schockierende Vorstellnug ;-)
    • N. Y. P. 12.02.2019 17:26
      Highlight Highlight Meine Meinung ist eine unter vielen. Es hat aber noch ein paar andere, die dem auch ein wenig beipflichten.

      Ja, als beim Sepp noch nichts ruchbar war, galt er als eloquent und abgrundhoch sympathisch.

      Mutzli, du darfst duzen.
    • zeusli 13.02.2019 09:19
      Highlight Highlight Da kann jetzt aber die Eloquenz nichts dafür
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