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Apple entfernte auf Geheiss der chinesischen Regierung eine Koran- und Bibel-App aus dem chinesischen App Store.
Apple entfernte auf Geheiss der chinesischen Regierung eine Koran- und Bibel-App aus dem chinesischen App Store.

Apple löscht Bibel- und Koran-Apps aus chinesischem App Store – darum geht es

18.10.2021, 17:57

Apple hat laut Medienberichten zwei populäre Religions-Apps aus dem App Store für China verbannt. Laut BBC wurde die App «Bible App by Olive Tree» und die Koran-App «Quran Majeed» entfernt. Beide Löschungen hatte zuerst das Portal Apple Censorship entdeckt, das Zensurmassnahmen im App Store publik macht. «Quran Majeed» gilt als eine der populärsten Koran-Apps weltweit.

Die von Apple gesperrten Religions-Apps wurden von den chinesischen Behörden als «illegale religiöse Texte» eingestuft. Der pakistanische Entwickler der Koran-App teilte mit, die App sei von der Cyberspace Administration of China (CAC) als illegal bewertet worden, worauf Apple sie gelöscht habe. Die App habe allein in China beinahe eine Million User gehabt.

«Apple wird zum Zensurbüro der chinesischen Regierung»

Benjamin Ismail, Projektleiter bei der Organisation «Apple Censorship», sagt: «Derzeit wird Apple zum Zensurbüro von Peking gemacht.» Ismail fordert Apple auf, «das Richtige zu tun» und sich allfälligen Reaktionen der chinesischen Regierung zu stellen.

Apple wollte sich gegenüber der britischen BBC nicht zum konkreten Fall äussern und verwies lediglich auf seine «Human Rights Policy», in der es heisst, man sei «verpflichtet, sich an lokale Gesetze zu halten».

Laut «New York Times» stuft die chinesische Regierung Apps bereits als illegal ein, wenn sie über Themen wie die Unabhängigkeit Tibets und Taiwans, den Dalai Lama oder die spirituelle Bewegung Falun Gong berichten. Gemäss NYT hat Apple Mechanismen entwickelt, um Apps zu solchen Themen in China (proaktiv) zu zensieren und so die Regierung zu beschwichtigen.

Bis Juni 2020 habe Apple 1'217 Apps auf Anfrage der chinesischen Regierung entfernt und sei damit 91 Prozent der Anfragen nachgekommen. Gemäss Apple handelte es sich dabei vorwiegend um Apps mit Glücksspiel-bezogenen oder pornografischen Inhalten.

Apple hatte die App der «New York Times» in China 2017 auf Druck der Behörden aus dem App Store entfernt. Im selben Jahr begann Apple, VPN-Apps aus seinem chinesischen App Store zu löschen, mit denen die Internet-Sperren des Landes umgangen werden konnten.

Apples China-Dilemma

Weder der Islam noch die christliche Religion sind in der Volksrepublik offiziell verboten. China wird jedoch beschuldigt, gegen die mehrheitlich muslimische Volksgruppe der Uiguren in Xinjiang Menschenrechtsverletzungen und sogar Völkermord begangen zu haben. Eine Million Uiguren und andere grösstenteils muslimische Minderheiten sollen in geheimen Inhaftierungslagern festgehalten werden. Grosse Apple-Zulieferfirmen sollen Tausende Uiguren in Zwangsarbeitsprogrammen in China eingesetzt haben.

Kritiker werfen Apple-Chef Tim Cook vor, der chinesischen Regierung in Sachen Zensur entgegenzukommen – und sie nicht öffentlich für ihre Behandlung muslimischer Minderheiten zu kritisieren. China ist für Apple einerseits als Absatzmarkt und andererseits als wichtigster Produktionsstandort von herausragender Bedeutung.

China zieht die Schraube weiter an

Erst vor wenigen Tagen machte Microsoft die chinesische Version des Karriere-Netzwerks LinkedIn nach verstärktem Druck der Behörden dicht. Peking ging zuletzt auch mit eiserner Hand gegen chinesische Tech-Giganten vor, die aus Sicht der Regierung zu mächtig wurden.

Bereits 2018 zog Peking die Überwachungsschraube mit dem neuen Cybersicherheitsgesetz weiter an. Apple muss seitdem die Daten chinesischer iCloud-Nutzer auf Servern der chinesischen Firma Guizhou Cloud Big Data in China speichern. Die chinesischen Strafverfolgungsbehörden wollen so einfacher an die Daten chinesischer Bürger gelangen. Nebst mutmasslichen Terroristen und Kriminellen sind davon auch regierungskritische Bürgerrechtler betroffen.

Andere autoritäre Staaten folgen Chinas Beispiel: Jüngst entfernten Apple und Google nach «beispiellosem» Druck aus Moskau die Wahl-App der russischen Opposition aus ihren App-Stores.

(oli)

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