Coronavirus
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3 Gründe, warum die kurze Entwicklungszeit Impfstoffe nicht zwingend verdächtig macht

Dass es so rasch ging mit dem Vakzin, kann man mit dem grossen Testaufwand erklären und den Fortschritten in der Molekularbiologie.

christoph bopp / ch media



FILE  - In this undated file photo issued by the University of Oxford on Monday, Nov. 23, 2020, a researcher in a laboratory at the Jenner Institute in Oxford, England, works on the coronavirus vaccine developed by AstraZeneca and Oxford University. With major COVID-19 vaccines showing high levels of protection, British officials are cautiously

Drei Impfstoffe stehen vor der baldigen Zulassung. Bild: keystone

Drei Impfstoffe (Pfizer/Biontech, Moderna und AstraZeneca/Oxford) gegen Sars-CoV-2 haben die Ziellinie zur Produktion überschritten. Zählt man den chinesischen (Sinopharm) und den russischen (Sputnik V) dazu, wären es fünf. Alle Hersteller melden, der Impfstoff rufe verlässlich eine Immunreaktion hervor, und gravierende Nebenwirkungen seien bisher nicht aufgetreten. Alle Erfolgsmeldungen waren bisher aber nur Pressemeldungen. Das heisst: Noch nicht wissenschaftlich begutachtet.

Die Zahlen, die genannt werden, sind trotzdem beachtlich. Alle Impfstoffe wurden in der Phase III an mehreren tausend Freiwilligen erprobt. Was man nicht weiss – und das gilt für alle Impfstoffe – sind drei Dinge: Wie lange hält die Schutzwirkung an? Gibt es Langzeitfolgen? Und: Gibt es – gravierende – Nebenwirkungen, die erst viel später auftauchen?

ADE bedeutet hier eben nicht «Adieu»

Bei den Langzeitfolgen befürchtet man, dass sogenannte infektionsverstärkende Antikörper (antibody dependent enhancement, ADE) auftreten könnten. Die Impfung bildet zwar Antikörper gegen das Virus, aber es sind nur solche, die an das Virus binden und es nicht ausreichend hemmen, sondern eher noch die Wirkung der neutralisierenden Antikörper schwächen. Eine Zweitinfektion würde dann – durch die Impfung, die nicht schützt, – noch stärker ausfallen.

Entdeckt wurde das Phänomen bei einem Subtyp des Dengue-Fieber-Virus. Unter anderen sollen Marburg- und Ebola-Viren ähnlich reagieren, für Coronaviren gibt es bisher keine Hinweise.

Und die Nebenwirkungen?

Von Nebenwirkungen, die erst später im Leben eines Geimpften auftreten, kann man noch nichts wissen. Befürchtet wird, die mRNA-Methode könne so etwas verursachen. Bei ihr wird ja die «Bauanleitung» – also Virus-Gen-Information – für das Protein, das als Antigen dient, gespritzt. Die Impfung bedient sich aber eines Vorgangs, welcher sich dauernd abspielt: Die Zelle solle eine Proteinsynthese anstossen. Die mRNA wird danach abgebaut.

Und wenn sie bleiben würde, könnte sie wahrscheinlich nichts anderes machen, als wozu sie gespritzt wurde: Immunität gegen Sars-CoV-2 hervorrufen.

Igitt: Gen-Material im Impfstoff! Der Einwand klingt ähnlich wie: Ich will keine Chemie in meinem Körper! Leider geschieht dort nicht viel anderes.

So ungewöhnlich schnell und darum unseriös?

Einen Impfstoff zu finden, brauche Jahre, hiess es zu Beginn der Pandemie. Jetzt, nach gut einem Jahr, sind schon fünf Impfstoffe in Erprobung. Wurde unseriös gearbeitet? Es gibt Gründe, welche die Schnelligkeit erklären. Der Aufwand für Phase III, die Erprobung an Freiwilligen, war beispiellos. Mehrere tausend Freiwillige in mehreren Ländern zu rekrutieren und zu organisieren, das können nur Pharmamultis. Und die haben es diesmal getan.

Bei der Forschung haben die frühen molekularbiologischen Erkenntnisse aus China beigetragen. Schon früh war das Virus erkannt und bald darauf sein Genom sequenziert. Ebenfalls ungewöhnlich früh wusste man, wie das Virus funktioniert.

Für traditionelle Impfstoffe, welche aus abgeschwächten oder toten Viren bestehen, mussten die Erreger zuerst in angebrüteten Hühnereiern (zum Beispiel Influenzaviren) oder anderen Kolonien gezüchtet werden, um überhaupt experimentieren zu können. (bzbasel.ch)

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